Rachel Greenlaw – The Ordeals (Rezension)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Rachel Greenlaw – The Ordeals

📚 Kurzfazit
The Ordeals ist eine sauber geschriebene Elite-Akademie-Romantasy mit Trials, Trauma und Farbschnitt, die sich liest wie ein Best-of der letzten fünf Jahre BookTok-Trends. Gut konsumierbar, aber erschreckend vertraut.

😒 Was nervt?
Die Welt wirkt wie Kulisse für Prüfungssets, die Magie wie ein Auswahlmenü aus „Illusion“, „Botanik“ und „Alchemie“, und der Plot verlässt sich sehr darauf, dass schon irgendwer bei jedem Cliffhanger „OMG“ schreit. Emotionale Wucht wird häufig behauptet und selten wirklich erarbeitet.

✨ Was funktioniert?
Die Grundsituation, junge Frau mit Blutbund an einen sadistischen Onkel, der nur über Killmarth zu schlagen ist, trägt erst einmal gut. Die Ordeals selbst liefern einige ordentliche Spannungsmomente, und die Idee, dass Kandidaten nebenbei weggeräumt werden, gibt der Geschichte zumindest theoretisch mehr Zähne, als das bei viele Konkurrenten der fall ist.

🧠 Figuren und Welt
Sophia als gehetzte Protagonistin funktioniert auf der Basis „ich will hier raus“, ihr innerer Konflikt gegenüber dem Sammler sitzt. Alden Locke ist als mächtiger Botaniker-Love-Interest allerdings näher an der Fantasy-Pinterest-Pinnwand als an einer eigenständigen Figur. Killmarth bleibt atmosphärische Kulisse statt echter Institution.

🐦 Crowbah meint
Schön verpackter Prüfungs-Parcours mit Bonus-Botaniker. Wer noch nie eine Akademie-Romantasy gelesen hat, wird hier ordentlich bedient. Wer schon fünf davon kennt, liest die sechste im Grunde im Autopiloten.

🌫️ Rachel Greenlaw – The Ordeals: Killmarth Akademie der schönen Schmerzen

Farbschnitt, Goldprägung, Luxusdecke: The Ordeals kommt daher wie die physische Manifestation eines BookTok-Algorithmus. Außen „magische Elite-Akademie mit tödlichen Prüfungen“, innen „Romantasy mit Trauma-Paket und attraktiver Botaniker“. Das ist nicht grundsätzlich verwerflich, aber hier prallen maximaler Hype und ziemlich formelhafte Erzählroutine besonders hart aufeinander.

Wer nach einer wirklich neuen Dark-Academia-Fantasy sucht, dürfte eher ernüchtert zu den hübsch veredelten Kanten des Buches hinabsehen. Wer genau diese Sorte Romantasy-Komfort mit etwas Prüfungsblut und Gift im Hintergrund will, wird solide bedient, aber nicht unbedingt überrascht.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Sophia De Winter lebt seit ihrer Kindheit im Würgegriff ihres Onkels, des Sammlers. Ein Blutbund bindet sie an ihn, ihre Magie gehört ihm, ihr Leben ebenso. Ihre einzige realistische Chance auf Freiheit: Killmarth, eine Elite-Akademie für Magiebegabte, die außerhalb seines Zugriffs liegt.

Um dorthin zu gelangen, muss sie zunächst den „Crucible“ überstehen, eine Vorprüfung, die ihr überhaupt erst den Eintritt in die eigentlichen Ordeals erlaubt. Diese Ordeals sind eine Serie brutaler Prüfungen, in denen Illusionisten, Maskierer, Botaniker und Alchemisten gegeneinander antreten. Nur wer stark genug ist, überlebt.

Sophias Problem: Ihre eigenen Fähigkeiten als Illusionistin sind eher Mittelklasse, und alleine hat sie kaum eine Chance. Also tut sie sich mit Alden Locke zusammen, einem mächtigen Botaniker, der natürlich ungefähr so unverschämt attraktiv ist, wie es der Romantasy-Markt verlangt. Zwischen ihnen entsteht eine Mischung aus Allianz und Anziehung, während die Konkurrenz zunehmend ausgedünnt wird.

Denn die Prüfungen sind nicht das einzige Problem: Kandidaten sterben auch jenseits der offiziellen Aufgaben, werden „weggepflückt“, scheinbar von einem Mörder unter den Teilnehmern. Sophia muss entscheiden, wem sie vertrauen kann, welche Bündnisse sie wirklich retten und wer nur auf seinen Moment wartet, sie zu opfern. In ihrer Hast, dem Sammler zu entkommen, stellt sich die Frage, ob sie sich nicht in eine andere, nur raffinierter getarnte Falle begeben hat.

🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil

Rachel Greenlaw schreibt flüssig, sehr zugänglich und klar strukturiert. Die Sprache richtet sich deutlich an Leser, die die Seite umblättern wollen, nicht an solche, die an einem Satz hängenbleiben. Das ist nicht ehrenrührig, aber der Text vertraut stark auf bekannte Bilder und Formulierungen statt auf eigene Metaphern oder erinnerungswürdige Sätze. Atmosphärische Momente gelingen vor allem dann, wenn Sophia in Panik gerät oder die Prüfungen körperlich spürbar werden, weniger in den ruhigeren Abschnitten.

🧍‍♂️ Figuren

Sophia ist als Figur solide konstruiert. Ihr Trauma, der Blutbund, die Abhängigkeit vom Sammler: das alles gibt ihr Motiv klar und nachvollziehbar vor. Ihre innere Zerrissenheit zwischen Misstrauen, Überlebenswillen und aufkommenden Gefühlen ist glaubhaft, wenn auch nicht besonders subtil.

Alden Locke erfüllt die Pflichtrolle des optisch ansprechenden, geheimnisvollen, moralisch grundsätzlich auf der richtigen Seite stehenden Love-Interests. Er hat Backstory, Prinzipien und natürlich enorme Pflanzenkraft, wirkt aber eher wie das Ergebnis eines Workshops „Was wünschen sich Romantasy-Leser von einem Love Interest“ als wie eine Figur, die aus dieser Welt heraus gewachsen ist.

Die übrigen Kandidaten und Nebenfiguren sind funktional. Es gibt Rivalinnen, Sympathieträger, undurchsichtige Gestalten. Sie besetzen Felder für Misstrauen und mögliche Verräter, schaffen aber selten das Kunststück, über ihre Funktion hinaus in Erinnerung zu bleiben.

🕒 Tempo

Die Struktur ist sauber: Einführung in Sophias Lage, Aufbau von Killmarth und den Prüfungen, zunehmende Eskalation, Morde, Enthüllungen, Finale. Rein mechanisch funktioniert das Buch gut.

Gleichzeitig wirkt vieles berechenbar. Wer in den letzten Jahren mehr als zwei Academy-Fantasys gelesen hat, erkennt Muster, Wendungen und Dynamiken weit im Voraus. Das Finale zielt erkennbar auf maximale Gefühlsexplosion, der Weg dahin bleibt jedoch meist eine vertraute Strecke mit hübscher Aussicht statt eine wirkliche Überraschungsroute.

✨ Atmosphäre

Die Idee von Killmarth als gefährlicher Ort jenseits eines mächtigen Sammlers ist interessant. Die Aufteilung der Magier in Illusionisten, Maskierer, Botaniker und Alchemisten erzeugt zumindest das Gefühl eines Systems, das mehr wäre als „alle können alles“. Einzelne Prüfungen haben visuell und taktisch ihren Reiz.

Doch die Welt bleibt schemenhaft. Man spürt, dass es eine größere Struktur geben soll, aber der Roman nutzt Setting und Magie primär als Bühne für Prüfungen, Intrigen und die zentrale Beziehung. Wer auf dichtes, konsistentes Worldbuilding hofft, wird hier eher mit Vibe-Orientierung abgespeist. Die Dark-Academia-Anmutung ergibt sich aus Architektur, Uniformen und Gefährlichkeitsversprechen, weniger aus sozialer Dynamik, Tradition oder echter intellektueller Auseinandersetzung.

💉 Inhaltliche Härten

ACHTUNG: Das Buch arbeitet mit Missbrauch, Zwang, Blutbund, Todesangst und Gewalt als emotionalen Verstärkern. Die Romantasy-Verpackung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier eine traumatisierte Protagonistin im Mittelpunkt steht, deren Leidensgeschichte auch romantisch aufgeladen wird. Wer dafür sensibel ist, sollte den Stoff nicht nur nach Farbschnitt und Marketingtext auswählen.


📜 Fazit:

The Ordeals ist das, was passiert, wenn man ein Dark-Academia-Fantasy-Romantasy-Labor aufmacht und sagt: „Gebt mir bitte von allem das Gängigste.“ Blutbund, Elite-Akademie, tödliche Prüfungen, gequälte Heldin, attraktiver Spezialmagier, mysteriöse Morde, heftig beworbenes Hardcover mit veredeltem Schnitt: Das Rezept geht auf, aber selten über die Summe seiner Bestandteile hinaus.

Formal ist das kein schlechtes Buch. Es ist lesbar, strukturiert und bedient seine Zielgruppe zuverlässig. Aber es ist auch erstaunlich risikoscheu. Weder sprachlich noch im Worldbuilding noch in der Figurenzeichnung entfaltet es eine eigene Handschrift, die man einige Jahre später noch klar wiedererkennen würde.

Wer genau das sucht – ein romantisches Prüfungsfantasy-Paket mit hübschem Körper und vertrauter Seele – kann hier gut einsteigen. Wer sich von Klett-Cotta-Farbschnitt und „atmosphärischer Romantasy, die ihresgleichen sucht“ eine literarisch oder genremäßig herausragende Erfahrung erhofft, wird eher merken, wie sehr diese Sorte Fantasy mittlerweile in eigenen Formeln gefangen ist.

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★☆☆
„Farbschnitt zum Verlieben, teilweise ziemlich brutale Fantasy gemäß der BookTok-Formelsammlung.“

Cover von Rachel Greenlaws The Ordeals – Killmarth Academy: schwarze Fläche mit goldener Rahmung, oben geschwungener Titel, unten eine goldene Schloss-Silhouette auf Hügeln vor Sternenhimmel.

Autorin: Rachel Greenlaw
Titel: The Ordeals
Reihe: Killmarth Trials, Band 1
Verlag: Klett-Cotta
Übersetzung: Kerstin Fricke
Seitenanzahl: 480 (Gebundene Ausgabe)
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 9783608967029

Leseprobe, symbolisiert durch ein aufgeschlagenes, antikes Buch.
Offizielle Leseprobe zu Rachel Greenlaw – The Ordeals auf der Verlagsseite von Klett-Cotta.
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