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Ov Sulfur – Endless
🧿 Kurzfazit
Endless ist ein sehr professionelles, sehr kalkuliertes Deathcore-Album, das alle Genre-Häkchen gewissenhaft abarbeitet, von der getriggerten Bassdrum bis zur Tränenballade mit Streichern. Handwerklich sitzt alles, aber zu oft klingt es, als hätte jemand die Checkliste „Modern Blackened Deathcore“ einfach von oben nach unten abgearbeitet.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die von Lorna Shore und Konsorten noch nicht übersättigt sind und genau diese Mischung aus symphonischer Finsternis, Breakdowns und antireligiösem Zorn in möglichst sauberer Studioqualität suchen.
🎧 Wie klingt das?
Blackened Deathcore mit deutlichem Symphonic-Anteil: wuchtige, extrem tief getunte Gitarren, chaotische Blastbeat-Ausbrüche, chorale und orchestrale Überbauten sowie der Dreiklang aus Growls, Screams und überraschend viel Klargesang. Single-Material wie „Seed“, „Evermore“, „Wither“ und „Vast Eternal“ bildet die stilistische Mitte der Platte.
💿 Highlights
Vast Eternal, Wither, A World Away, stellenweise Dread
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du von hypermodernen Deathcore-Produktionen mit Dauer-Chor und Dauer-Breakdown ohnehin schon Kopfschmerzen bekommst oder musikalisch mehr suchst als „noch ein sehr ordentliches Genre-Album“.
🩸 Ov Sulfur – Endless: Deathcore aus der Endlos-Retorte
Der Siegeszug des Blackened Deathcore ist längst keine Randnotiz mehr: Lorna Shore, Thy Art Is Murder, Shadow Of Intent – eine ganze Generation hat entdeckt, dass man B0lastbeats, Opern-Chöre und existentialistischen Welthass ziemlich gut in einen Mixer werfen kann. Für jede Speerspitze dieses Trends gibt es aber auch eine Armada an Nachzüglern, die mit ähnlichen Zutaten auf den gleichen Effekt hoffen.
Ov Sulfur aus Las Vegas gehören genau in dieses Feld. Seit 2020 unterwegs, mit Ex-Suffokate-Frontmann Ricky Hoover als prominenter Galionsfigur, einem Debüt über Century Media im Rücken (The Burden ov Faith, 2023) und extrem antireligiöser Attitüde als Markenzeichen.
Mit „Endless“ steht nun Album Nummer zwei im Dock. Und die Frage ist natürlich nicht, ob Ov Sulfur Deathcore spielen können. Das können sie. Die Frage ist: Reicht technisch einwandfreier Hass im Jahr 2026 noch, wenn rundherum ganze Horden das gleiche Klangbild bereits bis zum Überdruss zelebrieren?
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Blackened Deathcore, Deathcore, Symphonic Deathcore
Vergleichbar mit: der melodischeren, etwas glatteren Seite von Lorna Shore, einer weniger wahnsinnigen Variante von Shadow Of Intent und einer Spur Behemoth-Pathos in den Black-Metal-Passagen.
Klangfarbe: Knochentrockene, aber massive Gitarrenwände, ultra-aufgeräumtes Schlagzeug mit sehr deutlich getriggerten Kicks und ein Mix, der die orchestralen Layer wie ein Soundtrack über den Songs schweben lässt. Century Media inszeniert das Ganze als großes, dunkles Statement – und das gelingt auch.
Ricky Hoover bleibt der Dreh- und Angelpunkt. Seine typischen Wechsel zwischen tiefsten Growls, keifenden Screams und zunehmend souveränem Klargesang ziehen sich als Leitmotiv durch die gesamte Platte. Ergänzt wird das von Co-Vocals und Gastauftritten: Josh Davies (Ingested) in „Dread“, Johnny Ciardullo (Carcosa) in „Bleak“ und Alan Grnja (Distant) in „A World Away“.
✨ Highlights
Endless//Godless
Das knapp zweiminütige Intro/Opener-Doppel erfüllt exakt, was man erwartet: ein atmosphärischer Aufbau, der in einen brutalen Breakdown mündet. Viel Subbass, viel Gebrüll, wenig Überraschung. Als Statement „Wir sind immer noch heavy“ funktioniert der Track, als eigenständiger Song bleibt er eher eine Visitenkarte als ein bleibender Eindruck.
Vast Eternal
Hier zeigt die Band am deutlichsten, was sie eigentlich könnte. Leviathvn hat den Song laut Bandinfo federführend geschrieben, und man hört es: das chaotisch flackernde Black-Metal-Riffing im Refrain, der marschartige Vers, das Gefühl einer schleichenden Panikattacke im Weltraum-Vakuum. Die Textidee. also ewige Bewusstlosigkeit im Nichts statt Himmel oder Hölle – passt erstaunlich gut zum eisigen Sound.
Wither
Die Single, die am deutlichsten in Richtung „Mainstream-tauglich“ schielt, ohne ihre Zähne komplett abzulegen. Ein Song über Trauer und Verlust (Hoovers verstorbene Großmutter stand Pate), der klar auf melodische Refrains und Hooklines setzt. Die Mischung aus klarem Gesang und noch immer wuchtigen Strophen funktioniert, wenn man bereit ist, den Deathcore kurzzeitig als großes, dramatisches Rockkino zu akzeptieren.
A World Away
Der vielleicht stärkste „klassische“ Deathcore-Song der Platte. Viel Melodik in den Leads, harte Strophen, ein Refrain, der hängen bleibt, plus Feature von Alan Grnja (Distant), der dem Ganzen noch eine zusätzliche Portion Biss verpasst. Genau hier blitzt jene eigene Handschrift auf, die dem Rest des Albums oft fehlt.
🎨 Artwork
Die Zeit läuft ab – wieder mal: Endless zeigt eine verhüllte Gestalt im blauschwarzen Nebel, halb Sensenmann, halb müder Okkult-Opa, der eine reich verzierte Sanduhr in der Klaue hält. Das Metallgestell wirkt wie viktorianisches Kunsthandwerk, Ornamente und Steinchen überall, der Sand rieselt gemächlich von oben nach unten, als würde hier jemand ganz genau mitzählen, wie viele Breakdowns dir noch bleiben. Das Gesicht unter der Kapuze ist kreideweiß maskenhaft, mit tiefen, fast hohlen Augenringen und einem schiefen, wissenden Grinsen, das eher nach „Ich hab das alles schon tausendmal gesehen“ aussieht als nach plumper Horrorfratze. Oben links klebt das filigran ausgefranste Ov-Sulfur-Logo in schmutzigem Gold, unten rechts spiegelgleich der Albumtitel, zusammen eine Art barockes Memento mori für die Generation Deathcore, die ihren Nihilismus gerne in Cinematic-Filter packt.
🪦 Besondere Momente
Die „Alles muss rein“-Ästhetik
Ov Sulfur wollen viel: Black-Metal-Eiswind, Cinematic-Orchester, Breakdowns für den Pit und große Refrains für die Streaming-Playlisten. Das führt zu Stellen, an denen man das Gefühl hat, das Arrangement wolle zu viele Subgenres gleichzeitig abdecken. Kritiker bemerken genau diesen Überfrachtungs-Eindruck. TGechnisch top, emotional manchmal wie eine sehr teure Musterküche, die in erster Linie aus polierter Front besteht.
Antireligion als Markenkern
Die bandtypische Kritik an Religion bleibt präsent, wirkt auf Endless aber abstrakter. Statt „Gotteslästerung im Holzhammer-Stil“ gibt es öfter metaphorische Texte über Leere, Sinnsuche und ewige Verdammnis. Das passt zur düsteren Grundstimmung, verleiht den Songs aber selten eine wirklich eigene Perspektive.
Gäste als Feinschliff, nicht als Rettung
Die Features von Davies, Ciardullo und Grnja klingen erwartungsgemäß kompetent und ergänzen Hoovers Vocals gut, können aber nicht verhindern, dass am Ende doch eher die Produktionsformel in Erinnerung bleibt als einzelne Songideen. Wenn der stärkste Moment eines Tracks der kurze Gast-Part ist, sagt das viel über das Songwriting.
🪓 Fazit
Ov Sulfur wurden 2020 in Las Vegas gegründet. Die Band positionierte sich früh als blackened / symphonic Deathcore und machte mit Singles wie „Behind The Hand Of God“ und der EP Oblivion auf sich aufmerksam, bevor 2023 das Debüt The Burden ov Faith bei Century Media erschien. Die Band ist 2026 unter anderem im Rahmen der „Death Above Life“-Tour mit Orbit Culture und Atlas in Nordamerika unterwegs. Das neue Material ist also klar auf Live-Zerlegung ausgelegt.
Endless ist das Paradebeispiel für ein modernes Deathcore-Album, das technisch und produktionstechnisch nahezu nichts falsch macht und gerade deshalb hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Ov Sulfur haben alle Werkzeuge: einen markanten Frontmann, eine fette Produktion, starke Einzeltracks wie „Vast Eternal“, „Wither“ und „A World Away“ und eine klare ästhetische Linie.
Was fehlt, ist der Mut, aus dieser Komfortzone auszubrechen. Zu viele Songs wirken wie Varianten desselben Bauplans, mal mit mehr Orchester, mal mit mehr Kitsch, mal mit prominenterem Gast. Man kann Endless problemlos durchhören, ohne ernsthaft genervt zu sein. Man läuft aber ebenso Gefahr, es nach dem letzten Ton einfach wieder zu vergessen.
Für Genre-Fans ist die Platte ein weiteres solides Kapitel im laufenden Blackened-Deathcore-Boom. Der große Sprung aus der zweiten Reihe nach vorne blieb Ov Sulfur mit diesem Album allerdings schuldig. Oder, um es auf den Punkt zu bringen: Endless kocht mit schwarzem Wasser, aber das sieht teilweise eben einfach gefärbt aus.

| Künstler: | Ov Sulfur |
| Albumtitel: | Endless |
| Erscheinungsdatum: | 16. Januar 2026 |
| Genre: | Blackened Deathcore, Deathcore, Symphonic Deathcore |
| Label: | Century Media Records |
| Spielzeit: | ca. 45 Minuten |
Endless//Godless
Seed
Forlorn
Vast Eternal
Wither
Evermore
Dread (feat. Josh Davies – Ingested)
Bleak (feat. Johnny Ciardullo – Carcosa)
A World Away (feat. Alan Grnja – Distant)
Endless//Loveless
🎬 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „Vast Eternal“, dem wohl finstersten Vorboten des neuen OV-SULFUR-Albums Endless. Bereitgestellt über den offiziellen Century Media Records-Channel auf YouTube:
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