sunn O))) – sunn O))) (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

sunn O))) – sunn O)))

🧿 Kurzfazit
sunn O))) ist keine Neuerfindung, sondern eine Konzentration. Das Duo streicht Gäste, Ballast und Ablenkung weg und landet bei einer Platte, die gerade durch ihre Reduktion Größe entwickelt.

🎯 Für wen?
Für Hörer, die Earth, Khanate, Boris, frühe Melvins und jede Form von Drone-Metal lieben, bei der Klang körperlich werden darf. Also für jene Leute, die lieber mitten im Schalldruck stehen als nur Songs von der Chart-Playliste abzuhaken.

🎧 Wie klingt das?
Gigantische Gitarrenschichten, sägende Höhen, dröhnende Tiefen, natürliche Raumanteile und punktuell unerwartet fragile Texturen wie Wassergeräusche, Feldaufnahmen oder Klavier. Das Album ist massiv, aber nicht stumpf. Es lebt von Luft, Hall und extremen Druckverhältnissen.

💿 Highlights
XXANN, Butch’s Guns, Glory Black

⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei Musik zwingend nach klassischem Songaufbau, schnellen Höhepunkten oder sofort greifbaren Refrains suchst.


‪‪𖤓 sunn O)))sunn O))): Hat der Wald da gerade den Verstärker verschluckt?

Ein selbstbetiteltes Album kann oft auf eine Rückkehr zum Kern einer Band hindeuten. Bei sunn O))) bedeutet das allerdings nicht Zurückrudern, sondern Verdichtung. Das zehnte Studioalbum des Duos erscheint am 3. April 2026 über Sub Pop, ist das erste Full-Length für das Label und zugleich das erste neue Studioalbum seit Pyroclasts von 2019. Aufgenommen wurde in den Bear Creek Studios in Woodinville, Washington, co-produziert und gemischt von der Band mit Brad Wood. Noch wichtiger: Diesmal spielen Stephen O’Malley und Greg Anderson wirklich alles selbst. Keine Gäste, keine Fremdfarben, keine Ausweichroute.

Und genau darin liegt der Reiz dieser Platte. Wer sunn O))) nur als zwei Männer mit seltsamen Kutten und deutlichem Hang zu extremen Tiefenfrequenz versteht, wird hier vermutlich schnell genrvt abwinken. Wer aber begreift, dass diese Band Bewegung nicht über Tempo, sondern über Druck, Obertonspektren, Raumtiefe und mikroskopische Verschiebungen erzeugt, bekommt ein Album, das viel lebendiger ist, als seine Oberfläche zunächst vermuten lässt. Diese Musik kriecht nicht bloß durech den Raum. Sie atmet, knarzt, schiebt, kippt und hebt ganz langsam ganze Klangwelten aus den Angeln.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Drone-Metal, Doom-Metal, Noise, Avantgarde
Vergleichbar mit: einem Treffen von Earth 2, Khanate und einer alten Industriehalle im Regen, in der jemand beschlossen hat, dass Lautstärke nicht nur Mittel zum Zweck, sondern eine romantische Erzählform ist.
Klangfarbe: Das hier ist keine Platte, die man „anmacht“. Man tritt mit einer gewissen ängstlichen Ehrfurcht in sie ein. XXANN beginnt mit heulendem Feedback und einem untergründigen Wassergeräusch. Mindrolling arbeitet ebenfalls mit Feldaufnahmen. Glory Black öffnet die Tür zu Klavierklängen, die dem ganzen Album plötzlich eine fast liturgische Trauer geben. Dadurch bleibt sunn O))) nicht bei bloßem Dauerdruck stehen, sondern zeichnet in seinem dunklen Monolithen feine Risse, durch die Licht, Natur und Stille kurz hinein- oder herausdringen.

Highlights

XXANN
Ein Opener mit 18:21 Minuten kann natürlich keine bloße Begrüßung sein. XXANN spiegelt dieses Prinzip und eröffnet die Platte wie ein schwarzer Horizont, der sich langsam vor uns aufrichtet. Das Stück setzt auf klassisches sunn O)))-Material, aber die eingestreuten Naturgeräusche machen früh klar, dass hier nicht bloß Gewicht demonstriert wird. Die Nummer wirkt wie ein Waldstück, das man erst für still hält, bis man merkt, dass unter einem etwas sehr Machtvolles in Bewegung geraten ist. Gerade diese subtile Unruhe macht den Track so stark.

Butch’s Guns
Hier zieht die Platte am hörbarsten an. Das Stück läuft 14:12 Minuten und ist trotzdem eines der direktesten auf dem Album. Die Gitarren schieben in Blöcken, die nicht einfach stehen, sondern immer wieder leicht versetzt gegeneinander reiben. Das ergibt jene typische sunn O)))-Spannung, bei der man das Gefühl hat, eine Wand bewege sich auf dich zu und ändere doch in jeder Sekunde ihre Form. Als offizieller Vorab-Track war das perfekt gewählt, weil er den Kern des Albums zeigt, ohne ihn im Detail zu erklären.

Glory Black
Der Closer ist mit 10:25 Minuten der Moment, in dem das Album seine schwerste Erhabenheit entfaltet. Offiziell wird hier ausdrücklich das hinzugefügte Klavier hervorgehoben, und genau dieses Detail macht den Song so wichtig. Glory Black ist nicht einfach nur Schlussstein, sondern ein Perspektivwechsel. Plötzlich wirkt die Platte nicht mehr nur wie ein Klangmassiv, sondern wie ein Ritualraum, in dem Schwere und Andacht dieselbe Temperatur annehmen. Das ist der Punkt, an dem sunn O))) aus purem Gewicht echte Gravität macht.


🎨 Artwork

Das Cover ist ein stiller Coup. Statt Fantasy-Pathos, Kultsymbolen oder metallischer Wucht nutzt die Band diesmal zwei Gemälde des späten Mark Rothko für Vorder- und Rückseite. Das ist keine dekorative Prestige-Geste, sondern passt erstaunlich gut. Rothkos Flächenmalerei arbeitet mit Tiefe, Schichtung, Glimmen und jener schwer beschreibbaren Sogwirkung, bei der Farbe plötzlich körperlich wirkt. Genau das tut diese Musik auch. Sie will nicht illustrieren, sie will umhüllen.

Und gerade deshalb funktioniert dieses Artwork so stark. Wo andere Heavy-Alben ihre vermeintliche Bedeutung auf die Hülle schreiben, als würde man mit Edding an eine Kellertür kritzeln, vertraut sunn O))) auf das Gegenteil: offene Fläche, Spannung, Schwebezustand. Das Cover sieht nicht nach „Metal-Album“ aus. Es wirkt wie eine bewusste Versenkung. Für diese Band ist das ohnehin seit jeher die präziseste Form von Aggression.


🪦 Besondere Momente

Der auffälligste Punkt an dieser Platte ist die Arbeit im Duo-Format. sunn O))) hatten in der Vergangenheit oft Kollaborationen, Gaststimmen und zusätzliche Instrumentalisten im Gepäck. Hier fällt alles auf den Kern zurück. Laut O’Malley ist es sogar das erste Album, auf dem die komplette Instrumentierung nur von ihm und Anderson stammt. Das hätte nach Verengung klingen können. Stattdessen wirkt es wie ein Brennglas. Die Platte hat weniger Figuren im Bild, aber dafür mehr Fokus.

Spannend ist auch, wie stark Natur und Umgebung auf dieses Album eingewirkt haben. Die Sessions im Bear-Creek-Studio mit Blick auf Bäume und Wald tauchen nicht bloß als nette Studiogeschichte auf, sondern hörbar im Material selbst. Wasser, Feldaufnahmen und die insgesamt luftigere Raumwirkung geben der Platte eine organische Dimension, die man bei so einer Band leicht unterschätzt. Das ist keine sterile Drone-Maschine. Das ist Schall mit Wetter.

Dazu kommt noch der Rahmen um die Musik herum: Liner Notes von Robert Macfarlane, Illustrationen von Elodie Lesourd, dazu die Rothko-Gemälde. Das alles ist nicht bloß Verpackung, sondern Teil des Gedankens, dass sunn O))) hier als Gesamtobjekt verstanden werden will: Klang, Bild, Text, Raum. Bei vielen Bands klingt so ein Anspruch nach Kulturbeilage. Hier passt er wirklich.

📜 Hintergrund

Fast drei Jahrzehnte nach Gründung müssen sunn O))) niemandem mehr erklären, wie Drone funktioniert. Interessanter ist, warum dieses Album so wirkt, wie es wirkt. Nach den 2025er Sub-Pop-Sessions, aus denen schon die Maxi mit Eternity’s Pillars, Raise the Chalice und Reverential hervorging, war offenbar klar, dass im Duo-Betrieb noch längst nicht alles gesagt ist. Das neue Album schließt daran an, zieht aber die Schrauben anders an: weniger Erweiterung nach außen, mehr Tiefenbohrung nach innen.

Gerade als zehntes Album ist das bemerkenswert. Viele Bands begeben sich bei so einer Zahl unwillkürlich in den Jubiläumsmodus, laden allerlei Gäste ein, schieben Historienpathos nach vorn oder bauen ein Denkmal für sich selbst. sunn O))) machen das Gegenteil. Sie nennen das Ding einfach wie sich selbst und spielen damit nicht auf Größe, sondern auf Essenz. Das ist nicht kleiner gedacht. Es ist mutiger.

🪓 Fazit: Keine neue Sprache, aber ein sehr dunkler, sehr schöner Dialekt der alten

sunn O))) ist nicht das Album, mit dem man diese Band Einsteigern brauchbar erklärt. Dafür ist es zu konzentriert, zu körperlich, zu sehr auf minimale Verschiebung statt auf demonstrative Effekte gebaut. Aber als Aussage dieser Band ist es verdammt stark. Die Platte zeigt sehr deutlich, dass Reduktion nicht automatisch Verzicht bedeutet. Hier heißt Reduktion: alles Unwesentliche raus, alles Wesentliche lauter.

Klare Sache: Wer sunn O))) grundsätzlich nichts abgewinnen kann, wird hier gewiss nicht bekehrt. Wer aber wissen will, wie konsequent, konzentriert und würdevoll Drone-Metal 2026 klingen kann, bekommt mit diesem Album ein sehr schwerewiegendes Argument. Kein Scherzprojekt, kein Kunstnebel, kein Selbstzitat, sondern ein gewaltiger Jubiläums-Monolith, der langsam, aber sicher den Boden unter den Füßen zur Seite schiebt.

Albumcover von sunn O))) – sunn O))): abstrakte Rothko-Farbflächen in dunklen, glühenden Tönen mit meditativer Tiefenwirkung.
Künstler:sunn O)))
Albumtitel:sunn O)))
Erscheinungsdatum:3. April 2026
Genre:Drone-Metal, Doom-Metal, Noise, Avantgarde
Label:Sub Pop
Spielzeit:ca. 79 Minuten

Trackliste:

XXANN
Does Anyone Hear Like Venom?
Butch’s Guns
Mindrolling
Everett Moses
Glory Black

Offizielles Audio

Offizielles Audio zu „Butch’s Guns“ – ein schwarzer, langsam schiebender Drone-Brocken zwischen Verstärkerwucht, Obertonsägen und bedrohlicher Raumtiefe. Bereitgestellt vom offiziellen sunn O))) Band Official-Kanal auf YouTube:

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