Romantasy im Juni: Wenn der halbe Riese fake-datet und der Greif zum Tierarzt muss

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Amor hat plötzlich einen Worldbuilding-Ordner

📰 Was ist los?
Reactor hat eine neue Romantasy-Übersicht für Mai und Juni veröffentlicht. Besonders auffällig sind The Fake Divination Offense von Sara Raasch, Strange Familiars von Keshe Chow und The Feywild Job von C. L. Polk. Alle drei Titel zeigen auf ihre Weise, wie sehr Romantasy inzwischen Genres zusammenknetet: Sport-Romance, magische Tiermedizin, College-Rivalität, D&D-Heist und Feenreich-Gefühlschaos.

🐛 Was denken wir?
Man kann darüber spotten. Sollte man sogar. Aber man muss auch anerkennen: Während manche Fantasy-Abteilungen noch immer denselben alten Thronfolger über dieselbe alte Karte schieben, baut Romantasy gerade halbe Riesen in PR-Beziehungen ein und schickt Greife vermutlich zur Sprechstunde. Das ist mindestens wach.

💘 Romantasy im Juni: Wenn der halbe Riese fake-datet und der Greif zum Tierarzt muss

Romantasy ist längst nicht mehr nur „Fee trifft Muskelmann, beide haben Geheimnisse, irgendwo glitzert ein Hof“. Das Genre hat inzwischen absolut jede Tür geöffnet, jeden Besenschrank durchsucht und dabei festgestellt: Da geht noch was.

Der aktuelle Romantasy-Report von Reactor für Mai und Juni 2026 liefert dafür reichlich Beweismaterial. Dort versammeln sich Kryptiden-Romcoms, Shakespeare- und Mythen-Retellings, Dark Academia, göttliches Reputationsmanagement, magische Tiermedizin und ein Dungeons-&-Dragons-Heist im Feywild. Kurz: Der Buchmarkt hat wieder einmal beschlossen, dass Liebe erst dann richtig zählt, wenn mindestens ein magischer Haftungsschaden entsteht.

Ein halber Riese mit Blumenstrauß, eine magische Tierärztin mit Greif und zwei Fey-Diebe in einer chaotischen Romantasy-Buchladenklinik.

🏈 The Fake Divination Offense: Halber Riese, komplette PR-Katastrophe

Der schönste Aufhänger ist eindeutig The Fake Divination Offense von Sara Raasch. Das Buch erscheint am 19. Mai 2026 bei Bramble und ist der zweite Band der Reihe Magic and Romance. Die Prämisse klingt, als hätte jemand Sports Romance, Urban Fantasy und göttliche Krisenkommunikation in denselben Kessel geworfen: Orok, ein halber Riese und Rawball-Spieler der Philadelphia Hellhounds, gerät in eine Fake-Dating-Konstellation mit Cheerleader Alexo – unter anderem, um das Image seines Schutzgottes Urzoth aufzupolieren.

Das ist natürlich großartig absurd. Nicht etwa, weil Fake Dating neu wäre. Fake Dating ist im Romance-Regal ungefähr so selten wie ein Dolch im Grimdark-Prolog. Aber Fake Dating als PR-Reparaturmaßnahme für einen aggressiven Gott? Das hat Format.

Man stelle sich die Marketingrunde vor:

„Urzoth wirkt in letzter Zeit etwas unnahbar.“
„Er ist ein Kriegsgott.“
„Eben. Wir brauchen mehr Nahbarkeit.“
„Vielleicht ein Charity-Event?“
„Nein. Halbriese mit Cheerleader. Beziehungskampagne. Sofort.“

Genau an dieser Stelle wird Romantasy interessant. Nicht zwingend, weil jeder Plot literarisch nach Marmor aussieht, sondern weil das Genre keine Angst vor Mischung hat. Ein halber Riese im Profisport, ein Gott mit PR-Problem, Fake Dating als religiöse Schadensbegrenzung – das ist bescheuert genug, um neugierig zu machen.

Und ja: Das ist ein minimal vergiftetes Kompliment mit maximal hochgezogener Augenbraue.

Banner für den Spotify-Kanal von Fantasykosmos: Links das goldene Fantasykosmos-Logo und die große Headline „JETZT KLINGT’S EPISCH!“, darunter ein Hinweis auf Playlists, Metal, Magic und mehr auf Spotify. Rechts stehen Crowbah und Grabhold vor magischen Lautsprechern mit grün leuchtenden Klangwellen, eingebettet in eine düstere Fantasylandschaft mit Mond, Burgruinen und Fackeln.

🐾 Strange Familiars: Wenn der Greif einen Impftermin braucht

Noch schöner für uns beim Fantasykosmos ist Strange Familiars von Keshe Chow. Das Buch erscheint ebenfalls am 19. Mai 2026, bei Ace, und eröffnet die Reihe Seamere College. Im Zentrum steht ein College für magische Veterinärmedizin. Die Heldin Gwendolynne Chan will als Beste ihres Jahrgangs abschließen, solange ihr Rivale Harrisford Briggs ihr nicht den Rang abläuft. Gleichzeitig erschüttern magische Schübe London, Vertrautentiere drehen durch, und die beiden geraten in eine größere Krise hinein. Magische Tiermedizin ist eine dieser Ideen, bei denen man sich fragt, warum sie nicht längst ein eigenes Regal hat.

Denn natürlich braucht Fantasy so etwas. Wer behandelt den Greif nach einer Luftkampfverletzung? Wer entfernt einem Basilisken den Splitter aus der Pfote, ohne vorher selbst zur Statue zu werden? Was macht man, wenn der Vertrautenkater plötzlich telepathisch beleidigt ist und die Nachbarschaft verflucht? Und wie viel kostet eigentlich eine Zahnreinigung beim Drachen, wenn der Drache noch im Bonusprogramm der Feuerversicherung steckt?

Besonders hübsch: Keshe Chow ist selbst Veterinärin mit Schwerpunkt Katzenmedizin, was dem ganzen Tierheilkunde-Fantasy-Ansatz zumindest eine sehr solide Fachbodenplatte gibt. Romantasy mit Fachkenntnis in magischer Kleintierpraxis: Das ist schon ein Satz, für den man den Buchmarkt kurz in den Arm nehmen möchte.

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🧚 The Feywild Job: Ocean’s Eleven, aber mit Feen und emotionalem Totalschaden

Dann wäre da noch The Feywild Job von C. L. Polk. Der Roman erscheint am 30. Juni 2026 als Dungeons-&-Dragons-Tie-in und verbindet Romantasy mit einem Heist im Feywild. Zwei ehemalige Trickbetrüger-Partner sollen einen Edelstein namens The Kiss of Enduring Love stehlen; einer von ihnen hat allerdings einen magischen Pakt geschworen, nie wieder zu lieben.

Das ist so sauber gebaut, dass man fast applaudieren muss. Ein Feenreich, ein Liebesjuwel, zwei Ex-Partner, ein Heist und ein Schwur gegen die Liebe. Mehr romantische Sprengfallen kann man kaum in einen Plot legen, ohne dass das Buch beim Aufschlagen Rosenblätter und juristische Dokumente ausspuckt. Der Reiz liegt hier weniger im D&D-Siegel als in der Kombination: Feywild bedeutet ohnehin schon, dass Höflichkeit, Zeitgefühl und Vertragsrecht in Lebensgefahr sind. Wenn man dort auch noch einen romantisch aufgeladenen Edelstein stehlen muss, ist das vermutlich kein Raubzug mehr, sondern eine Paartherapie mit Fluchtplan.

🦋 Mothman, Bromantasy und der Rest vom magischen Datingmarkt

Reactor listet noch deutlich mehr Titel, und ein paar davon sind ebenfalls kleine Kommentarbonbons. Mothman Is My Boyfriend von McKayla Cole spielt in Cryptid Creek, einer Kleinstadt, in der Kryptiden offenbar nicht nur in Wäldern lauern, sondern romantisch verfügbar durch Cafés, Skateparks und Karaoke-Abende ziehen. Der Titel ist am 5. Mai 2026 bei Quirk Books erschienen. Das ist Romantasy in ihrer direktesten Form: Der Mothman ist nicht mehr Warnzeichen, Legende oder Unheilbote. Er ist plötzlich Beziehungsoption.

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Auch Bromantasy von Máire Roche klingt wie ein bewusst gezündeter Genre-Gag: ein mead- und skincare-begeisterter Held, eine Drachentöter-Quest und eine angeblich platonische Freundschaft, die sehr wahrscheinlich nicht lange platonisch bleibt. Der Titel erscheint laut Reactor am 26. Mai 2026.

Und dann gibt es noch Nemesis Mine von Amy Archer, in dem ein gescheiterter Schurke und ein strahlender Held eine Fake-Fehde inszenieren, um ihr jeweiliges Image zu retten. Das ist fast schon Fantasykosmos-Grundlagenforschung: Gut gegen Böse als Content-Marketing mit Umhang.

🧪 Warum Romantasy gerade so dankbar ist

Man kann sich über diese Titel lustig machen. Wir tun das ja auch mit Hingabe. Aber ganz ehrlich: Diese Bücher zeigen auch, warum Romantasy derzeit so gut funktioniert. Das Genre ist maximal anschlussfähig. Es schluckt Sport, Academia, Magiesysteme, Heists, Feenpolitik, Kryptiden, queere Liebesgeschichten, Drachenjagd, Götter-PR und Tiermedizin – und fragt danach nicht schamvoll nach einem Glas Wasser, sondern legt noch einen Glitzerdolch oben drauf.

Das wirkt manchmal überdreht. Manchmal formelhaft. Manchmal, als hätte jemand zehn TikTok-Tropes an einen Streitkolben gebunden. Aber es ist lebendig. Und genau das unterscheidet diese Ecke des Buchmarkts von vielen müden Fantasy-Aufgüssen, in denen wieder einmal ein verschollener Erbe eine alte Prophezeiung findet, während ein Kartograf im Anhang leise weint. Romantasy hat keine Angst davor, lächerlich zu wirken.

Das ist ihre Schwäche. Und ihre Waffe.

Werbung für ein elbisches Urlaubsressort.

🪓 Der Greif wartet schon im Behandlungszimmer

Der Mai und Juni zeigen also: Wer Romantasy für ein enges Genre hält, hat offenbar die letzten Regalmeter verpasst. Hier fake-datet ein halber Riese für göttliche Imagepflege. Dort studieren angehende magische Tierärzte, während London von Zauberschüben erschüttert wird. Im Feywild planen Ex-Partner einen Liebesjuwelen-Heist, und irgendwo fragt Mothman vermutlich, ob noch jemand Latte Macchiato möchte.

Muss man das alles lesen? Nein.

Muss man anerkennen, dass der Stoff herrlich kommentierbar ist? Unbedingt.

Romantasy hat den Punkt erreicht, an dem nicht mehr die Frage lautet, ob die Prämisse absurd ist. Sondern nur noch, ob sie absurd genug ist, um zwischen zwei Drachenflügeln und einem Fake-Dating-Vertrag zu glänzen.

Und wenn demnächst der erste Greif mit Verband am Empfang sitzt, wissen wir wenigstens: Der Termin war überfällig.

Fantasy-Satire-Banner: Ein Moosling mit glühenden Augen liest wütend in einem grünen Blattbuch. Darüber der Schriftzug ‚Nichts als die Wahrheit‘, unten der Titel ‚Der Arkane Moosverhetzer‘ und ein Button mit ‚Jetzt lesen!‘

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