Das Signal verstummt: Netflix macht das Oxenfree-Studio Night School dicht
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Auf dieser Frequenz sendet niemand mehr
📰 Was ist los?
Netflix schließt Night School Studio, den Entwickler von Oxenfree und Oxenfree II: Lost Signals, sowie Moonloot Games. Zusätzlich entfallen weitere Stellen bei Netflix Games. Der Konzern richtet seine Games-Strategie stärker auf Kinder-, Party-, narrative und Mainstreamspiele sowie Cloud- und TV-Gaming aus.
🐛 Was denken wir?
Das tut weh. Oxenfree war eines dieser Spiele, die mit überschaubarem Budget eine sofort erkennbare eigene Sprache entwickelten. Besonders bitter ist die Begründung: Netflix möchte sich weiterhin auf narrative Spiele konzentrieren und schließt gleichzeitig eines der Studios, dessen kompletter Ruf auf narrativem Spieldesign basiert. Sechs Wochen nach Unhinged und kurz nach öffentlichem Lob für dessen Zahlen wirkt das weniger nach langfristigem Plan als nach einem Sender, der während der laufenden Übertragung die Frequenz gewechselt hat.
👻 Das Signal verstummt: Netflix macht das Oxenfree-Studio Night School dicht
In Oxenfree genügte ein falsch eingestelltes Radio, um eine Tür in eine ziemlich unangenehme andere Wirklichkeit zu öffnen. Bei Night School Studio reicht inzwischen offenbar eine Strategiekorrektur von Netflix, um die Tür endgültig zu schließen.

© Night School Studio / Netflix
Der Streamingkonzern macht das Studio hinter Oxenfree und Oxenfree II: Lost Signals dicht. Gleichzeitig wird Moonloot Games geschlossen, weitere Stellen innerhalb von Netflix Games fallen ebenfalls weg. Wie viele Mitarbeiter insgesamt betroffen sind, verrät Netflix bislang nicht.
Für Freunde narrativer Mysteryspiele verschwindet damit eines jener kleinen Studios, deren Handschrift nach wenigen Sekunden zu erkennen war.
📻 Oxenfree machte Gespräche zum eigentlichen Abenteuer
Night School entstand 2014 unter der Führung der Cousins Sean Krankel und Adam Hines. Zwei Jahre später erschien Oxenfree – und ausgerechnet dieses vergleichsweise kleine Mystery-Abenteuer wurde zur Visitenkarte des Studios.
Fünf Jugendliche, eine abgelegene ehemalige Militärinsel, ein Radio und ein versehentlich geöffnetes geisterhaftes Portal: Viel mehr brauchte das Spiel zunächst nicht. Sein eigentlicher Kunstgriff lag allerdings in den Gesprächen. Dialoge liefen während der Erkundung weiter, Antworten konnten sich überschneiden oder ganz verpasst werden, und Entscheidungen veränderten Beziehungen und Verlauf der Geschichte. Dazu kam das Radio, mit dem Alex verborgene Frequenzen und übernatürliche Signale aufspürte.
Das Ergebnis war diese eigentümliche Mischung aus Teenagerdrama, Küstennebel und kosmischem Unbehagen, bei der selbst ein harmloses Frequenzrauschen nach einer ausgesprochen schlechten Idee klang.
2019 folgte das höllische Kneipenabenteuer Afterparty, 2020 Next Stop Nowhere. 2021 kam dann Netflix.
🎬 Das Signal, mit dem alles begann
Der offizielle Launch Trailer zeigt das erste Oxenfree – jenes Mystery-Abenteuer, mit dem Night School Studio 2016 seine unverwechselbare Handschrift fand.
🎮 Netflix kaufte Night School als erstes eigenes Studio
Damals klang die Geschichte noch erheblich anders. Netflix übernahm Night School im September 2021 und machte das Team damit zum ersten Studio, das der damals noch jungen Games-Sparte des Konzerns beitrat. In der damaligen Ankündigung hob Netflix ausdrücklich Night Schools erzählerischen Anspruch und dessen künstlerische Arbeit hervor.
2023 erschien mit Oxenfree II: Lost Signals schließlich die Fortsetzung. Fünf Jahre nach den Ereignissen des ersten Spiels kehrte die Reihe an die Küste zurück und ließ Riley Poverly rätselhaften Radiosignalen nachgehen. Night School bezeichnete den Launch später als den erfolgreichsten in der eigenen Studiogeschichte.
Damit hätte man durchaus glauben können, dass Netflix genau jenes narrative Studio bekommen hatte, das zu seiner ursprünglichen Games-Strategie passte.
Die Betonung liegt rückblickend offenbar auf „ursprünglich“.
🪓 Sechs Wochen zwischen Lob und Schließung
Besonders hart wirkt der Zeitpunkt der Entscheidung.
Am 30. Juni veröffentlichte Night School noch Unhinged, ein rund halbstündiges Horrorprojekt für Netflix, das direkt über Browser beziehungsweise Fernseher gespielt wird und das Smartphone als Controller nutzt. Zoë Kravitz, Sadie Sink und Troy Baker gehörten zur prominenten Besetzung.
Game File berichtet, dass Netflix-Co-CEO Greg Peters das Spiel anschließend gegenüber Investoren wegen seiner guten Zahlen hervorhob.
Sechs Wochen später wird das Studio geschlossen.
Manchmal braucht Spieleentwicklung komplexe Systeme, um eine surreale Atmosphäre zu erzeugen.
Manchmal reicht auch Konzernplanung.
🧩 Netflix konzentriert sich auf vier Spielewelten
Netflix selbst stellt die Schließungen als Teil einer erneuten strategischen Fokussierung dar. Games sollen weiterhin zum Unterhaltungsangebot des Konzerns gehören, künftig stehen allerdings vier Bereiche besonders im Vordergrund: Spiele für Kinder, Partyspiele, narrative Spiele und Titel mit breiter Mainstream-Wirkung. Cloud-Gaming und Spiele für den Fernseher gewinnen ebenfalls an Gewicht.
Gerade der dritte Punkt besitzt eine gewisse groteske Eleganz.
Narrative Spiele bleiben Schwerpunkt. Das Studio hinter Oxenfree nicht.
Noch hübscher wird die Konzernlogik dadurch, dass Netflix ausgerechnet Unhinged als Beispiel für diesen narrativen Bereich nennt.
Damit dürfte selbst ein Oxenfree-Dialogbaum Schwierigkeiten bekommen.
🏚️ Von der Studio-Offensive bleibt wenig übrig
Night School ist außerdem kein Einzelfall.
2024 schloss Netflix Team Blue, ein internes Studio mit erfahrenen Entwicklern aus dem Umfeld von Halo und Call of Duty. Im Oktober 2025 traf es Boss Fight Entertainment, kurz nachdem dessen Squid Game: Unleashed ebenfalls öffentlich gelobt worden war. Ende 2025 ging Spry Fox, das Studio hinter Cozy Grove, zurück an seine Gründer.
Jetzt verschwinden Night School und Moonloot.
Nach Angaben von Game File bleibt damit neben Netflix‘ zentraler Spieleorganisation im Wesentlichen Next Games als eigenes dediziertes Entwicklungsstudio übrig. Statt zahlreiche interne Teams zu betreiben, nähert sich das Games-Modell damit stärker dem Film- und Seriengeschäft von Netflix an, bei dem ein großer Teil der Produktionen von externen Partnern stammt.
Der große Aufbau eigener Studios, der 2021 mit Night School begann, sieht fünf Jahre später damit ziemlich übersichtlich aus.
👻 Was aus Oxenfree wird, bleibt offen
Für die Reihe selbst bleibt vorerst eine unangenehme Leerstelle.
In den bisherigen Berichten und Netflix-Stellungnahmen gibt es keine konkrete Aussage zu einem weiteren Oxenfree, zur längerfristigen Nutzung der Marke oder möglichen neuen Entwicklern. Das erste Spiel ist derzeit weiterhin regulär über Steam erhältlich.
Dass Night School ausgerechnet mit Oxenfree verschwindet, besitzt trotzdem eine gewisse traurige Symbolik. Das Studio baute seine bekannteste Welt um Radiowellen, Stimmen aus der Vergangenheit und Signale, die einfach nicht verschwinden wollten.
Zehn Jahre nach dem ersten Spiel endet nun das Team dahinter.
Auf Edwards Island hätte man wahrscheinlich noch einmal am Frequenzregler gedreht. Bei Netflix ist der Sender offenbar schon ausgeschaltet.







