Power Paladin – Beyond The Reach Of Enchantment (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Power Paladin – Beyond The Reach Of Enchantment

🧿 Kurzfazit
Beyond The Reach Of Enchantment ist kein revolutionärer Geniestreich, aber ein verdammt überzeugendes Power-Metal-Album: melodisch, erzählerisch, spielfreudig und fast durchgehend mit dieser seltenen Tugend gesegnet, episch sein zu wollen, ohne in peinlicher Selbstanbetung abzusaufen.

🎯 Für wen?
Für Leute, die bei Helloween, Majestica, frühen Rhapsody und klassischem Heavy Metal sofort die Zugbrücke herunterlassen, aber trotzdem noch Gitarren statt Zuckerguss hören wollen. Wer Power Metal nur dann mag, wenn er zugleich heroisch, eingängig und leicht nerdig sein darf, ist hier goldrichtig.

🎧 Wie klingt das?
Schnell, hymnisch und klar produziert. Zwei Gitarren, viel Vorwärtsdrang, gut gepinselte Keyboard-Farben, hohe Gesangslinien und Refrains, die nach Aufbruch, Stahl und Fernweh klingen statt nach bloßer Hochglanzpose. Das Album hat Pathos, aber auch echten Zug.

💿 Highlights
Glade Lords Of Athel Loren, The Arcane Tower, Valediction

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei jeder Form von heldischem Refrain, klaren Melodien und Fantasy-Titeln sofort so tust, als sei dir ein Ork auf die Vinylsammlung getreten.


‪‪🛡️ Power Paladin – Beyond The Reach Of Enchantment: Island verteidigt den Zauberwald

Power Paladin waren schon auf dem Debüt die freundliche Anomalie im isländischen Metal-Klima: keine eisigen Schwarzmalereien, kein ritualisiertes Elend, sondern breit grinsender Power Metal mit Schwertarm, Melodievernarrtheit und genügend Fantasy-Liebe für einen ganzen W20-Schrank. Die Band wurde 2017 in Reykjavík gegründet, veröffentlichte 2022 ihr Debüt With the Magic of Windfyre Steel und lässt nun fast vier Jahre später den zweiten Longplayer folgen.

Das Entscheidende daran: Wir bekommen hier keinen hastig nachgeschobenen „mehr vom Gleichen“-Nachfolger, sondern ein Album, das den Reiz des Debüts ziemlich klug zuspitzt. Acht Songs, knapp 49 Minuten, also keine Alibi-Trackliste für Streaming-Zeiten, sondern ein kleines Abenteuerpaket mit echtem Langformat-Anspruch. Dazu kommen ein Tommy-Johansson-Feature auf The Arcane Tower, eine insgesamt sichtbar größere Produktionssicherheit und ein Sound, der seine Helloween-, Maiden- und Dio-DNA nicht versteckt, sondern mit stolz geschwellter Brust vor sich herträgt.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Power Metal, Heavy Metal, stellenweise mit leicht symphonischem Einschlag.
Vergleichbar mit: Helloween in ihrer strahlenden Seite, Majestica ohne Dauerzucker, frühe Rhapsody ohne kompletten Filmorchester-Overkill.
Klangfarbe: Ein Album wie eine Kampagne zwischen Schänke, Waldpfad und Belagerungsturm: galoppierende Drums, tragende Leadgitarren, eingängige Refrains, dazu Keyboards, die eher Atmosphäre beisteuern als alles mit Plastikglanz zuzuschütten. Die Platte klingt jedezeit groß, dabei aber nie aufgeblasen.

Was uns hier besonders gefällt: Power Paladin verstehen das uralte Genreprinzip, dass ein Song nicht bloß schnell oder „episch“ sein darf, sondern eine kleine Szene aufmachen muss. Dieses Album will Geschichten erzählen. Nicht als peinliche Rollenspiel-Kulisse, sondern als ehrliche Lust an Abenteuer, Pathos und Bewegung. Genau deshalb funktioniert die Platte so gut: Sie nimmt das Material ernst, ohne zu klingen, als hätte sie vorher einen Eid auf humorbefreite Erhabenheit geschworen.

Highlights

Glade Lords Of Athel Loren
Hier kommt der Vorschlaghammer. Der Song ist der Moment, in dem das Album seine Zähne zeigt und gleichzeitig seinen Umhang ausbreitet. Hohes Tempo, klare Leadarbeit, ein Refrain mit Zugkraft und dieses schöne Gefühl, dass die Band den Song nicht bloß spielt, sondern regelrecht antreibt. Das Ding marschiert nicht, es prescht auf dich zu. Wenn jemand wissen will, warum melodischer Power Metal noch immer Spaß machen kann, ohne zur Karikatur zu werden, dann bitte genau diesem Weg folgen.

The Arcane Tower
Das ist die Nummer, bei der die Band ihren klassischen Vorlieben besonders offen huldigt. Das Tommy-Johansson-Feature passt perfekt, weil der Song ohnehin schon diesen hell strahlenden, melodisch aufgezogenen Hochglanzkern besitzt, den skandinavischer Power Metal in seinen besten Momenten so gut beherrscht. Trotzdem kippt das Stück nicht ins bloße Vorzeigen von Genrekenntnis. Es hat genug Schwung, genug Hook und genug eigenes Profil, um nicht wie eine verkleidete Referenzliste zu wirken.

Valediction
Ein knapp zehnminütiger Closer ist immer ein kleiner Charaktertest. Auf Beyond The Reach Of Enchantment besteht Valediction ihn ziemlich souverän. Akustischer Einstieg, dann wieder Vorwärtsdrang, Zwischenspiele mit offenem Horizont und genau die Art von Finale, bei der man merkt, dass die Band nicht einfach „noch einen langen Song“ wollte, sondern einen echten Schlusspunkt. Das Stück macht das Richtige: Es denkt größer als die einzelnen Hooks und zieht trotzdem nicht leer in die Länge. So klingt ein Abgang, der bleiben will.


🎨 Artwork

Das Cover von James Child ist klug gewählt, weil es den Ton des Albums sehr gut trifft: kein überladener Drachenmarkt, kein peinlicher KI-Photoshop-Krieg, sondern ein warmes, goldgrünes Fantasy-Szenario mit Lagerfeuer, rastenden Figuren, alten Steinen, Wegmarken und einem Hauch von verzauberter Ruinenromantik. Das Bild sieht nicht nach Weltuntergang aus, sondern nach Aufbruch mit Restbier und Questlog. Genau deshalb funktioniert es. Es verkauft keine Gewaltfantasie, sondern Abenteuerlust. Und das ist für diese Band die deutlich bessere Währung.

Besonders stark ist dabei die Farbgebung: Das Artwork badet in einem bernsteinfarbenen Abendlicht, das sofort diese Mischung aus Heimeligkeit und Fernweh erzeugt. Man sitzt nicht vor einem „harten Metalcover“, sondern vor einer Einladung. Das ist fast schon mutig, weil viele Genrekollegen immer noch glauben, man müsse entweder maximal ernst oder maximal albern aussehen. Power Paladin machen hier etwas deutlich Schlaueres: Sie wirken enthusiastisch. Und das ist auf Dauer viel charmanter.


🪦 Besondere Momente

Der größte Pluspunkt der Platte ist ihre Balance. Camelot Rock City bringt augenzwinkernde Lockerheit hinein, ohne zur Blödelnummer zu verkommen. Keeper Of The Crimson Dungeon nimmt das Tempo etwas heraus und zeigt, dass die Band auch dann trägt, wenn sie nicht gerade im Galopp über den nächsten Hügel springt. Gerade diese Wechsel tun dem Album gut, weil sie verhindern, dass aus acht Titeln ein einziger langer Edelmetall-Klumpen wird.

Dazu kommt die Produktionsseite: Das Album wurde von Haukur Hannes gemischt und von Frank de Jong gemastert, was man der Platte anhört. Der Klang ist druckvoll, sauber und offen genug, damit die melodischen Gitarren nicht unter den Drums ersticken. Für ein Genre, das sich gern zwischen Plastikglanz und Matsch entscheidet, ist das ein ziemlich angenehmer Mittelweg.

Und dann ist da noch dieser sympathische Grundzug der Band, sich nicht hinter Zynismus zu verstecken. Power Paladin machen keine Musik, die ständig mit den Augen rollt, damit bloß niemand merkt, wie viel Herzblut drinsteckt. Sie meinen das ernst. Genau deshalb funktioniert es.

📜 Hintergrund

Die Band aus Reykjavík entstand 2017 zunächst unter dem Namen Paladin, positionierte sich früh als Gegenentwurf zur sonst eher düsteren isländischen Metalszene und veröffentlichte 2022 ihr Debüt With the Magic of Windfyre Steel über Atomic Fire Records. Für den Zweitling ging es nun zu ROAR, die zu Reigning Phoenix Music gehören. Das Sextett besteht aktuell aus Atli Guðlaugsson, Ingi Þórisson, Bjarni Egill Ögmundsson, Einar Karl Júlíusson, Bjarni Þór Jóhannsson und Kristleifur Þorsteinsson.

Wichtig ist dabei nicht bloß die Zeitspanne zwischen Debüt und Nachfolger, sondern was die Band daraus gemacht hat. Vier Jahre Pause können im Power Metal schnell bedeuten, dass einer das Cape wäscht, der andere das Keyboard wechselt und am Ende alle den Faden verlieren. Hier wirkt es eher so, als hätten Power Paladin bewusst an Schärfung statt an Quantität gearbeitet. Der Zweitling ist nicht „größer um jeden Preis“, sondern fokussierter. Er wirkt wie das Album einer Band, die verstanden hat, was sie wirklich trägt: klassische Metalliebe, Abenteuerästhetik, starke Leads und ein gesundes Gespür dafür, wann Pathos zünden muss und wann es nur noch dekorativ im Weg steht.

🪓 Fazit: Kein neues Genre-Gesetzbuch, aber ein sehr überzeugender Feldzug

Beyond The Reach Of Enchantment erfindet den Power Metal nicht neu. Das muss es auch gar nicht. Was das Album stattdessen macht, ist deutlich wertvoller: Es erinnert daran, warum diese Stilrichtung überhaupt einmal so geliebt wurde. Wegen des Schwungs. Wegen der Melodien. Wegen dieser Mischung aus Ernst, Tempo, Fernweh und leicht überdrehtem Heldentum.

Power Paladin liefern hier ein Zweitwerk ab, das reifer klingt als das Debüt, ohne dessen Charme wegzupolieren. Nicht jeder Moment ist absolut überirdisch, und Sword Vigor ist als Einstieg eher solide als sensationell. Aber die Platte wächst schnell, hat mehrere echte Höhepunkte und vor allem genug Eigencharakter, um mehr zu sein als bloße Genre-Nachstellung.

Wer für melodischen, fantasygetriebenen Power Metal auch nur ansatzweise empfänglich ist, sollte diese Platte nicht ignorieren. Das ist vielleicht keine Pflichtübung, aber ein sehr ordentlich geschmiedetes Schwert von den Paladinen.

Albumcover von Power Paladin – Beyond The Reach Of Enchantment: Abenteurer an einem Lagerfeuer vor verwunschenen Ruinen in warmem Abendlicht.
Künstler:Power Paladin
Albumtitel:Beyond The Reach Of Enchantment
Erscheinungsdatum:27. März 2026
Genre:Power Metal, Heavy Metal
Label:ROAR / Reigning Phoenix Music
Spielzeit:ca. 49 Minuten

Trackliste:

Sword Vigor
Glade Lords Of Athel Loren
The Royal Road
The Arcane Tower feat. Tommy Johansson / Majestica
Aegis Of Eternity
Camelot Rock City
Keeper Of The Crimson Dungeon
Valediction

Offizielles Video

Offizielles Lyric-Video zu „Glade Lords Of Athel Loren“ – ein heroischer Clip zwischen Zauberwald, Stahlpose und angenehm nerdigem Abenteuerdrang. Bereitgestellt vom offiziellen Reigning Phoenix Music-Channel auf YouTube:

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