Aslan singt, Bowie schwebt über allem: Greta Gerwig baut Narnia als Fantasy-Rock-Oper
🧐 Im Fantasykosmos suchen

🎸 Aslan dreht den Verstärker auf
📰 Was ist los?
Greta Gerwig beschreibt Narnia: The Magician’s Nephew als Rock-Oper ohne Musicalstruktur. David Bowie, Paul McCartney, David Gilmour, Pete Townshend, Jimmy Page und Robert Plant prägen die kreative Richtung; die Handlung wird zudem ins Großbritannien der 1950er-Jahre verlegt.
🐛 Was denken wir?
Das ist kein vorsichtiger Neustart. Gerwig greift direkt in Zeit, Bildsprache und musikalische DNA von Narnia ein. Ob daraus Magie oder kontrollierter Größenwahn wird, wissen wir später – langweilig sieht der Plan jedenfalls nicht aus.
Narnia entsteht bei C. S. Lewis nicht durch einen Zauberspruch, eine Explosion oder irgendeinen kosmischen Verwaltungsakt. Aslan singt die Welt ins Dasein. Greta Gerwig hat daraus offenbar die naheliegendste aller ungewöhnlichen Schlussfolgerungen gezogen: Wenn eine Welt aus Musik geboren wird, warum sollte sie dann aussehen wie gewöhnliche Fantasy?

In einem neuen großen First-Look-Feature von Empire beschreibt Gerwig Narnia: The Magician’s Nephew erstmals deutlich als eine Rock-Oper. Gleichzeitig stellt sie allerdings klar, dass daraus kein Musical wird. Niemand muss also damit rechnen, dass Digory mitten in Charn plötzlich ein Solo bekommt und Jadis mit zwei Backgroundtänzern antwortet.
Die kreative DNA kommt stattdessen aus britischem Rock der 1960er- und 1970er-Jahre. Gerwig nennt David Bowie, Paul McCartney, David Gilmour, Pete Townshend, Jimmy Page und Robert Plant als zentrale persönliche Bezugspunkte. Narnia wird damit deutlich stärker über Klang, Haltung, Glamour und visuelle Überhöhung gedacht als frühere Verfilmungen.
🎸 Eine Welt, die aus Musik besteht
Gerwigs Ausgangspunkt liegt direkt im Roman. In The Magician’s Nephew erleben Digory und Polly die Entstehung Narnias selbst. Aslan singt, Sterne erscheinen, Pflanzen wachsen, Tiere erwachen und eine komplette Welt formt sich aus Klang.
Für Gerwig war genau dieser Gedanke offenbar der Schlüssel. Sie beschreibt Narnia als eine Welt, die buchstäblich aus Musik gemacht sei, und Rock ’n’ Roll als ähnlich vollständigen Kosmos. Das erklärt auch, warum sie weniger nach einem klassischen Fantasy-Look sucht und stärker mit Glam, Prog und britischer Rockgeschichte arbeitet.
Das Interessante daran ist, dass die Musik nicht nur den Soundtrack liefert. Sie wird zum gestalterischen Prinzip. Formen, Farben, Figuren und selbst Aslans Erscheinung scheinen aus diesem Gedanken heraus entwickelt zu werden.
Gerwig baut also keine Rockplatte in Narnia ein. Sie versucht vielmehr, Narnia aussehen zu lassen, als hätte eine Rockplatte irgendwann beschlossen, ein eigenes Universum zu gründen.
⚡ David Bowie sitzt plötzlich mitten im Schöpfungsmythos
Am deutlichsten wird das bei Aslan. Der erste offizielle Look zeigt den Löwen mit verschiedenfarbigen Augen und roten Gesichtsstreifen. Gerwig nennt David Bowie ausdrücklich als Inspiration für dieses Design.
Das ist ein bemerkenswerter Zugriff auf eine Figur, die bislang meist über majestätische Zurückhaltung definiert wurde. Gerwigs Aslan wirkt deutlich künstlicher, stilisierter und fast außerweltlich. Gleichzeitig bleibt die Grundidee erhalten: Er ist das Wesen, das Narnia überhaupt erst erschafft.
Meryl Streep spricht den Löwen. Gerwig erklärt ihre Wahl damit, dass sie jemanden gesucht habe, der Gewicht und Tiefe besitzt, dabei aber Freude und kindliches Staunen vermitteln kann. Genau diese Mischung soll Aslan offenbar davor bewahren, nur als ehrfurchtgebietende Symbolfigur aufzutreten.
Ein kosmischer Löwe mit Bowie-Spuren und Streeps Stimme ist jedenfalls eine Kombination, die niemand aus Versehen zusammengestellt hat.
🕰️ Digory und Polly ziehen in die 1950er
Der zweite große Eingriff betrifft die Zeit. Lewis’ Roman spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gerwig verschiebt die irdische Rahmenhandlung ins Großbritannien der 1950er-Jahre.
Dadurch stehen Digory und Polly plötzlich genau an der Schwelle zu jener Generation, aus der wenige Jahre später britischer Rock, Beat, Glam und Prog hervorgehen. Die Veränderung ist damit mehr als bloße Modernisierung von Kleidung und Straßenbild. Sie schafft eine direkte historische Verbindung zwischen der Kinderwelt des Films und Gerwigs musikalischer Fantasie.
Das kann natürlich funktionieren oder spektakulär auseinanderbrechen. Sicher ist nur: Gerwig behandelt die Zeitverschiebung offenbar als Teil ihres Konzepts und nicht als kosmetische Aktualisierung.
Wenn Digory und Polly in eine andere Welt treten, verlassen sie also nicht nur London. Sie wechseln in eine Fantasie, die bereits vom kulturellen Erdbeben der nächsten Jahrzehnte träumt.
👑 Jadis bekommt ebenfalls mehr Glamour
Empire zeigt außerdem erstmals Emma Mackey als Jadis. Das Kostüm entfernt sich deutlich vom traditionellen Bild einer mittelalterlich anmutenden Hexenkönigin und greift sichtbar Gerwigs Glam-Rock-Idee auf.
Jadis erscheint in einer stark stilisierten silbernen beziehungsweise metallischen Aufmachung, die eher nach Bühnenfigur als nach klassischem Fantasyhof aussieht. Gemeinsam mit Aslans Bowie-Elementen wird dadurch klar, dass dieser Ansatz nicht auf eine einzelne Figur begrenzt bleibt.
Auch Digory und Polly sind erstmals vollständig in ihren Rollen zu sehen. Das ist wichtig, weil Gerwigs Narnia damit zum ersten Mal als zusammenhängende visuelle Welt sichtbar wird: 1950er-Kinder, Glam-Fantasy, uralte Ruinen und ein Schöpfungsmythos, der plötzlich etwas von britischer Rockgeschichte trägt.
Zurückhaltend ist das alles nicht. Aber vermutlich war Zurückhaltung ohnehin nie der Plan.
🎼 Und wer macht tatsächlich die Musik?
Für den echten Score sind Mark Ronson und Andrew Wyatt zuständig, die bereits bei Barbie mit Gerwig zusammengearbeitet haben. George Drakoulias übernimmt die Musiksupervision. Netflix bestätigt diese Besetzung offiziell.
Das ist für das Konzept fast genauso wichtig wie die genannten Rockeinflüsse. Wenn der Film Musik als Grundstruktur seiner Welt behandelt, darf der Score kaum nur klassische Fantasyflächen liefern.
Dabei bleibt spannend, wie wörtlich Gerwig ihre Rock-Oper-Idee tatsächlich umsetzt. Der Film soll kein Musical sein, und bislang gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass bekannte Bowie-, Who- oder Zeppelin-Songs einfach über Szenen gelegt werden.
Der Begriff „Rock-Oper“ beschreibt derzeit also vor allem Haltung, Bildsprache, Rhythmus und Größe. Ob sich das später auch musikalisch genauso radikal anhört, wissen wir erst, wenn der erste Trailer auftaucht.
🌌 Narnia beginnt diesmal bei der Explosion vor der Explosion
The Magician’s Nephew ist die Ursprungsgeschichte der Welt. Digory und Polly reisen zwischen Welten, treffen Jadis und erleben schließlich Narnias Geburt.
Gerwig nutzt genau diese Sonderstellung, um die gesamte Reihe von Anfang an neu zu codieren. Statt den Look der früheren Filme weiterzuführen, setzt sie bei der Entstehung selbst an und fragt offenbar: Wie müsste diese Welt aussehen, wenn ihre Schöpfung nicht nur heilig und mythisch, sondern auch ekstatisch, laut und musikalisch gedacht wird?
Am 12. Februar 2027 kommt der Film weltweit ins Kino, IMAX-Vorstellungen beginnen bereits am 10. Februar. Am 2. April folgt Netflix.
Bis dahin bleibt nur eine ziemlich faszinierende Vorstellung: Vielleicht hat Aslan Narnia schon immer mit Rock ’n’ Roll erschaffen. C. S. Lewis hat bloß vergessen, den Verstärker zu erwähnen.





