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Phantom Corporation – Time And Tide (Kurzcheck)
🧿 Kurzfazit
Time And Tide ist ein wütender, kompakt geschnürter Death-Crust-Zug mit D-Beat-Triebwerk, fetten Riffs und mehr Hymnenpotenzial, als der raue Sound zunächst vermuten lässt. Straßenschlacht statt Sounddesign, aber mit erstaunlich viel ausgeklügeltem Songhandwerk im Gepäck.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die Death Metal, Thrash und Crust in einem Paket wollen und bei Begriffen wie D-Beat, Protestgeschrei und sägenden Gitarren eher grinsen als die Stirn runzeln. Ideal, wenn du Bolt-Thrower-Schwere, Disfear-Energie und eine Prise Dew-Scented im Hals verträgst.
🎧 Wie klingt das?
Wie ein überladener Güterzug, der mit Vollgas durch eine brennende Vorstadt rauscht: treibende D-Beat-Parts, thrashige Stakkato-Riffs, schwere Midtempo-Grooves und eine Stimme, die klingt, als würde sie direkt aus einem besetzten Proberaum geschrien. Die Produktion ist druckvoll und live-nah, klar genug für Details, rau genug für Straßendreck.
💿 Highlights
Frantic Disruption, Krokodil, Pound Of Flesh, Western Apocalypse
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei Extrem-Metal nach klinischer High-End-Produktion, technischer Dauerakrobatik oder langen, atmosphärischen Spannungsbögen suchst. Time And Tide ist kompromisslos auf Vorwärtssog und Frustabbau getrimmt, nicht auf feinsinnige Klangarchitektur.
Es gibt Alben, bei denen du nach zwei Songs weißt, ob du mit ihnen durchs Jahr gehst oder sie im nächsten Release-Stau vergisst. Phantom Corporation legen mit Time And Tide genau so ein Ding vor: ein 42 Minuten langer Frontalangriff aus Death Metal, D-Beat und Crust, der sich eher nach wütender Seitenstraße als nach sicherer Hauptverkehrsroute anhört. Das Zweitwerk der Nordlichter wirkt fokussierter als der Vorgänger, groovt gemeiner, schreibt bessere Hooks und klingt gleichzeitig so unversöhnlich, als hätte jemand den globalen Frustpegel in Riff-Form gegossen.
🎧 Was erwartet dich?
Genre: Death Metal, Thrash Metal, Crust / D-Beat
Vergleichbar mit: grooviger Death-Crust im Geiste von Hail Of Bullets, Entombed zu Wolverine Blues Zeiten, eine härtere, weniger rockige Variante von Motörhead auf Speed.
Klangfarbe: Time And Tide ist eine dieser Produktionen, die sofort nach Proberaum riechen, aber klar genug bleiben, damit jede Kante sitzt. Die Gitarren kommen fett gesägt, mal im HM-2-Sägewerk, mal mit thrashiger Schärfe, der Bass brummt unterschwellig, und die Drums treiben mit viel Punch und ohne übertriebene Trigger-Sterilität. Leif Jensens Stimme legt sich wie Schleifpapier über alles, mal shoutend, mal tief growlend, immer mit dieser „ich habe noch ein paar Rechnungen offen“ Färbung.
Songwriterisch fährt die Band eine sehr stringente Linie: elf Tracks, kaum Intro-Spielereien, selten über fünf Minuten, dafür ständig der Wechsel aus Hochtempo-D-Beat, Midtempo-Grooves und kurzen Breakdowns, die live vermutlich für fliegende Menschen sorgen. Melodien tauchen eher als giftige Leads oder kurze Harmonien auf, nicht als schmachtende Refrain-Teppiche. Trotzdem bleiben erstaunlich viele Hooks hängen, weil die Refrains simpel, aber clever gebaut sind.
✨ Highlights
Frantic Disruption
Der Opener setzt direkt den Ton: hektische D-Beat-Parts, thrashige Stakkato-Riffs, ein Refrain, der mit dem Titel arbeitet und nach dem dritten Durchlauf nicht mehr aus dem Kopf geht. Textlich geht es um soziale Zersetzung, Machtmissbrauch und die Frage, wie lange der Laden noch so weiterlaufen kann. Musikalisch genau der Sound für alle, die von „Business as usual“ schon leicht Zähneknirschen bekommen.
Krokodil
Einer der markantesten Songs der Platte: grooviger Midtempo-Banger mit deutschem Titel, der sofort Bilder von einem schwer bewaffneten Urzeitvieh weckt. Der Refrain sitzt brutal simpel, dazu fies zähflüssige Riffs und ein Solo, das den Song kurz in klassischeren Metal-Bereich kippen lässt. Perfektes Futter für die Liveshows, bei denen der Pit vermutlich eher nach Straßenschlacht als nach Tanzfläche aussieht.
Pound Of Flesh
Hier zeigt die Band, wie gut sie Groove und Raserei verbinden kann. Die Strophe arbeitet mit nervösem Up-Tempo, im Refrain fällt alles in einen halbstampfenden Rhythmus, der gefährlich nahe an Hymnenstatus kommt, ohne je „happy“ zu wirken. Textlich geht es um Gier, Schuld und den Preis, den irgendwer am Ende immer zahlen muss.
🎨 Artwork
Tarot mit schlechten Karten: Das Cover von Time And Tide sieht aus wie eine Tarotkarte aus einem sehr schlechten Omen. In der Mitte steht eine monumentale Sanduhr auf einem Podest, der Sand fließt wie zermahlene Knochen nach unten, oben stecken Schädel im Glas. Hinter der Szenerie: ein verfinsterter Himmel, ein schwarzer Mond, ein ausgetrocknetes Flussbett, das auf eine dunkle Toröffnung zuführt.
Der Rand ist wie ein okkultes Rahmenwerk aufgebaut: Links windet sich eine gewaltige Schlange senkrecht durchs Panel, rechts oben hängt ein einzelnes Auge in einem von Ketten umschlossenen Kreis, rechts mittig sind zusammengebundene Knochen zu einem makabren Totem geschnürt, rechts unten lauert eine Spinne in ihrem kreuzförmigen Netz. Alles ist in grober Strichführung gehalten, in Beige- und Sandtönen auf schwarzem Grund, eingefasst von dünnen goldenen Linien, die an Art-Déco-Rahmen erinnern. Das ganze Motiv schreit „Zeit frisst alles“, nur eben in der Sprache von Death Metal, Crust und Apokalypse.
🪦 Besondere Momente
- Die Platte lebt von der Wechselwirkung aus Crust-Energie und Death-Metal-Schwere. Wenn nach einem Highspeed-D-Beat plötzlich ein schleppender Groove einsetzt, fühlt sich das wie ein Tritt in die Rippen an, nicht wie ein bloßer Tempowechsel.
- Die Gitarrensoli sind sparsam gesetzt, dafür aber melodisch stark. Statt Selbstzweck wirken sie wie kleine Fackeln im Schlachtnebel, die kurz Orientierung geben und dann wieder in der Staubwolke verschwinden.
- Leif Jensen klingt, als hätte er die Frustration aus mehreren Jahrzehnten Extrem-Metal gesammelt und jetzt in elf Songs komprimiert. Gerade in Refrains wie Dead Of Night oder Crushed trägt seine Stimme den Song stärker, als man es bei dieser Art Musik oft gewohnt ist.
- Trotz aller Wut bleibt die Produktion differenziert. Du kannst Bassläufe, Beckenarbeit und Gitarrendetails klar verfolgen, ohne dass der rohe Charakter verloren geht. Das gibt dem Album Langzeitwirkung und verhindert, dass alles im Einheitsmatsch versinkt.
📜 Hintergrund
Phantom Corporation gibt es seit Mitte der 2010er Jahre, gegründet von Musikern aus dem norddeutschen Extrem-Metal-Umfeld, unter anderem mit Wurzeln in Bands wie Dew-Scented, Weak Aside, Slaughterday oder Obscenity. Von Anfang an stand die Idee im Raum, Death Metal mit Crust und Thrash zu verschrauben, statt nur noch ein weiteres Oldschool-Revival zu starten.
Nach mehreren EPs und Split-Veröffentlichungen markierte das Debütalbum Fallout im Jahr 2023 den ersten großen Aufschlag. Die Band etablierte ihren „Death Crust Commando“ Sound: politisch wache Texte, viel D-Beat, dazu fette Riffs, die sich eher an den sozialen Trümmern der Gegenwart abarbeiten, als an Fantasy-Szenarien. Time And Tide ist nun das zweite Full-Length, erneut veröffentlicht über Supreme Chaos Records, diesmal noch geschlossener im Songwriting, weil sich alle Mitglieder am Material beteiligt haben.
Parallel zum Release fährt die Band ein klassisches Underground-Programm: In-Store-Shows, limitierte Vinylvarianten, Patches und Shirts, alles im engen Schulterschluss mit der Fanbasis. Keine überzogene Image-Kampagne, sondern ein bodenständiger, aber sehr entschlossener Angriff auf die Gehörgänge.
🪓 Fazit
Time And Tide ist kein revolutionäres Manifest, sondern eine ziemlich perfekte Destillation dessen, was Death-Crust 2025 leisten kann. Phantom Corporation erfinden das Rad nicht neu, sie lassen es aber mit solcher Wucht durch unseren gegenwärtigen Scherbenhaufen rollen, dass du dich nach der Fahrt ziemlich wach fühlst. Die Mischung aus Wut, Groove und überraschend hymnischen Momenten macht die Platte zu einem der spannenderen Extrem-Metal-Releases des Winters.
Wer einen Soundtrack für die nächste innere Straßenschlacht sucht, dürfte mit Time And Tide sehr glücklich werden. Und alle anderen merken spätestens beim zweiten Durchlauf, dass dieser Zug zwar keine Notbremse hat, aber verdammt gut geölt ist.

| Künstler: | Phantom Corporation |
| Albumtitel: | Time And Tide |
| Erscheinungsdatum: | 12. Dezember 2025 |
| Genre: | Death Metal, Thrash Metal, Crust / D-Beat |
| Label: | Supreme Chaos Records |
| Spielzeit: | ca. 42 Minuten |
Frantic Disruption
Dead Of Night
Crushed
Krokodil
Pound Of Flesh
Spiritual Arsonists
Husk In The Grain
Sine Missione
The Fire Within
Shadow Walker
Time And Tide
🎬 Offizielles Video – „Frantic Disruption“
Offizielles Musikvideo zu „Frantic Disruption“ von Phantom Corporation, veröffentlicht über den Supreme Chaos Records YouTube-Kanal.
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