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Sagenbringer – Zwischen den Welten
🧿 Kurzfazit
Zwischen den Welten ist der Moment, in dem Sagenbringer endgültig vom Szenetipp zur vollwertigen Folk-Metal-Marke aufrücken: zwölf Sagen in Albumform, meist hymnisch, oft tanzbar, manchmal erstaunlich ernst.
🎯 Für wen?
Für Leute, die bei Begriffen wie Folk-Metal, Pagan-Metal und Walpurgisnacht nicht die Augen verdrehen, sondern die Trinkhornbestellung prüfen. Und für alle, denen Feuerschwanz zu albern, Varg zu grimmig und Chart-Pop grundsätzlich zu arm an Runen ist.
🎧 Wie klingt das?
Moderne Metal-Gitarren mit klarem Punch, dazu Folk-Melodien, die sich ohne Umweg in den Gehörgang bohren. Schlagzeug und Bass liefern Festival-Groove, die Chöre sorgen für Lagerfeuer-Euphorie. Textlich pendelt das Ganze zwischen nordischer Mythologie, Freiheitsromantik und gepflegtem Kneipenpathos.
💿 Highlights
Valkyrensturm, Freie Vögel, Zwielichtkarneval, Der stete Tropfen
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei jedem „In Odins goldener Hall“ innerlich den Tolkien-Notausgang suchst oder Folk-Chöre generell als akuten Fluchtgrund betrachtest.
⚔️ Sagenbringer – Zwischen den Welten: Odin ruft, der Circle Pit antwortet
Folk- und Pagan-Metal gibt es gefühlt seit der Bronzezeit, aber Sagenbringer sind noch eine relativ junge Entität im Pantheon. Die Nordlichter aus dem Raum Hamburg und Sylt haben sich erst 2021 gegründet, aber mit den ersten beiden Alben Sagenbringer und Zeit der Geschichten schon diverse Festivalbühnen erobert und sich auf Touren mit Szenegrößen warmgespielt.
Mit Zwischen den Welten, dem dritten Studioalbum, soll nun der nächste Schritt folgen: erste eigene Headliner-Tour, Fanboxen, Vinyl, das volle Programm. Inhaltlich verspricht die Platte genau das, was der Titel nahelegt: eine Brücke zwischen Mythologie und Gegenwart, zwischen Geschichten aus alten Zeiten und Gefühlen von heute. Laut Ankündigung gibt es zwölf Songs als „Geschichten“, in denen Freude und Trauer, Mut und Verzweiflung gleichberechtigt vorkommen. Die Frage ist nur, wie viel davon im Riffgewitter übrig bleibt.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Folk-Metal, Pagan-Metal, moderner Melodic-Metal mit Rock-Einschlag
Vergleichbar mit: Eine Schnittmenge aus norddeutscher Tavernenromantik und ernst gemeintem Pagan-Pathos. Stell dir eine Achse vor zwischen Ensiferum, Vogelfrey und einer weniger clownesken Variante von Feuerschwanz, nur mit stärkerem Fokus auf klaren Metal-Sound und weniger Dudelsack-Zirkus.
Klangfarbe: Die Gitarren arbeiten mit druckvollen Riffs, die eher im Modern-Metal zu Hause sind, während die Melodien eindeutig nach Folk klingen. Das Schlagzeug bevorzugt treibende Rhythmen und einfache, aber effektive Groove-Patterns, die auf Festivalböden zuverlässig Staub aufwirbeln. Darüber schwebt eine Lead-Stimme, die sich Hörern als wiedererkennbares Zentrum anbietet und von Chören gestützt wird, wenn der Refrain zur Sauf- oder Freiheits-Hymne anschwellen soll.
Produktionen dieser Art kippen gern in Plastik-Bombast, aber hier bleibt der Klang weitgehend klar und druckvoll, ohne die Instrumente in orchestrale Nebel zu ertränken. Man hört, dass die Songs live funktionieren sollen, nicht nur auf der Fantasy-Playlist im Büro.
✨ Highlights
Valkyrensturm
Der offensichtliche Türöffner: Die Vorab-Single setzt direkt auf Vollgas, hymnische Chöre und einen Refrain, der so sehr nach „erstes Lied im Set“ schreit, dass man fast automatisch nach einer Konfettikanone sucht. Textlich gibt es nordische Schlachtromantik, musikalisch dominieren Up-tempo-Riffs und ein Chorus, der seine Zielgruppe in erster Reihe ziemlich genau kennt. Wer hier nicht zumindest innerlich den imaginären Schild hebt, ist im komplett falschen Genre gelandet.
Freie Vögel
Die zweite große Single denkt weniger an Valhalla, mehr an Barrikaden und offene Feldwege. Das Lied verpackt Aufbegehren, Freiheitssehnsucht und ein bisschen Robin-Hood-Fantasie in eine sofort zündende Melodie. Schnelles Tempo, mitsingbarer Refrain, Chöre, die den Circle Pit freundlich aber bestimmt in Richtung Refrain schubsen. Inhaltlich nahe an der Revolutionshymne, musikalisch eher das freundliche „Wir klauen der Obrigkeit das Bierfass“ als der ernsthafte Systemsturz.
Zwielichtkarneval
Hier gönnen sich Sagenbringer den ersten Ausflug in etwas schrägere Gefilde. Der Song mischt düstere Strophen mit leicht versetzten Rhythmen und einem Refrain, der eher an einen finsteren Jahrmarkt erinnert als an den üblichen Pagan-Schunkel. Keyboards und Chöre erzeugen eine Karneval-im-Feenwald-Atmosphäre, die zwar nicht jedem gefallen wird, aber die Platte hörbar aufbricht und zeigt, dass die Band sich nicht nur im Standardrepertoire wohlfühlt.
Der stete Tropfen
Die längste Nummer des Albums nimmt sich Zeit. Zwischen sechs Minuten aufwärts kann viel schiefgehen, hier funktioniert der Song jedoch als ernstere, nachdenklichere Erzählung. Musikalisch wechseln ruhigere, fast balladeske Passagen mit kräftigeren Ausbrüchen, die eher in Richtung epischer Midtempo-Metal gehen. Textlich geht es weniger um Götter und mehr um menschliche Ausdauer, was der Platte an dieser Stelle guttut und ein bisschen Tiefgang jenseits des Mythologie-Bingos liefert.
🎨 Artwork
Cover con tutto: Sagenbringer lassen bei der Coverkunst nichts anbrennen, im Zweifel wird einfach alles genommen. Im Zentrum steht ein kolossaler Weltenbaum, der so offensichtlich Yggdrasil ruft, dass man fast erwartet, dass Odin gleich wegen Markenrechtsverletzung anklopft. Die Baumkrone teilt sich in zwei Hälften: links lodert ein Inferno aus Flammen und glutroten Wolken, rechts wabern kühle Blautöne, Nebel und Sternenlicht. Dazwischen kreisen bunte Planeten wie Dekokugeln am Fantasy-Weihnachtsbaum, oben thront eine gleißende Sonne direkt über dem goldenen Sagenbringer-Logo.
Am Stamm lehnt sich eine Gestalt mit Geweihkrone und ausgebreiteten Armen, vor sich ein aufgeschlagenes Buch oder Pult mit Runenornament, der Hohepriester, der die ganze Szenerie zusammenhält und offenbar gerade aus dem Handbuch „Wie beschwöre ich alle Klischees gleichzeitig“ rezitiert. Die Wurzeln des Baums winden sich darunter zu einem knorrigen Geflecht, in dem sich eine Schlangen-/Drachenkreatur ringelt; ganz unten schwebt noch eine dunkle Sphäre, auf der der Albumtitel „Zwischen den Welten“ in geschwungener Goldschrift prangt.
Subtil ist hier gar nichts, aber das Cover macht ziemlich klar, worum es geht: Mythos auf Anschlag, Weltenbau in Primärfarben und eine Bildsprache, die lieber einmal zu viel „episch“ schreit, als Gefahr zu laufen, übersehen zu werden.
🪦 Besondere Momente
Mythologie-Bingo deluxe – Odin, Freya, Götterdämmerung, Valkyren: Das komplette nordische Starter-Set wird einmal sauber durchgespielt, als läge im Proberaum eine Checkliste „bitte alle Götter mindestens einmal erwähnen“.
Revolutionsromantik auf Festivalniveau – Wenn von Freiheit, Ketten sprengen und „Vögeln“ die Rede ist, klingt das eher nach solidarischer Circle-Pit-Therapie als nach tatsächlichem Systemsturz. Politischer Impetus, aber immer brav moshkompatibel verpackt.
Skaldenimage im Dauerbetrieb – Sagenbringer inszenieren sich konsequent als Geschichtenerzähler zwischen den Welten: Bücher, Runen, Weltenbaum, Hohepriesterpose. Subtil ist das nicht, aber als Marke sitzt das inzwischen verblüffend stabil.
🪓 Fazit
Zwischen den Welten erscheint bei NoCut (spv) und zeigt eindeutig seine Ambition auf breitere Distribution. Das Album wird mit Fanboxen, Bundles und einer eigenen Tour beworben, was unterstreicht, dass hier mehr geplant ist als ein weiteres Nischenrelease im Merch-Shop.
Inhaltlich knüpft die Platte an die bisherigen Themen der Band an: Geschichten aus Mythologie und Fantastik, verbunden mit menschlichen Gefühlen, die irgendwo zwischen Trauer, Mut und Lebensfreude liegen. Die Idee, sich explizit als „Erzähler“ zu inszenieren, wird auf dem Album konsequent fortgeführt, auch wenn die erzählte Welt streckenweise sehr vertraut wirkt.
Zwischen den Welten ist kein revolutionäres Manifest, aber ein sehr souverän geschnürtes Paket aus Folk- und Pagan-Metal, das genau weiß, in welches Regal es gehört. Sagenbringer liefern zwölf Songs ab, die zwischen Tanzfläche und Nackenmuskulatur pendeln und dabei immer wieder kleine erzählerische Momente einbauen, die über das bloße „Schunkeln mit Schwert“ hinausgehen.
Die Stärken liegen klar in den eingängigen Refrains, der soliden, modernen Produktion und dem Gefühl, dass hier eine Band spielt, die ihre Live-Tauglichkeit schon im Proberaum mitdenkt. Schwächen zeigen sich dort, wo die Texte zu sehr auf Mythologie-Standardbaukasten setzen oder wo eine Idee eher wie „das Pflichtlied über Walpurgisnacht“ wirkt als nach einer eigenen Geschichte.
Wer allerdings genau diese Mischung aus Legendenromantik, Freiheitsfantasie und metallischer Härte sucht, wird mit Zwischen den Welten sehr glücklich werden. Und wer Folk-Metal sonst für verkleidete Karnevalsprobefahrten hält, wird zumindest anerkennen müssen, dass Sagenbringer ihre Kunstfigur mit spürbarem Ernst und einer ordentlichen Portion Herzblut betreiben.

| Künstler: | Sagenbringer |
| Albumtitel: | Zwischen den Welten |
| Erscheinungsdatum: | 30. Januar 2026 |
| Genre: | Folk-Metal, Pagan-Metal, Metal |
| Label: | NoCut Entertainment / SPV |
| Spielzeit: | ca. 52 Minuten |
Feuer und Eis
Valkyrensturm
Berserker feat. Asenblut
Freie Vögel
Bei Vollmond
Zwielichtkarneval
Walpurgisnacht
Freya feat. Nissara
Der stete Tropfen
In Odins goldener Hall
Götterdämmerung
Ein goldener Morgen
🎬 Offizielles Video
Offizielles Lyric Video zu „Freie Vögel“ – Sagenbringers Freiheits- und Mitsinghymne aus dem Album Zwischen den Welten. Bereitgestellt vom offiziellen NoCut Entertainment-YouTube-Channel.
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