Das Internet war schon 2001 voller Geister: Pulse bekommt tatsächlich noch ein Remake

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Die Geister wählen sich wieder ein

📰 Was ist los?
Pulse bekommt eine weitere englischsprachige Neuverfilmung. Dave Boyle übernimmt Regie und Überarbeitung des Drehbuchs, während Parker Finn und Jonathan Fass über Bad Feeling produzieren. Die neue Geschichte spielt in der Gegenwart und folgt neuen Figuren.

🐛 Was denken wir?
Kaum ein Horrorfilm über Internet, Isolation und digitale Entfremdung bietet sich heute stärker für eine Neuinterpretation an. Gleichzeitig ist genau das die Falle: Pulse war deshalb so verstörend, weil es fast nichts erklärte und noch weniger schrie.

Vor 25 Jahren brauchte ein Horrorfilm noch einen ziemlich gewagten Gedanken, um das Internet als dunklen, einsamen und womöglich von fremden Wesen bevölkerten Ort darzustellen. Heute genügt dafür an manchen Tagen ein kurzer Blick in die Kommentarspalte.

In einem hellen Wohnraum sitzt eine junge Frau unscharf im Vordergrund, während im Hintergrund eine dunkel gekleidete Frau regungslos an der Wand steht.
Pulse machte schon 2001 aus alltäglichen Räumen und digitaler Isolation eine stille Bedrohung. Nun bekommt Kiyoshi Kurosawas J-Horror-Klassiker ein weiteres Remake.
© Daiei Film / NTV Network / Hakuhodo / Imagica

Kiyoshi Kurosawas Pulse gehört zu den Filmen, die ihrer Zeit auf ausgesprochen unangenehme Weise voraus waren. Nun soll der japanische J-Horror-Klassiker von 2001 erneut auf Englisch verfilmt werden. Dave Boyle übernimmt die Regie und soll zugleich ein bereits vorhandenes Drehbuch von Luke Piotrowski überarbeiten.

Produziert wird die Neuinterpretation unter anderem von Parker Finn und Jonathan Fass über Bad Feeling, die Produktionsfirma hinter Finns Smile-Filmen. Sony Screen Gems und Spyglass entwickeln den Film gemeinsam.

💻 Wenn Verbindung plötzlich das eigentliche Problem ist

Das Original Pulse erzählt von jungen Menschen in Tokio, die mit seltsamen Todesfällen, verschwindenden Bekannten und einer geheimnisvollen Website konfrontiert werden. Dahinter steckt eine zunehmend bedrückende Vorstellung: Die Welt der Toten dringt durch digitale Technik in die der Lebenden ein.

Das Entscheidende war schon damals weniger die konkrete Geistermechanik als das Gefühl dahinter. Computer und Internet versprechen Verbindung, erzeugen im Film aber Einsamkeit, Entfremdung und Leere. Menschen sitzen vor Bildschirmen und sind einander näher als je zuvor – und wirken trotzdem vollkommen abgeschnitten.

Genau deshalb ist Pulse heute fast schwieriger neu zu verfilmen als damals. 2001 konnte man digitale Isolation noch als düstere Vision inszenieren. 2026 muss ein Remake aufpassen, dass der Zuschauer nicht versehentlich denkt, er schaue eine Dokumentation über seinen Dienstagabend.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🎬 Dave Boyle bringt Japan-Erfahrung mit

Die Wahl von Dave Boyle ist dabei zumindest nachvollziehbar. Der Filmemacher hat mehrfach Geschichten mit japanischem oder japanisch-amerikanischem Hintergrund erzählt, darunter Tokyo Cowboy und House of Ninjas. Sein neuer übernatürlicher Horrorfilm Never After Dark startet Ende September in den USA.

Für Pulse soll Boyle nicht nur Regie führen, sondern auch Luke Piotrowskis Drehbuch überarbeiten. Piotrowski war unter anderem an The Night House und Hellraiser beteiligt.

Über die Handlung der Neuverfilmung ist bislang wenig bekannt. Bestätigt ist lediglich, dass sie in der Gegenwart spielt und neue Figuren ins Zentrum stellt. Selbst der Schauplatz bleibt derzeit offen.

Das ist wahrscheinlich auch vernünftig. Wer einen Film über Internetangst im Jahr 2026 dreht, sollte sich zunächst einmal entscheiden, welche der ungefähr 400 vorhandenen digitalen Ängste er überhaupt meint.

Parodie auf eine Fantasy-Parfumwerbung: Ein selbstzufriedener goblinartiger Mann in Lederjacke und offenem weißen Hemd sitzt an einer steinernen Küste, während im Hintergrund ein Drache einen Hafen angreift. Rechts steht eine dunkle Parfumflasche mit dem Namen „WRATH“, davor der Slogan „Live Bold. Reek of Destiny.“ vor einer sonnigen Küstenlandschaft mit Meer, Bergen und Rauch.

👻 Hollywood versucht es zum zweiten Mal

Ganz neu ist die Idee eines amerikanischen Pulse allerdings nicht. Bereits 2006 entstand eine US-Version unter der Regie von Jim Sonzero mit Kristen Bell in einer Hauptrolle. Wes Craven war am Drehbuch beteiligt. Der Film verlegte und vereinfachte zahlreiche Aspekte des Originals und zog später sogar zwei Fortsetzungen nach sich.

Dass Hollywood nun erneut an denselben Stoff geht, wirkt deshalb zunächst wie ein ungewöhnlich hartnäckiger Fall von Wiedervorlage. Diesmal sind die Voraussetzungen aber zumindest interessant: Parker Finn hat mit Smile bewiesen, dass sich übernatürlicher Horror und große Studioproduktion miteinander verbinden lassen, während Dave Boyle eine stärkere inhaltliche Nähe zu japanischen Geschichten mitbringt.

Ob daraus tatsächlich eine Neuinterpretation entsteht, die Kurosawas extrem langsame, kalte und fast körperlich unangenehme Atmosphäre versteht, ist allerdings die entscheidende Frage. Pulse lebt gerade davon, dass es lange nicht erklärt, laut wird oder den Zuschauer permanent anspringt.

Man kann diesen Film modernisieren. Man sollte nur unbedingt vermeiden, dass der Geist am Ende eine App bekommt.

Das Sterneorakel von Elyra sieht in deine Zukunft. DIe Sternengöttin vor blauem Hintergrund.