Poison Ruïn – Hymns From The Hills (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Poison RuïnHymns From The Hills

🧿 Kurzfazit
Hymns From The Hills ist ein starkes, eigensinniges Punk-Album, das Melodie, Hall, Kampfgeist und Düsternis so zusammenführt, dass daraus etwas entsteht, das zugleich simpel und sehr charaktervoll wirkt.

🎯 Für wen?
Für Leute, die Punk nicht nur als Tempo und Parole verstehen, sondern auch als Weltbau, Atmosphäre und sehnsüchtige Melodie. Für Hörer, die düsteren Post-Punk, Metalpunk und ruppige Ohrwürmer lieben, ohne glattgebügelte Studiopolster zu brauchen.

🎧 Wie klingt das?
Treibend, melancholisch, leicht vernebelt, aber nie schwammig. Gitarren mit Zug, Rhythmen mit Marschinstinkt, Hall auf der Stimme und immer wieder kleine Synth- und Ambient-Farben, die das Ganze größer machen, ohne es weichzuspülen.

💿 Highlights
Hymn From The Hills, Eidolon, Pilgrimage, The Standoff

⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei Punk nur rohe Direktheit willst und mit düsterer Atmosphäre, Mythensprache oder leicht verhangenen Klangräumen nichts anfangen kannst.


‪‪🎼 Poison RuïnHymns From The Hills: Von welken Hügeln und Punks in rostigen Kettenhemden

Poison Ruïn haben sich von Anfang an wie eine Band angehört, die aus einer anderen Zeit in die unsere gefallen ist. Nicht im Sinn von bloßer Mittelalter-Deko, sondern als hätte jemand Punk, Post-Punk, Dungeon-Schatten und alte Mythen in einen Bottich geworfen und anschließend mit viel Ruß, Hall und einer gehörigen Portion Widerspenstigkeit versiegelt. Mit Hymns From The Hills erscheint am 3. April 2026 das dritte Album der Band aus Philadelphia über Relapse Records, 13 Tracks inklusive Intro mit einer Laufzeit von gut 44 Minuten.

Die gute Nachricht: Das Ding klingt nicht wie eine nette Fortschreibung des bisherigen Konzepts, sondern wie dessen deutliche Nachschärfung. Mac Kennedy hat das Album wieder selbst aufgenommen, diesmal jedoch in einem eigenen Proberaum statt wie früher unter improvisierteren Bedingungen. Für die Nachbearbeitung kamen Jonah Falco fürs Mixing und Arthur Rizk fürs Mastering dazu, weil Kennedy gezielt eine etwas höhere klangliche Präzision wollte. Das hört man sofort. Hymns From The Hills ist klarer, druckvoller und definierter als das frühere Material, ohne dabei seinen verwitterten Zauber zu verlieren. Da kommt was auf uns zu.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Punk, Post-Punk, Dark Punk, mit Ausläufern in Metalpunk, Synth-Wave und düsteren Ambient-Farben.
Vergleichbar mit: dem Moment, wenn klassischer Punk plötzlich nicht mehr nur nach Straße, Bier und Keller riecht, sondern auch nach Burghof, Nebel und einer sehr alten Form von Unruhe. Das Album marschiert, aber gelegentlich scheint es darin zu spuken.
Klangfarbe: Diese Platte klingt wie ein grauer Morgen hinter zerfallenen Mauern. Die Gitarren treiben voran, doch sie schneiden nicht nur, sie ziehen auch. Der Bass hält das Material unten zusammen, die Drums bleiben trocken und direkt, und über allem liegt diese herrlich verhangene, aber nie orientierungslose Stimmung. Das Besondere ist, dass Poison Ruïn hier größer geworden sind, ohne sich aufzublasen. Die Songs wirken weiter wie aus einer verwitterten Welt gesendet, nur steht die Antenne jetzt höher.

Highlights

Hymn From The Hills
Der Titelsong ist der Moment, in dem das Album seinen Anspruch sofort einlöst. Das Stück hat Zug, Melodie und genau diese eigentümliche Mischung aus Sehnsucht und Angriff, die Poison Ruïn so stark macht. Der Song bekam auch ein offizielles Video im Albumvorlauf, was völlig folgerichtig ist, weil er den Kern der Platte sehr gut bündelt. Er klingt nicht nach Nostalgie, sondern nach Bewegung mit finsterer Geschichte im Rücken.

Eidolon
Schon die erste Single machte klar, dass die Band diesmal direkter und aggressiver zur Sache geht. Scharf, direkt auf die Zwölf und mit diesem coolen, verzauberten Lo-Fi-Klang der frühen Stücke; Kennedy spricht von einer zerbrochenen Realität und einer endlosen Schleife des Zusammenbruchs. Genau das hört man. Eidolon ist kantiger, härter und zugleich extrem einprägsam. Das ist keine bloße Vorabsingle, das ist ein sauber platzierter Speerwurf.

Pilgrimage
Hier zeigt sich besonders schön, wie gut die Band mittlerweile Spannungen ausbalanciert. Der Song beginnt beinahe unscheinbar, wirkt dann aber wie eine düstere Aufwallung aus Keller, Kapelle und Straßenkampf zugleich. Gerade weil Hymns From The Hills insgesamt stärker auf Songwriting und Wiedererkennung setzt, funktioniert so ein Stück besonders gut: Es wächst aus dem Fluss des Albums heraus und wirkt trotzdem wunderbar eigenständig.

The Standoff
Ein finales Stück muss nicht immer alles neu aufziehen. Es reicht, wenn es die Platte würdig beschließt und ihren Geist noch einmal bündelt. Genau das macht The Standoff. Der Song fühlt sich an wie die letzte Fackel vor dem Burgtor: hymnisch, dunkel, entschlossen. Kein billiger Abschluss, sondern ein Schlusspunkt mit klarer Haltung und ein Abschied ohne Tränchen.


🎨 Artwork

Das Cover zieht das Konzept mit einer schönen Mischung aus Pathos und Verfall durch. Es zeigt keine sterile Designidee, sondern eine Welt. Hügel, Dunkelheit, Bedrohung, Heraldik, Verwitterung. Das Bild wirkt nicht wie ein Poster für das Album, sondern wie dessen Eingangstor. Genau das muss so eine Platte leisten. Nicht bloß gut aussehen, sondern den Hörer in einen Raum setzen, bevor der erste Song beginnt.

Was uns daran gefällt: Poison Ruïn kippen nie in eine alberne Fantasy-Simulation. Diese Welt bleibt haptisch, schäbig, irdisch und irgendwie auch seltsam schräg. Das ist kein Elfenkino. Das ist eher ein kalter Hügelpfad mit rostigem Helm und schlechtem Omen. Gerade deshalb passt es so gut zu dieser Musik.


🪦 Besondere Momente

Die eigentliche Leistung von Hymns From The Hills liegt darin, dass es sein Klangbild erweitert, ohne den Kern zu verraten. Hier sind absolut 80s-New-Wave-Strukturen herauszuhören, die von Killing-Joke-Härte über analoge Synth-Linien bis zu ambienten Momenten reichen und diese für die Band typischen Überraschungen gibt es reichlich zu entdecken. Dadurch bleibt das Album unverkennbar Poison Ruïn, gönnt sich aber mehr Farben, mehr Tiefe und mehr Songformen.

Hinzu kommt die thematische Schärfung. Die Texte gehen weit über die früheren Allegorien von Mühsal und Entfremdung hinaus und öffnen eine bleichere, von Geistern und Schlangengestalten bevölkerten Welt mit verödeten Hängen und Burgruinen. Der Fantasy-Faktor hat sich also ganz deutlich erweitert. Mythischere Sprache und Symbolik entfalten sich hier deutlich, ohne die echte Welt aus den Augen zu verlieren. Das ist mehr als bloße Stilspielerei. Es erklärt, warum diese Band trotz aller Genre-Bausteine nicht nach normalem Punk-Basics funktioniert. Sie baut ihre Mythen als Werkzeuge, mit denen sie dann fleißig an den Fundamenten der Wirklichkeit sägt.

📜 Hintergrund

Vor Hymns From The Hills kamen das selbstbetitelte Debüt, Härvest von 2023 und die EP Confrere von 2024. Die neue Platte baut auf diesen Veröffentlichungen auf, geht aber hörbar über sie hinaus. Schon die offiziellen Texte sprechen davon, dass die früheren Geschichten nur ein Kapitel in einem größeren Geflecht gewesen seien. Das Album ist also keine Wiederholung, sondern eine Ausweitung des Poison-Ruïn-Kosmos.

Gerade das macht diese außergewöhnliche Band im Moment so spannend. Viele Formationen mit starkem Konzept bleiben irgendwann an ihrer eigenen Kulisse hängen. Poison Ruïn tun das nicht. Sie nehmen die von ihnen erdachte Welt ernst genug, um sie weiterzuentwickeln, und bleiben gleichzeitig eine Punk-Band, die weiß, dass die Songs immer noch selbst die wirklich tragenden Elemente sind. Diese Balance zu halten, ist gewiss schwerer, als es klingt.

🪓 Fazit: Die Fahne flattert nicht für irgendeinen Staat, sondern nur für die Nacht

Hymns From The Hills ist ein richtig gutes Album. Nicht, weil es Punk irgendwie neu erfindet, sondern weil es uns klar zu Gehör bringt, wie viel dieses Genre noch sein kann, wenn jemand Atmosphäre, Mythos, Melodie und Entschlossenheit wirklich zusammenzwingt. Poison Ruïn schreiben keine simplen Parolen mit Burgmauer-Hintergrund. Sie schreiben Songs, die nach Aufbruch, Schwermut, Trotz und geerbtem Unheil klingen.

Der vielleicht größte Triumph der Platte ist ihre Selbstverständlichkeit. Nichts daran wirkt gekünstelt. Nichts daran wirkt wie Konzeptarbeit am Reißbrett. Das Album marschiert, weil es marschieren muss. Es hallt nach, weil diese Welt sonst zu klein wäre. Und es packt, weil die Songs stark genug sind, das Ganze nicht nur als Idee, sondern als Musik zu tragen.

Wer mit düsteren, melodischen Punk generell etwas anfangen kann, der hier auch noch nach etwas Eigenem klingt, sollte Hymns From The Hills unbedingt sofort hören. Das hier ist keine hübsche Genre-Kuriosität. Es ist ein Album mit Herz, Helm und Haken.

Albumcover von Poison Ruïn – Hymns From The Hills: düstere, verwitterte Hügelwelt mit mittelalterlich anmutender Symbolik und unheilvoller Atmosphäre.
Künstler:Poison Ruïn
Albumtitel:Hymns From The Hills
Erscheinungsdatum:3. April 2026
Genre:Punk, Post-Punk, Dark Punk, Metalpunk
Label:Relapse Records
Spielzeit:ca. 44 Minuten

Trackliste:

Intro
Lily Of The Valley
Hymn From The Hills
Eidolon
Howls From The Citadel
Pilgrimage
Guts (Lay Your Self Aside)
Turn To Dust
Puzzle Box
Serpent’s Curse
Sleeping Giant (Interlude)
Crescent Sun
The Standoff

Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu „Hymn From The Hills“ – ein düsterer, hymnischer Marsch zwischen Hall, Rost, Nebel und aufgerautem Punk-Herz. Bereitgestellt von Poison Ruin und Relapse Records auf YouTube:

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