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Die Rache zieht ins Streaming
📰 Was ist los?
Scarlet startet am 17. Mai 2026 bei Netflix.
🐛 Was denken wir?
Hosodas Fantasy-Hamlet über eine ermordete Prinzessin klingt weiterhin nach großem Anime-Stoff, nur offenbar auch nach einem Film, bei dem Schönheit und Erzählstruktur nicht immer denselben Weg genommen haben.
🩸 Scarlet: Netflix holt Hosodas umstrittenen Fantasy-Anime ins Abo
⚔️ Racheprinzessin mit Hamlet-Ballast
Scarlet kommt am 17. Mai 2026 zu Netflix und damit erstaunlich flott nach dem limitierten deutschen Kinostart. Für alle, die Mamoru Hosodas neuen Fantasy-Anime im Kino verpasst haben, ist das praktisch. Für alle, die ihn bereits gesehen haben, beginnt jetzt vermutlich Runde zwei der Diskussion: großer Wurf oder schönes Chaos?
Der Film stammt von Mamoru Hosoda, also dem Regisseur von Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, Ame & Yuki – Die Wolfskinder, Mirai und Belle. Das allein reicht normalerweise, um Anime-Fans aufhorchen zu lassen. Bei Scarlet war die Reaktion allerdings weniger einhellig als bei früheren Hosoda-Lieblingen. Visuell gelobt, erzählerisch deutlich umstrittener. Genau die Sorte Film also, die im Streaming möglicherweise ein zweites Leben bekommt.

👑 Worum es geht
Im Zentrum steht Scarlet, eine Prinzessin, die ermordet wird und im Jenseits nach Rache sucht. Ihre Reise vermischt Raum, Zeit, Fantasy und Shakespeare-Motive. Hamlet ist dabei keine versteckte Inspirationsquelle, sondern ziemlich deutlich im Fundament des Films verbaut.
Das ist mutig, aber auch riskant. Hamlet ist kein leichter Rucksack für einen Fantasy-Anime. Wer diese Vorlage nimmt, bekommt sofort Themen wie Schuld, Vergeltung, Wahnsinn, Macht und moralische Lähmung mitgeliefert. Scarlet dreht daraus eine Geschichte über Rache, Schmerz und möglicherweise die Frage, ob Vergebung stärker sein kann als Vergeltung. Reuters beschrieb Hosodas Ansatz genau in diese Richtung: Nicht bloß Rachefantasie, sondern ein Versuch, den Kreislauf des Hasses aufzubrechen.
🌌 Warum der Film spaltet
Das Spannende an Scarlet ist nicht nur, dass er polarisiert. Das Spannende ist, warum er polarisiert. Die positiven Stimmen loben die visuelle Fantasie, die Atmosphäre und den Ehrgeiz. Rotten Tomatoes fasst den Film als ambitionierte Hamlet-Variation mit eindrucksvoller Fantasy und starker Stimmung zusammen.
Die skeptischen Stimmen sehen dagegen genau dort das Problem: viel Idee, viel Bildkraft, aber nicht immer genug erzählerische Klarheit. Der Guardian kritisierte den Film als visuell beeindruckend, aber thematisch und narrativ zerfasert. Das ist bei Hosoda besonders interessant, weil seine besten Filme oft gerade aus emotionaler Präzision leben. Wenn Scarlet diese Präzision nicht durchgehend findet, wird aus großer Fantasy schnell ein sehr schöner Irrgarten.
🎬 Deutscher Trailer zu Scarlet
Der Trailer zu Scarlet zeigt Mamoru Hosodas Fantasy-Anime als bildgewaltige Rachegeschichte zwischen Jenseitsreise, Shakespeare-Schatten und ziemlich viel emotionalem Schwertgewicht.
🪓 Schlussurteil: Genau richtig fürs Streaming-Experiment
Scarlet ist wahrscheinlich genau so ein Film, der im Kino schwerer zu verkaufen ist als im Streaming. Zu speziell für den großen Massenlauf, zu prominent für die Nische, zu schön für völlige Gleichgültigkeit und offenbar zu unrund, um überall durchzuzünden.
Bei Netflix kann das funktionieren. Dort werden viele neugierig reinschauen, die Hosoda kennen, den Kinostart verpasst haben oder einfach Lust auf einen Fantasy-Anime haben, der nicht nach Serienbaukasten aussieht.
Ob Scarlet am Ende als unterschätzter Hosoda oder als überladener Shakespeare-Ausflug durchgeht, wird die zweite Welle zeigen. Aber ein Anime über eine tote Prinzessin, Rache im Jenseits und Hamlet mit Fantasy-Klinge verdient zumindest eines: Angesehen zu werden, bevor man ihn endgültig beerdigt.




