Eine kleine Störung in der Macht: Pittsburghs Star-Wars-Pilgerstätte ist plötzlich verschwunden

🧐 Im Fantasykosmos suchen

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Die Macht ist stark, aber der Automat ist weg

📰 Was ist los?
Der seit 1999 vor Pittsburghs Firehouse 27 stehende Pepsi-Automat zu Star Wars: Episode I ist offenbar verschwunden. An seinem Platz steht eine andere Maschine mit ähnlicher Grafik, aber veränderter Technik; wo sich das Original befindet und wer den Austausch veranlasst hat, ist bislang ungeklärt.

🐛 Was denken wir?
Genau solche Geschichten zeigen, wie beiläufig Fankultur entstehen kann. Aus einer gewöhnlichen Filmwerbung wurde über 27 Jahre ein reales kleines Star-Wars-Denkmal und deshalb interessiert Pittsburgh heute plötzlich das Schicksal eines Getränkeautomaten. Hoffentlich steht das Original irgendwo sicher und wird nicht gerade zum schlechtesten Couchtisch der Galaxis umgebaut.

Banner für den Newsletter im Fantasykosmos mit Gandalf, der den Leser nicht vorbeilässt,

🌌 Eine kleine Störung in der Macht: Pittsburghs Star-Wars-Pilgerstätte ist plötzlich verschwunden

In einer weit, weit entfernten Galaxis wäre vermutlich längst ein Suchtrupp unterwegs. In Pittsburgh muss vorerst die Nachbarschaft reichen. Vor der Feuerwehrstation 27 am Mount Washington steht zwar weiterhin ein Pepsi-Automat mit Star Wars: Episode I – The Phantom Menace-Motiv – nur ist es offenbar nicht mehr jener Automat, der dort seit 1999 Wind, Wetter und mehrere Generationen Star-Wars-Fans überstanden hatte.

Ein alter Getränkeautomat schwebt frei durch den Weltraum, umgeben von Sternen, Planeten und verstreuten Dosen.
Aus Pittsburgh verschwunden, jetzt vielleicht auf interstellarer Reise: Der Kultautomat wird in unserer Illustration selbst zum kleinen Science-Fiction-Mysterium.
Fantasykosmos / eigene KI-Illustration / manuell nachgearbeitet

Das Original ist verschwunden. An seiner Stelle steht eine andere Maschine mit neu gestalteter Episode-I-Grafik. Wer den Austausch veranlasst hat, wo das alte Gerät geblieben ist und ob es überhaupt noch existiert, konnte bislang niemand schlüssig beantworten. Das klingt zunächst nach einer eher kleineren Krise. Nur war dieser Getränkeautomat längst kein gewöhnlicher Getränkeautomat mehr.

🥤 Seit 1999 stehen Anakin und Sebulba vor der Feuerwehr

Die Geschichte beginnt tatsächlich im Kinojahr von The Phantom Menace. Seit 1999 stand der Pepsi-Automat vor Firehouse 27 an der Virginia Avenue und trug die damaligen Werbegrafiken mit dem jungen Anakin Skywalker und seinem Podracing-Rivalen Sebulba.

Während Episode-I-Plakate aus Schaufenstern verschwanden, Pappaufsteller entsorgt wurden und zahllose andere Werbeobjekte irgendwann auf Dachböden oder Müllkippen landeten, blieb die Maschine einfach stehen. Die Feuerwehrleute hielten sie über Jahre am Laufen und füllten sie sogar selbst mit Getränken auf, nachdem Pepsi die reguläre Betreuung eingestellt hatte.

Genau diese Beharrlichkeit machte aus dem Relikt langsam eine Sehenswürdigkeit. Besucher hielten für Fotos an, Star-Wars-Fans nahmen den Automaten gezielt in ihre Pittsburgh-Touren auf und selbst die offizielle Tourismusorganisation der Stadt führte ihn schließlich als eine Art nerdige Pilgerstätte.

Der Automat hatte damit etwas geschafft, woran viele sorgfältig geplante Touristenattraktionen scheitern: Er wurde interessant, weil ursprünglich niemand vorgesehen hatte, dass er interessant bleiben sollte.

Banner für Fantasy Literatur. Zauberer verprügelt Ork mit Folianten.

🔧 Pepsi kam 2022 noch einmal zur Wartung vorbei

Spätestens 2022 war der Kultstatus auch bei Pepsi angekommen. Zum Star Wars Day ließ das Unternehmen die Maschine reparieren und neu befüllen. Die Feuerwehr bekam außerdem einen Getränkevorrat für ein Jahr und eine Spende von 10.000 Dollar.

Zu diesem Zeitpunkt war das Gerät bereits mehr als zwei Jahrzehnte alt. Gerade sein unveränderter Zustand gehörte zum Reiz: eine echte Werbemaschine aus der Zeit, als The Phantom Menace gerade ins Kino gekommen war und noch niemand wusste, dass dieser etwas deprimiert dreinschauende Junge irgendwann Darth Vader werden würde.

Noch Jahre später konnte man dort für Kleingeld eine Dose kaufen. Das komplette Ensemble wirkte zunehmend wie ein sehr spezielles Stück erhaltener Popkulturgeschichte, weder Museumsexponat noch Filmrequisite, sondern schlicht ein Getränkeautomat, den Pittsburgh vergessen hatte wegzuwerfen. Bis zu dieser Woche.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

🔎 Neun Knöpfe werden zu zehn – und plötzlich stimmt etwas nicht

Zunächst sah es so aus, als sei die Maschine lediglich neu bemalt worden. Fans bemerkten jedoch schnell Unterschiede. Das bisherige Gerät besaß neun Auswahltasten, die jetzige Maschine hat zehn. Auch Münzeinwurf und Wechselgeldmechanismus sitzen beziehungsweise funktionieren anders.

Lokale Medien gingen der Sache daraufhin selbst nach. Axios Pittsburgh besuchte die Feuerwehrstation und bestätigte vor Ort, dass die neue Maschine tatsächlich existiert. Von digital manipulierten Bildern oder einem KI-Scherz kann also keine Rede sein.

CBS Pittsburgh kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass dort eine andere Maschine steht. Eine Anwohnerin berichtete sogar, sie habe eine Gruppe dabei gesehen, wie vermutlich das neue Gerät angeliefert wurde.

Nur die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wo ist das Original?

Selbst bei der Feuerwehr herrschte gegenüber Axios Verwunderung. Offizielle Vertreter erklärten, nichts von einem Austausch zu wissen. Pittsburgh Public Safety wurde ebenfalls um Aufklärung gebeten. Damit hat ein Pepsi-Automat ausgerechnet 27 Jahre nach seiner Aufstellung noch einen eigenen Mystery-Plot bekommen.

Nichts als die Wahrheit. Schmaler Banner für den Arkanen Moosverhetzer. Ein Moosling mit Blatthelm, der wütend eine Propagangazeitung liest.

🕵️ Das Internet hat natürlich bereits Verdächtige

Wo eine harmlose Popkultur-Kuriosität verschwindet, braucht das Internet erfahrungsgemäß ungefähr zwölf Minuten bis zur ersten Verschwörungstheorie. Auch diesmal gibt es bereits Spekulationen über einen Content Creator, der sich in der Vergangenheit für den Automaten interessiert haben soll.

Belastbare Belege dafür, dass er etwas mit dem Verschwinden zu tun hat, gibt es bislang nicht. Ein zwischenzeitlich verbreiteter Beitrag, in dem angeblich Verantwortung übernommen wurde, ist inzwischen ebenfalls nicht mehr verfügbar.

Deshalb bleibt aus journalistischer Sicht derzeit nur das, was tatsächlich feststeht: Die ursprüngliche Maschine steht nicht mehr an ihrem langjährigen Platz. Das Ersatzgerät unterscheidet sich sichtbar von ihr. Niemand aus den bisher befragten offiziellen Stellen hat erklärt, warum der Wechsel erfolgte.

Und irgendwo existiert hoffentlich noch ein sehr alter Pepsi-Automat mit einem jungen Anakin Skywalker darauf.

🌠 Wenn Werbung irgendwann zur Fankultur wird

Genau darin liegt der eigentliche Reiz dieser Geschichte. Der Automat war 1999 nicht als Denkmal vorgesehen. Er sollte Pepsi verkaufen und für einen neuen Star-Wars-Film werben. Dass Menschen fast drei Jahrzehnte später eigens anreisen würden, um sich davor fotografieren zu lassen, stand ziemlich sicher in keinem Marketingplan.

Popkultur funktioniert gelegentlich auf diese Weise. Gegenstände verlieren ihre ursprüngliche Funktion und sammeln stattdessen Geschichten. Eine ausrangierte Werbegrafik wird nostalgisch, ein alter Automat zum Orientierungspunkt und irgendwann gehört das Ding so selbstverständlich zu einem Viertel, dass sein Austausch plötzlich lokale Nachrichten produziert.

Das neue Gerät mag wieder Anakin und Sebulba zeigen. Es kann sogar Getränke verkaufen.

Nur 27 Jahre gestohlene Geschichte lassen sich nicht einfach mit zehn neuen Knöpfen kaschieren.

Das Sterneorakel von Elyra sieht in deine Zukunft. DIe Sternengöttin vor blauem Hintergrund.