ScareScore misst Horror am Puls – Smartwatches sollen den gruseligsten Film küren

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Wenn die Smartwatch beim Film mitschreibt

📰 Was ist los?
ScareScore misst während Horrorfilmen und Attraktionen Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität und Bewegung und berechnet daraus einen individuellen Reaktionswert. Beim Screamfest soll die Technik bereits breit eingesetzt werden; ein Film erhält dort sogar eine Auszeichnung für die stärkste biometrische Schreckreaktion.

🐛 Was denken wir?
Als Ersatz für Filmkritik taugt das Verfahren kaum, denn Herzrasen misst keine erzählerische Qualität. Als zusätzliche Ebene ist es allerdings faszinierend: Zum ersten Mal könnte ziemlich präzise sichtbar werden, welcher Schreckmoment bei einem Publikum tatsächlich körperlich eingeschlagen hat.

War ein Horrorfilm wirklich erschreckend oder behauptet das Publikum nachher nur, dass er es war? ScareScore möchte diese Frage künftig mit Daten beantworten. Die neu gestartete Plattform verbindet sich mit Smartwatches und anderen Wearables und zeichnet während Filmen oder Horrorattraktionen auf, wie stark der Körper tatsächlich reagiert.

Mehrere Smartphone-Ansichten der ScareScore-App zeigen biometrische Horrorwertungen, Pulskurven und gemessene Schreckreaktionen.
ScareScore will mit Wearables messen, wie stark Zuschauer körperlich auf Horrorfilme und Attraktionen reagieren. © ScareScore

Gemessen werden unter anderem Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität und Bewegung. Daraus entsteht nach dem Erlebnis ein persönlicher ScareScore, der zeigen soll, wann der Puls hochging, wann jemand zusammenzuckte und wie schnell sich der Körper anschließend wieder beruhigte.

⌚ Der Körper bekommt seine eigene Filmwertung

Vor dem eigentlichen Erlebnis ermittelt ScareScore zunächst einen individuellen Ausgangswert. Das ist wichtig, weil ein Ruhepuls von 55 und einer von 85 Schlägen pro Minute wenig sinnvoll direkt miteinander verglichen werden könnten.

Während des Films werden die Veränderungen gegenüber diesem persönlichen Ausgangszustand aufgezeichnet. Dadurch soll am Ende keine bloße Herzfrequenzzahl entstehen, sondern ein Wert dafür, wie intensiv der jeweilige Zuschauer körperlich auf bestimmte Momente reagiert hat.

Der Clou liegt in der zeitlichen Zuordnung. ScareScore kann erfassen, an welcher konkreten Stelle eines Films oder einer Attraktion die Reaktion stattgefunden hat, wodurch sich später ziemlich genau erkennen lässt, welcher Schreckmoment tatsächlich funktioniert hat.

🎬 ScareScore – offizieller Werbespot

Die Smartwatch als Horrorprüfer: Der offizielle Spot zeigt, wie ScareScore körperliche Reaktionen auf Filme und andere Erlebnisse in einen persönlichen Wert verwandeln will.

🎬 Screamfest macht daraus bereits einen echten Filmpreis

Die Technik bleibt nicht lange ein reines App-Experiment. Das Screamfest Horror Film Festival setzt ScareScore in diesem Jahr bei einem Großteil seines Programms ein und geht noch einen Schritt weiter.

Ein Film soll erstmals einen Preis dafür erhalten, dass er beim Publikum die stärkste biometrisch gemessene Schreckreaktion ausgelöst hat. Damit entscheidet bei dieser Auszeichnung weder Jury noch Publikumsabstimmung über den Sieger, sondern die körperliche Reaktion der teilnehmenden Zuschauer.

Das ist zumindest ein bemerkenswerter Versuch, eine der ältesten Behauptungen des Horrorkinos messbar zu machen. „Der erschreckendste Film des Festivals“ wäre dann plötzlich keine reine Werbeformel mehr.

😱 Herzrasen bedeutet allerdings noch lange keinen guten Film

Genau hier wird die Sache zugleich interessant und problematisch. Ein hoher ScareScore kann zeigen, dass ein Film starke körperliche Reaktionen hervorruft. Er kann kaum beantworten, ob die Geschichte gut geschrieben, die Figuren interessant oder die Inszenierung nach dem Abspann noch im Kopf geblieben ist.

Ein überraschend lauter Knall könnte den Puls möglicherweise stärker nach oben treiben als zwanzig Minuten hervorragend aufgebauter psychologischer Horror. ScareScore misst deshalb eher Intensität als Qualität.

Gerade als zusätzliche Perspektive besitzt das System trotzdem Reiz. Kritiken, Publikumswertungen und Festivalpreise erzählen etwas darüber, wie Menschen einen Film beurteilen; biometrische Daten könnten ergänzen, wie ihr Körper ihn während des Sehens erlebt hat.

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🧠 Für Studios werden die Daten noch interessanter

Für Filmstudios, Festivals und Betreiber von Horrorattraktionen steckt darin eine zweite Ebene. Sie können nicht nur sehen, ob eine Reaktion stattfand, sondern auch wann.

Damit ließe sich beispielsweise erkennen, ob ein sorgfältig vorbereiteter Schock tatsächlich funktioniert, ob die Spannung zwischen zwei Höhepunkten einbricht oder welche Szene verschiedene Zuschauergruppen besonders stark trifft. ScareScore möchte diese zeitlich synchronisierten Daten deshalb langfristig auch als Analysewerkzeug für die Entertainmentbranche anbieten.

Das könnte weit über Horror hinausgehen. Die Entwickler planen Einsätze bei Kinofilmen, Streaminginhalten, Freizeitparks und immersiven Erlebnissen.

🏆 Biometric Awards sollen ein eigenes Bewertungssystem schaffen

Beim Screamfest bleibt es offenbar nicht. ScareScore plant sogenannte Biometric Awards, bei denen Filme und andere Entertainment-Erlebnisse anhand der gemessenen körperlichen Reaktionen ausgezeichnet werden.

Damit könnte neben Jury-, Publikums- und Kritikerpreisen tatsächlich eine völlig andere Kategorie entstehen. Ein Werk würde dann gewinnen, weil es bei den Zuschauern nachweisbar die stärkste unmittelbare Reaktion erzeugt hat.

Wie aussagekräftig solche Vergleiche bei größeren Zuschauergruppen am Ende wirklich werden, muss sich erst zeigen. Menschen reagieren schließlich sehr unterschiedlich auf Angst, Spannung und Stress, und ein erhöhter Puls kann viele Ursachen haben.

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📱 Horror ist nur das Versuchslabor

Dass ScareScore ausgerechnet mit Horror beginnt, ist ziemlich logisch. Kaum ein anderes Genre lebt so stark von unmittelbar sichtbaren körperlichen Reaktionen: Zusammenzucken, angespannte Muskeln, beschleunigter Puls oder die kurze Erholungsphase nach einem Schreck.

Die Plattform soll langfristig allerdings ebenso bei Thrillern, Freizeitparkattraktionen, Streamingproduktionen und anderen emotional intensiven Erlebnissen funktionieren. Horror dient zunächst als besonders geeignetes Testfeld für die Technik.

Damit bekommt der alte Kinostreit „Der war überhaupt nicht gruselig!“ möglicherweise bald eine neue Antwort. Vielleicht sagt dann niemand mehr etwas – und legt einfach die Pulskurve auf den Tisch.

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