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Necrofier – Transcend Into Oblivion
🧿 Kurzfazit
Transcend Into Oblivion ist kein weiterer „nice try“-Black-Metal-Dreher, sondern eine fast einstündige Läuterungsreise in drei Kapiteln: viel Pathos, viel Konzept, viel Flammenmeer. Manchmal grandios, manchmal einen Tick zu ausdauernd, aber durchgehend ernst gemeint und sehr kompetent gezündet.
🎯 Für wen?
Für schwarze Seelen, die Dissection, Watain und frühen Emperor im Blut haben, aber Lust auf eine texanische Variante mit großer Konzept-Geste, drei Song-Suiten und okkulter „Night of the Dark Soul“-Erzählung haben, statt sich mit der nächsten USBM-Proberaumaufnahme zu begnügen.
🎧 Wie klingt das?
Melodischer Black Metal mit nordischer Kälte und texanischer Hitze: peitschende Tremolo-Riffs, hymnische Leads, bissige Screams, ständig in Bewegung gehalten von sehr wachen Drums; dazwischen Klavierinterludes, Chöre, akustische Gitarren und ein finales Space-Synth-Mantra, das alles eher wie ein Ritual-Album als wie eine lose Song-Sammlung wirken lässt.
💿 Highlights
Fires Of The Apocalypse, Light My Path III, Servants Of Darkness, Guide My Way III, Horns Of Destruction, Lift My Blade II, Toward The Necrofier
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal nur in 35-Minuten-Schüben erträgst, bei Konzeptalben allergisch auf römische Ziffern reagierst oder jede dritte Melodie sofort in einen Mitsing-Refrain münden muss.
🔥 Necrofier – Transcend Into Oblivion: Texanische Höllenliturgie in drei Akten
Texanischer Black Metal klingt auf dem Papier immer noch ein bisschen wie ein Insiderwitz: Highways, Hitze, Ölbohrtürme und irgendwo dazwischen sollen plötzlich Nordwind, Nacht und Nihilismus wohnen. Necrofier treten seit ein paar Jahren an, genau diesen Widerspruch zu ihrer Stärke zu machen. Statt sich mit dem „Exotenbonus“ zufriedenzugeben, legen sie mit „Transcend Into Oblivion“ ein Konzeptalbum vor, das in drei Akten durch Feuer, Finsternis und Vernichtung führt. Komplett mit Interludes, Leitmotiven und ritueller Dramaturgie. Die Frage ist nur: transcenden wir hier wirklich irgendwohin, oder steht am Ende doch wieder „solider Genre-Standard mit Kerzenlicht“ auf dem Schild?
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Melodic Black Metal, Symphonic Black Metal, orthodoxer Black Metal mit leicht atmosphärischer Schlagseite
Vergleichbar mit: Dissection, Watain, Necrophobic, mit einem Hauch Emperor in der Dramaturgie
Klangfarbe: schneidende Tremolo-Gitarren, sehr melodische Leadlinien, wuchtiges, detailverliebtes Drumming, heisere, kratzige Screams, dazu dezente Keys, Chöre, Klavier- und Akustikgitarren-Interludes, die das Ganze eher wie ein Ritual wirken lassen als wie eine lose Song-Sammlung.
Anstatt nur stumpf durchzubrettern, setzt das Album auf eine klar erkennbare Drei-Akte-Struktur: Jeweils drei Songs pro Kapitel, dazwischen kurze, düstere Zwischenstücke mit Klavier, Flüstern und beschwörenden Klangflächen. Die „normalen“ Tracks liefern treibenden, melodischen Black Metal mit hohem Energielevel, während die Interludes für Luft, Atmosphäre und den nötigen Spannungsbogen sorgen. So bleibt Transcend Into Oblivion trotz knapp einer Stunde Spielzeit überraschend fokussiert – fordernd, aber nicht wahllos erschöpfend.
✨ Highlights
Fires Of The Apocalypse, Light My Path III
Der Abschluss der ersten Suite ist der Moment, in dem das Konzept erstmals wirklich klickt: Die Gitarrenlinien wirken, als hätte jemand klassische Heavy-Metal-Melodien in eine schwarze Sturmfront verpackt, während das Drumming permanent kleine Haken schlägt. Dazu dezente Chöre und eine Dramaturgie, die tatsächlich an eine apokalyptische Vision erinnert, statt nur ein weiteres „Part III“ zu sein.
Servants Of Darkness, Guide My Way III
Hier bündelt die Band all das, was sie im zweiten Akt vorbereitet: peitschende Riffs, ein angenehm zickiges Hauptthema und diese typisch texanische Erdigkeit im Groove, die verhindert, dass der Song in skandinavischer Eiswand-Starre erstarrt. Wenn gegen Ende die Melodie noch einmal aufreißt, versteht man, warum sich Necrofier diese Dreiteiler-Struktur gegönnt haben – das fühlt sich wie ein Kapitelende an, nicht wie „ein weiterer Track“.
Horns Of Destruction, Lift My Blade II
Im dritten Akt wird es etwas körperlicher: Horns… II setzt stärker auf stoische, fast schon hymnische Riffblöcke und ein Drumming, das kurz in Richtung D-Beat und Grooves abbiegt, bevor es wieder im Sturm losbricht. Genau hier zeigt sich, dass Necrofier nicht nur nordische Schule nachspielen, sondern auch ein Gespür für simple, wirkungsvolle Hooks besitzen – ein Song, der live vermutlich alles kurz und klein tritt.
Toward The Necrofier
Das abschließende Instrumental ist im engeren Sinne kein „Song-Highlight“, aber ein starker Kontrapunkt: Space-Synths, beschwörende Spoken-Word-Passagen, tribal anmutende Rhythmen. Das wirkt weniger wie Outro-Spielerei, sondern eher wie das „Abglimmen“ des Rituals. Nach dem finalen Höhepunkt von Horns… III hätte man das Album auch dort beenden können, aber als Kreisschluss zurück in die Schwärze funktioniert dieser Abgang erstaunlich gut.
🎨 Artwork
Ketzer zum Klauen: Das Cover von Transcend Into Oblivion sieht aus, als hätte jemand eine mittelalterliche Ketzer-Ikone aus dem Archiv des Vatikans mitgehen lassen und dann vergessen, sie wieder zu zensieren. Auf schwarzem Grund prangt ein runder, ockerfarbener Bildausschnitt: In der Mitte steht eine Gestalt in zeremonieller Robe, die ein aufgeschlagenes Buch über den Kopf hebt. Aus den Seiten schießen blutrote Strahlen in den Himmel, als würde die Schrift selbst die Apokalypse anzünden.
Links davon kniet ein lichttragender Kultist, dessen Fackel fast wie ein zweiter Kopf wirkt, rechts windet sich eine riesige Schlange aus dem Wasser, die sich um eine nackte, am Boden liegende Figur ringelt – Opfergabe, Wiedergeburt oder beides zugleich. Im Hintergrund stehen angedeutete Säulen und Felsformationen, als sei das Ganze in einem verfallenen Tempel am Rand der Welt inszeniert.
Oben thront der filigran-verwucherte Necrofier-Schriftzug wie ein Dornengeflecht, unten sitzt auf einer geschwungenen Banderole der Albumtitel „Transcend Into Oblivion“. Das Artwork erzählt in einem Bild, worum es der Platte geht: Kein hübscher Höllen-Postkartenblick, sondern ein Aufstiegsritual, bei dem du sicher sein kannst, dass du am Ende nicht mehr die gleiche Gestalt bist, die hineingegangen ist.
🪦 Besondere Momente
Die Interludes, die mehr sind als Füllmaterial
Behold, The Birth Of Ascension nimmt Motive aus der „Fires“-Suite, übersetzt sie in klirrendes Klavier und Glocken und funktioniert eher als Ausklang des Kapitels denn als beliebiger Zwischenjingle. Mystical Creation Of Enlightenment bringt mediterran anmutende Akustikgitarren und entlässt einen dann direkt in den nächsten Sturm, genau die Art von Struktur, die vielen Black-Metal-Alben fehlt.
Texanische Note statt Norwegen-Fetisch
Thematisch geht es klar in Richtung Luzifer, Dunkelheit, Aufstieg durch die Nacht der Seele, aber immer mit einem leicht staubigen Unterton, der eher an nächtliche Highways als an Waldkapellen erinnert. Das ist subtil, aber spürbar: eine gewisse „Road“-Dynamik, kleine Americana-Schattierungen, ohne jemals zum „Black’n’Roll“-Karneval zu verkommen.
Konzept-Ehrgeiz vs. Überlänge
Die Dreier-Suiten sind ein starkes erzählerisches Gerüst, gleichzeitig merkt man gegen Ende des dritten „Horns“-Blocks, dass 58 Minuten Black-Metal-Fackelzug einfach viel sind. Es gibt kaum echten Leerlauf, aber auch nur wenige Momente, in denen das Album noch einmal deutlich über sich hinauswächst. Wer auf kompakte, 40-minütige Schläge steht, wird hier zwischendurch nach Luft schnappen.
🪓 Fazit
Necrofier wurden 2018 in Houston gegründet und haben sich mit einer EP und zwei Alben als verlässliche Melodic-Black-Metal-Größe etabliert. Transcend Into Oblivion ist nun das dritte Full-Length und gleichzeitig das erste für Metal Blade Records, ein Schritt hoch in die „große Liga“, den man der Produktion und dem Selbstbewusstsein deutlich anmerkt.
Das Album erzählt grob umrissen eine „luciferianische Nacht der Seele“: ein spirituelles Erwachen, das in Qual, Zerrissensein und letztlich in eine Art Wiedergeburt mündet. Die Struktur mit drei Akten – Fires Of The Apocalypse, Light My Path, Servants Of Darkness, Guide My Way und Horns Of Destruction, Lift My Blade – ist mehr als kosmetische Überschrift; sie ist der Rahmen, in dem Necrofier ihre Mischung aus nordischer Kälte und texanischer Hitze ausspielen.
Aufgenommen wurde das Ganze in den Southwing Studios und im House Of Thorns in Houston, produziert und aufgenommen von Joel Hamilton, der das Material später in seinem Studio G in Brooklyn auch gemischt hat. Das erklärt, warum Transcend Into Oblivion trotz vieler Details und Schichten nie zur Soundmatsche gerät. Das Ding klingt klar, hart und doch organisch.
Transcend Into Oblivion ist das bisher ambitionierteste und geschlossenste Werk von Necrofier: ein großes, finster glühendes Black-Metal-Ritual, das seine klassische Schlagseite nicht versteckt, sondern stolz betont.
Die Dreiteiler-Struktur bringt Spannung, die Interludes schaffen Luft und Atmosphäre, und immer wieder blitzen starke, einprägsame Melodien durch den Sturm. Gleichzeitig zahlt die Band einen Preis für ihren Konzept-Ehrgeiz: In Summe ist das Album eher erschöpfend als überwältigend. Ein Fest für hartgesottene Black-Metal-Hörer, eventuell zu viel des Guten für Gelegenheitstouristen.
Unterm Strich: Ein ernstzunehmender Kandidat für die „Texanischer Black Metal kann mehr als nur Exotenbonus“-Liste und ein Album, das zeigt, dass die Band begriffen hat, wie man aus Genre-Klischees ein echtes, persönliches Statement formt.

| Künstler: | Necrofier |
| Albumtitel: | Transcend Into Oblivion |
| Erscheinungsdatum: | 27. Februar 2026 |
| Genre: | Melodic Black Metal / Symphonic Black Metal |
| Label: | Metal Blade Records |
| Spielzeit: | ca. 57 Minuten |
Fires Of The Apocalypse, Light My Path I
Fires Of The Apocalypse, Light My Path II
Fires Of The Apocalypse, Light My Path III
Behold, The Birth Of Ascension
Servants Of Darkness, Guide My Way I
Servants Of Darkness, Guide My Way II
Servants Of Darkness, Guide My Way III
Mystical Creation Of Enlightenment
Horns Of Destruction, Lift My Blade I
Horns Of Destruction, Lift My Blade II
Horns Of Destruction, Lift My Blade III
Toward The Necrofier
🎬 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „Servants Of Darkness, Guide My Way I“ – Auftakt der zweiten Song-Trilogie auf Transcend Into Oblivion, veröffentlicht über den YouTube-Kanal von Metal Blade Records.
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