Voll die Seuche: Realm of Silence – Nurgles Seuchenfürsten ziehen wieder in den Krieg
🧐 Im Fantasykosmos suchen

☣️ Im Seuchenreich fault sogar der Haussegen
📰 Was ist los?
Black Library hat Realm of Silence angekündigt, die Fortsetzung von Chris Wraights The Lords of Silence. Die Death Guard unter Siegemeister Vorx muss ihr neu erobertes Seuchenreich verteidigen, während sein Stellvertreter Dragan den Krieg gegen das Imperium fortsetzen will. Ein Hardcover, eine Special Edition und eine Neuauflage des Vorgängers sind geplant.
🐛 Was denken wir?
Gerade der innere Konflikt macht diese Fortsetzung literarisch interessant. Vorx und Dragan repräsentieren unterschiedliche Vorstellungen davon, was die Anhänger Nurgles mit ihrer Macht anfangen sollen. Das könnte eine ungewöhnliche Geschichte über Herrschaft, Loyalität und den unvermeidlichen Verfall politischer Ordnungen werden. Chris Wraight hat bereits bewiesen, dass sich aus den monströsen Gestalten des Warhammer-Universums erzählerisch mehr herausholen lässt als bloßes Schlachtgetümmel. Die Frage ist, ob er diesen Ansatz konsequent weiterentwickelt. Pedro verfolgt die Entwicklungen mit Sorge. Er hat gerade erst die letzte Schimmelkolonie aus seiner Redaktion vertrieben und möchte nicht schon wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen müssen.
Wie das da wohl riechen mag? Ein Königreich voller Pest, Verwesung und mutierter Krieger. Ein Herrscher, der sein Reich zusammenhalten will. Und ein Stellvertreter, der am liebsten sofort wieder alles in Schutt und Asche legen würde. Mit Realm of Silence kündigt Black Library die Fortsetzung von Chris Wraights Warhammer-40.000-Roman The Lords of Silence an. Die Krieger der Death Guard haben sich ein eigenes Seuchenreich erobert, doch schon bald zeigt sich, dass selbst unter den treuesten Anhängern Nurgles keineswegs ewige Einigkeit herrscht.

☣️ Ein Königreich im Namen der Pest
Nach der Eroberung der alten Festungswelt Sabatine und ihrer Nachbarplaneten haben die Lords of Silence endlich etwas erreicht, das im endlosen Krieg des 41. Jahrtausends beinahe ungewöhnlich erscheint: ein eigenes Herrschaftsgebiet.
Unter der Führung von Siegemeister Vorx errichten die Death-Guard-Krieger ein Reich zu Ehren ihres Seuchengottes Nurgle. Die einstigen Festungen des Imperiums gehören nun den Anhängern des Chaos.
Doch die vermeintliche Stabilität erweist sich als trügerisch. Neue Feinde sammeln sich an den Grenzen, angelockt von der erkennbaren Verwundbarkeit des jungen Reiches. Gleichzeitig beginnen im Inneren alte Rivalitäten wieder aufzubrechen.
Vorx muss erkennen, dass ein Königreich zu erobern wesentlich einfacher sein kann, als es anschließend zusammenzuhalten.
⚔️ Vorx gegen Dragan: Wenn das Chaos sich selbst zerfleischt
Der eigentliche Konflikt entwickelt sich innerhalb der Death Guard. Vorx möchte sein erobertes Reich befestigen und eine dauerhafte Herrschaft aufbauen. Sein Stellvertreter Dragan verfolgt dagegen eine völlig andere Vorstellung von der Zukunft.
Dragan will nicht regieren. Er will den Krieg zurück ins Imperium tragen.
Damit prallen zwei grundverschiedene Auffassungen von Macht aufeinander. Während Vorx die Eroberung als Grundlage für etwas Eigenes betrachtet, versteht Dragan sie offenbar nur als Zwischenstation im endlosen Kampf gegen die Menschheit.
Diese Rivalität könnte für die junge Seuchenherrschaft gefährlicher werden als jeder äußere Feind. Denn was geschieht, wenn die Krieger des Chaos beginnen, ihren eigenen Herrschaftsanspruch infrage zu stellen?
📖 Chris Wraight kehrt zur Death Guard zurück
Mit The Lords of Silence hatte Chris Wraight bereits eine ungewöhnliche Perspektive auf das Warhammer-40.000-Universum eröffnet. Statt die Death Guard lediglich als monströse Gegner imperialer Helden darzustellen, rückte er ihre eigenen Beziehungen, Überzeugungen und inneren Widersprüche in den Mittelpunkt.
Gerade das machte den Roman interessant. Die Anhänger Nurgles sind nicht einfach eine gesichtslose Horde verrottender Supersoldaten. Sie besitzen Hierarchien, Loyalitäten, persönliche Ziele und eine eigene Vorstellung davon, was ihre Existenz bedeutet.
Realm of Silence setzt diesen Ansatz fort und erweitert ihn um einen politischen Konflikt. Ein Seuchenreich, das dauerhaft bestehen soll, ist schließlich eine bemerkenswerte Idee für Anhänger eines Gottes, dessen Macht ebenso mit Krankheit und Verfall wie mit dem Kreislauf von Tod und Erneuerung verbunden ist. Darin steckt erzählerisches Potenzial, das weit über die nächste große Schlacht hinausgeht.
📚 Zwei Hardcover und eine besonders finstere Sammlerausgabe
Black Library plant Realm of Silence zunächst in zwei englischsprachigen Ausgaben. Neben einem regulären Hardcover erscheint eine Special Edition mit einem Metallemblem in antiker Messingoptik, goldenem Buchschnitt und einem neuen Nachwort von Chris Wraight.
Auch der Vorgänger The Lords of Silence erhält eine passende Hardcover-Neuauflage. Beide Bücher sollen damit optisch eine zusammengehörige Edition bilden. Zusätzlich wurden ein 80 × 30 Zentimeter großer Wandbehang mit Siegemeister Vorx und ein Notizbuch mit Nurgle-Motiven vorgestellt.
Ein konkretes Erscheinungsdatum, die Preise und Informationen zu einer deutschen Übersetzung wurden bislang nicht bekannt gegeben.
🦠 Kann ein Reich des Verfalls überleben?
Gerade diese Frage macht Realm of Silence für uns besonders reizvoll. Ein Roman über die Death Guard könnte sich problemlos auf brutale Schlachten, monströse Mutationen und die Schrecken des Chaos beschränken. Chris Wraight scheint dagegen erneut den interessanteren Weg einzuschlagen und die Widersprüche seiner Figuren auszuleuchten.
Wie regiert man ein Reich, dessen Gott den Verfall verkörpert? Kann aus einer Horde verderbter Krieger tatsächlich eine politische Ordnung entstehen? Und wie lange bleibt ein Bündnis bestehen, wenn seine mächtigsten Anführer völlig unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft haben?
Das klingt nach Dark Science-Fantasy, die ihre Monster ernst nimmt, ohne sie harmloser machen zu müssen.
Ob Wraight diese Möglichkeiten überzeugend ausschöpft, werden wir erst nach der Veröffentlichung beurteilen können.
Bis dahin darf Großvater Nurgle zufrieden sein: Sein neues Königreich beginnt bereits zu faulen.
Und diesmal kommt der Gestank offenbar von innen.





