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Netflix tritt auf die Bremse: Der verfluchte Königstalisman
📰 Was ist los?
n einem Interview mit CBR erklären Matt und Ross Duffer, dass The Talisman „nicht mehr bei Netflix“ sei und sie folglich nicht länger am Projekt arbeiten. Sie sprechen offen davon, es sei wohl „naiv“ gewesen zu glauben, ausgerechnet sie könnten den Talisman-Fluch brechen. Netflix’ Adaption, 2021 vollmundig als große Fantasyserie von Amblin, den Duffers und Paramount Television angekündigt, ist damit offiziell tot.
🐛 Was denken wir?
Wenn selbst die Macher von Stranger Things sagen, dieser Stoff sei zu knifflig, wird’s interessant. The Talisman ist genau die Art von düsterer Parallelwelt-Fantasy, die Streamingdienste angeblich seit Jahren suchen und hier scheitern sie wieder einmal grandios am eigenen Mut. Dass Netflix gerade munter andere Serien wegkickt und ausgerechnet diesen King-Koloss nicht hinkriegt, ist schon eine hübsche Ironie der Content-Ära.
📺 Duffer-Brüder raus, Deal geplatzt: Netflix cancelt Stephen Kings The Talisman
Nach Jahren der Ankündigungen, Studio-Deals und Hoffnungen ist es offiziell:
Netflix hat die Serienadaption von Stephen King & Peter Straubs Fantasyroman „The Talisman“ eingestampft. Die Duffer-Brüder (Stranger Things) sind raus, der Streaming-Deal ist geplatzt und ein Stoff, der seit den 80ern verfilmt werden soll, geht zurück in die Entwicklungshölle.
📚 Worum geht’s in The Talisman überhaupt?
Der Roman erschien 1984, geschrieben von Stephen King und Peter Straub:
Der zwölfjährige Jack Sawyer reist quer durch die USA – und immer wieder in eine Parallelwelt namens „The Territories“ –, um einen mächtigen Talisman zu finden, der das Leben seiner todkranken Mutter retten soll. Auf dem Weg trifft er Werwölfe, religiöse Fanatiker, interdimensionale Doppelgänger und jede Menge menschliches Grauen. Das Buch gilt als einer der einflussreichsten Fantasyromane Kings überhaupt und bekam mit „Black House“ später sogar eine Fortsetzung.
Kurz gesagt: Road Movie, Dark Fantasy, Coming-of-Age und Multiversum in einem. Natürlich will Hollywood das seit vierzig Jahren haben. Und kriegt es seit vierzig Jahren nicht hin.
🎬 Vier Jahrzehnte Entwicklungshölle: Spielberg, TNT, Netflix … und wieder nichts
Die Rechte an The Talisman liegen seit den 80ern bei Steven Spielbergs Amblin Entertainment, das sich damals sogar Dauerrechte sichern ließ – und seitdem in schöner Regelmäßigkeit neue Anläufe startet:
- 1980er/90er: Universal kauft die Rechte für Spielberg, mehrere Drehbuchfassungen verschwinden in der Schublade.
- 2000er: Geplant sind ein Kinofilm und später eine TNT-Miniserie, beide Varianten versanden.
- 2008: Der Regisseur Mathieu Ratthe dreht eine vielgelobte Demo-Szene zum Roman, um zu zeigen, wie eine Verfilmung aussehen könnte. Der Kurzfilm sorgt kurz für Hype, ändert aber nichts am Grundproblem.
- 2019–2020: Wieder Kinofilm-Pläne mit Amblin und Kennedy/Marshall, Genre-Autor Chris Sparling schreibt ein Script.
- 2021: Dann der große Streaming-Moment: Netflix kündigt eine Prestige-Serie an, produziert von den Duffer-Brüdern und Amblin, mit Paramount Television. Alle so: „Okay, jetzt passiert es wirklich.“
2025 kommt die Ernüchterung: Der Netflix-Deal ist ausgelaufen, die Duffers sind raus, die Adaption liegt wieder brach.
Stephen King selbst erklärte Anfang 2025, warum das Projekt historisch immer wieder stockt: Neben eigenen Problemen (unter anderem seiner damaligen Suchtphase) sei es vor allem an Spielberg gescheitert, der das Prestigeprojekt nie gegen seine vollen Terminkalender durchsetzen konnte.
🚪 Ist das Ding jetzt endgültig tot?
Interessanterweise: Nein! Tot ist der Talisman nur bei Netflix.
- Amblin hält die Rechte weiter, und laut Branchenberichten könnte Paramount Television der nächste Kandidat sein, falls man das Projekt neu aufsetzt.
- Die Duffers haben inzwischen einen neuen Deal außerhalb von Netflix, theoretisch könnten sie später wieder in anderer Form einsteigen, etwa für eine Kinofassung.
Realistisch bedeutet das:
The Talisman bleibt, was es seit Jahrzehnten ist, das ewige „nächstes großes King-Projekt“, das niemand sauber in Serie oder Film gepresst bekommt. Der Fluch ist also nicht gebrochen, er hat nur den Streaming-Host gewechselt.
🧠 Warum ist The Talisman so schwer zu adaptieren?
Drei Probleme stechen raus:
- Tonlage: Das Buch schwankt zwischen brutalem Horror, rührendem Jugendroman und sehr wilder, fast märchenhafter Fantasy. Für klassische Horror-Fans ist es zu „magisch“, für reinen High-Fantasy-Konsum zu „King“.
- Struktur: Die Geschichte ist ein langer episodischer Roadtrip, perfekt zum Lesen, knifflig für Drehbücher, die in Akten und Staffeln denken.
- Größe: Parallelwelten, Monster, riesige Setpieces, das Ganze ist teuer. Richtig teuer. Und wenn man schon neunstellige Budgets raushaut, wollen Studios lieber Marken, die sich leichter pitchen lassen als „King, aber ohne Clown, ohne Hotel und ohne Killerauto“.
📖 Was bedeutet das für Fantasy-Fans?
Für uns heißt das: weiter lesen, statt schauen.
- Wer das Buch noch nicht kennt, bekommt jetzt den perfekten Anlass, den Roman (und danach Black House) endlich nachzuholen, bevor die nächste Generation Filmemacher wieder behauptet, sie hätte DIE definitive Serienidee.
- Und wenn irgendwann ein neuer Versuch angekündigt wird, können wir sehr entspannt sagen:
„Klar, weck uns, wenn die erste Klappe wirklich gefallen ist.“
Bis dahin bleibt The Talisman das wohl prestigeträchtigste „Vielleicht irgendwann mal“ der modernen Fantasy.



