New Group macht Gruppenzwang zum Albtraum aus Fleisch

🧐 Im Fantasykosmos suchen

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Alle zusammen. Viel zu zusammen.

📰 Was ist los?
Shudder hat den offiziellen Trailer zu New Group veröffentlicht. Yûta Shimotsus neuer J-Horror folgt der Schülerin Ai, während sich in ihrem Umfeld eine sektenartige Gruppenmentalität ausbreitet und harmlose Turnübungen in groteske und tödliche Körperformationen kippen. Der US-Streamingstart ist für den 6. November 2026 angesetzt.

🐛 Was denken wir?
Genau solche Horrorideen bleiben hängen. New Group macht aus Konformität und Gruppenzwang keine bloße Botschaft, sondern einen körperlichen Albtraum. Wenn Shimotsu die Mischung aus schwarzem Humor, Sozialkritik und Body Horror hält, könnte das einer der eigenwilligeren Genrefilme des Herbstes werden.

Alle machen dieselbe Bewegung. Dann machen es immer mehr. Irgendwann ist nicht mehr ganz klar, wo eine Turnübung endet und wo der menschliche Körper beginnt, sich einer Gruppe auf eine Weise unterzuordnen, die sehr schnell sehr falsch aussieht.

Eine japanische Schülerin hebt in New Group während einer Turnübung die Arme über den Kopf, während mehrere Mitschüler sie aufmerksam beobachten.
Aus harmloser Gruppengymnastik wird in New Group ein zunehmend grotesker Albtraum aus Konformität und Body Horror. © Shudder / AMC Networks

Mit New Group kehrt der japanische Regisseur Yûta Shimotsu nach Best Wishes to All zurück und nimmt sich erneut ein gesellschaftliches Thema vor, das er durch eine zunehmend groteske Horrorlogik jagt. Shudder hat jetzt den offiziellen US-Trailer veröffentlicht und den Streamingstart auf den 6. November 2026 gelegt. Bloody Disgusting!

🤸 Alle machen mit

Im Mittelpunkt steht die Schülerin Ai, deren Alltag langsam aus den Fugen gerät. In ihrem Umfeld breitet sich eine seltsame, beinahe sektenartige Mentalität aus, bei der Menschen ihre Individualität verlieren und sich immer stärker einer gemeinsamen Bewegung unterwerfen.

Was zunächst wie harmlose Gymnastik aussieht, entwickelt sich dabei zu immer bizarreren Körperformationen. Die Gruppe bewegt sich wie ein einziger Organismus, und aus sozialem Anpassungsdruck wird irgendwann etwas, das sich körperlich überhaupt nicht mehr erklären lässt.

Gerade darin steckt die stärkste Idee des Films: Gruppenzwang bleibt kein abstraktes Gefühl. Er bekommt Arme, Beine und irgendwann zu viele Menschen an derselben Stelle.

🎬 New Group – offizieller Trailer

Der offizielle japanische Trailer zeigt, wie aus harmloser Gruppengymnastik eine groteske Bewegung aus Konformität und Körperhorror wird.

🧍 Wer ausschert, fällt auf

Shimotsu nutzt den Horror damit als ziemlich offensichtliche Metapher für Konformität. Schule, Gemeinschaft und der Wunsch, dazuzugehören, sind ohnehin Orte, an denen Menschen lernen, sich anzupassen – New Group treibt diese Anpassung lediglich bis zu ihrem grotesken Endpunkt.

Der Trailer spielt genau damit. Menschen wiederholen dieselben Bewegungen, reagieren immer ähnlicher und wirken zunehmend weniger wie Einzelpersonen. Die Gruppe selbst wird zur Bedrohung, weil Abweichung plötzlich verdächtiger erscheint als völlige Selbstaufgabe.

Das ist unangenehm nah an etwas Alltäglichem. Nur normalerweise endet die Morgenroutine eben nicht in einem menschlichen Gebilde, das vermutlich gegen mehrere Arbeitsschutzverordnungen verstößt.

🫀 Körper werden Gemeinschaftseigentum

Besonders interessant wird New Group dort, wo Shimotsu sozialen Horror und Body Horror ineinanderschiebt. Die menschlichen Körper gehorchen irgendwann nicht mehr nur gesellschaftlichen Erwartungen, sondern scheinen buchstäblich Teil einer größeren Struktur zu werden.

Damit bekommt die Idee von der Gruppe als geschlossenem System eine ausgesprochen körperliche Bedeutung. Wer dazugehören will, muss sich einfügen – und das Wort „einfügen“ sollte man hier offenbar sehr wörtlich nehmen.

Dass der Film zugleich als Cosmic Horror beschrieben wird, legt zudem nahe, dass hinter dem Phänomen möglicherweise mehr steckt als bloße Massenpsychologie. Der Trailer verrät darüber erfreulicherweise noch nicht genug, um den eigentlichen Wahnsinn bereits vollständig zu erklären.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

😬 Lachen, bis es weh tut

Shimotsus vorheriger Film Best Wishes to All arbeitete bereits mit einer sehr eigentümlichen Mischung aus gesellschaftlicher Satire, absurdem Humor und ernsthaft verstörenden Bildern. New Group scheint denselben Instinkt wieder aufzugreifen.

Gerade die Turnübungen besitzen zunächst etwas beinahe Lächerliches. Menschen stehen ordentlich nebeneinander, führen bekannte Bewegungen aus und wirken wie Teilnehmer eines völlig normalen Schulprogramms. Je länger diese Ordnung anhält, desto bedrohlicher wird sie.

Das ist ein ziemlich wirkungsvoller Horrormechanismus. Der Film muss keine Geister aus dunklen Ecken springen lassen, wenn schon eine perfekt synchronisierte Gruppe Menschen plötzlich aussieht, als hätte sie beschlossen, Individualität vollständig abzuschaffen.

🎪 Festivals haben den Wahnsinn schon gesehen

New Group ist dabei kein völlig unbekannter Neuzugang. Shimotsus zweiter Langfilm lief bereits auf mehreren Genrefestivals, darunter Fantasia und Sitges, bevor Shudder nun den US-Streamingstart übernimmt.

Auch die Besetzung ist prominent genug für einen genaueren Blick. Anna Yamada spielt Ai, daneben gehören unter anderem Yuzu Aoki und Pierre Taki zum Ensemble.

Dass Shudder den Film jetzt mit einem eigenen Trailer größer herausstellt, passt deshalb gut. New Group sieht genau nach jener Sorte Horror aus, die nach einer Festivalrunde ihr Publikum erst richtig finden kann: schwer einzuordnen, visuell sofort erkennbar und ein bisschen zu seltsam, um zwischen gewöhnlichen Streamingstarts zu verschwinden.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

🇩🇪 Deutschland muss warten

Einen Haken gibt es für hiesige Zuschauer: Der angekündigte Start am 6. November betrifft derzeit Shudder in den USA. Shudder selbst ist aktuell nicht regulär in Deutschland verfügbar, und ein eigener deutscher Veröffentlichungstermin wurde bislang nicht angekündigt.

Das macht den Film für uns trotzdem interessant. Gerade bei internationalen Genretiteln folgen weitere Vertriebswege häufig erst später – und New Group besitzt genug Eigenprofil, um ihn bis dahin auf dem Radar zu behalten.

🧠 Gruppenzwang mit Knochen

Das Spannende an New Group ist deshalb weniger die Frage, wie viele Körper am Ende übereinandergestapelt werden. Der Horror funktioniert schon vorher, weil Shimotsu ein vertrautes gesellschaftliches Prinzip nimmt und es nur ein kleines Stück weiterdreht. Menschen wollen dazugehören. Gruppen wollen Gleichförmigkeit. Systeme mögen Abweichler selten besonders gern.

Und irgendwann steht auf dem Schulhof eine Menschenpyramide, bei der niemand mehr genau sagen kann, ob die Beteiligten überhaupt noch freiwillig dort oben stehen.

Banner für den Newsletter im Fantasykosmos mit Gandalf, der den Leser nicht vorbeilässt,
Das Sterneorakel von Elyra sieht in deine Zukunft. DIe Sternengöttin vor blauem Hintergrund.