Zwei uralte Artefakte, drei Geschwister und Jahrhunderte Geschichte: Namwaran and the Golden Tara ist da
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Wenn ein Museumsstück plötzlich zum Fantasy-Artefakt wird
📰 Was ist los?
Namwaran and the Golden Tara ist der Debütroman von Darwin De Jesus Mariano und wurde im September auf der Manila International Book Fair offiziell vorgestellt. Die historische Fantasy basiert auf der Laguna Copperplate Inscription und der Golden Tara of Agusan und begleitet drei Geschwister über Jahrhunderte südostasiatischer Geschichte.
🐛 Was denken wir?
Wir mögen vor allem, dass die Fantasy hier aus konkreter Geschichte wächst. Der Roman nimmt reale Artefakte und historische Verbindungen ernst und baut daraus eine eigene epische Erzählung. Das wirkt deutlich eigenständiger als die nächste austauschbare Fantasywelt mit ein paar oberflächlich fremdländischen Ornamenten.
Fantasy muss ihre alten Reiche nicht immer aus europäischem Mittelalter, nordischer Mythologie und einem weiteren Schloss im Nebel zusammensetzen. Namwaran and the Golden Tara geht einen deutlich anderen Weg und baut seine Welt aus vorkolonialer philippinischer und südostasiatischer Geschichte.

© Central Books / Darwin De Jesus Mariano / Hintergrund: Fantasykosmos
Der Debütroman von Darwin De Jesus Mariano wurde am 12. September auf der Manila International Book Fair offiziell vorgestellt. Hinter dem Buch liegen rund zehn Jahre Recherche und Weltaufbau, und schon die Grundlage ist ungewöhnlich konkret: Zwei der wichtigsten vorkolonialen Artefakte der Philippinen werden zum Ausgangspunkt einer jahrhundertelangen Fantasygeschichte.
🏺 Reale Artefakte werden zum Fundament der Fantasy
Im Zentrum stehen die Laguna Copperplate Inscription und die Golden Tara of Agusan. Die Kupferplatte gehört zu den wichtigsten schriftlichen Zeugnissen vorkolonialer philippinischer Geschichte, während die Golden Tara eine goldene Statue aus dem 9. oder 10. Jahrhundert ist, die 1917 in Agusan del Sur entdeckt wurde.
Mariano benutzt diese Objekte nicht bloß als hübsche historische Requisiten. Sie sind direkt mit der Handlung verwoben und geben dem Roman seinen kulturellen und mythologischen Rahmen.
👥 Drei Geschwister tragen die Geschichte durch die Jahrhunderte
Die Geschichte folgt den Geschwistern Namwaran, Angkatan und Bukah. Ihre Mutter Pandi, eine Goldschmiedin aus Tondo, verschwindet unter rätselhaften Umständen, gleichzeitig wird eine kostbare goldene Statue gestohlen. Die drei erhalten schwarze Steinamulette, die ihnen habangbuhay, also ein außergewöhnlich langes Leben, verleihen.
Damit beginnt eine Reise, die sich nicht über Wochen oder Jahre zieht, sondern über ganze Jahrhunderte.
🌏 Von Srivijaya bis zur spanischen Ankunft
Der Roman führt durch mehrere historische Räume Südostasiens und verbindet die Philippinen mit den Reichen von Srivijaya und Majapahit sowie später mit der spanischen Ankunft in Luzon. Die Suche nach der Golden Tara und nach der verschwundenen Mutter wird damit gleichzeitig zu einer Reise durch politische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen der Region.
Genau hier wird das Buch interessant. Die Fantasy erlaubt Mariano, Figuren über Epochen hinwegzuführen, die normalerweise nur getrennt voneinander erzählt würden.
⏳ Unsterblichkeit ist hier kein bequemer Bonus
Die Amulette geben den Geschwistern ein außergewöhnlich langes Leben. Das klingt zunächst nach klassischem Fantasygeschenk, wird aber offenbar schnell zur Belastung. Der Roman beschäftigt sich ausdrücklich mit Familie, Verlust, Identität, Überleben und dem Preis eines Lebens, das weit über die eigene Zeit hinausreicht.
Damit bekommt der Stoff eine gute zweite Ebene. Die Figuren beobachten nicht nur Geschichte, sie werden selbst zu Menschen, die aus ihrer eigenen Epoche herausfallen und immer wieder erleben müssen, wie sich Welt, Kultur und Beziehungen verändern.
🧭 Südostasien als zusammenhängender historischer Raum
Besonders wichtig ist Mariano offenbar, die vorkoloniale Geschichte der Philippinen nicht isoliert zu erzählen. Der Roman verbindet Philippinen, Indonesien, Malaysia und Singapur und zeichnet damit ein Bild von Südostasien als historisch stark verflochtenem Raum.
Das ist auch literarisch reizvoll. Statt eine erfundene Fantasywelt lose mit „asiatischen“ Elementen zu dekorieren, arbeitet das Buch aus konkreten historischen Verbindungen heraus.
🎨 Auch die Gestaltung kommt aus der Region
Der kulturelle Ansatz endet nicht beim Text. Die Illustrationen stammen vom philippinischen Comiczeichner Miko Pica, die Farbgestaltung des Covers von Fauzi Nugraha aus Indonesien und eine eigens entwickelte Schrift von John Poh aus Singapur.
Damit ist selbst die visuelle Gestaltung des Buches regional breit aufgestellt und folgt demselben südostasiatischen Grundgedanken wie die Geschichte.
📚 Zehn Jahre bis zum fertigen Roman
Mariano beschreibt das Projekt als Ergebnis einer langen Beschäftigung mit Museen, vorkolonialen Objekten und regionaler Geschichte. Erste Ideen entstanden bereits Jahre zuvor aus seiner Faszination für historische Artefakte; aus Notizen und frühen Konzepten entwickelte sich schließlich der Roman.
Gerade diese lange Vorbereitung dürfte wichtig sein. Historische Fantasy funktioniert nur dann wirklich gut, wenn die Vergangenheit mehr ist als Kulisse.
🏛️ Vom Buchmarkt direkt ins Museum
Dass der Roman nach der Buchmesse auch im National Museum of Anthropology vorgestellt wurde, passt erstaunlich gut zum Konzept. Die Veranstaltung verband Buchpräsentation und historische Führung und wurde von der philippinischen UNESCO-Kommission unterstützt.
Damit schließt sich gewissermaßen der Kreis: Ein Roman, der aus realen Artefakten entsteht, kehrt mit seiner Geschichte wieder an einen Ort zurück, an dem genau solche Objekte bewahrt und erklärt werden.
🌌 Fantasy als kulturelles Gedächtnis
Uns gefällt an Namwaran and the Golden Tara vor allem dieser Ansatz. Fantasy wird hier nicht als Flucht aus Geschichte benutzt, sondern als Werkzeug, um Geschichte wieder erzählbar zu machen.
Die Golden Tara und die Kupferplatte bleiben reale Artefakte. Der Roman stellt ihnen Figuren, Magie und eine jahrhundertelange Handlung zur Seite, damit aus historischen Spuren wieder eine lebendige Welt entsteht.
Genau diese Art von Fantasy darf gern häufiger bei uns auftauchen.

