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📺 Sat.2 startet: ProSiebenSat.1 eröffnet den Wertstoffhof des Fernsehens
ProSiebenSat.1 bringt im Winter einen neuen Free-TV-Sender an den Start. Sat.2 richtet sich vor allem an Zuschauer ab 50 Jahren und soll unter dem Motto „Wiedersehen macht Freude“ erfolgreiche Sat.1-Programme aus den vergangenen zwei Jahrzehnten wiederholen. Genannt werden unter anderem Der Bulle von Tölz, Kommissar Rex und Verliebt in Berlin. Zu sehen sein soll der Kanal linear, über Joyn und auf weiteren Plattformen.
Das ist mutig. Schließlich existiert mit Sat.1 Gold bereits ein Sender, der vom vorgeblichen Glanz früherer Trash-Fernsehabende lebt. Sat.2 ist damit ungefähr das, was entsteht, wenn man den Inhalt der gelben Tonne noch einmal durchwühlt und ruft: „Moment, aus diesem Joghurtbecher können wir locker noch einen halben Mittwochabend machen.“
Der Konzern nennt das eine strategische Erweiterung seines Portfolios. Wir würden es eher lineare Resteverwertung mit permanenter Werbeunterbrechung taufen.

📼 Wiedersehen macht Freude – bis man sich erinnert
Sat.2 klingt wie die Fortsetzung eines Senders, dessen Handlung niemand vollständig verstanden hat. Man erwartet Sat.1, nur größer, schneller und mit Explosionen. Tatsächlich kommt ein Archivkanal für Menschen, die sich noch daran erinnern, dass Serien früher zu festen Uhrzeiten liefen und man eine verpasste Folge anschließend für immer verloren glaubte.
Heute wird nichts mehr verloren. Jede Sendung bleibt irgendwo liegen, bis ein Medienkonzern sie zwanzig Jahre später aus dem Keller holt, kurz abstaubt und als „neue zusätzliche Alternative für Entertainment-Bedürfnisse“ wieder vor die Tür stellt.
Das ist Programmnekromantie in ihrer reinsten Form.
Die alten Formate kehren zurück, sehen noch genauso aus wie früher und wissen selbst nicht recht, warum sie erneut unter den Lebenden wandeln. Nur die Werbepausen sind moderner und versuchen inzwischen, einem gleichzeitig Treppenlifte, Nahrungsergänzung und eine App für digitalen Vermögensaufbau zu verkaufen.
🗑️ Diese Sendungen erwarten uns auf Sat.2
Der Bulle von Tölz – Mord in der Wiederholungsschleife
Benno Berghammer untersucht, warum derselbe Fall am Dienstag, Donnerstag und Sonntag gelaufen ist. Die Spur führt direkt in die Programmplanung. Dort besitzt allerdings jeder ein wasserdichtes Alibi: Zielgruppenoptimierung.
Kommissar Rex – Sitz, Platz, Zielgruppe
Rex sucht eine verschwundene Fernbedienung, findet drei alte Werbeblöcke und erschnüffelt im Archiv einen ungeöffneten Karton mit Drehbüchern. Am Ende bekommt er eine Wurstsemmel, die bereits bei der Erstausstrahlung im Studio lag.
Verliebt in Berlin – Die komplette Brillenphase
Alle Folgen, in denen Lisa Plenske noch nicht erkannt hat, dass sie eigentlich attraktiv ist. Der Sender verspricht eine besonders behutsame Ausstrahlung über 14 Jahre, damit kein Zuschauer von der späteren Kontaktlinsenentwicklung überrascht wird.
Richter Alexander Hold – Das Urteil wird wiederholt
Alte Fälle werden neu aufgerollt, obwohl das Urteil längst feststeht. Der Angeklagte hat inzwischen seine Strafe verbüßt, eine Familie gegründet und bittet darum, die Sendung wenigstens diesmal ohne dramatischen Zoom auf sein Gesicht auszustrahlen.
Niedrig und Kuhnt – Der Fall der verschwundenen Quote
Zwei Ermittler verfolgen eine rätselhafte Spur durch Fernsehhaushalte, Seniorenresidenzen und Wartezimmer. Schließlich entdecken sie die Vermisste schlafend unter einem Stapel alter TV-Zeitschriften.
K11 – Sonderkommission Videotext
Ein Verbrechen geschieht auf Seite 777. Die Ermittler müssen herausfinden, wer noch einen Fernseher besitzt, auf dem man das prüfen kann. Der Fall bleibt ungelöst, entwickelt aber überraschend starke Marktanteile bei Faxgerätebesitzern.
Das Frühstücksfernsehen von 2006
Wetter, Nachrichten und Verbrauchertipps von damals werden unverändert wiederholt. Das schafft emotionale Sicherheit und liefert gelegentlich genauere Zukunftsprognosen als manche aktuelle Sendung.
🧙 Die Zwischenreiche wittern ein großes Geschäft
Der Start von Sat.2 hat in vielen Regionen der Zwischenreiche sofort Begeisterung ausgelöst. Dort lagern in den Gewölben des königlichen Rundfunks mehrere Jahrhunderte ungezeigter Programme, die wegen Flüchen, verschwundener Darsteller oder akuter Sinnlosigkeit nie vollständig ausgestrahlt wurden.
ProSiebenSat.1 soll bereits über eine Zusammenarbeit verhandeln. Geplant ist ein gemeinsames Abendprogramm unter dem Arbeitstitel „Wiedersehen macht manchmal eben auch Furcht“.
Diese Formate stehen angeblich kurz vor dem Export:
Der Bulle von Mumpflingen
Ein Minotaurus ermittelt in einer idyllischen Kleinstadt, indem er sämtliche Verdächtigen in eine Sackgasse treibt. Die Aufklärungsquote liegt bei 100 Prozent, der Bestand an historischen Haustüren inzwischen bei null.
Kommissar Rexx
Der dreiköpfige Höllenhund Rexx kann gleichzeitig eine Fährte verfolgen, einen Verdächtigen bewachen und die Beweismittel fressen. Besonders der dritte Kopf gilt innerhalb der Dienststelle als schwierig.
Verflucht in Muränien
Eine junge Goblinfrau verliebt sich in einen reichen Erben, dessen Familie seit 400 Jahren unter einem Fluch leidet. Nach 870 Folgen stellt sich heraus, dass der Fluch nur eine schlecht formulierte Hypothek war.
Richter Grabhold
Der untote Richter fällt seine Urteile bereits vor Prozessbeginn, weil er sämtliche Beteiligten noch aus deren früheren Leben kennt. Berufungen sind möglich, dauern jedoch bis zur nächsten Wiedergeburt.
Aktenzeichen XY – ungelöst seit dem Dritten Zeitalter
Gesucht werden ein verschwundener Drache, zwölf geraubte Mautkassen und ein Mann, der 1347 im Knattermoor eine Taverne verließ, ohne seine Zeche zu zahlen. Hinweise nimmt jede halbwegs zuverlässige Kristallkugel entgegen.
♻️ Fernsehen kann gar nicht alt genug sein
Sat.2 besitzt tatsächlich eine gewisse Ehrlichkeit. Andere Sender verkaufen jahrzehntealte Formate als große Comebacks, Reboots oder Neuinterpretationen. Sat.2 sagt im Grunde: Das Zeug liegt noch da rum, ihr kennt den Mist doch, also schalten wir es wieder an.
Dagegen lässt sich kaum argumentieren.
Im Streamingzeitalter verschwinden Zuschauer regelmäßig für 40 Minuten in Menüs, beginnen vier Serien und beenden keine davon. Sat.2 bietet die beruhigende Alternative: Man kennt die Figuren, den Mord, das Ende und vermutlich sogar die Werbepause. Fernsehen ohne Risiko.
Unser Eindruck: Sat.2 ist kein neuer Sender, sondern ein warmer Dachboden mit Sendelizenz. Dort stehen die alten Formate zwischen Kartons, Weihnachtsdekoration und einem Röhrenfernseher, der nach kurzem Klopfen noch irgendwie funktioniert.
Die Zwischenreiche begrüßen dieses Konzept ausdrücklich. Dort gilt Wiederholung seit jeher als höchste Form der Nachhaltigkeit. Eine Serie wird erst abgesetzt, wenn der letzte Darsteller, Zuschauer und Programmdirektor vergessen hat, warum sie überhaupt lief.
Sat.2 dürfte also eine große Zukunft besitzen.
Mindestens so groß wie seine Vergangenheit.






