Staghelm – Natura Semper Praevalet (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Staghelm – Natura Semper Praevalet

🧿 Kurzfazit
Natura Semper Praevalet ist Waldeinsamkeit im Langformat: drei ausufernde Atmospheric Black Metal Stücke, die weniger Songs als Klangwege sind, geduldig aufgebaut und erstaunlich fokussiert.

🎯 Für wen?
Für Fans von naturverliebtem Atmospheric Black Metal zwischen Saor, Elderwind und Panopticon, die eher in Stimmung als in Hooks baden wollen und mit langen Spannungsbögen, Flüstern und Windrauschen gut leben können.

🎧 Wie klingt das?
Warme, melodische Gitarrenlayer, viel Hall auf den Leads, dezentes Keyboard-Fundament, zurückgenommene, aber präsente Drums, darüber Kreischgesang, der eher Teil der Landschaft als Frontfigur ist. Produktion klar genug, um Details zu zeigen, rau genug, um nicht in Post-Rock-Glätte abzurutschen.

💿 Highlights
These Winds Know My Name, Wrath of the Barked Ones, Altar of Oblivion

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du ohne griffige Refrains schnell ungeduldig wirst, bei mehr als acht Minuten pro Track nervös auf die Skip-Taste schielst oder deinen Black Metal lieber misanthropisch als kontemplativ magst.


🪵 Staghelm – Natura Semper Praevalet: Die drei Gesichter des Waldes und ein langer Atem

Der britische Einzelkämpfer Staghelm alias Oxylus schiebt mit Natura Semper Praevalet sein zweites Album in den Forst: drei Tracks, gut eine halbe Stunde, ein einziger, sehr konsequent gedachter Waldtriptychon. Keine Revolution im Atmospheric Black Metal, aber eine dieser Platten, die leise beginnen, sich langsam in die Baumkronen schrauben und erst beim dritten Durchlauf zeigen, wie sorgfältig hier alles ineinander greift.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Atmospheric Black Metal, Ambient Black Metal
Vergleichbar mit: Saor, Panopticon, Elderwind, also naturverliebter Atmospheric Black Metal mit viel Raum und langen Spannungsbögen.
Klangfarbe: Natura Semper Praevalet setzt auf langsam anschwellende Gitarrenfiguren, rollende, eher organisch gespielte Drums, dezente Synthflächen und sparsames Naturrauschen. Der Kreischgesang von Staghelm liegt weit hinten im Mix und wirkt mehr wie ein weiteres Windgeräusch als klassische Frontstimme, während die warmen Leads und langen Steigerungen das Gefühl eines ausgedehnten Waldaufstiegs erzeugen.

Highlights

🌀 These Winds Know My Name
Der Opener ist das Manifest des Albums: minutenlange, fast ambientartige Gitarren, Windgeräusche, sanfte Synthflächen, bis das Schlagzeug einsetzt und die Gitarren in ein weit ausschwingendes Hauptmotiv kippen. Wenn im letzten Drittel die Melodie heller wird, kippt der Song kurz von Weltschmerz in vorsichtigen Aufbruch, ohne je kitschig zu werden.

🌲 Wrath of the Barked Ones
Hier zeigt Staghelm, dass er das Tempo auch anziehen kann. Nach einem dramatischen Aufbau legen schwedisch gefärbte Leadgitarren los, die an melodischen Black Metal der Neunziger erinnern, während das Schlagzeug in treibenden Patterns arbeitet. Spoken-Word-Passagen und kurze Ruhepunkte verhindern, dass der Song zur bloßen Raserei verkommt, und geben dem „Zorn des Waldes“ eine fast erzählerische Kurve.

🕯 Altar of Oblivion
Das Finale beginnt beinahe sakral: ruhige Gitarren, melancholische Leads, viel Raum. Nach und nach schichten sich tiefere Growls, majestätische Riffs und langsamere, schwerere Rhythmen dazu, bis der Track zwischen Resignation und letzter Aufbäumung pendelt. Der Trostlosigkeitstitel täuscht, hier steckt viel Erhabenheit und stiller Kampfgeist drin.

🎨 Artwork

Vor lauter Baum: Natura Semper Praevalet sieht aus wie ein Schnappschuss aus genau dem Wald, in dem das Album spielen will: Eine mächtige Baumkrone, von unten fotografiert, der Stamm teilt sich hoch über dem Boden in mehrere Äste, das Blätterdach schließt fast den ganzen Himmel. Kein Nebel, kein Effektgewitter, nur dichtes Grün und organische Linien. Unten liegt in Gold das geschwungene STAGHELM-Logo mit Tannenzapfen/Geweih-Motiv, darunter in altertümlicher Schrift der Albumtitel. Das wirkt eher wie ein ehrlicher Gruß an den Lieblingsbaum als wie Kitsch-Postkarte – passend bodenständig für ein Projekt, das Waldromantik ernst meint.


🪦 Besondere Momente

Die Stimme steht selten im Zentrum, sondern wird wie ein weiteres Instrument behandelt, das aus der Ferne durch den Nebel schreit. Dadurch wirkt der Wald tatsächlich wie Protagonist, der Mensch bleibt Statist.

Naturgeräusche werden sparsam eingesetzt: ein bisschen Wind, etwas Rauschen, kaum kitschige Fieldrecording-Überladung. Das hält den Fokus auf den Kompositionen.

Die Dynamik arbeitet stark mit „Anfahren und Zurücknehmen“: Crescendo, Rückzug, neues Motiv. Das wirkt manchmal fast symphonisch, ohne dass je echte Orchesterwände auffahren.

Die Produktion verzichtet auf Lo-Fi-Romantik, bleibt aber angenehm körnig. Gitarren und Becken fransen leicht aus, was dem Ganzen die sterile Sauberkeit vieler aktueller Atmospheric-Releases erspart.

🪓 Fazit

Staghelm ist das Solo-Vehikel des britischen Musikers Oxylus, der alle Instrumente und Vocals selbst einspielt.

Nach dem Debüt The Wind’s Journey hat er sich mit Natura Semper Praevalet bewusst für ein kompaktes Format entschieden: nur drei Stücke, dafür jeweils auskomponierte Soundreisen. Die Veröffentlichung bei Naturmacht Productions passt perfekt in den dortigen naturfixierten Katalog und verankert Staghelm neben ähnlich denkenden Projekten, ohne zum bloßen Labelklon zu werden.

Spannend ist, dass Oxylus nicht versucht, die Szene durch Innovation zu überholen. Stattdessen verfeinert er ein klassisches Konzept: Wald, Jahreszeiten, Leben und Verfall. Der Reiz liegt hier weniger im „noch nie gehört“, sondern im „so konsequent und stimmig schon lange nicht mehr gehört“.

Natura Semper Praevalet ist kein Album für die schnelle Abendrunde mit dem Wuffi, sondern eher Futter für konzentrierte Spaziergänge im Kopf, wenn man bereit ist, sich von langen Spannungsbögen tragen zu lassen. Staghelm erfindet den Atmospheric Black Metal nicht neu, liefert aber ein in sich stimmiges, sorgfältig gebautes Triptychon, das Majestät, Wut und Endlichkeit des Waldes ohne große Gesten, aber mit viel Gespür einfängt.

Wer seine Black-Metal-Platten nach Riffdichte und Schlagzahl sortiert, wird hier möglicherweise unbeeindruckt bleiben. Wer sich gern von Musik in eine Landschaft hineinziehen lässt, bekommt ein Album, das ruhiger ist als viele Genre-Brüder, aber genau deshalb lange nachhallt.

Albumcover Staghelm – Natura Semper Praevalet: dunkel gehaltenes Gemälde mit hoch aufragender, von Nebel umhüllter Waldszenerie, zentral ein mystischer Lichtkegel zwischen Bäumen, der wie ein Portal in der Finsternis wirkt.
Künstler:Staghelm
Albumtitel:Natura Semper Praevalet
Erscheinungsdatum:23. Januar 2026
Genre:Black Metal / Ambient Black Metal
Label:Naturmacht Productions
Spielzeit:ca. 33 Minuten

These Winds Know My Name
Wrath of the Barked Ones
Altar of Oblivion

🎬 Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu „These Winds Know My Name“ – ein zwölfminütiger Blick in Staghelms Waldkosmos, der die langsame Entfaltung des Openers mit Naturaufnahmen und dezenten Visuals unterstreicht. Bereitgestellt über den offiziellen Naturmacht Productions-Channel auf YouTube:

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