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Rob Zombie – The Great Satan
🧿 Kurzfazit
The Great Satan ist das erste Rob-Zombie-Album seit Jahren, das nicht nur nett an einem vorbeiplätschert, sondern sich wirklich in die Birne fräst: kurze Spielzeit, null Balladenpflicht, dafür eine halbe Stunde Schrottplatz-Rock’n’Roll mit Industrial-Dreck und B-Film-Irrsinn.
🎯 Für wen?
Für alle, die bei den frühen Solo-Scheiben automatisch aufdrehen, Hellbilly Deluxe im Blut haben und sich freuen, dass Riggs und Blasko wieder mit im Gruselkabinet sitzen. Wer Rob Zombie als wandelnde Trash-Horror-Marke liebt und gern ein paar brauchbare Live-Hymnen mehr im Köcher hat, ist hier richtig.
🎧 Wie klingt das?
Eine rotzige Mischung aus Industrial Metal, Shock Rock und schleimigem Punk’n’Roll: sägende, trocken gestimmte Gitarren, warm brummender Bass, Schlagzeug mit Betonfüßen und darüber Zombies nasal-verrauchtes Gebrüll, das immer noch klingt, als würde ein Jahrmarkt-Dämon Karaoke schreien. Die Produktion ist dicht, eher Garage als Stadion, mit vielen Samples, Sirenen, Orgeln und Filmfetzen, aber nie so überladen wie auf manch älterem Soundcollage-Overkill.
💿 Highlights
F.T.W. 84, Sir Lord Acid Wolfman, The Black Scorpion
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei Rob Zombie heimlich auf ein spätes Prog-Projekt hoffst, komplizierte Arrangements suchst oder mit „dummen“ Refrains, die nach zwei Durchläufen im Kopf kleben, schlicht nichts anfangen kannst.
🧟 Rob Zombie – The Great Satan: Hellbilly-Homecoming mit rostigem Raketenantrieb
Nach dem eher zerfaserten Vorgänger wirkt Rob Zombie auf The Great Satan plötzlich wieder wach. Das liegt nicht nur an der kompakteren Laufzeit von knapp 39 Minuten, sondern vor allem daran, dass er seine alten Verbündeten zurück in den Ring holt: Gitarrist Mike Riggs und Bassmann Rob „Blasko“ Nicholson sind zum ersten Mal seit den frühen 2000ern wieder voll im Line-up, dazu sitzt wie gewohnt Ginger Fish am Schlagzeug.
Die Platte erscheint über Nuclear Blast Records und ist Zombies achtes Solo-Studioalbum – fünf Jahre nach dem sperrig betitelten Vorgänger. Offiziell heißt es, er greife hier wieder stärker auf seine „Hellbilly“-Wurzeln zurück. Zum Glück ist das nicht nur PR-Geraune: Die Songs klingen tatsächlich so, als hätte jemand die besten Ideen der frühen Alleingänge aus dem Keller gezogen, entstaubt und mit ein paar frischen Verrücktheiten neu angerichtet.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Industrial Metal, Heavy Rock, Shock Rock, eine gute Prise Punk
Vergleichbar mit: frühe Solo-Phase von Rob Zombie, ein bisschen Ministry im Party-Modus, ein Hauch Motörhead, wenn Lemmy einen Synthesizer geklaut hätte
Klangfarbe: kurze, knackige Songs, selten über drei Minuten; Gitarren, die mehr staksen als shredden; Bass und Drums als groovende Dampfwalze; dazwischen Sprachfetzen, Orgeln, Synth-Piepsen und die üblichen Grindhouse-Samples, diesmal aber deutlich besser dosiert
Anstatt sich in Zwischenspielen zu verlieren, setzt das Album auf Stomper: kaum Intros, viel sofortiger Zugriff. Trotzdem erlaubt sich Zombie ein paar Ausreißer, einen fast träumerischen Schluss, eine punkige Kurz-Explosion, eine schleppende Sludge-Nummer. Das sorgt dafür, dass die 15 Tracks nicht zur Dauer-Monotonie werden.
✨ Highlights
F.T.W. 84
Der Opener ist im Grunde eine Absichtserklärung: ein dreckiger, treibender Midtempo-Klopper, der nach verbranntem Gummi und Neonreklame riecht. Das Riff wirkt simpel, ist aber genau so gezimmert, dass es im Refrain zur Faust wird. Riggs lässt seine Gitarre knarzen, Blasko legt ein fett pumpendes Fundament darunter. Ginger Fish hält das Ganze mit einem sehr menschlich klingenden, leicht holprigen Groove zusammen. So stellst du dir Rob Zombie vor, wenn er „ich bin wieder da“ nicht nur behauptet, sondern wirklich meint.
Sir Lord Acid Wolfman
Schon der Titel schreit nach B-Movie-Marathon, und genau so klingt der Song: ein schmieriger Shuffle mit Funkkante, staubigen Wah-Wah-Spuren und einem Refrain, der wie ein Kultfilm-Zitat daherkommt, das du noch nicht kennst. Die Strophen rollen auf einem federnden Basslauf, während im Hintergrund Orgel und Theremin um Aufmerksamkeit kämpfen. Das Ding ist so over-the-top, dass es problemlos kippen könnte, rettet sich aber mit einem der lässigsten Hooks des Albums ins Ziel.
The Black Scorpion
Nicht einmal anderthalb Minuten lang, aber der pure Adrenalinschub: ein hyperventilierender Punk-Sprint mit Orgelteppich, der klingt, als hätten die Ramones einen Exorzisten im Proberaum eingesperrt. Zombie bellt die Zeilen raus, die Band prügelt sich durch eine simple, aber effektive Struktur, und bevor du „noch mal!“ sagen kannst, ist der Song vorbei. Genau deshalb funktioniert er als kurzer, perfekt platzierter Tritt in die Rippen im letzten Drittel der Platte.
🎨 Artwork
Hölle ohne Farbfernsehen: Das Cover von The Great Satan ist ein schwarzweißes Wimmelbild aus Rob-Zombie-Ikonografie. In der Mitte steht Zombie selbst, die Haare wie ein verwilderter Medusa-Schopf, das Gesicht mit schwarzem Kriegsanstrich. Hinter ihm wachsen aus seinem Rücken mehrere tätowierte Arme, alle zur Faust geballt, als sei er eine Shiva-Version aus Schrottplatz und Tätowierstudio.
Der Bildrand ist vollgestopft mit kleinen Panels: Fratzen, Symbole, Collage-Schnipsel, die aussehen, als hätte jemand alte Fanzines, VHS-Cover und Stickeralben zerschnitten und neu zusammengesetzt. Unten drückt sich der Albumtitel in grober Typo nach vorne, oben thront der Rob-Zombie-Schriftzug wie ein schmieriger Neon-Schriftzug über einem verrufenen Kino. Das Artwork macht klar, was die Musik dann einlöst: kein feiner Satanismus, sondern Kirmes in der Hölle.
🪦 Besondere Momente
Die alte Gang ist zurück
Die Wiedervereinigung mit Riggs und Blasko sorgt hörbar dafür, dass die Riffs dreckiger und weniger verkopft ausfallen. Viele Songs atmen den Charme der späten Neunziger, ohne einfach nur Recycling zu sein.
Singles, die ihren Namen verdienen
Punks And Demons, Heathen Days und (I’m a) Rock ’N’ Roller wurden im Vorfeld ausgekoppelt und sind tatsächlich allesamt A-Seiten, keine Resteverwertung. Ersterer bringt den klassischen Zombie-Stampf mit „Back to Hellbilly“-Feeling, Heathen Days fährt den Benzinverbrauch hoch und liefert eine hymnische Hook. Rock ’N’ Roller ist schmutziger Glam-Punk für Leute, die Schminke mit Motoröl mischen.
Unclean Animals als seltsamer Sonnenuntergang
Ganz am Ende wird Rob Zombie beinahe melancholisch: Unclean Animals gleitet auf schwerem, fast verträumtem Groove aus der Platte, mit schwebenden Gitarren und entschleunigtem Gesang. Kein Powerballaden-Kitsch, eher so, als ob der Jahrmarktsdämon nach durchfeierter Nacht auf dem Riesenrad sitzen bleibt und kurz nachdenkt, was das alles eigentlich soll.
„The Great Satan“ als Trash-Universum
Die Platte wirkt wie ein Comic-Heft, das lebendig geworden ist: jeder Song ein Panel, die Tracklist liest sich wie die Kapitelüberschrift eines alten Horror-Magazins. Black Rat Coffin, The Devilman, Revolution Motherfuckers, Welcome To The Electric Age, Grave Discontent. Dadurch zieht sich ein sehr eigener Mikrokosmos durch die Scheibe, der genau den Zombie-Fetisch bedient, den man erwartet.
🪓 Fazit
Mit The Great Satan legt Rob Zombie sein achtes Solo-Studioalbum vor und das erste seit 2001, auf dem Riggs wieder die Gitarre bedient – Blasko war zuletzt Mitte der 2000er fest dabei.
Nach der letzten Scheibe hatten viele das Gefühl, dass er langsam in der eigenen Ästhetik versumpft: viel Konzept, wenig Hits. Die neue Platte ist hörbar als Gegenreaktion konzipiert. Die Songs sind kürzer, direkter und stärker auf Refrains und Grooves fokussiert, die live funktionieren. Gleichzeitig bleibt alles unverkennbar Zombie: Grindhouse-Referenzen, okkulte Andeutungen, Cartoon-Gewalt und dieser spezielle Humor, bei dem du nie sicher bist, ob er gerade Witz macht oder ernst meint.
Dass das Ganze über ein großes Metal-Label erscheint, sorgt dafür, dass der Sound trotz Dreckschicht ordentlich knallt. Hier rumpelt nichts verwaschen, die Produktion schnürt die Songs straff und spielt die Stärken der Band aus.
The Great Satan ist gewiss kein innovatives Werk, aber genau das Album, das Rob Zombie gebraucht hat: eine straff produzierte, überraschend frische Hellbilly-Rückkehr, die seine Marke nicht nur verwaltet, sondern tatsächlich wieder hungrig wirken lässt.
Die Platte hat einen leichten Durchhänger, wenn sich im Mittelteil die Stomper ein wenig ähneln, und nicht jeder Refrain ist ein zukünftiger Klassiker. Aber die Ausreißer nach oben – F.T.W. 84, Punks And Demons, Sir Lord Acid Wolfman, The Black Scorpion, Unclean Animals – sind allemal stark genug, um das auszugleichen.
Unterm Strich ist das hier die beste Zombie-Scheibe seit langer Zeit. Dreckig, bunt, laut und voller Momente, in denen man merkt, dass der alte Horror-Nerd immer noch Lust hat, seinen eigenen Trashfilm-Soundtrack zu drehen.

| Künstler: | Rob Zombie |
| Albumtitel: | The Great Satan |
| Erscheinungsdatum: | 27. Februar 2026 |
| Genre: | Industrial Metal / Heavy Metal / Shock Rock |
| Label: | Nuclear Blast Records |
| Spielzeit: | ca. 38 Minuten |
F.T.W. 84
Tarantula
(I’m a) Rock ’N’ Roller
Heathen Days
Who Am I?
Black Rat Coffin
Sir Lord Acid Wolfman
Punks And Demons
The Devilman
Out Of Sight
Revolution Motherfuckers
Welcome To The Electric Age
The Black Scorpion
Unclean Animals
Grave Discontent
🎬 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „Heathen Days“ – ein hektischer, benzindurchtränkter Höllenritt, der die Rückkehr von Rob Zombies Hellbilly-Sound perfekt zusammenfasst. Bereitgestellt über den offiziellen Nuclear-Blast-Channel auf YouTube.
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