Rotting Christ – Aealo (Re-Recorded) (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Rotting Christ – Aealo (Re-Recorded)

🧿 Kurzfazit
Aealo (Re-Recorded) macht aus dem kantigen Kriegsritual von 2010 einen cineastisch aufgeblasenen Feldzug: gleicher Schlachtplan, modernerer Sound, deutlich weniger Schmutz.

🎯 Für wen?
Für alle, die die sakralen Kriegshymnen von Rotting Christ lieben, aber sich seit Jahren eine zeitgemäß fette Produktion zwischen Black Metal, Melodic Death und symphonischem Bombast wünschen.

🎧 Wie klingt das?
Dichte Gitarrenwände, marschierende Drums, folkloristische Melodien, Chöre, martialische Percussion und diese typischen Sakis-Tolis-Shouts, jetzt eingebettet in ein breiteres, räumlicheres, deutlich glatteres Klangbild.

💿 Highlights
Aealo, Noctis Era, Thou Art Lord, Orders from the Dead

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du den rauen, leicht schrill produzierten 2010er-Sound als Teil der Magie liebst und keinen Bedarf siehst, ihn in „Streaming-kompatibel“ übersetzt zu bekommen.


‪‪⚔️ Rotting Christ – Aealo (Re-Recorded): Kriegstrommeln mit neuem Anstrich

Rotting Christ haben sich also ausgerechnet Aealo geschnappt, um in die große Re-Recording-Welle einzusteigen. Kein früher Kult-Klassiker, kein verstaubtes Demo, sondern das ohnehin schon ziemlich kampferprobte Kriegsalbum von 2010, nur diesmal mit frischem Soundpanzer, neuem Cover und komplett neu eingespielten Tracks. Die Frage ist also weniger, ob die Songs noch funktionieren (Spoiler: tun sie!), sondern ob dieser bombastische Neuanstrich der Platte wirklich guttut oder ihr genau die Narben aus dem Gesicht bügelt, die sie einst so spannend gemacht haben.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Black Metal, Melodic Black/Death Metal, symphonischer Extreme Metal
Vergleichbar mit: der mittleren Rotting-Christ-Phase um Theogonia, keltisch angehauchter Schlachten-Bombast irgendwo zwischen Septicflesh und Varathron, nur weniger Orchester und mehr Kriegschor.
Klangfarbe: Ritualgesänge, weibliche Klagelieder, folkloristische Bläser- und Saitenlinien, treibende Doublebass und hymnische Gitarrenriffs, alles in einen modernen, dicken Mix gegossen, der die cineastische Seite des Albums maximal betont.

Highlights

Aealo
Der Titeltrack war immer der Einstieg in die Schlacht, diese Mischung aus griechischer Kriegschor-Parole, martialischem Groove und sofort mitsingbarer Leadfigur. In der neuen Version sitzt der Rhythmus noch straffer, die Chöre sind breiter, der Refrain hat mehr „Festival-Hymne“ als „rauer Feldzug“. Wer immer schon gerne hören wollte, wie eine Triere, im Wahn über die Wellen geprügelt wird, bekommt hier die Hochglanzversion davon.

Noctis Era
Der vielleicht markanteste Song des Albums profitiert stark vom Re-Recording: Die treibende Strophe, die „Hey!“-Shouts, der mitmarschierende Refrain, das wirkt jetzt wie aus einem Guss. Die Gitarren haben mehr Punch, die Chöre kleben sich nicht mehr so schrill auf den Mix, und die ganze Nummer wirkt wie ein Schnellzug durch die Unterwelt, statt wie ein rumpelnder Kriegskarren.

Thou Art Lord / Orders from the Dead
Das Doppel aus Gastauftritten bleibt auch 2026 der dramaturgische Höhepunkt: Alan Averill setzt seinem Part in Thou Art Lord noch einmal das Krönchen auf, seine Stimme ist im neuen Mix klarer konturiert und steht weniger im Effektnebel. Orders from the Dead mit Diamanda Galás bleibt die manischste, verstörendste Nummer der Platte, hier wirkt die aufgeräumte Produktion fast ironisch: Unter all dem Hall zeichnet sich ihr Wahnsinn nun noch deutlicher ab.

🎨 Artwork

Kriegerdenkmal frisch zerstört: Das neue Aealo-Cover sieht aus, als hätte man einem alten Kriegsdenkmal den Stecker gezogen und gewartet, was im Dunkeln übrig bleibt. Im Mittelpunkt hängt der Oberkörper eines Kriegers, halb Mensch, halb verwitterte Reliquie. Die Haut ist aufgerissen, zerfetzt, stellenweise schon eher Pergament als Fleisch, und dort, wo ein Gesicht sein sollte, schiebt sich ein antiker Helm tief über den Schädel. Der Visor ist gespalten, der Kiefer darunter nur noch eine zahnlose, leer grinsende Ruine.

Das Ganze wirkt, als würde die Figur nach vorne kippen, von unsichtbaren Fäden gehalten – eine Mischung aus gefallener Hoplit und wandelndem Kriegsdenkmal. Blut und Dreck ziehen sich wie Roststreifen über Brust und Bauch, als hätte jemand den Heldenkult der Antike in Formalin gelegt und dann vergessen.

Hinter der Gestalt liegt eine zerstörte Stadtlandschaft: zerborstene Tempelsäulen, brennende Trümmer, Rauchschwaden, all das in matschigen Dunkelbraun- und Grautönen verschwommen. Keine stolzen Akropolis-Linien, sondern eine verwischte Erinnerung daran, dass es hier einmal eine Zivilisation gab, bevor Krieg und Zeit sie aufgerieben haben.

Oben thront der Rotting Christ-Schriftzug in blassen, fast eisigen Lettern, darunter der Titel Aealo – kurz, knapp, hart. Zusammen ergibt das Artwork weniger „epischer Metal-Fantasy-Track“, sondern eine brutale Momentaufnahme nach der Schlacht: Der Held ist längst tot, der Helm ist zum Schädel geworden, und der Krieg hängt nur noch als schwerer Schatten über den Ruinen. Genau der Punkt, an dem die Musik wieder einsetzt.


🪦 Besondere Momente

Kriegschor statt Kirchenchor: Die rituellen, teilweise in Altgriechisch gehaltenen Gesänge, Schreie und Chöre sind nach wie vor das Alleinstellungsmerkmal von Aealo. In der neuen Fassung wurden sie so abgemischt, dass sie mehr als Film-Score-Wand funktionieren und weniger wie ein unberechenbarer Chortrupp, der neben der Band herläuft.

Martialische Percussion: Pauken, zusätzliche Trommeln und folkloristisch angehauchte Schlaginstrumente wirken jetzt wuchtiger und tiefer, verlieren aber auch etwas von der „Staub im Proberaum“-Patina des Originals. Man hört, wie sehr die Band den Sound in Richtung moderner Stadionproduktion geschoben hat.

Neues Cover, neuer Blick: Das 2026er-Artwork setzt auf ein moderneres, etwas glatteres Kriegsmotiv, das deutlich weniger schockiert als die Nahaufnahme des ursprünglichen Covers. Inhaltlich passt das: Wo 2010 noch dreckige Intensität dominierte, steht heute die große, eher abstrahierte Kriegschoreografie im Vordergrund.

Fast schon zu respektvoll re-inszeniert: Die Band hat die Songs so eng an der Vorlage neu eingespielt, dass man an vielen Stellen eher an ein extrem hochwertiges Remaster als an ein Re-Recording denkt. Wer auf drastisch veränderte Arrangements hofft, wird hier eher selten fündig.

🪓 Fazit

Rotting Christ sind seit Ende der 80er die Speerspitze des griechischen Extreme Metal. Vom rohen Black-Metal-Underground über die hymnische Non-Serviam-Phase bis hin zu den epischen, sakralen Bombastwerken der letzten Jahre haben Sakis und Themis Tolis so ziemlich jede Entwicklungsstufe durchlaufen, die man sich im düsteren Metal vorstellen kann.

Aealo erschien ursprünglich 2010, aufgenommen in einem Studio am Fuß des Olymps, und gilt vielen als Übergangswerk: weniger reiner Black Metal, mehr Kriegshymne, mehr Folklore, mehr ritueller Overkill.

Sechzehn Jahre später hat die Band das Album komplett neu eingespielt, um es klanglich an die heutige Ära anzupassen: moderner Mix, neue Produktion, neues Artwork, alte Gäste. Die Aufnahmen erscheinen erneut über Season of Mist, als Digipak und in mehreren Vinylvarianten.

Im Kern ist Aealo (Re-Recorded) eine hochwertige Restaurierung: Die Songs sind nach wie vor stark, die Chöre und Kriegstrommeln zünden, und die neue Produktion lässt vieles so klingen, wie es wahrscheinlich schon 2010 im Kopf von Sakis klang.

Gleichzeitig ist dieser Neuanstrich ein zweischneidiges Schwert. Die scharfen Höhen, die etwas unruhige Balance zwischen Gitarren und Gesang, die Überdrehtheit des Originals, all das hatte Charme, weil es nach Schlachtfeld roch und nicht nach Dolby-Atmos-Trailer. In der 2026er-Version marschiert die Armee disziplinierter, aber eben auch kontrollierter: weniger Chaos, mehr Kino.

Unterm Strich bleibt ein starkes, zeitgemäß klingendes Album, das als Einstieg in die mittlere Phase von Rotting Christ hervorragend funktioniert. Wer seine Kriegs-Hymnen lieber mit Dreck unter den Nägeln hört, wird weiter zum 2010er-Aealo greifen; wer die Schlachtplatte in aktueller Klangpanzerung will, liegt mit dieser Version goldrichtig.

Albumcover Rotting Christ – Aealo (Re-Recording 2026): halbverwesten, blutverschmierten Krieger mit antikem Helm, der schief über einem skelettierten Schädel sitzt, vor brennenden Ruinen und zerfallenen Säulen; oben der Schriftzug „Rotting Christ“, unten der Titel „Aealo“.
Künstler:Rotting Christ
Albumtitel:Aealo (Re-Recorded)
Erscheinungsdatum:23. Januar 2026
Genre:Black Metal, Melodic Black Metal, Death Metal, Symphonic Extreme Metal
Label:Season of Mist
Spielzeit:ca. 49 Minuten

Aealo
Eon Aenaos
Daimonon Vrosis
Noctis Era
Dub-Sag-Ta-Ke
Fire, Death and Fear
Nekron Iahes…
…Pir Threontai
Thou Art Lord
Santa Muerte
Orders from the Dead

🎬 Full-Album-Stream

Rotting Christ – „Aealo“ (Rerecorded, 2026) – kompletter Full-Album-Stream über den offiziellen YouTube-Kanal Rotting Christ TV: Kriegschöre, Bombast und neu eingespielte Schlachthymnen in einem Rutsch.

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