Obscurity – Ascheregen (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Obscurity – Ascheregen

🧿 Kurzfazit
Ascheregen ist genau das, was der Titel verspricht: ein dichter, grauer Schauer aus melodischem Death-/Viking Metal mit leicht geschwärzter Kante. Druckvoll, routiniert, phasenweise richtig mitreißend, aber auch mit deutlichem Gleichklang und Texten, die zwischen „ehrlich heidnisch“ und „Goethe rotiert mit 1800 U/min“ schwanken.

🎯 Für wen?
Für Leute, die seit Tenkterra und Vintar zuverlässig im bergischen Schildwall stehen, Hymnen über Christianisierung, Ketzerjagd und Runenschlachten brauchen und mit einem gewissen Klischee-Level sehr gut leben können.

🎧 Wie klingt das?
Melodic Death/Viking Metal mit merklich angezogener Black-Metal-Schärfe: zweistimmige Gitarren, hymnische Leads, bollernde Doublebass, keif-brüllende Vocals – alles sehr professionell verzahnt, aber streng im bekannten OBSCURITY-Rahmen.

💿 Highlights
Initium Dekadentiae, Flammentaufe, Ketzerjagd, Rúnar Víg (feat. Erik Grawsiö), Dystopie und Schwanengesang

⚠️ Nichts für dich, wenn…
… du in Viking/Pagan Metal noch nach stilistischen Revolutionen suchst oder bei Textzeilen der Kategorie „Märtyrertod“ und „Ketzerjagd“ sofort in satirischen Selbstschutzmodus wechselst.


⚔️ Obscurity – Ascheregen: Wenn der Regen aus Pathos und Schrapnell besteht

Die „bergischen Löwen“ sind zurück: Mit Ascheregen legen OBSCURITY ihr zehntes Studioalbum vor, erneut bei Trollzorn Records, erneut als Konzeptwerk, erneut mit dem Anspruch, Vergangenheit, Mythologie und Gegenwart in einer einzigen Aschenwolke zu verquirlen.

Musikalisch verspricht die Band „druckvollen und melodischen Death-/Viking Metal“ mit deutlich stärkerer Black-Metal-Färbung; die neue Platte soll damit wieder näher an Klassiker wie Tenkterra und Vintar rücken.

Textlich wiederum wird Ascheregen als „düsteres Konzeptwerk“ verkauft, in dem altnordische Mythologie, die Gewalt der Christianisierung und der bröckelnde Zustand der modernen Welt zu einer durchgehenden Erzählung verschmelzen, sozusagen Klage und Kampfansage zugleich.

Auf dem Papier klingt das nach großem Wurf. In der Praxis liefert die Band ein solides, stellenweise packendes Genre-Album, das seine Stärken kennt, sie nur nicht immer streng genug von den Schwächen trennt.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Melodic Death Metal, Viking Metal, mit deutlicher Black-Metal-Kante
Vergleichbar mit: Eine Achse zwischen Amon Amarth (ohne Stadionrefrains), Thyrfing und den härteren Momenten von Månegarm, nur eben mit deutschsprachigem Schildwall und bergischem Lokalkolorit.
Klangfarbe: Ascheregen ist fest im OBSCURITY-Kosmos verankert: zweistimmige, meist schnell gespielte Gitarren, sägende Rhythmusläufe, hymnische Leads und viel Tremolo-Picking, das den Black-Metal-Einschlag hörbar macht. Die Produktion aus den 4CN Studios setzt auf Druck und Wucht, das Schlagzeug sitzt präsent im Mix, Doublebass-Passagen und kurze Blast-Andeutungen geben den schnelleren Stücken den nötigen Schub, ohne in Chaos zu kippen.

Agalaz’ heiserer Bell-Growl liegt wie eine weitere Gitarrenspur über der Musik, unterstützt von Chor- und Gangshouts, die regelmäßig in Richtung Pagan-Schlachtgesang ziehen. Insgesamt wirkt Ascheregen spürbar rauer und unversöhnlicher als der Vorgänger Skogarmaors, ohne den bekannten Bandsound wirklich neu zu erfinden: OBSCURITY liefern genau den Mix aus Melodic-Death-Fundament, Viking-Pathos und schwarzer Rußschicht, den ihre Fans seit Jahren erwarten, diesmal mit etwas mehr Kälte im Wind.

Highlights

„Initium Dekadentiae“
Der Opener macht keine Gefangenen: Nach kurzem Intro bricht der Track mit einem typischen OBSCURITY-Riff los, massiv, martialisch, sofort im Schildwall-Modus. Textlich wird der „Beginn des Verfalls“ ausgerufen, musikalisch wirkt das Stück wie ein Lagebericht: Alte Ordnungen bröckeln, neue, autoritäre Strukturen ziehen auf. Als Einstieg funktioniert das hervorragend und setzt den Ton für das Konzept.

„Flammentaufe“
Hier werden Tempo und Aggression noch einmal hochgefahren: schnelles Riffing, treibende Drums, ein Refrain, der sich irgendwo zwischen Kriegspsalm und Taufpredigt bewegt. Das Stück zeigt sehr gut, wo Ascheregen seine Stärken hat, immer dann, wenn Geschwindigkeit und Melodie zusammenfinden und die Black-Kante in den Leads glimmt, statt alles zu überdecken.

„Ketzerjagd“
Die bereits vorab veröffentlichte Single ist Pagan-Metal in Reinform: Uptempo, eingängiger Refrain, textlich irgendwo zwischen antikirchlicher Kampfansage und leicht verstrahlter Schlachtenromantik. Im Kontext des Albums sitzt der Song, macht live sicher Laune, ist aber auch genau der Punkt, an dem man merkt, wie schmal der Grat zwischen ernstgemeinter Kritik und unfreiwilliger Selbstparodie verläuft.

„Rúnar Víg“ (feat. Erik Grawsiö)
Der Fanservice-Moment: Erik Grawsiö von Månegarm übernimmt hier den Gastgesang – komplett auf Deutsch,und fügt sich so nahtlos ein, dass der Song eher nach gemeinsamer Allianzhymne als nach einmaligem Feature klingt. Seine markante Stimme gibt dem Stück eine zusätzliche epische Breite; musikalisch bleibt alles voll im OBSCURITY-Kosmos, aber mit einem Schuss schwedischer Waldschwere.

„Dystopie und Schwanengesang“
Das Finale bündelt viele der Stärken des Albums: variableres Drumming, melodisch interessantes Gitarrenspiel, ein souveräner Spannungsbogen zwischen midtempo-martialisch und anziehender Raserei. Nach einigen vorhersehbaren Momenten im Mittelteil ist dieser Rausschmeißer ein spürbarer Weckruf und lässt erahnen, wie viel in der Band steckt, wenn sie sich aus dem eigenen Schema etwas mutiger herauswagt.

🎨 Artwork

Asche bis zum Fellkragen: Das Originalcover liefert das volle Pagan-Endzeit-Panorama. Im Vordergrund marschiert eine Armee bärtiger Krieger auf den Betrachter zu – Kettenhemden, Helme, Rundschilde, Banner im Wind, alles in kalten Grau- und Schwarztönen gehalten. Hinter ihnen wogt ein Meer aus weiteren Kämpfern durch ein enges Tal, das von schroffen Bergflanken eingerahmt wird.

Über dieser Szenerie brennt der Himmel: ein gewaltiger Feuerball hängt zwischen den Gipfeln, lodernde Wolken in Orange und Rot, aus denen Funken und Asche nach unten zu rieseln scheinen. Das Obscurity-Logo schwebt wie aus glühender Schlacke herausgeätzt vor diesem Hintergrund, darunter steht der Albumtitel „Ascheregen“ in rostrot leuchtenden Lettern am unteren Bildrand.

Das Motiv ist im besten Sinne überdeutlich: Schlachtfeld, Untergangsstimmung, apokalyptischer Himmel. Wer eine freundliche Naturaufnahme erwartet hat, ist hier falsch; wer eine visuelle Kurzfassung von „Viking-Death im Endzeitszenario“ sucht, bekommt sie in einem einzigen Bild serviert.


🪦 Besondere Momente

Konzept in zwölf Kapiteln
Ascheregen versteht sich ausdrücklich als Konzeptalbum: Vom Auftakt Initium Dekadentiae bis zu Dystopie und Schwanengesang wird eine durchgehende Erzählung über Mythologie, Christianisierung, gesellschaftlichen Verfall und Widerstand gegen Bevormundung gesponnen. Inhaltlich ist das ambitioniert, formal bleibt es aber eher bei Episoden, die thematisch verbunden sind, als bei einer wirklich zwingenden Dramaturgie.

Viking-Death mit Black-Politur
Der vielzitierte „Black-Metal-Einschlag“ ist nicht Marketingnebel: Tremolo-Linien, bissigere Harmonien und gelegentliche Blast-Anflüge lassen die Platte tatsächlich rauer und kälter wirken und holen die Band wieder näher an die kantigeren Tage von Tenkterra und Vintar heran. Wer diese Phase liebt, wird sich hier zu Hause fühlen.

Neue Besetzung, alter Kurs
Nach Skogarmaors hat OBSCURITY die Gitarren- und Bass-Positionen neu besetzt: Neben Bandgründer Agalaz (Vocals) und Dauer-Drummer Isarn stehen nun Grimnir und Njalvar an den Klampfen, Vidar am Bass.
Im Ergebnis klingt Ascheregen jedoch weniger nach Neuanfang als nach konsolidierter Fortsetzung – die Handschrift ist klar die alte, nur mit etwas strafferem Zusammenspiel.

Texte zwischen Nische und Fremdscham
Lyrisch fährt die Platte volle Pagan-Metal-Breitseite: Streitmacht, Ketzerjagd, Märtyrertod, Runenkrieg – alles da. Die Intention („Anti-Christianisierung“, Gesellschaftskritik, Widerstand gegen Gleichmacherei) ist nachvollziehbar, die Umsetzung aber oft so pathetisch, dass man als Außenstehender eher schmunzelt als mit den Fäusten zuckt. Ganz ehrlich: Wer mit dieser Art von Schlachtenromantik nichts anfangen kann, wird hier nicht bekehrt. Wer genau das erwartet, bekommt zuverlässig geliefert, wofür OBSCURITY seit Jahren stehen.

🪓 Fazit

OBSCURITY existieren seit 1997 und gelten im heimischen Pagan/Viking-Sektor als Institution: deutschsprachiger, heidnisch geprägter Death/Viking Metal mit starkem Bezug zum Bergischen Land und seiner (halb historischen, halb mythischen) Vergangenheit. Mit Alben wie Tenkterra (2010) und Vintar (2014) hat sich die Band einen Ruf als verlässliche Lieferantin von melodisch-harten Schlachtplatten erarbeitet; Skogarmaors markierte 2021 die letzte Veröffentlichung vor dem Besetzungswechsel.

Ascheregen wurde erneut in den 4CN Studios von Tim Schuldt zusammen mit der Band produziert; das Layout und das Cover stammen – wie bei OBSCURITY inzwischen üblich – von Jan Yrlund / Darkgrove Design.

Keine Frage: Das Album ist kein Aha-Moment des Genres, taugt aber als sehr ehrliches Statement. OBSCURITY machen genau die Musik, für die sie seit Jahrzehnten im Underground respektiert werden und ziehen den Kurs konsequent durch.

Die stärkeren Black-Metal-Anteile, der insgesamt härtere Ton und einige wirklich gelungene Riff-/Refrain-Kombinationen (vor allem im ersten Drittel und im Finale) zeigen eine Band, die ihre Stärken kennt und technisch abgeklärt ausspielt. Gleichzeitig sorgt der hohe Grad an Selbstähnlichkeit dafür, dass im Mittelteil ein gewisser Grauschleier über den Songs liegt, vieles wirkt „schon mal gehört“, nur in leicht anderer Reihenfolge.

Die Texte sind ein Kapitel für sich: Wer mit martialischer Pagan-Romantik und anti-kirchlicher Kampfpose etwas anfangen kann, findet hier ein reichhaltig gedecktes Buffet. Alle anderen werden sich eher an den Kopf fassen, wenn vom „Märtyrertod“ oder der nächsten „Streitmacht“ die Rede ist.

Unterm Strich bleibt ein Album, das seine Nische sehr souverän bedient: Für Fans der Band, für Festival-Schildwälle und für Menschen, die ihren Melodic-Death gern mit Runen, Ruß und Runter-mit-dem-Kreuz-Rhetorik serviert bekommen, ist Ascheregen ein sicherer Kauf. Für alle anderen ist es ein solides, aber nicht zwingendes Argument, sich diesem metallgeschwängerten Ascheregen auszusetzen.

Albumcover Obscurity – Ascheregen: grauschwarze Wikingerarmee marschiert durch ein Bergtal, darüber ein feuerroter, apokalyptischer Himmel mit Obscurity-Logo, unten der Titel Ascheregen.
Künstler:Obscurity
Albumtitel:Ascheregen
Erscheinungsdatum:29. Januar 2026
Genre:Melodic Death Metal, Viking Metal, Black Metal
Label:Trollzorn Records
Spielzeit:ca. 50 Minuten

Initium Dekadentiae
Flammentaufe
Schwur
Blutgebet
Dreifaltigkeit
Ascheregen
Ketzerjagd
Läuterung
Bekehrung
Runenwinter
Rúnar Víg
Dystopie und Schwanengesang

🎬 Offizielles Video

Offizielles Lyric Video zu „Ascheregen“ – der titelgebenden Schlachtenhymne des neuen OBSCURITY-Albums. Veröffentlicht auf dem YouTube-Kanal von TrollZorn Records.

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