Von Ahnenmagie bis Africanfuturism: Diese Bücher kämpfen um die Nommo Awards 2026
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Eine Shortlist zum Bücherregal-Erweitern
📰 Was ist los?
Die Nommo Awards 2026 haben ihre Shortlist veröffentlicht. Nnedi Okorafor ist mit Death of the Author und One Way Witch gleich zweimal vertreten; auch T.L. Huchu schafft mit Secrets of the First School und der Kurzgeschichte The Cancellation of Michael Z eine Doppelplatzierung. Insgesamt gibt es Finalisten in den Bereichen Roman, Novelle, Kurzgeschichte und Graphic Novel.
🐛 Was denken wir?
Genau solche Preislisten brauchen wir häufiger im Literatur-Radar. Die Nommos zeigen nicht bloß bekannte internationale Namen, sondern holen sehr unterschiedliche afrikanische Fantasy-, Science-Fiction- und Horrorstimmen gemeinsam auf eine Bühne. Und wenn man nach einer Shortlist mit drei zusätzlichen Büchern auf der Leseliste herausgeht, hat sie ihren wichtigsten Job ohnehin schon erledigt.
🌒 Von Ahnenmagie bis Africanfuturism: Diese Bücher kämpfen um die Nommo Awards 2026
Während bei der Worldcon gerade die Hugo-Raketen verteilt wurden, hat eine zweite Phantastik-Auszeichnung eine Shortlist veröffentlicht, die bei uns mindestens ebenso genau auf den Tisch gehört. Die Nommo Awards 2026 stehen fest – und geben einen ziemlich guten Überblick darüber, wie breit afrikanische Fantasy, Science-Fiction, Horror und fantastische Comics inzwischen aufgestellt sind.

© Fantasykosmos / KI-Illustration / manuell nachbearbeitet
Die African Speculative Fiction Society hat die Finalisten während der LAcon V, der 84. World Science Fiction Convention, vorgestellt. Der Verband bezeichnet die Nommos als führenden panafrikanischen Preis für spekulative Literatur. In diesem Jahr werden Werke in vier Bereichen ausgezeichnet: Roman, Novelle, Kurzgeschichte und Graphic Novel.
Die prominenteste Doppelplatzierung gehört Nnedi Okorafor. Ihr Roman Death of the Author steht auf der Shortlist des Ilube Award for Best Novel, während One Way Witch bei den Novellen nominiert ist. Ganz allein hält sie diesen Doppelstatus allerdings nicht: T.L. Huchu ist ebenfalls zweimal vertreten.
📚 Death of the Author trifft auf ziemlich starke Fantasy-Konkurrenz
Sechs Bücher stehen auf der Roman-Shortlist. Neben Okorafors Death of the Author sind Nkereuwem Alberts The Bone River, Marvellous Michael Ansons Firstborn of the Sun, M.H. Ayindes A Song of Legends Lost, Paul Olisaeloka Anozies Black Navel und T.L. Huchus Secrets of the First School nominiert.
Für deutsche Leser ist Okorafors Titel besonders interessant, weil er inzwischen tatsächlich auf Deutsch vorliegt. Ullstein veröffentlichte das Buch im Januar als Tod der Autorin. Im Zentrum steht Zelu, eine nigerianisch-amerikanische Schriftstellerin, deren zunächst nur für sie selbst geschriebener Science-Fiction-Roman über androide Roboter und körperlose KIs überraschend zum Welterfolg wird – und ihr zunehmend die Kontrolle über die eigene Geschichte entzieht.
Okorafor verbindet darin literarische Gegenwart, Familiengeschichte und Science-Fiction. Dass Death of the Author inzwischen auf mehreren großen Preislisten auftaucht, macht die Nommo-Nominierung weniger überraschend, aber nicht weniger passend: Die Autorin beschreibt ihre eigene Arbeit seit Jahren ausdrücklich über Begriffe wie Africanfuturism und Africanjujuism.
⚔️ A Song of Legends Lost bringt Ahnengeister ins Schlachtfeld
Für unsere Fantasy-Spur ist M.H. Ayindes A Song of Legends Lost mindestens ebenso interessant. Der Auftakt der Invoker Trilogy erzählt von einer Welt, in der eigentlich nur Adlige die Geister ihrer Vorfahren für den Kampf herbeirufen können. Dann beschwört die aus den Slums stammende Temi versehentlich selbst einen mächtigen Geist und entdeckt damit möglicherweise einen Weg, einen seit Jahrhunderten tobenden Krieg zu beenden. Nur stammt nicht alles, was sich aus dem Reich der Ahnen rufen lässt, tatsächlich von einem Ahnen.
Das Buch verbindet Epic Fantasy, Ahnenmagie und technologische Elemente und hat bereits eine bemerkenswerte Preisrunde hinter sich. Ayindes eigene Seite führt unter anderem Nominierungen für den British Fantasy Award, den Locus Award, den Ignyte Award und den Compton Crook Award auf. Die Nommo-Shortlist ergänzt damit eine ziemlich eindrucksvolle erste Saison für einen Debütroman.
Ebenfalls spannend ist T.L. Huchus Secrets of the First School. Das Buch erschien erst am 20. August 2026 und setzt Huchus Edinburgh Nights fort. Scotland zerfällt darin zunehmend in Machtkämpfe, während Ropa nach der titelgebenden ersten Schule der Magie sucht und eine alte Macht zurückkehrt, die offenbar einiges nachzuholen hat.
🔮 Nnedi Okorafor steht auch bei den Novellen auf der Liste
Bei den Novellen ist das Feld deutlich kleiner. Nominiert sind Moses Ose Utomis The Memory of the Ogisi, Tobi Ogundirans At the Fount of Creation und Nnedi Okorafors One Way Witch.
One Way Witch führt Okorafors She Who Knows-Trilogie fort, die wiederum im Universum von Who Fears Death spielt. Im Mittelpunkt steht Najeeba, die Jahre nach dem Verlust ihrer Tochter erneut in die Magie zurückkehrt und den Zauberer Aro bittet, sie in den mächtigen Mystic Points zu unterrichten. Ihr Ziel ist ausgesprochen konkret: Es gibt etwas, das sie töten muss, und diese Magie scheint der einzige Weg dorthin zu sein.
Das Buch ist damit ein schönes Beispiel dafür, wie breit die Nommos ihren Begriff spekulativer Literatur fassen. Hier steht keine futuristische Technik neben Raumschiffen, sondern Magie, Erinnerung, Trauer und eine stark afrikanisch verwurzelte fantastische Welt.
✍️ T.L. Huchu landet auch bei den Kurzgeschichten
Die zweite Doppelplatzierung des Jahres gehört T.L. Huchu. Neben Secrets of the First School ist seine Kurzgeschichte The Cancellation of Michael Z nominiert.
Die übrigen Finalisten sind Adelehin Ijasan mit A Heap of Petrified Gods, Kevin Rigathi mit If Memory Serves, Plangdi Neple mit Full, Empty Houses, Moustapha Mbacké Diop mit Apostasy in Fruit und Somto Ihezue mit We Begin Where Infinity Ends.
Ihezues Geschichte dürfte einigen Preisbeobachtern inzwischen bekannt vorkommen. Sie wurde bereits bei anderen internationalen Auszeichnungen wahrgenommen und verbindet Solarpunk, Technologie, Gemeinschaft und eine Liebesgeschichte mit einer nächtlichen Mission zur Rettung von Glühwürmchen. Gerade solche Texte zeigen, warum eine eigene afrikanische Phantastik-Shortlist nicht einfach eine geografisch kleinere Variante westlicher Genrepreise ist.
🎨 Auch die Comics bekommen eine eigene Nommo-Liste
Bei den Graphic Novels stehen fünf Arbeiten im Finale: John Uche und Francis Goodluck mit Celestial Eyes Vol. 2: The Second Cycle, Owoade Ifeoluwa mit Hounds and Jackals, Gerald Vreden und Hakeem Rafai mit Rise of The Mafu #1: The Awakening, Juni Ba mit The Fables of Erlking Wood sowie die Anthologie Worlds von John Uche, Stone Otor, Francis Goodluck, Lord Blue, Jeremiah Abah und Gabriel Onche.
Gerade diese Kategorie macht die Shortlist angenehm komplett. Afrikanische spekulative Kunst wird hier nicht allein über Romane abgebildet, sondern ebenso über Comics und visuelles Erzählen. Das ist für einen Genrepreis wichtig, dessen eigentliches Thema weniger ein bestimmtes Format als eine immer vielfältiger werdende fantastische Erzählkultur ist.
🌍 Genau deshalb sollten die Nommos bei uns öfter auftauchen
Natürlich haben die Nommo Awards international nicht die Reichweite eines Hugo oder Nebula. Aber gerade deshalb gehören sie in einen breiten Fantasy-Radar. Wer ausschließlich die großen amerikanischen und britischen Preislisten verfolgt, bekommt zwangsläufig immer wieder dieselben Verlage, Märkte und Namen serviert.
Die Nommos öffnen dagegen eine andere Tür. Dort stehen bekannte Autoren wie Nnedi Okorafor neben Schriftstellern und Comicmachern, deren Arbeiten außerhalb afrikanischer Genreöffentlichkeiten erheblich weniger sichtbar sind. Gleichzeitig zeigt die diesjährige Romanliste, wie unterschiedlich afrikanische Phantastik inzwischen aussehen kann: literarische Science-Fiction, Epic Fantasy, Urban Fantasy, Magie, Technologie und sehr unterschiedliche kulturelle Perspektiven stehen nebeneinander.
Die Gewinner der vier Kategorien sollen nach Angaben der African Speculative Fiction Society in den kommenden Tagen bekanntgegeben werden.
Bis dahin gibt es aber schon genug zu entdecken.
Eine gute Shortlist sollte schließlich nicht nur verraten, wer gewinnen könnte, sondern welche Bücher man bisher sträflich übersehen hat.






