Robert Jackson Bennett – A Trade of Blood (Rezension)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Robert Jackson Bennett – A Trade of Blood

📚 Kurzfazit
A Trade of Blood verbindet einen sauber konstruierten Mordfall mit Agrarpolitik, biologischer Magie und imperialer Geschichtsfälschung. Bennett erklärt sein Reich über Schlachthöfe und Lieferketten – und liefert damit erheblich mehr als den dritten Aufguss eines erfolgreichen Ermittlerduos.

😒 Was kratzt
Das Grundmuster der Reihe wird sichtbar: Ana erkennt früh, dass etwas gewaltig stinkt, während Din durch die gefährlichen Teile der Ermittlung stolpert. Der Fall ist zudem geradliniger als seine beiden Vorgänger und verrät manche Richtung etwas früher.

✨ Was funktioniert
Weltbau über Infrastruktur. Bennett zeigt keine Krönung, keinen Magierball und kein höfisches Bankett. Er zeigt, wo das Fleisch herkommt, was auf den Feldern wächst und welche Körper für die Stabilität des Imperiums verbraucht werden.

🩸 Mord und Versorgung
Der Tote ist kein isoliertes Opfer. Sein Tod berührt zwei Agrardynastien, eine ganze Provinz und die Ernährung des Reiches. Genau so baut man einen politischen Fantasy-Krimi.

🧵 Crowbah meint
Wenn Millionen Menschen von zwei verfeindeten Familien ernährt werden, ist der Mordfall nur die Vorspeise. Das eigentliche Verbrechen liegt meistens in der Buchhaltung.

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🩸 Robert Jackson Bennett – A Trade of Blood: Das Imperium hat Hunger, und jemand bezahlt mit Blut

Das Imperium isst. Es verschlingt Getreide, Fleisch, Früchte und jede Lüge, die nötig ist, damit gefüllte Teller sauber aussehen. Millionen Menschen müssen versorgt werden, also verwandeln sich Landstriche in Produktionsmaschinen, Tiere in Rohstoffe und Familien in Dynastien, deren Macht bis in Schlachthäuser, Äcker und Regierungskammern reicht.

In Sapirdad halten zwei solcher Familien die Nahrungskette des Reiches zusammen. Dann liegt Zansay Burav ermordet in einem Gasthauszimmer. Ihr heimlicher Geliebter Castus Armenta wird blutüberströmt am Tatort gesehen. Er besitzt die nötige Kraft, kennt sich mit dem Töten aus und kann sich an die entscheidenden Minuten nicht erinnern. Ein perfekter Täter also. Und ziemlich sicher der falsche.

Ana Dolabra braucht nur einen Blick auf den Fall, um dem Offensichtlichen zu misstrauen. Ihr Assistent Dinios Kol darf daraufhin wieder tun, was Assistenten genialer Ermittler gewöhnlich tun: zuhören, beobachten, jedes Detail in seinem außergewöhnlichen Gedächtnis speichern und möglichst nicht von Pilzen, Großgrundbesitzern oder biologisch optimierten Nutztieren umgebracht werden.

Robert Jackson Bennett führt seine preisgekrönte Fantasy-Krimireihe mit A Trade of Blood in die landwirtschaftliche Grenzregion eines Imperiums, das seine größten Verbrechen gern als notwendige Infrastruktur verbucht. Der Mordfall funktioniert. Ana und Din funktionieren. Die Welt ist grotesk, klug und stellenweise herrlich widerlich.

Noch stärker ist allerdings die Frage hinter dem Verbrechen: Wie viele Grausamkeiten darf ein Reich unsichtbar machen, solange seine Bevölkerung satt bleibt?


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Ana Dolabra und Dinios Kol reisen nach Sapirdad, einer abgelegenen Provinz, deren Felder, Viehzucht und Verarbeitungsanlagen für die Versorgung des Imperiums unverzichtbar sind. Beherrscht wird die Region von zwei rivalisierenden Familien. Die Buravs kontrollieren bedeutende Teile des Pflanzenanbaus, während die Armentas mit riesigen Tieren, Fleischproduktion und Schlachtung verbunden sind. Beide Häuser brauchen einander, verachten einander und verfügen über genug Einfluss, um einen privaten Konflikt in eine regionale Katastrophe zu verwandeln.

Dann wird Zansay Burav getötet. Alle Spuren weisen auf Castus Armenta. Er hatte eine heimliche Beziehung mit dem Opfer, wurde blutverschmiert beim Verlassen des Zimmers beobachtet und besitzt keine Erinnerung, die ihn entlasten könnte. Seine Ausbildung und Arbeit haben ihn zudem an Blut, Messer und tote Körper gewöhnt.

Die Behörden brauchen kaum weitere Beweise. Castus wird verurteilt und soll hingerichtet werden. Ana hält ihn für unschuldig. Der Tatort enthält kleine Unstimmigkeiten. Gegenstände stehen falsch. Spuren wirken arrangiert. Zansay könnte nach dem eigentlichen Angriff noch gehandelt und Hinweise hinterlassen haben. Dann sterben weitere Menschen, und aus einem scheinbar klaren Beziehungsmord wächst ein Geflecht aus Familienfehde, politischer Erpressung und biologischer Manipulation.

Eine entscheidende Spur führt zu einem Pilz, der das Verhalten kleiner katzenartiger Tiere beeinflusst. Diese Wesen werden in der Landwirtschaft eingesetzt, konditioniert und zu nützlichen Werkzeugen gemacht. Was bei Tieren funktioniert, könnte allerdings auch auf Menschen wirken. Damit steht plötzlich weit mehr auf dem Spiel als das Leben eines verurteilten Erben.

Sollten die beiden Agrarfamilien offen gegeneinander kämpfen, kollabiert die Versorgung Sapirdads. Das Imperium könnte Hunger leiden. Zugleich deuten die biologischen Methoden auf ältere Technologien und verdrängte Kapitel der Reichsgeschichte hin – genau jene Sorte Vergangenheit, die Imperien gewöhnlich so gründlich begraben, dass darüber anschließend Regierungsgebäude errichtet werden.

Während Ana das große Muster zusammensetzt, wird Din tiefer in die praktischen Gefahren der Ermittlung gezogen. Seine besondere Konditionierung als Engraver erlaubt ihm, Erlebtes nahezu vollkommen zu speichern. Doch diese Fähigkeit verändert sich. Erinnern wird leichter, Vergessen unmöglicher – und die geistige Überlastung, die ältere Engraver erwartet, rückt bedrohlich näher.

Auch Dins Familie greift wieder in sein Leben ein. Damit verbindet Bennett den äußeren Fall mit der persönlichen Frage, die seit Beginn der Reihe wächst: Wie lange kann Din Ana folgen, bevor sein eigener Körper und sein eigenes Gedächtnis den Preis verlangen?

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🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil

Robert Jackson Bennett schreibt Fantasy, als müsse jede großartige Idee zunächst durch Schlamm, Blut und einen schlecht belüfteten Schlachtraum gezogen werden. Seine Welt ist spektakulär, aber selten glänzend. Magie erscheint als Biologie, Chemie, chirurgischer Eingriff oder kontrollierte Mutation. Menschen verändern ihre Körper, Pflanzen erfüllen technische Funktionen, Pilze manipulieren Nervensysteme, und selbst kleine Nutztiere tragen etwas Unheimliches in sich.

Diese Körperlichkeit verleiht A Trade of Blood seine besondere Temperatur. Bennett erklärt die Welt nicht aus sicherer Entfernung. Er lässt Din sie riechen, berühren und gelegentlich fast schmecken. Erde, Tierkörper, kontaminierte Wälder und industrielle Verarbeitung werden zu Beweismitteln. Der Roman ist dabei erstaunlich lesbar. Bennett jongliert mit Familien, landwirtschaftlichen Verfahren, imperialen Behörden und biologischen Geheimnissen, ohne den Kriminalfall unter Welterklärungen zu begraben. Informationen erscheinen meist dort, wo sie für die Ermittlung nötig werden.

Ana sorgt zusätzlich dafür, dass keine Szene zu lange ehrwürdig bleibt. Ihre vulgäre Direktheit, ihre Freude an Provokation und ihr völliges Desinteresse an gesellschaftlicher Etikette reißen Löcher in jeden offiziellen Auftritt. Sie behandelt mächtige Grundbesitzer mit derselben Geduld wie einen verdächtigen Fleck auf dem Boden: kaum vorhanden, aber für die Untersuchung ausreichend. Der Humor funktioniert, weil er die Dunkelheit nicht entschärft. Ana kann eine absurde Bemerkung machen, während im Hintergrund sichtbar wird, dass ganze Tierpopulationen oder Menschengruppen für wirtschaftliche Zwecke manipuliert wurden. Das Lachen bleibt häufig im Hals stecken.

Stilistisch schwächer sind einige Passagen, in denen Bennett seine politische Aussage sehr deutlich unterstreicht. Die Verbindung zwischen Landwirtschaft, Tierleid und menschlicher Ausbeutung ist stark genug, um für sich zu sprechen. Gelegentlich erklärt der Roman sie trotzdem ein zweites Mal. Das ist jedoch kein großer Schaden. Aber bei einem Autor, der seine Leser so geschickt durch einen Mordfall führt, darf man erwarten, dass er ihnen auch die moralische Schlussfolgerung zutraut.

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🧍‍♂️ Figuren

Ana Dolabra

Ana bleibt eine der unterhaltsamsten Ermittlerfiguren der aktuellen Fantasy. Sie ist brillant, obszön, unberechenbar und besitzt ein erstaunlich stabiles moralisches Zentrum unter all der demonstrativen Unhöflichkeit. Sie interessiert sich kaum für Ansehen, Titel oder den Wunsch mächtiger Familien, ihre Angelegenheiten diskret zu behandeln. Entscheidend ist für sie, was geschehen ist – und wer den Preis dafür bezahlt.

In Sapirdad passt sie hervorragend. Die Provinz wird von Menschen kontrolliert, die wirtschaftliche Notwendigkeit mit moralischer Unantastbarkeit verwechseln. Ana erkennt diese Haltung sofort. Wo andere Versorgungssicherheit sehen, sucht sie nach den Körpern, auf denen sie errichtet wurde.

Bennett enthüllt erneut nur kleine Stücke ihrer Vergangenheit. Das reicht, um die Neugier zu halten, ohne aus Ana ein Rätselkästchen zu machen, dessen einzige Funktion im nächsten großen Geheimnis besteht. Sie besitzt schon jetzt genug Persönlichkeit, um jeden Raum zu übernehmen.

Besonders stark bleibt ihre Beziehung zu Din. Ana vertraut ihm inzwischen erheblich mehr, als sie offen zugibt. Gleichzeitig benutzt sie seine Fähigkeiten mit einer Härte, die zunehmend Fragen aufwirft. Sie will ihn schützen – allerdings nach den Maßstäben einer Frau, die Schutz gelegentlich mit dem präzisen Einsatz eines Mitarbeiters in Lebensgefahr verwechselt.

Dinios Kol

Din trägt den Roman emotional. Sein nahezu perfektes Gedächtnis macht ihn zum idealen Ermittlungsinstrument. Er sieht, speichert und reproduziert Details, die andere längst vergessen haben. Doch Bennett behandelt diese Fähigkeit konsequent als körperliche und geistige Belastung.

Ein Gedächtnis ohne gnädige Lücken klingt nur so lange wie ein Geschenk, bis Schmerz, Angst und jeder tote Körper darin dauerhaft erhalten bleiben. In A Trade of Blood beginnt Din deutlicher zu verstehen, dass seine Entwicklung nicht endlos kontrollierbar bleibt. Die Fähigkeiten eines Engravers wachsen. Mit ihnen wächst das Risiko, unter der Masse des Erinnerten zusammenzubrechen.

Die Begegnung mit seiner Familie öffnet zudem alte Verletzungen. Din hat sich verändert, seinen Platz neben Ana gefunden und eine neue berufliche Identität aufgebaut. Trotzdem kann ein einziger Mensch aus seiner Vergangenheit genügen, um ihn wieder in frühere Unsicherheiten zu ziehen.

Bennett macht aus Din keinen passiven Chronisten. Er wird mutiger, widerspricht Ana häufiger und entwickelt zunehmend ein eigenes Urteil. Gerade deshalb wirkt die drohende Überlastung so stark: Din wird als Mensch selbstständiger, während sein veränderter Körper ihn womöglich immer stärker festlegt.

Die Familien von Sapirdad

Die Buravs und Armentas sind mehr als zwei verfeindete Häuser aus dem üblichen Fantasyregal. Ihre Macht basiert nicht auf einer alten Krone oder einem besonders eindrucksvollen Stammbaum. Sie basiert auf Nahrung. Das macht sie gefährlicher. Jede politische Entscheidung kann sich auf Felder, Viehbestände, Arbeitskräfte und die Versorgung ganzer Regionen auswirken.

Castus Armenta funktioniert besonders gut als Verdächtiger, weil Bennett ihn weder als offensichtlich missverstandenen Unschuldigen noch als heimlichen Psychopathen zeichnet. Er ist Teil eines brutalen Systems, kennt Gewalt und trägt familiäre Privilegien mit sich. Seine mögliche Unschuld am konkreten Mord reinigt ihn nicht automatisch von allem anderen.

Zansay Burav gewinnt trotz ihres frühen Todes Kontur. Die Spuren, die sie hinterlässt, machen sie zur aktiven Teilnehmerin der Ermittlung. Ihr Tod startet den Fall; ihre letzten Handlungen helfen dabei, ihn zu öffnen.

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🕒 Tempo und Aufbau

Der Roman beginnt schnell: Leiche, eindeutiger Verdächtiger, bevorstehende Hinrichtung, Anas Widerspruch. Danach öffnet Bennett den Fall kontrolliert. Neue Todesfälle, familiäre Spannungen, biologische Experimente und politische Konsequenzen erweitern das Bild. Der Krimi bleibt verständlich, obwohl die Welt dahinter immer größer wird.

Im Vergleich zu The Tainted Cup und A Drop of Corruption ist die Konstruktion etwas geradliniger. Das Grundmodell aus verfeindeten Familien, heimlicher Liebe und drohender Eskalation besitzt vertraute Züge. Auch manche Wendung lässt sich früher erahnen.

Bennett kompensiert das mit dem Umfeld. Die Frage nach dem Täter trägt die Handlung, die Frage nach dem System gibt ihr Gewicht. Einige Abschnitte über landwirtschaftliche Verfahren und imperiale Versorgung verlangsamen den Kriminalfall. Diese Passagen sind jedoch selten bloße Informationsblöcke. Sie erklären, weshalb ein einzelner Mord das Reich destabilisieren kann und warum so viele mächtige Menschen an einer schnellen, bequemen Lösung interessiert sind.

Der Schluss zieht die Fäden sauber zusammen. Die Auflösung wirkt vorbereitet und fair. Der Leser erhält genügend Hinweise, ohne dass Ana ihren gesamten Gedankengang schon nach fünfzig Seiten offenlegt. Trotzdem zeigt sich langsam eine Reihenformel: Ana erkennt früh die Dimension des Falls, Din sammelt Erfahrungen und Verletzungen vor Ort, ein biologisches Grauen verbindet das Verbrechen mit einem größeren imperialen Geheimnis.

Diese Formel funktioniert noch hervorragend. Band 4 sollte sie allerdings stärker verbiegen, bevor aus Verlässlichkeit Routine wird.

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✨ Atmosphäre und Welt

Sapirdad besitzt keine romantische Grenzlandatmosphäre. Die Region ist staubig, heiß und von wirtschaftlichem Druck durchzogen. Große Flächen dienen der Produktion. Tiere werden gezüchtet, verändert und verarbeitet. Wälder tragen biologische Gefahren. Schlachthäuser riechen nach Blut, Arbeit und verdrängter Schuld.

Bennett verwandelt Landwirtschaft in ein Fantasythema, ohne daraus eine idyllische Feier des einfachen Lebens zu machen. Das Land ernährt das Imperium, aber diese Funktion hat es deformiert. Jeder Hof, jeder Stall und jedes Feld steht im Schatten der Frage, wie viel Ertrag verlangt wird und wer die Folgen trägt. Die Pilztechnologie fügt dem Ganzen einen leisen Horror hinzu. Ein Organismus, der Verhalten steuern kann, ist bereits bei Tieren verstörend. Sobald Menschen als mögliche Zielkörper ins Spiel kommen, kippt wirtschaftliche Effizienz in politische Kontrolle.

Das Imperium wirkt dadurch erneut riesig und erschreckend plausibel. Seine Macht beruht nicht allein auf Soldaten oder magischen Mauern. Es kontrolliert Wissen, Körper, Pflanzen und Versorgung. Bennetts Weltbau besitzt genau deshalb solche Stärke: Das Fantastische ersetzt die Realität nicht. Es macht ihre Mechanismen sichtbarer.

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🌾 Das Reich wird nicht durch Schwerter zusammengehalten

Viele Fantasyromane erklären Macht über Könige, Armeen und Magier. A Trade of Blood erklärt sie über Essen. Wer Nahrung kontrolliert, kontrolliert Städte, Soldaten und politische Stabilität. Eine Provinz kann weit vom Zentrum entfernt liegen und trotzdem wichtiger sein als der prächtigste Palast. Fällt ihre Produktion aus, helfen keine Heldensagen und keine goldenen Throne.

Die Buravs und Armentas sind mächtig, weil das Imperium sie braucht. Dadurch können sie Gewalt, Ausbeutung und fragwürdige biologische Methoden als unvermeidliche Begleiterscheinungen ihrer Arbeit verkaufen. Bennett bohrt genau in dieses Wort: unvermeidlich.

Die Tiere müssen manipuliert werden, weil die Arbeit sonst nicht effizient genug wäre. Die Familien müssen geschützt werden, weil ihre Fehde die Versorgung bedroht. Die Wahrheit muss kontrolliert werden, weil Panik gefährlich wäre. Jeder Schritt erscheint für sich vernünftig. Am Ende steht ein System, in dem niemand verantwortlich sein will und trotzdem überall Blut klebt. Der Mord an Zansay ist damit kein Fremdkörper. Er ist die private Variante einer Logik, nach der Sapirdad seit Jahren funktioniert: Einige Körper werden geopfert, damit andere bequem weiterleben können.

🍄 Wenn Tiere zu Werkzeugen werden

Die biologisch gesteuerten Kreaturen gehören zu den unangenehmsten Ideen des Romans. Sie sind klein, nützlich und an ihre Aufgaben angepasst. Genau das macht sie so verstörend. Bennett braucht kein gigantisches Monster, um Horror zu erzeugen. Es reicht ein Lebewesen, dessen Verhalten so gründlich verändert wurde, dass kein eigener Wille mehr erkennbar bleibt.

Das System behandelt diese Tiere als technische Geräte aus Fleisch. Der Schritt zum Menschen ist erschreckend kurz. Hier wird Bennetts Botschaft besonders deutlich. Ein Imperium, das gelernt hat, Tiere biologisch auf Gehorsam zu reduzieren, besitzt bereits das Wissen, Menschen ähnlich zu behandeln. Es fehlt nur noch eine ausreichend wichtige Begründung. Und Imperien finden bekanntlich immer eine.


🧩 Wird aus der Stärke langsam eine Formel?

Drei Bücher lang trägt die Kombination aus Kriminalfall, grotesker Biologie und imperialer Infrastruktur hervorragend. Ana und Din reisen an einen neuen Ort. Ein scheinbar klares Verbrechen öffnet größere Abgründe. Lokale Eliten verbergen politische und wirtschaftliche Interessen. Ana erkennt früh, dass die offizielle Geschichte nicht stimmt. Din wird in den körperlich gefährlichen Teil der Wahrheit gezogen. Dieses Muster ist inzwischen sichtbar.

A Trade of Blood leidet noch nicht ernsthaft darunter. Sapirdad besitzt genug Eigenart, die Agrarpolitik ist stark, und Dins persönliche Entwicklung verhindert Stillstand. Dennoch sollte Bennett im nächsten Band das Gerüst verschieben. Vielleicht muss Ana selbst stärker zur Verdächtigen werden. Vielleicht scheitert ihre Methode. Vielleicht kann Din eine Erinnerung nicht mehr zuverlässig einordnen. Möglichkeiten gibt es genug. Die Reihe ist nämlich einfach zu gut, um lediglich immer perfektere Varianten desselben Falls zu liefern.


🇩🇪 Wann kommen Ana und Din endlich auf Deutsch?

Drei Romane. Ein Hugo Award. Ein World Fantasy Award. Ein Ermittlerduo, das Fantasy, Krimi, Biologie und politische Weltkonstruktion so elegant verbindet, dass selbst Leser zugreifen können, die beim Wort „Magiesystem“ gewöhnlich das Fenster öffnen wollen.

Und diese Reihe liegt weiterhin nicht auf Deutsch vor.

Der deutsche Buchmarkt findet regelmäßig Platz für die nächste Drachenreiterin mit problematischem Ausbilder, drei Sonderausgaben derselben Romantasy und Farbschnitte, die wahrscheinlich bald eine eigene Regalversicherung brauchen. Für Robert Jackson Bennetts Ana-and-Din-Reihe scheint dagegen weiterhin niemand einen Übersetzer und ein paar freie Seiten im Programm zu finden.

Das ist schwer nachvollziehbar. Die Ana and Din Mysteries Reihe wäre keine riskante Nischenveröffentlichung. Die Bücher sind ausgezeichnet, zugänglich und besitzen ein klares Verkaufsmotiv: Sherlock Holmes trifft biologische Fantasy in einem Imperium, das von Leviathanen bedroht wird. Man könnte es sogar ohne glitzernden Farbschnitt verkaufen. Vielleicht ist aber genau das das Problem.

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📜 Fazit: Der Mord ist gelöst, der Hunger bleibt

A Trade of Blood ist ein starker dritter Band und der gehaltvollste Fantasy-Krimi dieser Veröffentlichungswoche. Robert Jackson Bennett konstruiert einen fairen Mordfall, erweitert die Geschichte um Agrardynastien, biologische Manipulation und Versorgungspolitik und zeigt erneut, wie gut sich Weltbau über konkrete Systeme erzählen lässt.

Ana Dolabra bleibt brillant und unmöglich. Din wächst weiter aus ihrer bloßen Assistentenrolle heraus, während die Kosten seiner Veränderung bedrohlicher werden. Ihre Beziehung trägt die Reihe, weil beide einander brauchen, ohne sich je vollständig zu verstehen.

Sapirdad ist dabei weit mehr als ein neuer Tatort. Die Provinz zeigt ein Imperium, das seine Bevölkerung mit Methoden ernährt, über die niemand beim Abendessen sprechen möchte. Tierkörper werden optimiert, Familien erhalten gewaltige Macht, und wirtschaftliche Stabilität dient als Entschuldigung für fast jedes Verbrechen.

Der Kriminalfall ist etwas übersichtlicher als in den Vorgängern. Einige Elemente der Serienformel werden sichtbar, und Bennett spricht seine politische Aussage gelegentlich deutlicher aus, als nötig gewesen wäre. Das kostet den fünften Stern. Vier bleiben trotzdem ausgesprochen stark.

Denn A Trade of Blood löst seinen Mordfall und lässt die größere Anklage bewusst offen. Ein Täter kann verurteilt werden. Ein manipuliertes Tier kann befreit werden. Ein falsches Urteil kann korrigiert werden.

Das System, das all diese Dinge hervorgebracht hat, bleibt bestehen. Und das Imperium wird am nächsten Morgen wieder essen.

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★
„Ein klug konstruierter Fantasy-Krimi über Mord, Agrarmacht und biologische Kontrolle, stark in Weltbau und Figuren, nur langsam von einer erkennbaren Serienformel eingeholt.

Cover von Robert Jackson Bennetts A Trade of Blood als dunkelrotes Buch mit silberner ornamentaler Rahmung, Pilzmotiven und einer anatomischen Kopfzeichnung, umgeben von gelblichen Pilzen sowie menschlichen und tierischen Skelettresten.

Autor: Robert Jackson Bennett
Titel: A Trade of Blood
Reihe: Ana and Din Mysteries, Band 3
Verlag: Del Rey
Übersetzung: Englische Originalausgabe
Seitenanzahl: 400 Seiten, Hardcover
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-0-593-72385-2

Das Symbolbild für Leseproben von aktuellen Fantasy-Romanen.
Leseprobe zu A Trade of Blood von Robert Jackson Bennett bei Del Rey
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