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Oktopus, Einsamkeit, Netflix: Remarkably Bright Creatures
📰 Was ist los?
Netflix bringt am 8. Mai 2026 die Verfilmung von Shelby Van Pelts Bestseller Remarkably Bright Creatures: Regie Olivia Newman, Drehbuch Newman & John Whittington, in der Hauptrolle Sally Field als Tova. Die Geschichte verbindet eine trauernde Witwe, einen orientierungslosen jungen Mann und einen ungewöhnlich klugen Riesenpazifik-Oktopus, der mehr über sie weiß als sie über sich selbst.
🐛 Was denken wir?
Das hier wird weder Herr der Ringe noch Sanderson-Epik, sondern eine stille, magisch angehauchte Charakterstudie, mit einem Cephalopoden als inoffiziellem Erzengel. Wer Fantasy nicht nur in Rüstungen, sondern auch im Aquarium ertragen kann, bekommt wahrscheinlich genau den Film, den man nach der dritten hoffnungslosen Dystopie am Stück braucht.
🐙 Remarkably Bright Creatures: Netflix lässt einen Oktopus dein Leben aufräumen
Netflix verfilmt Shelby Van Pelts Bestseller Remarkably Bright Creatures als Spielfilm, Start ist am 8. Mai 2026 exklusiv beim Streamingdienst. Regie führt Olivia Newman (Where the Crawdads Sing), das Drehbuch stammt von Newman und John Whittington (Sonic the Hedgehog 3). In der Hauptrolle: Sally Field als Tova, eine verwitwete Nachtschicht-Putzkraft in einem kleinen Aquarium an der US-Westküste. An ihrer Seite: Lewis Pullman, Colm Meaney, Joan Chen, Kathy Baker, Beth Grant und Sofia Black-D’Elia.
Die Vorlage erschien 2022, hielt sich über 60 Wochen auf der New-York-Times-Bestsellerliste, verkaufte sich mehr als zwei Millionen Mal und wurde vor allem durch Mundpropaganda statt Marketingkampagne groß, klassischer „Sleeper-Hit“ also, den Leser unter dem Titel „das Oktopus-Buch“ weitergereicht haben. Dass jetzt ausgerechnet Netflix daraus einen „magical realism“-Film baut, ist konsequent: Man bekommt eine Welt, die aussieht wie unsere, inklusive eines erzählerisch hochbegabten Oktopus, der mehr von Menschen versteht als die meisten Menschen.
✨ Worum es geht: Witwe, Drifter, Oktopus
Die Geschichte kreist um drei Figuren:
- Tova, etwa 70, verwitwete Reinigungskraft im Aquarium, deren Leben von einem alten, nie ganz verheilten Verlust bestimmt wird.
- Cameron, ein orientierungsloser junger Mann, der in die Küstenstadt kommt, um etwas über seine Mutter und seine eigene Vergangenheit herauszufinden.
- Marcellus, ein Riesenpazifik-Oktopus, der in einem Becken des Aquariums lebt – und im Buch als Ich-Erzähler auftritt.
Formal ist das Ganze magischer Realismus: Die Welt bleibt realistisch, aber Marcellus kann Dinge, die weit über normale Tierintelligenz hinausgehen, er kommentiert die Menschen, erkennt Zusammenhänge und fungiert als eine Art zynisch-weise, leicht beleidigte Wassergottheit im Glas. Die Handlung verknüpft Tovas nie verarbeitete Trauer, Camerons Suchbewegung und Marcellus’ Wissen um ein paar entscheidende fehlende Puzzleteile zu einem Plot, der weniger von überraschenden Twists lebt als von der Frage: Was passiert, wenn drei verlorene Existenzen sich gegenseitig finden, eine davon mit acht Armen?
🌊 Vom Sleeper-Hit zum Netflix-Film
Netflix hat die Rechte 2024 eingekauft, Newman als Regisseurin verpflichtet und Sally Field direkt auf die Hauptrolle gesetzt. 2025 wurde in Vancouver gedreht, produziert wird u. a. von Night Owl Stories (Bryan Unkeless, Peter Craig) und Anonymous Content.
Auf der Buchseite gab es vorher schon alle Signale, dass hier etwas Größeres schlummert:
- Beststellerstatus (NYT, mehrfach wieder eingestiegen)
- Diverse Preisnominierungen und der First Novel Prize 2023
- Ein Publikum, das in Rezensionen reihenweise schreibt „hat mich zum Heulen gebracht und dabei trotzdem hoffnungsvoll zurückgelassen“. Also genau die Sorte Stoff, aus der Streaming-Dienst-Algorithmen in Zeiten allgemeiner Erschöpfung sehr gerne „Feelgood mit Tränenflatrate“ destillieren.
Im offiziellen Netflix-Text wird der Film als „mystery drama“ geführt: Eine Witwe, ein junger Mann, ein Oktopus, ein altes Familiengeheimnis, das sich nur lösen lässt, weil der Cephalopode an der richtigen Stelle eingreift.
💫 Warum das für Fantasy-Fans trotzdem spannend ist
Streng genommen ist Remarkably Bright Creatures keine klassische Fantasy, sondern magischer Realismus mit Tierstimme: Keine Zauberakademie, keine Parallelwelt, kein großes Handlungsmakro über „das Schicksal der Reiche“. Dafür aber etwas, was im Genre gerne untergeht: eine kleine Geschichte, die sich traut, radikal menschlich zu sein – und das Fantastische als Verstärker einsetzt, nicht als Fluchtweg.
- Marcellus ist als Figur fast schon Fantasy-Archetyp: allwissender Trickster, unsterbliche Beobachterstimme, die die Menschen liebevoll verachtet.
- Tova und Cameron bringen die vertrauten Motive „Trauer, die sich festgefressen hat“ und „Identität ohne Herkunft“ mit – nur ohne Schicksalsschwert und Prophezeiung.
- Das Fantastische bleibt punktuell, aber zentral: Nimmt man Marcellus’ übernatürliche Fähigkeiten heraus, bricht der gesamte Plot zusammen – genau das macht es für Genrefans interessant.
Für Fantasykosmos-Leser könnte der Film also zweierlei sein:
- Literarischer Einschub zwischen den Drachen – ein Stoff, der zeigt, wie weit man mit einem einzigen nicht-menschlichen Bewusstsein als Erzählinstanz kommt.
- Ein Beispiel dafür, wie Streaming-Plattformen magische Stoffe immer breiter denken: weg von der reinen Schlachten-Ästhetik hin zu „kleinen“ Geschichten, die mehr an Miyazaki als an Marvel erinnern.
Nee, das wird nicht unser Leben verändern, im Gegensatz zu dem was die üblichen Marketingsprüche mit Heiligenschein versprechen. Aber als leise, warmherzige Fantasyverwandte im 2026er-Netflix-Slate sticht Remarkably Bright Creatures schon jetzt aus der üblichen IP-Schlacht heraus.



