Scarlet: Mamoru Hosoda macht aus Hamlet ein Zeitreise-Purgatorium

🔍 Suche im Fantasykosmos

Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Scarlet: So dickköpfig wie gute Anime Fantasy sein muss

📰 Was ist los?
Mit Scarlet bringt Mamoru Hosoda einen neuen Kinofilm, der Shakespeares Hamlet in ein bildgewaltiges Anime-Purgatorium verlegt: Eine mittelalterliche Prinzessin, die durch Zeit und Raum springen kann, will den Mord an ihrem Vater rächen, scheitert, landet in einer Zwischenwelt und trifft dort auf einen heutigen Sanitäter. Visuell fährt Studio Chizu alles auf, was Hybrid-CG und IMAX hergeben, von Zeitreise-Tripsequenzen bis zu spirituellen Drachen-Tableaus. Die Kritiken reichen von „eine der beeindruckendsten Animationsleistungen des Jahres“ bis „emotional stark, erzählerisch überladen“.

🐛 Was denken wir?
Scarlet wirkt wie genau der Film, den Hollywood seit Jahren verspricht und nie hinbekommt: eine echte, dickköpfige Autorenvision im Großformat, die lieber stolpert, als sich auf Franchise-Autopilot zu stellen. Dass die Story nicht an jeder Stelle funktioniert, stört uns deutlich weniger als die Vorstellung, schon wieder eine glattpolierte Live-Action-Neuverfilmung von Hamlet ertragen zu müssen. Wer Hosoda mag, bekommt hier den maximalen „Ich schreibe meine Midlife-Crisis direkt in den Kosmos“-Modus. Alle anderen dürfen sich immerhin über einen Anime freuen, der nicht wie eine zweistündige Merchandise-Präsentation wirkt.

🌌 Scarlet: Mamoru Hosoda macht aus Hamlet ein Zeitreise-Purgatorium

Gender-geswitchter Hamlet, Racheprinzessin mit Zeitsprung-Fähigkeiten, IMAX-Bildrausch: Scarlet ist der neue Animationsbrocken von Mamoru Hosoda, und die ersten Kritiken sind sich erstaunlich einig. Visuell überragend, erzählerisch ambitioniert bis chaotisch. Perfektes Futter für alle, die ihre Fantasy gern mit existenzieller Krise sehen wollen.


🎬 Worum geht’s – ohne Shakespeare-Seminar?

Die Basis kennst du: Hamlet, aber in hübsch blutig und als Anime.
Statt des dänischen Prinzen haben wir hier Prinzessin Scarlet, Schwertkämpferin im 16. Jahrhundert, deren Vater – der König – öffentlich von Onkel Claudius hingerichtet wird. Danach wird sie selbst vergiftet und landet im „Otherworld“, einem Zwischenreich irgendwo zwischen Leben und Nichts. Von dort aus kann sie durch Zeit und Raum springen, um ihren Tod und den des Vaters zu rächen.

Das Setting:

  • Purgatorium-Limbo aus zerfließenden Räumen, Erinnerungsbrocken und alternativen Zeitlinien
  • ein Drachenwesen, das über die Ebenen wacht
  • ein Gegenwarts-Sanitäter namens Hijiri, der nach einer Messerattacke ebenfalls im Zwischenreich landet und mit Scarlet kollidiert, emotional allerdings weniger als die PR gern behauptet.

Die Mischung: Rachemärchen, Coming-of-Age, metaphysisches Traktat über Lebenswillen, alles gleichzeitig, manchmal auch alles auf einmal.


🎨 Bildgewalt und Technik: Studio Chizu im „wir können alles“-Modus

Hosoda wollte für Scarlet weder klassisches 2D noch „Hollywood-CG“, sondern eine hybride Optik: extrem detaillierte Modelle, feinere Mimik als im üblichen Anime, aber weiterhin klar stilisierte Figuren. Das Ding hat viereinhalb Jahre Produktion gefressen, länger als alle seine vorherigen Filme.

Optisch bedeutet das:

  • gigantische Purgatorium-Panoramen, in denen Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukünfte übereinander bluten
  • IMAX-optimierte Sequenzen, z.B. eine Zeitreise-Passage, die irgendwo zwischen 2001: A Space Odyssey und knallbunter Jacques-Demy-Musicalvision liegt
  • ein sehr bewusster Kontrast zwischen mittelalterlicher Schlachtplatte und neonleuchtenden, fast schon Sci-Fi-haften Zwischenwelten

Kurz: Bildgewalt auf Anschlag, bei der man den Story-Faden gelegentlich verliert, aber das mit offenem Mund tut.


🧠 Thema, Subtext, ambitioniertes Chaos

Hosoda sagt selbst, er wollte sich an Rache abarbeiten – und an der Frage, ob der Schritt „zurück ins Leben“ überhaupt möglich ist, wenn man sich komplett über Vergeltung definiert. Dafür nimmt er sich aus Hamlet nur die grobe Grundkonstellation und baut drumherum eine psychologische Geisterbahn.

Die Kritiken zeichnen ein ziemlich einheitliches Bild:

  • thematisch wahnsinnig ehrgeizig: Schuld, Vergebung, Krieg, Selbsthass, Spiritualität, alles im Topf
  • strukturell manchmal brüchig bis holprig; besonders Hijiri wirkt für viele wie eine Walking Exposition Dump, der Scarlet gelegentlich die Show stiehlt, ohne je wirklich spannend zu sein
  • emotional dafür häufig treffsicher, wenn Scarlet buchstäblich um ihr Recht zu leben ringt

Auf den Punkt gebracht: groß gedacht, nicht immer sauber gebaut, aber deutlich interessanter als der übliche IP-Remix.


📅 Release & Kino-Fakten (D, Japan, Welt)

Ein paar harte Eckdaten für die News-Sektion:

  • Japanischer Kinostart: 21. November 2025 (Toho)
  • Weltpremiere: außer Konkurrenz bei den Venice International Film Festival am 4. September 2025
  • Deutscher Kinostart (Sony Pictures): aktuell 24. Februar 2026, FSK 12
  • US-Release: Oscar-Qualifying Run Ende 2025, dann einwöchiger IMAX-Start ab 6. Februar 2026, Wide Release ab 13. Februar
  • Studio: Studio Chizu, mit Sony/Columbia als Partner im Rücken

Streaming ist dank Sony-Deal perspektivisch Netflix-wahrscheinlich, aber noch nicht datiert.


🧾 Kritiken: Zwischen Meisterwerk und „visuell toll, story meh“

Die Spanne ist ziemlich groß, aber auf hohem Niveau:

  • Rotten Tomatoes fasst das Ganze als „narrativ ambitionierte Hamlet-Variante mit atemberaubender Fantasy und unvergesslicher Atmosphäre“ zusammen.
  • US-Kritiken loben vor allem Bildsprache und Emotionalität, kritisieren aber eine gewisse Überfrachtung und Vereinfachung in den Figurenbeziehungen, insbesondere Hijiri kommt oft als dramaturgischer Fremdkörper weg.
  • Andere sehen genau in diesem wuchtigen, etwas unaufgeräumten Ansatz die Stärke: ein Film, der lieber zu viel will als zu wenig und sich nicht scheut, metaphysische Fragen offen zu lassen.

Kurz: Scarlet ist kein „alle mögen das gleichermaßen“-Hit, sondern eher ein Film, der Diskussion produziert – was in der aktuellen Animationslandschaft schon fast exotisch ist.

🎬 Offizieller Trailer

Scarlet – Offizieller deutscher Trailer
Eingebettet vom YouTube-Kanal Sony Pictures Deutschland.


🧾 Unser Fazit in einem Satz gepresst

Scarlet ist kein perfekter Film, aber genau die Sorte bildgewaltiges, thematisch überambitioniertes Fantasy-Kino, die man sich im IMAX ansieht, um sich danach genüsslich über die Brüche zu streiten und nicht, um den Plot fünf Minuten nach Abspann wieder vergessen zu haben.

Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
Mystisches Banner mit Elyra, der Sternengöttin: Ihr leuchtendes Gesicht vor einem funkelnden Sternenhimmel, goldener Schriftzug ‚Dein Blick in die Zukunft?‘ und ein glänzender goldener Button ‚Direkt zum Sternenorakel‘.