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Slaughterday – Dread Emperor
🧿 Kurzfazit
Slaughterday liefern mit Dread Emperor genau den Death Metal, den man von zwei Ostfriesen erwartet, die seit Jahren im Leichenkeller proben: räudig, düster, erstaunlich abwechslungsreich und mit genug Hooks, um dir tagelang im Schädel zu gammeln.
🎯 Für wen?
Für Fans von oldschooligem Death Metal mit leicht doomiger Schlagseite, die Autopsy-Fäulnis, frühe Death und einen Hauch Entombed wollen, aber in norddeutsch trocken, ohne Retro-Verkleidung und Nostalgie-Geschwafel.
🎧 Wie klingt das?
Schwerer, sägender Gitarrensound mit morbiden Melodien, viele Midtempo-Walzen, punktuelle Uptempo-Ausbrüche, bollernde Drums und ein bellend-grollender Gesang, der klingt, als würde jemand Krabben durch einen Blei-Trichter hindurch anschreien. Produktion: druckvoll, aber nicht glatt. Soundlodge-typischer Panzer, der trotzdem gelegentlich etwas Luft lässt.
💿 Highlights
Obliteration Crusade, Subconscious Pandemonium, Dread Emperor, Necrocide
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei Death Metal komplizierte Taktwechsel, progressives Gefrickel oder klinisch-saubere Produktionen erwartest. Dread Emperor ist Schmutz, Schwere und Schädelbasisbruch, nicht Musikhochschule.
💀 Slaughterday – Dread Emperor: Ostfrieslands Kaiser des Kadavers
Es gibt Bands, bei denen schon der Name sagt, was Sache ist. Slaughterday gehören ganz offensichtlich in die Spitzengruppe dieser Kategorie: Seit 2010 schiebt das Duo aus Leer seinen Oldschool-Death-Metal durch die Lande, tief verwurzelt in der goldenen Ära zwischen Autopsy, Death und Massacre.
Mit Dread Emperor legt die Band ihr fünftes vollwertiges Album vor, zugleich das erste über Testimony Records, nachdem die Vorgänger allesamt bei FDA erschienen sind. Inhaltlich bleibt vieles beim Alten: kosmische Schrecken, morbid-groovende Riffs, Ostfriesland als metaphysischer Sumpf. Aber in den Details wird schnell deutlich, dass hier niemand stumpf die eigene Frühphase kopiert.
Schon die Fakten lesen sich dabei angenehm altmodisch: Aufgenommen, gemischt und gemastert wurde in Jörg Ukens Soundlodge in Rhauderfehn, also praktisch ums Eck. Der Sound ist entsprechend erdig, fett und frei von modernem Plastikglanz.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Death Metal, Oldschool Death Metal, Doom-eingesumpfte Midtempo-Walzen
Vergleichbar mit: Autopsy und frühe Death, wenn sie in einer sturmgepeitschten ostfriesischen Hafenbar eingesperrt wurden und niemand den Schlüssel findet
Klangfarbe: Fette, sägende Gitarren, schleppende bis treibende Grooves, dezente Doom-Schwere, dazu ein bellend-gurgelnder Gesang, der eher nach untotem Leuchtturmwärter und weniger nach modernem Growl-Coachings klingt.
Nee, Dread Emperor ist gewiss kein Sounddesign-Experiment, sondern eine Lehrstunde darin, wie man aus überschaubaren Mitteln maximale Wirkung holt: simple, aber pointierte Riffs, sorgsam gesetzte Leads, immer wieder kleine Tempo- und Stimmungswechsel, die das Album permanent in Bewegung halten.
✨ Highlights
Obliteration Crusade
Nach dem kurzen, bedrohlich anschwellenden Intro Enthroned rollt Obliteration Crusade wie eine Panzerkolonne über nasses Kopfsteinpflaster. Klassische Tremolo-Läufe treffen auf stoisches Midtempo, zwischendurch wird kurz beschleunigt, bevor Slaughterday die Bremse treten und den Groove auswalzen. Der Song ist so etwas wie die Visitenkarte der Platte: nichts Kompliziertes, aber jede Note sitzt.
Subconscious Pandemonium
Hier zeigt sich die doomige Seite des Duos am deutlichsten. Subconscious Pandemonium hangelt sich an einem schwerfälligen, fast schon hypnotischen Riff entlang, das sich ständig knapp vor dem völligen Stillstand befindet und dann doch wieder zum nächsten Schlag ausholt. Die Leads sind sparsam, aber effektiv, wie kurze Lichtblitze in einem viel zu langen Tunnel.
Dread Emperor
Der Titeltrack fasst das Album perfekt zusammen: von schleppenden, beinahe funeral-doomigen Passagen über erbarmungslose Midtempo-Stomperei bis hin zu kurzen, aggressiven Ausbrüchen ist alles drin, was Slaughterday stark macht. Die melodischen Leads legen sich wie rostige Kronenspitzen über das Riff-Fundament, ohne jemals in melodischen Kitsch abzurutschen. Man hört deutlich, dass hier bewusst „Kaiserstück“ gedacht wurde.
Necrocide
Maximales Headbanging: Necrocide ist der Song für die Live-Setlist, bei dem selbst im ostfriesischen Nieselregen plötzlich Pits aufgehen. Der Refrain fräst sich unverschämt schnell ins Gedächtnis, die Riffs sind simpler als sie klingen und funktionieren gerade deshalb so gut. Wer hier nicht mitnickt, sollte dringend seine Nackenreflexe beim Hausarzt überprüfen lassen.
🎨 Artwork
Ein Kaiser, der längst hätte verrotten sollen: Auf dem Cover von Dread Emperor schwebt eine hohläugige Skelettgestalt in einem zerfetzten, blutverkrusteten Mantel durch einen sumpfigen Wald. Der Körper wirkt, als hätte jemand einen mittelalterlichen Königsmantel über einen Haufen Aas geworfen. Rippen liegen frei, Hautfetzen hängen wie Wachsreste herunter, und trotzdem thront auf dem Schädel eine spitze Krone, als würde hier jemand sehr stur an alten Hierarchien festhalten. In der knochigen Hand hält der Kaiser eine leuchtende Kugel, halb Kristall-Artefakt, halb gefangene Seele, die das fahle Licht im Bild bündelt.
Der Wald selbst ist kein Hintergrund, sondern Mitverschwörer: Die Bäume sind verdreht und knotig, ihre Stämme gehen nahtlos in Gesichter und Schädel über, aus denen rote Augen wie Glutpunkte glimmen. Der Boden ist ein wabernder Teppich aus Nebel und verrottenden Köpfen, als läge unter der ersten Schicht Moos ein Massengrab, das nur notdürftig zugeweht wurde. Das Licht kommt von hinten, ein kränkliches Gelb, das durch die Stämme schneidet und die Szene zugleich entrückt und klaustrophobisch macht – als wäre das alles weit weg und trotzdem direkt vor deiner Haustür.
Umrahmt wird das Ganze von einem brüchigen, moosgrünen Rand, in dem das blutige Slaughterday-Logo oben und der Titel Dread Emperor unten wie alte Siegel auf einem vergilbten Pergament kleben. Zusammen ergibt das Artwork kein modernes Hochglanz-Horrorbild, sondern eine sehr klare Ansage: Hier regiert jemand, dessen Reich aus Nebel, Knochen und schlechtem Licht besteht und der trotzdem genug Stil hat, sich für den eigenen Untergang ordentlich anzuziehen.
🪦 Besondere Momente
Doom trifft D-Beat: Immer wieder driften die Songs aus dem klassischen Death-Metal-Galopp in langsame, fast sabbathige Parts ab, nur um dann mit D-Beat-Anlauf wieder zurück in den Prügelmodus zu springen. Vor allem Astral Carnage und The Forsaken Ones nutzen diese Kontraste sehr effektiv.
Kompromisslos kurze Spielzeit: Mit knapp 40 Minuten bleibt das Album auf der angenehmen Seite der Überlänge. Kein Füllmaterial, kein sinnloser Ambient-Verlängerer – nach dem PROTECTOR-Cover Golem ist einfach Schluss und das fühlt sich völlig schlüssig an.
Soundlodge-Signatur: Der Mix balanciert Schmutz und Transparenz. Die Gitarren sind sägend und massiv, ohne die Drums zuzuwalzen, der Bass hat Punch, und der Gesang sitzt brüllend im Vordergrund, ohne die restliche Band zu erdrücken. Wer den typischen Soundlodge-Panzer mag, bekommt hier eine besonders gelungene Ausführung davon.
🪓 Fazit
Slaughterday existieren seit 2010, stammen aus Leer in Ostfriesland und sind im Kern bis heute ein Duo: Jens Finger an Gitarren und Bass, Bernd Reiners an Gesang und Drums. Mit Alben wie Nightmare Vortex, Laws Of The Occult, Ancient Death Triumph und zuletzt Tyrants Of Doom haben sie sich als eine der zuverlässigsten deutschen Oldschool-Death-Metal-Bands etabliert: immer rau, immer melodischer als man denkt, immer mit einem Hauch Doom im Rückgrat.
Dread Emperor markiert gleich mehrere kleine Zäsuren: Labelwechsel zu Testimony Records, frisches Artwork von Pär Olofsson und eine klare Fokussierung darauf, die eigene Mixtur aus US- und skandinavisch geprägtem Death Metal weiter zu schärfen, statt sie grundlos auf links zu drehen. Das Resultat ist weniger „Neuerfindung“ als „Verdichtung“. Slaughterday streichen Nebenschauplätze und konzentrieren sich auf das, was sie am besten können.
Dread Emperor ist kein revolutionäres Statement, sondern eine sehr selbstbewusste Machtdemonstration: Slaughterday wissen genau, wo sie hinwollen, und lassen sich weder von Trends noch von Retro-Überladung ablenken. Das Album ist schmerzhafter als ein Nordseewind im Januar, dabei aber überraschend variabel und voll kleiner Details, die erst beim zweiten oder dritten Durchlauf auffallen.
Wer mit klassischem Death Metal nichts anfangen kann, wird hier nicht bekehrt. Wer aber auf ehrlich rumpelnden, dennoch songorientierten Death Metal mit leichter Doom-Schwere steht, bekommt eine Platte, die 2026 in der Genre-Jahresbilanz ziemlich weit oben landen dürfte. Der Kaiser mag „nur“ über Ostfriesland regieren, aber sein Schatten reicht deutlich weiter.

| Künstler: | Slaughterday |
| Albumtitel: | Dread Emperor |
| Erscheinungsdatum: | 13. Februar 2026 |
| Genre: | Death Metal, Doom Metal |
| Label: | Testimony Records |
| Spielzeit: | ca. 39 Minuten |
Enthroned
Obliteration Crusade
Rapture Of Rot
Astral Carnage
Subconscious Pandemonium
Dread Emperor
The Forsaken Ones
Necrocide
Dethroned
Golem
🎧 Full Album Stream
Slaughterday – „Dread Emperor“ als kompletter Album-Stream – direkt vom offiziellen Testimony Records-YouTube-Channel:
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