Mutantenschafe, Barbaren und flüsternde Tote – Telluride Horror Show entfesselt sein Programm
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🐑 Wer braucht roten Teppich, wenn man blutige Mutantenschafe haben kann?
📰 Was ist los?
Die Telluride Horror Show hat ihr vollständiges Programm für den 16. bis 18. Oktober veröffentlicht. Dazu gehören Weltpremieren wie When You See It, der finale Cut von Recluse, die Nordamerika-Premiere von Black Sheeps sowie Dark-Fantasy- und Folk-Horror-Stoffe wie Kylgor in the Grisly Abyss, Ithaqua und Grýlu Sker.
🐛 Was denken wir?
Gerade die Mischung gefällt. Statt sich ausschließlich auf bekannte Studiotitel zu verlassen, bringt Telluride neue Filme, internationale Premieren, Puppenmonster, Folklore und völlig unterschiedliche Spielarten des Horrors zusammen. Genau dort können die Sachen auftauchen, über die einige Monate später plötzlich alle reden.
Mutierte Schafe kehren nach zwanzig Jahren zurück, ein Barbar fällt in eine unterirdische Monsterwelt, eine isländische Hexe wartet auf Schiffbrüchige und irgendwo zeichnet eine Tontechnikerin Stimmen auf, die besser verschwunden geblieben wären. Die Telluride Horror Show hat ihr vollständiges Programm für 2026 veröffentlicht – und gerade für Freunde von Horror, Dark Fantasy und handgemachten Monstern steckt darin erstaunlich viel.

Vom 16. bis 18. Oktober verwandelt sich der Bergort in Colorado erneut in ein Genrefestival mit Weltpremieren, neuen internationalen Filmen, Kurzfilmen und ungewöhnlichen Sonderprogrammen. Besonders reizvoll ist diesmal, wie weit das Spektrum reicht: von historischem Folk Horror über Geistergeschichten bis zu blutiger Puppenfantasy.
👻 Recluse hört Stimmen aus einem abgebrannten Familienhaus
Zu den wichtigsten Premieren gehört Recluse von Henry Chaisson. Telluride zeigt erstmals den finalen Cut des Films und begleitet die Vorführung mit Mitgliedern von Cast und Crew.
Im Mittelpunkt steht Joan, eine Tontechnikerin, die nach einem verheerenden Brand zum Anwesen ihres Vaters zurückkehrt. Dort entdeckt sie rätselhafte Audiofragmente, die offenbar von etwas stammen, das längst nicht mehr sprechen sollte.
Die Spur führt immer tiefer in ein verborgenes Familiengeheimnis. Und irgendwo gibt es jemanden, der sehr darauf bedacht ist, dass Joan niemals herausfindet, was diese Stimmen tatsächlich bedeuten.
🎬 Ithaqua – offizieller Teaser von Hammer
Hunger, Kälte und etwas Uraltes in der kanadischen Wildnis: Der offizielle Hammer-Teaser zeigt einen der auffälligsten Folk-Horror-Titel des Telluride-Programms.
📹 When You See It macht die Geisterjagd selbst verdächtig
When You See It feiert in Telluride seine Weltpremiere und beginnt mit einer angenehm zeitgemäßen Ausgangslage: Zwei Geisterjäger drehen die Pilotfolge einer neuen Realityshow und erleben plötzlich Dinge, die ziemlich überzeugend paranormal wirken. Das Problem liegt darin, dass beide ihrem eigenen Gastgeber nicht trauen.
Vielleicht existiert tatsächlich etwas Übernatürliches. Vielleicht inszeniert jemand lediglich möglichst spektakuläre Bilder für eine Sendung, die dringend Aufmerksamkeit braucht. Genau diese Unsicherheit dürfte für Found-Footage- und Geisterfans den Reiz ausmachen. Für Regisseur John Abbott ist es das Spielfilmdebüt.
🐑 Black Sheeps lässt die mörderische Herde wieder los
Und dann wären da natürlich die Schafe. Black Sheeps feiert seine Nordamerika-Premiere und setzt Jonathan Kings Kult-Horrorkomödie Black Sheep nach zwanzig Jahren fort. Diesmal verfolgt eine junge Wissenschaftlerin einen gefährlichen Erreger bis zurück in jene neuseeländische Gegend, in der die ursprüngliche Mutation ihren Anfang nahm.
Dass dort vermutlich nicht einfach nur friedlich Gras gefressen wird, dürfte niemanden überraschen. Gerade als Festivalfilm passt Black Sheeps hervorragend in dieses Programm. Zwischen ernsthaftem Folk Horror, kosmischem Grauen und Geistergeschichten darf schließlich auch einmal ein mutiertes Nutztier explodieren.
⚔️ Kylgor kämpft sich mit Schaumstoff und Schwertern durch die Unterwelt
Fantasykosmos-Leser kennen Kylgor in the Grisly Abyss bereits: Wir hatten Mason Newton-DeRushies wunderbar absurden Puppen-Barbaren schon zu seiner Fantastic-Fest-Premiere ausführlich im Programm. Telluride holt das komplett handgemachte Abenteuer nun ebenfalls nach Colorado.
Kylgor und seine Gefährten haben zunächst erstaunlich erfolgreich den bösen König geköpft. Bei der Flucht stürzen Helden und Verfolger gemeinsam in einen gewaltigen unterirdischen Abgrund, in dem Monster, dunkle Magie und zahlreiche Möglichkeiten für groteske Puppenverstümmelungen warten.
Das Ganze kombiniert Sword & Sorcery, Stop Motion, praktische Effekte und eine Menge Schaumstoffblut. Viel passender kann ein solcher Film kaum auf einem Horrorfestival landen.
❄️ Ithaqua bringt Hunger in die kanadische Wildnis
Deutlich ernster wird es bei Ithaqua. Der historische Survival-Horror spielt während des Niedergangs des nordamerikanischen Pelzhandels im 19. Jahrhundert.
Ein entlegener Außenposten leidet bereits unter Hunger und Isolation, als eine dunkle Macht auftaucht, deren Opfer einen unersättlichen Hunger entwickeln. Ein angeworbener Söldner soll eigentlich eine Expedition zu einer nahegelegenen indigenen Gemeinschaft begleiten, findet sich jedoch bald mitten in einem Kampf gegen etwas wieder, das mit gewöhnlichem Überleben nur noch wenig zu tun hat.
Mit Luke Hemsworth, Kevin Durand und Michael Pitt besitzt der Film zudem eine bemerkenswerte Besetzung. Der Reiz steckt vor allem in der Verbindung aus historischer Grenzerfahrung und übernatürlichem Horror: Kälte, Hunger und menschliche Verzweiflung wären allein bereits gefährlich genug. Ithaqua setzt noch etwas darüber, das diese Schwächen offenbar gezielt ausnutzt.
🧙 Grýlu Sker baut isländischen Folk Horror mit den Händen
Einer der schönsten Funde versteckt sich im Kurzfilmprogramm. Grýlu Sker von Kevin McTurk erzählt von einem Schiffbrüchigen, der vor der isländischen Küste auf einer verlassen wirkenden Insel landet.
Verlassen ist sie allerdings keineswegs. Dort lebt Grýla, jene menschenfressende Gestalt aus der isländischen Folklore, die traditionell insbesondere unartige Kinder wenig freundlich behandelt.
Bemerkenswert ist vor allem die Umsetzung. Der Film kombiniert Bunraku-Puppenspiel, Stop Motion, Rotoskopie und Miniaturen und baut seine fantastische Welt damit weitgehend praktisch. Gerade in einer Zeit, in der fast jedes Monster problemlos digital entstehen könnte, bekommt so etwas sofort eine besondere Körperlichkeit.
🩸 Telluride setzt auffällig stark auf handgemachten Horror
Überhaupt fällt beim diesjährigen Programm auf, wie häufig praktische Effekte, Puppenspiel und klassische Kreaturenarbeit auftauchen.
Kylgor besteht praktisch vollständig daraus. Grýlu Sker macht die handwerkliche Umsetzung sogar zum zentralen Bestandteil seines Stils. Und Black Sheeps kehrt genau zu jener Mischung aus Kreatureneffekten, Gore und schwarzem Humor zurück, die schon den Vorgänger ausgezeichnet hat.
Daneben stehen Filme wie Recluse oder When You See It, die ihre Bedrohung viel stärker aus Wahrnehmung, Ton und Unsicherheit entwickeln. Das ergibt ein Festivalprogramm, das Horror nicht auf eine einzige aktuelle Mode reduziert.
🎬 Weltpremieren sind wichtiger als der hundertste bekannte Trailer
Gerade deshalb ist die Telluride Horror Show für uns interessant. Solche Festivals sind häufig der Ort, an dem Filme erstmals auftauchen, die anschließend Monate später auf Streamingdiensten, anderen Festivals oder im Kino plötzlich sehr viel größer werden.
When You See It beginnt hier überhaupt erst seinen öffentlichen Weg. Recluse präsentiert erstmals seine endgültige Fassung. Black Sheeps erreicht erstmals Nordamerika.
Und irgendwo zwischen den großen Titeln kann ein 22-minütiger Puppenfilm über eine isländische Hexe plötzlich genauso spannend sein wie der nächste große Studiostart.
Dafür sollte ein gutes Genrefestival schließlich da sein.





