Petra Lord – Queen of Faces (Rezension)

🔍 Suche im Fantasykosmos

Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Petra Lord – Queen of Faces

📚 Kurzfazit
Düstere Dark-Academia-Fantasy mit Körpertausch-Magie, Klassenkampf und ziemlich schonungsloser Identitätskrise. Queen of Faces ist clever konstruiert, manchmal überdreht, fast immer interessant, ein Debüt, das eher über Ideen und Bilder zuschlägt als über perfekten Feinschliff.

😒 Was nervt?
Die Story liebt Twists ein bisschen zu sehr. Wenn alle ständig Körper wechseln, fühlt sich irgendwann jede Enthüllung nach „Surprise, das war doch jemand anders!“ an. Im letzten Drittel werden Nebenfiguren und geheime Pläne so dicht geschichtet, dass einzelne Motivationen nur noch mit Stirnrunzeln zusammenpassen. Dazu ein paar typische Jugendbuch-Ticks: überdramatische Dialogzeilen, moralische Monologe mitten in der Action.

✨ Was funktioniert?
Die Grundidee – Körper als Luxusware in einer Magie-Ökonomie – ist stark und wird im Alltag der Welt konsequent durchdekliniert: von „Billig-Chassis“ für die Unterklasse bis zu perfekt kuratierten Hüllen für die Elite. Die Magie hängt an verschiedenen Formen von Intelligenz, individuelle Codex-Fähigkeiten wachsen aus der Persönlichkeit, das wirkt durchdacht und gibt Figurenprofil.

🧠 Figuren und Welt
Ana trägt das Buch locker. Ihre Verzweiflung im verrottenden Körper, die Mischung aus Zorn, Selbsthass und schäbiger Hoffnung, das sitzt. Die Söldner-Truppe um sie herum (Wes, Bombenbastler, Exil-Adel) liefert genug Reibung, um nie in „Found Family“-Kitsch abzurutschen. Caimor selbst ist ein toxischer Cocktail aus Akademie-Glanz, Smog-Unterstadt und mythisch überhöhter Revolutionsfigur Black Wraith.

🐦 Crowbah meint
Wenn Face/Off und Die Tribute von Panem in einer Magie-Uni aufeinandergeknallt wären, käme etwas in dieser Richtung heraus. Laut, überdreht, manchmal wirr, aber mit genug Wucht, dass man den Blick nicht wegkriegt.

⚔️ Petra Lord – Queen of Faces: Körpertausch, Klassenhölle und die Frage, wem dein Körper gehört

Luxus-Hardcover, Wendeumschlag, Goldprägung, Farbschnitt, Lesebändchen: Die deutsche Ausgabe von Children of Fallen Gods sieht aus, als hätte jemand BookTok ein Wunschkonzert erfüllt und anschließend die Druckerei nicht mehr gestoppt. Inhaltlich gibt es großen Krieg, große Gefühle und eine Protagonistin, die zwischen Dämonenvertrag, Freiheitskampf und Liebesdrama zerrieben wird. Wer schon Daughter of No Worlds geliebt hat, bekommt hier mehr von allem: mehr Trauma, mehr Schlacht, mehr Romantasy. Die Frage sollte jedoch erlaubt sein, ob irgendwo zwischen Blutpakt und Bluttinte noch ein wirklicher Fantasyroman übrig bleibt.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Anabelle Gage ist todkrank, nicht im übertragenen Sinn, sondern ganz wörtlich: Ihr geliehener Männerkörper, ein billiges „Edgar“-Chassis, fault von innen weg. In Caimor bedeutet das Todesurteil, denn neue Körper gibt es nur für die, die Magie und Geld mitbringen.

Anas Plan: die Aufnahmeprüfung an der Paragon-Akademie bestehen, sich einen Studienplatz und damit ein neues, gesundes Chassis verdienen. Paragon ist eine Elite-Schule, in der vier Magie-Disziplinen – gebunden an verschiedene Formen von Intelligenz – trainiert werden, und die Mächtigen der Stadt ihre Nachwuchsbegabten parken. Ana scheitert krachend, der Körper kollabiert, die Zeit läuft ab.

Aus purer Panik nutzt sie ihre Illusionsmagie, um einem reichen Prüfling den Körper zu klauen. Es funktioniert, zumindest fast. Auf frischer Tat ertappt, landet sie beim Akademie-Leiter, der ihr zwei Optionen anbietet: Hinrichtung wegen Diebstahl eines Chassis oder Dienst als geheime Klinge des Systems.

Ana unterschreibt. Gemeinsam mit einem kleinen, moralisch fragwürdigen Einsatzteam jagt sie Aufständische, Schmuggler und letztlich die sagenumwobene Hexe Black Wraith. Was als Überlebensdeal beginnt, kippt, als sie merkt, dass Paragon und Regierung eine sehr eigene Definition von „Ordnung“ haben – und dass die Körper der Elite ihren Ursprung vielleicht in genau den Menschen haben, die sie angeblich schützt. Zwischen Auftrag, Verrat und wachsender Revolte muss Ana entscheiden, wer in dieser Welt eigentlich das Monster ist und ob sie nicht längst selbst eins geworden ist.

🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil

Lord schreibt im klaren Gegenwartsstil mit gelegentlichen, sehr prägnanten Bildern. Wenn Ana ihren Körper beschreibt – Narben, Fäulnis, das Gefühl, im eigenen Fleisch falsch zu wohnen – hat das eine Härte, die weit über Standard-YA-Drama hinausgeht. Gleichzeitig erlaubt sich der Text trockenen Campus-Humor und bissige Seitenhiebe auf Mode, Tech-Luxus und Klassengesellschaft.

Schwäche: Es gibt Stellen, an denen die Prosa zu sehr auf Effekt zielt. Metaphern türmen sich, während im Hintergrund drei Plotfäden gleichzeitig schreien. Da wäre weniger manchmal mehr gewesen.

🧍‍♂️ Figuren

Ana ist keine strahlende Heldin, sondern ein Bündel aus Angst, Geltungsdrang und Trotz. Ihr Wunsch, endlich im „richtigen“ Körper leben zu dürfen, ist nachvollziehbar, ihr moralischer Kompass aber alles andere als stabil. Gerade das macht sie glaubwürdig: Sie trifft falsche Entscheidungen, verkauft Leute, die sie mag, und redet sich ein, es gehe nur ums Überleben.

Die übrigen Paragon-Schützlinge sind durchweg archetypisch angelegt – impulsiver Assassinen-Typ, schweigsamer Sprengstoff-Tüftler, charismatische Exil-Adlige –, bekommen aber genug Ecken, um nicht bloß als Tropen-Figuren herumzustehen. Der eigentliche Star im Hintergrund ist die Black Wraith, eine Mischung aus Untergrund-Ikone und Schreckgespenst der Oberschicht. Ihre Präsenz zieht sich wie ein Schatten durch das Buch und hält die Spannung selbst in Dialog-Szenen hoch.

🕒 Tempo und Aufbau

Der Einstieg sitzt: kein ewiges Schul-Vorgeplänkel, sondern direkt Aufnahmeprüfung, Scheitern, Körperdiebstahl, Ultimatum. Anschließend pendelt der Roman zwischen Aufträgen, Akademie-Intrigen und Unterwelt-Ermittlungen.

Im Mittelteil verlässt sich die Erzählung etwas zu sehr darauf, dass jede Mission mit einem Twist enden muss. Körpertausch plus Illusionsmagie bedeutet, dass ständig jemand anders unter irgendeiner Haut steckt, spannend, aber an der Grenze zur Reizüberflutung. Vor allem gegen Schluss wirken manche Überraschungen weniger wie logische Konsequenz, sondern eher wie „noch ein Dreh, weil wir’s können“.

✨ Atmosphäre und Welt

Die größte Stärke: Das Buch nimmt seinen Weltentwurf ernst. Wenn Körper tauschbar sind, dann hat das Konsequenzen für Identität, Klassen-Grenzen, Schönheit, Kriminalität, und Lord zieht diesen Gedankengang konsequent durch. Die Elite kann sich jede Verletzung, jede Peinlichkeit, jedes Verbrechen abstreifen, indem sie in den nächsten Körper springt; die Armen verrotten in billigen Chassis, die irgendwann buchstäblich auseinanderfallen.

Dazu kommen klassische Dark-Academia-Elemente: geheime Rituale, gefährliche Prüfungen, Professoren mit eigenen Agenden, ein Campus, der mehr Gefängnis als Schule ist. Das Ganze sitzt auf einer deutlich politischen Unterlage: revoltierende Unterstadt, korrupte Magier-Kaste, Medien-Inszenierung von Helden und Terroristen.


📜 Fazit:

Queen of Faces ist kein leises Buch. Es ist grell, wütend, stellenweise überladen – und genau dadurch interessant. Die Mischung aus Körpertausch-High-Concept, Akademie-Intrige und Revolutions-Thriller sticht aus der aktuellen YA-Welle wohltuend heraus, selbst wenn nicht jede Wendung wirklich überzeugt.

Wer eine klinisch saubere Plotmaschine erwartet, wird sich an den überbordenden Twists und gelegentlich verwischten Motivationen stören. Wer aber Lust auf ein Debüt hat, das etwas riskiert – politisch, thematisch und erzählerisch – bekommt hier genug Stoff für Kopf und Bauch.

Für den Fantasykosmos taugt das Buch bestens als Diskussionsgrundlage: Wie viel ist ein Körper wert? Wem gehört Identität, wenn Gesichter und Geschlechter zum Luxusgut werden? Und was passiert, wenn eine Akademie, die solche Macht verwaltet, sich selbst als moralisches Zentrum der Welt versteht?

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★
„Brutale Körpertausch-Spirale mit Dark-Academia-Gift, die lieber ein bisschen zu viel will, als brav im YA-Regal zu stehen. Sprachlich manchmal ziemlich wacklig, dafür aber frei von Kompromissen.

Buchcover von „Queen of Faces“ vor einem Regal mit alten Ledereinbänden: Auf schwarzem Sternenhimmel ist das Profil eines dunkelblauen Frauengesichts zu sehen, nach rechts blickend. Aus ihrem Haar, das in leuchtenden Türkis- und Goldsträhnen nach oben weht, wächst eine hohe Turm-Akademie mit spitzen Dächern und Uhrturm. Ein Schmetterling fliegt durch das Haar, links und rechts zucken weiße Blitze. Oben steht in großen weißen Buchstaben „Queen“, unten „Faces“, darunter der Slogan „A pawn dies. A queen rises.“.

Autorin: Petra Lord
Titel: Queen of Faces
Serie: Queen of Faces, Band 1
Verlag: Macmillan (USA)
Übersetzung: Englische Originalausgabe
Seitenanzahl: 432 Seiten, Hardcover, Deluxe Edition mit veredeltem Schnitt (US)
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-1250362971

Leseprobe, symbolisiert durch ein aufgeschlagenes, antikes Buch.
Offizielle Leseprobe zu Petra Lord – Queen of Faces bei Amazon.
Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
Mystisches Banner mit Elyra, der Sternengöttin: Ihr leuchtendes Gesicht vor einem funkelnden Sternenhimmel, goldener Schriftzug ‚Dein Blick in die Zukunft?‘ und ein glänzender goldener Button ‚Direkt zum Sternenorakel‘.

Mehr Buchempfehlungen für dich?