Paolo Bacigalupi – Navola (Rezension)

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🐉 Navola – Paolo Bacigalupi zwischen Bankpalast und Drachenauge

Was erlaube Bacigalupi? Drachen, nicht als feurige Bestien aufsteigen, sondern als Symbole im Banktresor einer Renaissance-Machtfamilie lagern.

Wenn Renaissance auf Fantasy trifft, dann klingt das nach Gold: Handelshäuser, Machtspiele, verfallene Paläste, ein Drachenauge als Symbol ewiger Macht. Paolo Bacigalupi, sonst eher bekannt für Dystopien (The Windup Girl, Ship Breaker), wagt mit Navola einen großen Genre-Sprung. Das Ergebnis? Ein Buch, das so prunkvoll ausgestattet ist wie ein venezianischer Ball und manchmal ebenso gleichförmig in seinem Fluss wirkt wie die Masken, die dort getragen werden.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Der Stadtstaat Navola lebt von Handel, Intrigen und Blut. Und über allem thront die Bank der di Regulai, eine Familie, die Königreiche stürzt, während sie mit sauertöpfischem Blick am süßen Wein nippt. Davico, der junge Erbe, soll bald das Familienimperium übernehmen. Zwei Dinge entscheiden über sein Schicksal: seine Fähigkeit, das diplomatische Netz aus Intrigen zu meistern, und ein versteinertes Drachenauge, das weit mehr ist als nur ein glänzender Talisman.

Doch Bacigalupis „Drache“ bleibt meist in den Büchern der Bank: Wer epische Flammen erwartet, findet vor allem Wein, Verrat und viel Gold. Magie ist hier eher ein Versprechen als echter Teil der Handlung.

🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil:
Elegant, detailreich, mit einem Händchen für Atmosphäre. Keine Frage: Bacigalupi versteht es, Sätze wie Palastdecken zu vergolden. Leider bremst das Prachtgeplänkel den Plot öfter unelegant aus.

🧍‍♂️ Figuren:

  • Davico di Regulai: Sympathisch überfordert, schwankt zwischen Coming-of-Age und passivem Zuschauer.
  • Die Familie: Intrigant, scharf gezeichnet, das eigentliche Highlight.
  • Nebenfiguren: Farbig, aber teilweise nur Dekoration für den großen Bankball.

🕒 Tempo:
Gemächlich wie ein Banktermin um 17 Uhr. Nach starkem Einstieg verliert sich der Roman in endlosen Sitzungen und langen Wegen durch die Stadt. Spannung ist da, sie wird aber zu selten als echtes Pfund für den Lesefluss genutzt.

Atmosphäre:
Navola wirkt wie ein dunkles, italienisches Florenz im Fantasy-Gewand: Kanäle, Paläste, Festmähler. Das macht Eindruck, doch der magische Anteil ist dann doch enttäuschend gering. Drachenauge hin oder her, Fantasy-Fans hätten gewiss mehr Flammen erwartet.


📜 Fazit:

Paolo Bacigalupi hat Mut bewiesen, die dystopischen Trümmerstädte hinter sich zu lassen und sich in die prunkvollen Intrigen der Renaissance zu werfen. Navola ist ambitioniert, groß angelegt, voller Gift und Gold, aber nicht frei von Schwächen. Wer Intrigen, Familiengefechte und Bankenkriege liebt, findet ein literarisches Festmahl. Wer wegen des titelgebenden Drachen gekommen ist, sitzt hier leider vor einem verschlossenen Tresor. Schade, die Geschichte hatte deutlich mehr Potential.

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★★★☆ – „Luxuriös erzählt und handwerklich untadelig. Nur bei der Spannung ist eher Weltspartag.“

Buchcover von Navola – Das Erwachen des Drachen von Paolo Bacigalupi. Im Zentrum ein großes, rotes Drachenauge mit schwarzer, senkrechter Pupille, eingefasst in ein weiß ornamentiertes Relief. Titel in schwarzer Schrift darunter, Untertitel in Rot. Verlag TOR.

Autor: Paolo Bacigalupi
Titel: Navola – Das Erwachen des Drachen (Navola)
Verlag: Fischer Tor
Übersetzung: Alexander Weber
Seitenanzahl: 800 (Gebundene Ausgabe)
Erstveröffentlichung (deutsch): 2025
ISBN: 978-3-596-71089-8

Fantasy-Metal-Band auf der Bühne: Ein wild schreiender Sänger mit wehenden Haaren greift ins Publikum, flankiert von Gitarristen, während hinter ihnen Flammen lodern. Darüber der Slogan ‚No Sleep ’Til… Mordor?‘, unten der Zusatz ‚Die besten Alben & Playlists aller Welten.

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