Eine Fantasywelt reicht nicht mehr: ProgCore Press will Theer über Bücher, RPGs und Animation groß machen

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Ein Verlag reicht offenbar nicht mehr

📰 Was ist los?
Todd Stashwicks und David Netts ProgCore gründet gemeinsam mit Gungnir das neue Imprint ProgCore Press. Geplant sind Fantasybücher, Graphic Novels, Kurzgeschichten und Abenteuer für Systeme wie Dungeons & Dragons und Shadowdark; parallel entstehen das Actual Play City of Sorrow, das Animationsprojekt Passing Shimmer sowie mehrere neue Podcasts.

🐛 Was denken wir?
Interessant ist weniger, dass noch ein Fantasy-Imprint gegründet wurde, als die Konsequenz dahinter. ProgCore behandelt Theer von Anfang an wie eine Welt, die nicht an ein einzelnes Medium gebunden ist – und mit Gungnir bekommt dieses bislang stark crowdfundinggetriebene Modell plötzlich einen regulären Vertriebsapparat. Wenn das funktioniert, könnte daraus ein ziemlich spannendes Beispiel dafür werden, wie kleinere Fantasywelten heute wachsen können.

Ein Fantasyverlag, der Bücher herausbringt, wäre zunächst einmal keine besonders wilde Nachricht. ProgCore Press startet allerdings mit deutlich größeren Plänen. Das von Todd Stashwick und David Nett gegründete Multimedia-Studio ProgCore schließt sich mit dem unabhängigen US-Verlag Gungnir zusammen und baut unter dessen Dach ein eigenes Fantasy-Imprint auf, das Bücher, Rollenspiele und neue Geschichten möglichst eng mit Animation, Actual Play, Podcasts und weiteren Medien verzahnen soll.

Nahaufnahme eines gewaltigen goldbraunen Fantasy-Drachen mit langem Kopf, kräftigen Hörnern und schuppiger Haut; rechts ist das Logo von ProgCore Fantasy: Dark Age of Theer eingeblendet.
Drachen, Dark Fantasy und Rollenspielwelten bilden das Fundament von ProgCore Press: Rund um Dark Age of Theer sollen künftig Bücher, Pen-and-Paper, Comics, Animation und weitere Medien miteinander verzahnt werden.
© ProgCore Fantasy / ProgCore Press

Der Schwerpunkt liegt ausdrücklich auf Fantasy und Tabletop-Rollenspielen, wobei Dark Fantasy und Sword & Sorcery eine größere Rolle spielen sollen. Für ProgCore bringt der Deal vor allem etwas, das unabhängigen Kreativprojekten oft fehlt: Gungnir verfügt bereits über ein größeres Vertriebsnetz einschließlich einer Vereinbarung mit Macmillan Publishers. Gungnir bekommt im Gegenzug Zugriff auf ProgCores bereits weit entwickelte Fantasywelten und dessen Erfahrung mit Rollenspiel- und Multimediaformaten.

🐉 Theer soll vom Rollenspielbuch zur ganzen Fantasywelt wachsen

Im Zentrum steht zunächst die World of Theer, die ProgCore seit mehreren Jahren aufbaut. Das bisherige Kernprojekt ProgCore Fantasy: Dark Age of Theer entstand aus einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne und verbindet eine systemunabhängige Fantasywelt mit Material für klassische Pen-and-Paper-Runden. ProgCore beschreibt Theer als eine alte Welt von Menschen, Elfen, Halblingen, Orks und Zwergen, deren Zivilisation auf mächtiger Magie beruht – Magie, die ursprünglich Drachen gestohlen wurde.

Das eigentliche Sourcebook umfasst rund 300 Seiten und kombiniert Weltenbeschreibung, Rollenspielmaterial und zahlreiche Kurzgeschichten. Auf der offiziellen Projektseite werden inzwischen 28 Geschichten genannt, darunter Beiträge von Wil Wheaton, Anjali Bhimani, Terry Matalas, Cecil Castellucci, Marc Bernardin und Jasmine Bhullar. Die digitale Ausgabe ist für Unterstützer bereits verfügbar, die gedruckte Fassung soll im Herbst ausgeliefert werden; der breitere Handel ist über die neue Gungnir-Verbindung für Frühjahr 2027 vorgesehen.

Genau dort beginnt ProgCore Press interessant zu werden. Die World of Theer soll nicht bei diesem einen Rollenspielbuch bleiben. Bereits geplant sind eine Graphic Novel, ein eigener Kurzgeschichtenband sowie mehrere Abenteuer für bestehende Tabletop-Systeme wie Dungeons & Dragons und Shadowdark. Selbst ein Fantasy-Rollenspiel-Cocktailbuch gehört zur angekündigten Liste.

Das klingt zunächst nach einer bemerkenswerten Menge Papier. ProgCore hat allerdings längst damit begonnen, Theer in ganz andere Medien zu übertragen.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🎬 Passing Shimmer soll zeigen, ob Theer auch als Animationsserie funktioniert

Eines der ambitioniertesten Projekte heißt Passing Shimmer. Darin untersucht eine junge Halblingfrau ein Geräusch in einer Scheune und stößt dabei auf etwas, das ihr Leben verändert. ProgCore produziert derzeit einen animierten Kurzfilm und bezeichnet das Projekt auf der eigenen Seite weiterhin als eines der aufwendigsten Elemente des ursprünglichen Dark Age of Theer-Kickstarters. Als Ziel wird derzeit Mitte 2027 genannt.

Die heutige Branchenmeldung macht deutlich, wohin das führen könnte. Deadline beschreibt Passing Shimmer als Proof of Concept für eine Animationsserie; unter den vorgesehenen Stimmen befinden sich Todd Stashwick und Anjali Bhimani. Damit ist noch keine komplette Fernsehserie bestellt, aber ProgCore entwickelt den Kurzfilm offenbar ausdrücklich mit dem Gedanken, daraus ein größeres Format machen zu können.

Das passt ziemlich genau zur neuen Strategie. Eine Figur oder Geschichte muss nicht zuerst jahrelang in Buchform wachsen, bevor irgendwann jemand über eine Adaption nachdenkt. Texte, Rollenspielwelt und Animation entstehen bereits nebeneinander und können einander Material liefern.

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🎲 Felicia Day und Yuri Lowenthal sitzen schon am Spieltisch

Noch konkreter ist ProgCore Fantasy: City of Sorrow. Die Produktion befindet sich bereits in der Postproduktion und wird von Deadline als zehnteilige dokumentarische Actual-Play-Serie beschrieben. ProgCore selbst nennt eine Gesamtlänge von ungefähr 16 Stunden und betont, dass die Sendung bewusst stärker nach einer echten privaten Rollenspielrunde aussehen soll als nach einer aufwendig inszenierten Bühnenshow.

Am Tisch sitzen dabei einige bekannte Namen. Neben Todd Stashwick und David Nett spielen Felicia Day, Yuri Lowenthal, Anjali Bhimani, Drea Letamendi und Marc Bernardin mit. Gedreht wurde mit sieben Kameras und 14 Mikrofonen in Stashwicks eigenem Nerd-Keller, den die Beteiligten angemessen dramatisch The Lost Caverns of Didif nennen.

Das ist mehr als Marketingmaterial für ein Sourcebook. Wenn ein Rollenspielsetting gleichzeitig als Actual Play erlebt werden kann, entstehen Figuren und Geschichten praktisch vor Publikum. Gute Ideen aus einer solchen Runde können wiederum zurück in Bücher, Comics oder andere Projekte wandern. Genau diese Durchlässigkeit scheint ProgCore Press bewusst zu suchen.

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🎧 Selbst die Musik gehört bereits zum Weltenbau

Auch musikalisch existiert Theer längst über das Rollenspielbuch hinaus. Ages of Theer: A Prog Rock Suite ist eine mehrteilige elektronische Orchestersuite von Geoffrey Schumann, die die verschiedenen Zeitalter der Welt musikalisch verarbeitet. Zusätzlich entsteht mit Songs from Theer eine EP mit sechs Prog-Rock-Songs von Jason Charles Miller, deren Einflüsse laut ProgCore von Rush und Led Zeppelin bis Jethro Tull, Yes und Pink Floyd reichen.

Mehrere Science-Fiction-, Fantasy- und erzählerische Podcasts befinden sich ebenfalls in Entwicklung. Details dazu hält ProgCore momentan noch zurück, doch David Nett beschreibt die Gesamtplanung inzwischen selbst ziemlich eindrucksvoll: fünf Bücher, eine dokumentarische Serie, ein animiertes Projekt, zwei Musikalben, ein Podcast und weitere Vorhaben seien für die kommenden Jahre geplant. Da wird aus einem neuen Verlag ziemlich schnell etwas anderes.

📦 Gungnir soll vor allem das Reichweitenproblem lösen

David Nett benennt auch ziemlich offen, warum ProgCore dafür überhaupt einen Verlagspartner braucht. Kleine Studios könnten hochwertige Projekte mit überschaubaren Budgets produzieren; das wesentlich schwierigere Problem sei anschließend, dafür auch tatsächlich ein Publikum zu finden. Die Kooperation mit Gungnir soll deshalb vor allem Vertrieb und Marketing deutlich vergrößern.

Das ist vermutlich der entscheidende wirtschaftliche Punkt hinter der ganzen Ankündigung. ProgCore besitzt bereits Inhalte, eine ausgearbeitete Welt und eine Community aus dem erfolgreichen Kickstarter. Gungnir bringt die Infrastruktur hinzu, mit der aus limitierten Crowdfunding-Produkten regulär erhältliche Bücher werden können.

Gungnir selbst erweitert gleichzeitig sein Portfolio. Der Verlag arbeitete bislang mit Superhelden-, Science-Fiction- und Fantasyprojekten; über ProgCore Press sollen nun gezielt Dark Fantasy und Sword & Sorcery ausgebaut werden.

⚔️ Fantasy als Baukasten statt als einzelnes Produkt

Natürlich wird nicht automatisch jedes Multimediauniversum zum nächsten großen Franchise. Gerade Projekte, die gleichzeitig Buch, Podcast, Rollenspiel, Animation und Musik sein wollen, können sich auch ziemlich spektakulär verzetteln. ProgCore besitzt allerdings einen Vorteil: Ein beträchtlicher Teil dieses Ökosystems existiert bereits, statt heute nur auf einer PowerPoint-Folie angekündigt worden zu sein.

Das Sourcebook ist geschrieben, Musik wurde produziert, City of Sorrow befindet sich in der Postproduktion und Passing Shimmer ist in Arbeit. ProgCore Press schafft nun vor allem die Struktur, um diese Projekte weiterzuentwickeln und daneben neue Geschichten zu veröffentlichen.

Für Fantasykosmos ist genau deshalb weniger das neue Verlagslogo spannend als die Idee dahinter. Theer soll gleichzeitig Lesewelt, Spielwelt, Hörwelt und irgendwann vielleicht auch Serienwelt sein.

Früher brauchte man für ein Fantasyreich eine Landkarte.

Heute offenbar zusätzlich einen Verlag, sieben Kameras, 14 Mikrofone und einen sehr belastbaren Produktionsplan.

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