Fantasywelt gerettet, Eltern enttäuscht, Mathe nicht bestanden: Mike Chen zerlegt den Auserwählten-Mythos

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Welt gerettet. Mathe bleibt.

📰 Was ist los?
Mike Chen spricht in einem neuen Interview ausführlich über sein YA-Debüt Of Sorcery and Science. Darin kehrt ein Teenager nach einer erfolgreichen Fantasy-Heldenreise nach Kalifornien zurück und muss plötzlich wieder mit Schule, Eltern und College-Plänen klarkommen – bis Magie erneut auftaucht.

🐛 Was denken wir?
Die Umkehrung des Auserwählten-Tropes ist hier mehr als nur ein guter Gag. Gerade die Verbindung aus Portal Fantasy, Wissenschaft und dem Leben zwischen unterschiedlichen Erwartungen gibt dem Stoff deutlich mehr Eigenständigkeit als der üblichen „Teenager entdeckt geheime Kräfte“-Nummer.

In vielen Fantasygeschichten ist die Rückkehr aus der anderen Welt der Moment, in dem der Held endlich verstanden hat, wer er wirklich ist. Er hat Monster besiegt, Magie gelernt, ein Königreich gerettet und vermutlich irgendwo noch ein Schwert bekommen, das nur auf ihn hört. Andy Lao kommt anschließend nach Kalifornien zurück und muss sich mit Trigonometrie beschäftigen.

Das Buch Of Sorcery and Science von Mike Chen steht vor einer geteilten Szenerie aus nächtlichem Klassenzimmer und leuchtender Fantasywelt mit magischem Portal und Schloss.
Zwischen Schulbank und Zauberwelt: Of Sorcery and Science verbindet Portal Fantasy, Wissenschaft und die Frage, was nach der klassischen Heldenreise eigentlich übrig bleibt.
© Running Press Kids / Hachette Book Group; Hintergrundgestaltung © Fantasykosmos

Genau dort setzt Of Sorcery and Science an. Mike Chens YA-Debüt erscheint am 8. September bei Running Press Kids und dreht das klassische Portal-Fantasy-Prinzip bewusst um: Die Weltrettung liegt bereits hinter dem Helden. Das eigentliche Problem beginnt damit, dass er anschließend wieder in ein Leben zurückkehrt, in dem niemand seine Geschichte glaubt, College-Bewerbungen warten und die Eltern ziemlich konkrete Vorstellungen davon haben, was aus ihm werden soll.

🪄 Der Auserwählte war gestern

Andy Lao hat Monate in der magischen Welt Garyod verbracht, ist dort zum mächtigen Magier geworden und hat ein ganzes Reich gerettet. Zurück auf der Erde ist davon allerdings herzlich wenig übrig. In der Schule ist er wieder nur ein Teenager, der erklären muss, warum er verschwunden war, warum seine Leistungen leiden und warum ausgerechnet er angeblich irgendwo ein Fantasyreich gerettet haben soll.

Mike Chen beschreibt diese Konstruktion im heutigen Interview ausdrücklich als Umkehrung des vertrauten Auserwählten-Musters. Normalerweise endet die Geschichte mit dem Triumph und der Heimkehr. Ihn interessiert dagegen, was passiert, wenn der Held danach wieder Hausaufgaben machen und in einer Umgebung funktionieren muss, die von all seinen Erfahrungen nichts weiß.

Das ist im Grunde die unromantischste Form der Heldenreise: Du besiegst den Endgegner, kommst nach Hause und jemand fragt, ob du die Mathearbeit unterschreiben lassen hast.

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📐 Magie trifft Wissenschaft

Der Titel Of Sorcery and Science ist dabei wörtlicher gemeint, als es zunächst klingt. Chen verbindet Magie und wissenschaftliches Denken ausdrücklich miteinander. Im Interview spricht er darüber, wie STEM-Konzepte in die Fantasystruktur einfließen und wie Andy zwischen zwei unterschiedlichen Logiken steht: einer magischen Welt, in der er gelernt hat, Dinge intuitiv und praktisch zu beherrschen, und einer modernen Welt, die von Schule, Technik, Beweisbarkeit und Regeln geprägt ist.

Das wird später entscheidend, als Magie erneut auf der Erde auftaucht. Eine andere Auserwählte tritt auf und wirft Andy vor, mit seiner früheren Rettungsaktion die magische Welt überhaupt erst in Gefahr gebracht zu haben. Aus dem ehemaligen Helden wird damit plötzlich jemand, der sich rechtfertigen muss und erneut zwischen beiden Welten steht.

Die schöne Idee dahinter: Andy kann sein altes Problem nicht einfach noch einmal mit denselben Mitteln lösen. Diesmal muss er Magie und Wissenschaft zusammenbringen. Oder anders gesagt: Der Endgegner ist möglicherweise immer noch ein Monster. Aber diesmal könnte die Lösung tatsächlich trigonometrische Unterstützung brauchen.

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🌏 Zwischen zwei Welten – diesmal ganz ohne Portal

Das heutige Interview macht außerdem deutlich, dass Chens Portal-Fantasy-Konzept auch autobiografisch grundiert ist. Andy ist Asian American und bewegt sich nicht nur zwischen Erde und Garyod, sondern auch zwischen familiären Erwartungen, Schulalltag und unterschiedlichen kulturellen Rollen.

Chen verknüpft dieses Doppelleben ausdrücklich mit Code-Switching und seiner eigenen Erfahrung als Kind von Einwanderern. Andy entscheidet ständig, welche Version seiner selbst er welchem Umfeld zeigt. In Garyod war er mächtig und sicher. Zu Hause muss er wieder erklären, wer er überhaupt ist.

Damit wird das Portal weniger zum bloßen Fantasygerät und mehr zum ziemlich eleganten Bild für Identität. Wer ohnehin das Gefühl kennt, je nach Umfeld unterschiedliche Versionen seiner selbst zeigen zu müssen, braucht für zwei Welten nicht zwingend Magie. Manchmal reicht schon ein Familienessen.

📖 Mike Chen wechselt erstmals ins YA-Fach

Of Sorcery and Science ist Chens erster YA-Roman, obwohl er längst in mehreren großen Genreuniversen gearbeitet hat. Zuvor schrieb er unter anderem im Umfeld von Star Wars, Star Trek, Marvel und Critical Role. Temple of Geek beschreibt das neue Buch entsprechend als Übergang in ein jüngeres Publikum, ohne dass Chen seine vertraute Mischung aus Science-Fiction, Fantasy und emotionalen Figurenbeziehungen aufgibt.

Der Roman erscheint am 8. September, umfasst 288 Seiten und liegt zunächst als Hardcover, E-Book und Hörbuch vor. Der spannendste Punkt bleibt dabei gar nicht, ob Andy die magische Welt ein zweites Mal retten kann, sondern ob seine Eltern danach vielleicht endlich glauben, dass er die letzten drei Monate wirklich so beschäftigt war, dass er sich nicht melden konnte.

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