Sepultura nehmen Abschied: Heute endet eine Ära des Metal
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💀 Der letzte Donnerschlag
📰 Was ist los?
Sepultura geben heute, am 7. November 2026, ihr angekündigtes letztes Konzert in der Suhai Music Hall in São Paulo. Nach über 40 Jahren endet die Karriere einer der einflussreichsten Metalbands Brasiliens. Gäste sind unter anderem Krisiun, Sacred Reich und Metal Allegiance.
🐛 Was denken wir?
Sepultura haben den Metal nicht nur härter, sondern auch vielfältiger gemacht. Besonders wichtig finden wir, dass ihre Geschichte nicht mit Max Cavaleras Abschied endete. Das musikalische Erbe reicht weit darüber hinaus. Pedro hat zur Würdigung einen Moment der Stille vorgeschlagen. Er hielt exakt vier Sekunden durch, dann setzte Roots Bloody Roots ein.
Es gibt Bands, die gute Platten aufnehmen. Es gibt Bands, die ganze Genres prägen. Und dann gibt es Sepultura. Was 1984 in einem brasilianischen Proberaum begann, wurde zu einer der ungewöhnlichsten Erfolgsgeschichten des internationalen Metal. Heute, am 7. November 2026, soll diese Geschichte auf der Bühne ihr Ende finden. In São Paulo steht das letzte Konzert der Band an, nach mehr als vier Jahrzehnten voller musikalischer Umbrüche, legendärer Alben und einer Karriere, die sich von den Straßen Belo Horizontes bis auf die größten Festivalbühnen der Welt erstreckte.

Der Abschied ist offiziell, das Konzert ausverkauft. Um 21 Uhr Ortszeit wollen Sepultura in der Suhai Music Hall ein letztes Mal auftreten. Für die Fans in Deutschland beginnt dieser historische Abend aufgrund der Zeitverschiebung erst in der Nacht zum Sonntag.
Es ist ein Abschied, bei dem man nicht nur auf eine Band zurückblickt. Sondern auch auf ein Stück Metalgeschichte.
💀 Aus Belo Horizonte in die Welt
Als die Brüder Max und Iggor Cavalera 1984 Sepultura gründeten, war Brasilien für viele europäische und amerikanische Metalfans noch weitgehend unbekanntes Terrain.
Die frühen Aufnahmen klangen roh, aggressiv und kompromisslos. Bestial Devastation von 1985 und Morbid Visions von 1986 verbanden die Brutalität des aufkommenden Death Metal mit der Geschwindigkeit des Thrash.
Was den Aufnahmen an technischer Perfektion fehlte, machten sie durch eine fast körperlich spürbare Wut wett.
Mit dem Einstieg von Gitarrist Andreas Kisser und dem Album Schizophrenia von 1987 gewann die Musik an Präzision und kompositorischer Tiefe.
Zwei Jahre später gelang der internationale Durchbruch.
Beneath the Remains von 1989 war nicht einfach nur ein gutes Thrash-Metal-Album. Es stellte Sepultura in eine Reihe mit den wichtigen Vertretern der internationalen Extrem-Metal-Szene. Rasende Riffs, abrupte Tempowechsel und die rohe Stimme von Max Cavalera verbanden sich zu einer Musik, die auch außerhalb Brasiliens niemand mehr ignorieren konnte.
Sepultura – The Place · Offizielles Lyric-Video zur Abschieds-EP The Cloud of Unknowing
🔥 Arise und Chaos A.D.: Eine Band verändert den Metal
Mit Arise von 1991 perfektionierten Sepultura ihren damaligen Stil.
Das Album gehört bis heute zu den eindrucksvollsten Beispielen technisch anspruchsvollen, aggressiven Thrash Metals. Stücke wie Arise und Dead Embryonic Cells vereinten Geschwindigkeit, Präzision und eine beklemmende Atmosphäre. Doch die Band wollte nicht dauerhaft dieselben Rezepte wiederholen.
Chaos A.D. von 1993 markierte deshalb einen entscheidenden Richtungswechsel. Die Songs wurden rhythmischer, die Riffs schwerer, die Texte politischer. Hardcore, Groove Metal und die sozialen Spannungen Brasiliens flossen immer deutlicher in die Musik ein.
Mit Refuse/Resist und Territory entstanden Stücke, die weit über den klassischen Thrash hinaus Wirkung entfalteten.
Sepultura hatten aufgehört, einer internationalen Szene hinterherzulaufen. Sie begannen, dieser Szene selbst eine neue Richtung vorzugeben.
🥁 Roots: Der Klang einer eigenen Identität
1996 erschien Roots. Für manche Fans war es ein Bruch mit den alten Thrash-Tugenden. Für andere das mutigste Album der gesamten Bandgeschichte.
Sepultura verknüpften wuchtige, tiefer gestimmte Gitarren mit brasilianischen Rhythmen, Percussion und kulturellen Einflüssen, die im internationalen Metal damals kaum zu hören waren.
Die Zusammenarbeit mit Musikern der indigenen Xavante-Gemeinschaft verlieh dem Album eine zusätzliche Dimension. Dabei war Roots keineswegs nur eine musikalische Rückbesinnung auf Herkunft und Tradition, sondern auch ein Versuch, den eigenen kulturellen Hintergrund selbstbewusst in eine globale Musikszene einzubringen.
Roots Bloody Roots wurde zum wohl bekanntesten Song der Band. Doch die eigentliche Bedeutung des Albums reicht weiter.
Sepultura bewiesen, dass extremer Metal nicht zwangsläufig aus den immer gleichen europäischen und amerikanischen Einflüssen bestehen musste.
Der Mut, eine eigene Identität hörbar zu machen, gehört zu ihrem wichtigsten Vermächtnis.
⚔️ Nach Max Cavalera begann ein zweites Leben
Noch im Jahr 1996 kam es zum Bruch.
Max Cavalera verließ Sepultura, und mit ihm verschwand die Stimme, die den frühen Klang der Band geprägt hatte. Für viele Fans schien damit die eigentliche Geschichte bereits beendet.
Doch Sepultura machten weiter.
1998 erschien Against mit dem neuen Sänger Derrick Green. Die amerikanische Stimme brachte eine andere Präsenz und neue Ausdrucksmöglichkeiten mit. Gleichzeitig mussten sich Sepultura gegen den ständigen Vergleich mit ihrer eigenen Vergangenheit behaupten.
Das war nicht immer einfach. Einige Alben dieser Phase fanden weniger Beachtung als die Klassiker der frühen Neunziger. Die Band experimentierte weiterhin, suchte neue Wege und musste sich gegen den Vorwurf verteidigen, ohne Max Cavalera nicht mehr dieselbe zu sein.
Nach dem Abschied von Schlagzeuger Iggor Cavalera im Jahr 2006 war die ursprüngliche Ära endgültig Geschichte.
Trotzdem veröffentlichten Sepultura weiter neue Musik. Dante XXI, Kairos, Machine Messiah und schließlich Quadra zeigten eine Band, die ihre Vergangenheit nicht verleugnete, sich aber auch nicht darauf reduzieren lassen wollte.
Gerade Quadra von 2020 verband technische Härte, komplexe Rhythmen und atmosphärische Passagen auf beeindruckende Weise.
Wer die Derrick-Green-Jahre nur als langen Nachklang der Cavalera-Ära betrachtet, übersieht fast drei Jahrzehnte eigenständiger Bandgeschichte.
🖤 The Cloud of Unknowing: Der letzte musikalische Gruß
Auch im Abschiedsjahr wollten Sepultura nicht ausschließlich von ihren alten Songs leben.
Am 24. April 2026 erschien mit The Cloud of Unknowing eine letzte EP mit vier neuen Stücken.
Die Veröffentlichung umfasst All Souls Rising, Beyond the Dream, Sacred Books und The Place. Sie zeigt noch einmal unterschiedliche Seiten der Band: aggressive Rhythmen, melodische Passagen, gesellschaftliche Themen und eine überraschend nachdenkliche Stimmung.
Besonders The Place beschäftigt sich mit Migration, Identität und den Widersprüchen gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
Am Schlagzeug sitzt Greyson Nekrutman, der 2024 die Nachfolge von Eloy Casagrande antrat und die letzten Jahre der Band mitgestaltet.
Damit ist die Abschieds-EP nicht bloß ein nostalgischer Nachtrag. Sie dokumentiert Sepultura als aktive, kreative Gruppe, die auch am Ende ihrer Laufbahn noch etwas zu sagen hatte.
🇧🇷 Ein letztes Konzert in São Paulo
Die Abschiedstournee Celebrating Life Through Death führte Sepultura seit 2024 noch einmal über mehrere Kontinente.
Für den endgültigen Schlusspunkt kehren sie nach Brasilien zurück.
Am 7. November 2026 steigt das letzte angekündigte Konzert in der Suhai Music Hall in São Paulo. Ursprünglich war die größere Arena Pacaembu vorgesehen. Im September wurde der Auftritt jedoch bei unverändertem Termin in die Suhai Music Hall verlegt.
Zum Abschied sind mehrere bekannte Bands und Musiker eingeladen.
Mit Krisiun steht eine weitere bedeutende brasilianische Extrem-Metal-Band auf dem Programm. Sacred Reich vertreten den amerikanischen Thrash Metal.
Besonders prominent besetzt ist Metal Allegiance, unter anderem mit Mike Portnoy, Alex Skolnick, Chuck Billy, Phil Demmel, Troy Sanders und Mark Menghi.
Auch ehemalige Sepultura-Musiker wie Jairo Guedz und Jean Dolabella wurden für den Abschiedsabend angekündigt.
Die aktuelle Band besteht aus Derrick Green, Andreas Kisser, Paulo Jr. und Greyson Nekrutman.
Wie das letzte Konzert im Einzelnen ablaufen wird und welche Überraschungen auf der Bühne warten, ist noch offen. Zum Zeitpunkt dieser Meldung hat der Auftritt noch nicht begonnen.
🎸 Was von Sepultura bleibt
Sepultura waren nie eine bequeme Band.
Sie wechselten ihren Stil, verloren prägende Mitglieder, spalteten ihre Fangemeinde und widersetzten sich immer wieder den Erwartungen einer Szene, die ihre Helden gern in einem einzigen Erfolgsjahr konserviert.
Nicht jede musikalische Entscheidung war überzeugend. Nicht jedes Album erreichte die Wucht von Arise oder die kulturelle Bedeutung von Roots.
Aber gerade diese Brüche gehören zu einer Geschichte, die weit über die üblichen Erzählungen von Aufstieg, Ruhm und Niedergang hinausgeht.
Sepultura haben gezeigt, dass extremer Metal aus Brasilien nicht nur international bestehen, sondern die Entwicklung des gesamten Genres beeinflussen konnte.
Sie öffneten Türen für Musiker, die ihre Herkunft nicht hinter einer amerikanischen oder europäischen Klangästhetik verstecken wollten. Ihre Musik verband Geschwindigkeit mit Groove, politische Wut mit kultureller Identität und rohe Aggression mit experimenteller Neugier.
Für uns liegt darin ihr bleibender Wert.
Denn große Bands erkennt man nicht allein daran, wie viele Menschen ihre Songs kennen. Sondern auch daran, wie viele andere Musiker nach ihnen anders zu spielen beginnen.
Heute Abend sollen Sepultura zum letzten Mal gemeinsam die Bühne betreten.
Irgendwann wird der letzte Ton verklungen sein. Die Verstärker werden abgeschaltet, die Scheinwerfer erlöschen und eine Bandgeschichte, die 1984 begann, ihren angekündigten Schlusspunkt finden.
Aber Beneath the Remains, Arise, Chaos A.D. und Roots werden bleiben. Ebenso wie all die Musik, die danach noch entstand.
Mehr als vier Jahrzehnte sind vorbei.
Der Lärm bleibt.






