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Oliver Darkshire – Spiel mir das Lied vom Goblin
📚 Kurzfazit
Ein herrlich schräger Fantasyroman mit viel britischem Witz, einer grandios verschobenen Grundstimmung und genug Herz, um unter all dem Spott nicht bloß zur Nummernrevue zu verkommen. Nicht ganz so kuschelig, wie das Marketing behauptet, aber deutlich interessanter.
😒 Was nervt?
Der Humor ist nicht immer gleich treffsicher. Manches wirkt etwas zu gewollt, ein paar Einfälle drehen sich einen Tick zu lange im Kreis, und die Fußnoten-Liebe des Romans dürfte nicht jeden in jubelnde Verzückung versetzen. Dazu kommt, dass die episodische Struktur dem Buch zwischendurch etwas Zug nimmt.
✨ Was funktioniert?
Isabella selbst. Der Grimalkin. Der sprechende Esel. Das Basilikum. Die ganze seltsame Dorfmagie. Darkshire versteht sehr gut, dass ein Buch wie dieses nicht über großen Weltenbau gewinnt, sondern über Ton, Timing und die liebevolle Bosheit, mit der es seine Figuren durchs Unglück schiebt.
🧠 Figuren und Welt
Die Welt ist weniger epische Fantasykarte als kaputte Kräuterküche mit Nebelrand. Genau das ist ihre Stärke. East Grasby wirkt schäbig, komisch und unerquicklich menschlich, und Isabella ist als verbitterte, kluge, viel zu lange klein gehaltene Hauptfigur eine deutlich bessere Heldin als die übliche glattpolierte Klischeehexe.
🐦 Crowbah meint
Wenn ein Roman mit einem Topf Basilikum, einem grantigen Katzenwesen und möglicher Zombie-Armee hantiert und dabei trotzdem noch eine funktionierende Befreiungsgeschichte erzählt, sind das gute Gründe, hier mal reinzublättern.
🪴 Oliver Darkshire – Spiel mir das Lied vom Goblin: Wenn Cozy Fantasy plötzlich Zähne zeigt
Cozy Fantasy hat in den letzten Jahren oft so getan, als bestünde das höchste Abenteuer des Genres darin, ein warmes Getränk leicht magisch zu aromatisieren und dabei bezaubernd zu lächeln. Spiel mir das Lied vom Goblin hat darauf erfreulich wenig Lust. Oliver Darkshire wirft uns stattdessen in ein schiefes, britisch verschrobenes Dorfleben voller Alraunen, gestohlener Zauberbücher, bockiger Ehemänner, seltsamer Tiere und einer Frau, die viel zu lange geglaubt hat, ihr Leben müsse eben genau so trostlos bleiben. Das Ergebnis ist kein geschniegelt süßes Wohlfühlmärchen, sondern eine ziemlich eigenwillige Mischung aus Dorfgroteske, Selbstfindung, Hexenküche und komischem Chaos. Gerade deshalb funktioniert es.
🧭 Worum geht’s eigentlich?
Isabella Nagg lebt in East Grasby auf einem jämmerlichen Hof und ist seit Jahren mit Farmer Nagg verheiratet, was ungefähr so viel Spaß verspricht wie ein Nickerchen auf nassen Mehlsäcken. Das Einkommen der beiden hängt an der jährlichen Alraunenernte für den örtlichen Zauberer. Als dieser jedoch verschwindet und Mr. Nagg stattdessen einen Band aus dessen Zauberbuchsammlung mitgehen lässt, gerät Isabellas ohnehin schiefes Leben endgültig aus dem Tritt. Aus ein bisschen Magie werden sehr schnell deutlich mehr Probleme: seltsame Verwandlungen, sprechende Kreaturen, Goblin-Früchte, wandelnde Leichen und ein Abenteuer, das ausgerechnet aus jener Frau etwas herausholt, die sich selbst längst mit ihrem traurigen Dasein abgefunden hatte.
🔍 Stärken & Schwächen
🖋 Stil
Darkshire schreibt so, als hätte Terry Pratchett einmal kurz mit einem schlecht gelaunten Antiquar und einem englischen Landpfarrer in derselben Küche gesessen. Das ist nicht auf noblen Glanz, sondern auf Schräglage gebaut. Der Roman lebt von trockenen Spitzen, ironischer Distanz und einer Stimme, die ihre Welt ernst genug nimmt, um ihren Irrsinn auszukosten. Genau das macht Spaß. Gleichzeitig ist der Stil auch die größte Geschmacksfrage des Buches. Wer mit Fußnoten, Seitengedanken und bewusst spleenigem Erzählwitz nichts anfangen kann, wird hier schneller müde als begeistert.
🧍♂️ Figuren
Die eigentliche Pointe des Romans ist, dass seine Hauptfigur nicht von Natur aus liebenswert ist. Isabella ist frustriert, müde, klarsichtig und in ihrer Ehe so gründlich festgefahren, dass schon ihr stilles Weiterleben wie eine Form von passivem Widerstand wirkt. Genau deshalb trägt sie das Buch. Um sie herum sammeln sich Figuren, die eher aus einem bösen Märchen als aus einer sanften Wohlfühlwelt zu stammen scheinen: ein katzenartiges Wesen mit schlechter Laune, ein Esel mit plötzlich erweitertem Bewusstsein, ein Basilikum mit Ansprüchen und genug dörfliche Sonderlinge, um das Ganze permanent leicht schief zu halten. Schwächer wird der Roman da, wo Nebenfiguren eher als komische Funktionsträger denn als echte Menschen wirken. Das fällt aber weniger ins Gewicht, weil das Buch ohnehin stärker über Atmosphäre und Ton lebt als über psychologische Feinarbeit.
🕒 Tempo und Aufbau
Hier zeigt sich das größte Problem. Spiel mir das Lied vom Goblin liest sich oft flott, aber nicht immer straff. Es gibt Passagen, die sich genüsslich viel zu lange an ihren eigenen Einfällen festhalten, wo ein halber Schritt weniger schon gereicht hätte. Gerade der Humor arbeitet manchmal mit Wiederholung und Umweg, und nicht jede Abschweifung zahlt voll auf den Plot ein. Das macht den Roman nie träge, aber gelegentlich etwas zottelig. Auf der anderen Seite passt gerade diese leichte Unordnung auch zum Wesen des Buches. Ein glatt durchgetakteter Roman wäre hier vermutlich sogar die langweiligere Variante gewesen.
✨ Atmosphäre und Welt
Das ist der große Trumpf. Das Buch verkauft sich als Cozy Fantasy, aber in Wahrheit ist es eher cosy mit Schimmelrand. Da gibt es Wärme, ja, aber sie kommt aus einer Küche, in der auch seltsame Pilze wachsen könnten. Der ländliche Schauplatz, die Grimoire-Romantik, die dörfliche Misere, die grotesken Magie-Folgen und die latent faule Grundstimmung ergeben zusammen eine Welt, die eigen genug ist, um im Gedächtnis zu bleiben. Besonders schön ist, dass Darkshire nie versucht, seine Schrulligkeit stromlinienförmig oder marketingsauber zu machen. Das Buch darf albern sein, seltsam, morbide und liebevoll gemein. Genau dadurch gewinnt es ein eigenes Gesicht.
📜 Fazit:
Spiel mir das Lied vom Goblin ist kein Fantasy-Roman für Leser, die mit aufgeräumter Nettigkeit und dekorativem Hexenkessel zufrieden sind. Oliver Darkshire liefert stattdessen einen Roman, der zugleich komisch, schmuddelig, herzlich und ein wenig boshaft ist. Das Buch hat Schwächen: Der Humor trifft nicht immer, der Plot mäandert hier und da, und die Fußnoten dürften manchen eher aus der Geschichte schubsen als hineinziehen. Aber dafür hat es etwas, das vielen sauber durchdesignten Fantasy-Neuerscheinungen fehlt: einen eigenen Ton. Isabella Nagg ist als Hauptfigur stark genug, um die ganze krumme Angelegenheit zu tragen, und die Mischung aus britischer Dorfgroteske, Magiechaos und stiller Emanzipation geht am Ende erstaunlich gut auf. Wir würden das nicht als reinrassige Cozy Fantasy verkaufen. Eher als kauzige Schauer-Komödie mit Herz, Kräuterdreck und einem angenehm schiefen Blick auf Macht, Ehe und Selbstbefreiung. Und genau das macht den Reiz aus.
🌟 Bewertung
Varanthis-Skala: ★★★★☆
„Ein Basilikumtopf, ein Esel und ein Dorf voller Fehlentwicklungen tragen diesen schrägen Fantasyspaß ziemlich souverän über die Ziellinie, dem schwachsinnigen deutschen Titel zum Trotz.“

Autorin: Oliver Darkshire
Titel: Spiel mir das Lied vom Goblin
Originaltitel: Isabella Nagg and the Pot of Basil
Verlag: Penhaligon
Übersetzung: Marianne Schmidt
Seitenanzahl: 320 Seiten, Paperback / Klappenbroschur
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-3-7645-3363-2
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