Rostflügel statt Regelstaub: Rust Wings hebt auf Kickstarter ab

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Fliegende Teenager im Schrottparadies

📰 Was ist los?
Rust Wings ist ein neues Fantasy-TTRPG von watt, dem Macher von Cloud Empress. Das Spiel läuft seit 3. März 2026 auf Kickstarter, ist bereits erfolgreich finanziert und wird dort als Mausritter-kompatibles Abenteuer über jugendliche Schatzsucher beschrieben, die mit selbstgebauten Flugmaschinen eine verfallene Inselstadt erkunden. Laut Kicktraq steht die Kampagne derzeit bei 367 Unterstützern und 28.113 Dollar bei einem Ziel von 12.000 Dollar; das Projekt läuft bis Anfang April.

🐛 Was denken wir?
Das ist endlich mal ein Spiel, das sich nicht mit „Ghibli-inspiriert“ schmückt und dann bloß Wolken auf eine altbekannte Regelmühle malt. Rust Wings wirkt, als wolle es Bewegung, Raumgefühl und bittersüße Abenteuerlust tatsächlich spielbar machen lassen statt nur zu illustrieren.

✈️ Rostflügel statt Regelstaub: Rust Wings hebt auf Kickstarter ab

Studio-Ghibli-Einflüsse im Pen-and-Paper sind inzwischen fast ein eigenes Biom. Meist bekommt man dann warmes Licht, ein bisschen Melancholie und am Ende doch wieder denselben netten Spaziergang mit Würfeln. Rust Wings wirkt auf den ersten Blick anders: mehr rostige Flughäfen als Kuschelwald, mehr verlassene Türme als Teekesselromantik. Das neue TTRPG von watt läuft derzeit auf Kickstarter, ist bereits finanziert und setzt auf jugendliche Schatzsucher, Schrottflugzeuge und eine Welt, die eher nach Castle in the Sky und Porco Rosso riecht als nach Wohlfühl-Fanservice.

🏙️ Keine Wohlfühlwolke, sondern rostige Höhe

Der Clou an Rust Wings ist schon das Setting. Statt gemütlicher Naturmagie schickt das Spiel seine Figuren in eine Welt aus endlosen Ozeanen, verlassenen Städten, verrosteten Fahrzeugen, Sky Pirates, Robotern und einer autoritären Marine, die Jugendliche zwangsverpflichten will. Auf Tower Island sucht man nach verschwundenen Freunden, fliegt zwischen Ruinen und versucht dabei, nicht von Staat, Altmetall oder Vergangenheit zerlegt zu werden. Das ist nicht das übliche „Schaut mal, wie weich der Himmel ist“, sondern eher Jugendabenteuer mit Rost an den Fingern und Politik im Maschinenraum.

Wargamer hebt dabei völlig zu Recht hervor, dass das Spiel seine Vorbilder nicht nur optisch plündert. Dort wird Rust Wings ausdrücklich als Titel beschrieben, der sich stärker an den Themen von Ghibli orientiert als bloß an der Oberfläche. Das ist der entscheidende Punkt. Viele Projekte wollen aussehen wie ein verlorenes Storyboard aus Japan. Weniger viele fragen sich, warum diese Geschichten überhaupt funktionieren. Rust Wings scheint zumindest zu ahnen, dass Melancholie, Freiheitsdrang, Technikromantik und jugendliche Unsicherheit wichtiger sind als ein paar Wolken und ein putziger Roboter.

🎲 Mausritter im Flugmodus

Mechanisch wird es spannender, als der hübsche Anblick zunächst vermuten lässt. Rust Wings basiert auf dem Mausritter-System, das 2021 bei den ENNIE Awards Gold als Best Family Game/Product gewann. Der Designer hat sich laut eigener Aussage gerade wegen der Zugänglichkeit und der taktilen Komponenten für dieses Fundament entschieden. Das passt, denn Rust Wings will Erkundung nicht als Beiwerk behandeln, sondern als eigentlichen Motor des Spiels.

Besonders interessant ist das Raumkonzept. Das Spiel setzt auf dreidimensional gedachte Bewegung. Das geschieht entweder über ein spiralgebundenes Kartenbuch oder durch Holzklötze auf einer 2D-Karte. In seinen Design-Texten beschreibt watt außerdem, dass Gruppen Orte direkt mit physischen Blöcken oder auf dem beigelegten Buch mit Punchboard-Token bespielen können. Das klingt erst einmal nach Basteltisch, ist aber in Wahrheit die eigentliche Idee: Höhe, Klettern, Springen, Verstecken und Risiko sollen räumlich greifbar werden, statt als trockene Probe im Regelrand zu verhungern.

Gerade das weiß zu gefallen. Viele Rollenspiele behaupten, Erkundung sei wichtig, meinen aber in Wahrheit nur, dass man von Raum A nach Raum B läuft und unterwegs dreimal auf Wahrnehmung würfelt. Rust Wings scheint Exploration dagegen als körperliche, sichtbare Entscheidung zu behandeln. Das ist nicht revolutionär im kosmischen Sinn. Aber es ist eine verdammt gute Antwort auf ein altes Problem.

🤖 Flugzeuge, Gefahren, kleiner Roboter

Natürlich gibt es auch Flugmechanik. Starts und Landungen werden erzählerisch darüber vermittelt, welche Maschinen man fliegt, welche Gefahren in der Luft lauern und wie der kleine Roboter-Maskottchen-Begleiter eingebunden ist. Zusammen mit der Suche nach den verschwundenen Freunden und dem Druck einer militarisierten Ordnung ergibt das einen Ton, der deutlich bittersüßer und rauer wirkt als das übliche „cozy but make it anime“.

Hinzu kommt, dass watt das Projekt nicht als spontane Laune aus dem Ärmel geschüttelt hat. Im Newsletter sprach man bereits im Oktober 2025 davon, dass Playtests, Design und Artwork für Rust Wings auf Hochtouren laufen. Dort wurden als Einflüsse unter anderem Castle in the Sky, Arcane und The Wind Waker genannt, zudem Porco Rosso und One Piece. Das klingt nach einer wilden Mischung, aber wenigstens nach einer mit echtem Geschmack und nicht nach einem Generator für „beliebte Referenzen 2026“.

🪓 Unser Fazit: Ghibli-Look reicht nicht, Idee schon eher

Rust Wings ist nicht einfach eine News, weil wieder jemand „Ghibli-inspiriert“ auf eine Crowdfunding-Seite geschrieben hat. Das sehen wir im Indie-Bereich ungefähr so oft wie Nebel in einem Fantasy-Trailer. Interessant ist das Projekt, weil es nach einem echten spielerischen Gedanken aussieht: vertikale Bewegung, physischer Raum, improvisierte Flugzeuge, jugendlicher Freiheitsdrang und eine Welt, die nicht nur niedlich, sondern auch nett kaputt ist.

Ob das am Ende ein großer Wurf wird, kann man vor Release natürlich nicht seriös schwören. Aber als Konzept hat Rust Wings deutlich mehr Substanz als viele andere Wohlfühl-Projekte mit Wolkenrand und Nostalgieglanz. Anders gesagt: Das hier könnte tatsächlich dauerhaft fliegen und nicht nur in einem niedlichen Bogen abstürzen.

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