Tarian und die Legende der Sternenfänger

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In den Tagen des schwindenden Lichts, als die Erinnerung an die alten Zeiten zu verblassen begann, stand Eldranis noch immer – obgleich sein Glanz längst nicht mehr war wie einst.

Weiß und hoch waren seine Türme gewesen, gleich Berggipfeln im ersten Schnee, und ihr Licht hatte weit über die Ebenen des Nordens geleuchtet. Doch nun waren sie grau und leblos wie uralte Bäume, deren Saft versiegt ist. Die Magie der gefangenen Sterne schwand dahin, und mit ihr die Hoffnung der Menschen.


Auf der windumtosten Plattform des höchsten Turmes stand Tarian, Sohn des Talion, der Letzte der Sternenfänger. In seinen Händen ruhte das Netz aus Lunarsilber – ein Erbe aus alten Tagen, feiner als Spinnenseide und stärker als jede Kriegerklinge, schimmernd wie Wasser in sternenklarer Nacht.

Sieben Jahre und sieben Monate waren vergangen, seit der letzte Stern vom Himmel gefallen war. Eldranis siechte dahin wie ein uralter Greis, die Lichter in den Häusern wurden schwächer, und Kälte kroch durch die Straßen.

Tarian hob seinen Blick zum Himmel: „Elbereth Gilthoniel, Sternenzünderin, höre mein Gebet. Sende uns ein Licht in der Dunkelheit.“

Lange stand er so, und die Sterne schienen kalt und fern. Doch als die Mitternacht nahte, zerriss ein Lichtstrahl das Firmament – heller als die Sonne selbst. Die finstere Nacht wandelte sich zum gleißend hellen Tag.

Als Tarian wieder sehen konnte, erblickte er ein Wesen aus reinem Licht von betörender Schönheit. Schlank und hoch, um seine Schultern wogten Flügel aus lebendigem Licht, die goldenen Staub verstreuten. Sein Antlitz strahlte schmerzhaft hell, die Augen spiegelten die unendlichen Tiefen des Kosmos.

Doch das Wesen war verletzt. Seine Flügel schlugen unregelmäßig, aus seiner strahlenden Form rannen goldene Nebelschlieren. Eine Stimme erklang in Tarians Geist: „Hilf mir, Sohn der Menschen. Die Jäger des Schattens sind mir auf den Fersen.“

Die Stimme war wie das Rauschen eines fernen Wasserfalls, wie das Flüstern der Sterne selbst. Tarian wusste, dass er ein Wesen vor sich hatte, älter als die Berge und weiser als die Weisesten seines Volkes.


Bevor er entscheiden konnte, erzitterte der Boden. Dunkle Gestalten glitten über die Plattform – die Schattenjäger des Ordens von Astralys in silbernen Rüstungen, die das Licht verschluckten. Ihre Gesichter verbargen sich hinter augenlosen Helmen, an ihrer Seite trugen sie Schwerter aus Metall, schwärzer als die Nacht.

Ihr Anführer trat vor: „Tarian, Sohn des Talion, tritt beiseite. Das Wesen gehört uns, und durch seine Kraft wird Eldranis wieder erstrahlen.“

Tarian sah zwischen den Schattenjägern und dem zitternden Lichtwesen hin und her. In diesem Moment verstand er die Wahrheit: Die Sterne waren keine leblosen Lichter, sondern Lebewesen, so alt wie die Welt selbst. Sein Volk hatte sie jahrhundertelang gefangen und ihrer Kraft beraubt.

Mit einer fließenden Bewegung riss Tarian sein Netz entzwei, zerbrach das Erbe seiner Vorfahren. Die silbernen Fäden lösten sich in einem Sturm aus Licht auf.

„Flieh!“ rief er dem Wesen zu. „Kehre zurück zu deinem Volk, zu den Sternen!“

Die Schattenjäger zogen ihre Schwerter. Doch das Lichtwesen erhob sich, seine Flügel weit ausgebreitet, und ein Strom reiner Energie ergoss sich über die Plattform. Die Jäger wichen zurück, geblendet vom plötzlichen Glanz.


Eine Welle göttlicher Macht durchströmte Tarian. In diesem Augenblick sah er alles – die Geschichte seines Volkes, die wahre Natur der Sterne, die Geheimnisse des Kosmos. Er sah, wie die ersten Sternenfänger in ihrer Gier die Himmelswesen gefangen hatten. Er sah den Schmerz der Sterne und einen anderen Weg – einen Weg des Gleichgewichts, auf dem Menschen und Sterne in Harmonie leben konnten.

Als die Vision verblasste, hielt Tarian einen leuchtenden Kristall in der Hand – warm und pulsierend wie ein Herz. Kein gestohlener Stern, sondern ein Geschenk aus freiem Willen.

Das Lichtwesen schwebte nun hoch über ihnen, sein Glanz wieder stark und stetig. In Tarians Geist erklang seine Stimme ein letztes Mal:

„Du hast den schwierigeren, doch einzig wahren Weg gewählt, Tarian. Bewahre diesen Kristall – er wird euch lehren, wie ihr mit den Sternen leben könnt, ohne sie zu versklaven. Wenn die Zeit reif ist, werde ich wiederkehren, und wir werden gemeinsam die Brücke zwischen Himmel und Erde neu errichten.“

Das Wesen stieg höher und höher, bis es nur noch ein Lichtpunkt am Himmel war. Dann wurde es heller und heller, bis es strahlte wie eine zweite Sonne in der Nacht.

Der Anführer der Schattenjäger hatte seinen Helm abgenommen, sein Gesicht bleich vor Erstaunen. „Was hast du getan?“

Tarian sah hinauf zu dem neuen Stern und lächelte. „Ich habe einen besseren Weg gefunden – einen Weg, der nicht auf Raub beruht, sondern auf Verständnis und Freundschaft.“

Er hielt den Kristall hoch, und sein Licht strömte über Eldranis. Überall erwachten die alten Steine zu neuem Leben – nicht mit dem kalten Glanz geraubter Magie, sondern mit dem warmen Schimmer frei gegebener Kraft.

So begann eine neue Ära für Eldranis. Tarian, der letzte der Sternenfänger, wurde zum ersten der Sternenwächter – die nicht mehr jagten, sondern behüteten. Und der neue Stern am Himmel, den die Menschen den Freundschaftsstern nannten, leuchtete heller als alle anderen – ein ewiges Zeichen des Bundes zwischen den Kindern der Erde und den Kindern des Himmels.

Epische Fantasy-Szene: Der Wanderer Tarian steht auf einem Felsen unter einem Sternenhimmel, während über ihm der legendäre Sternenfänger als gigantische, leuchtende Gestalt mit Flügeln aus Sternenlicht erscheint – umgeben von Ruinen und Türmen in der Ferne.

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