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Myrath – Wilderness Of Mirrors
🧿 Kurzfazit
Wilderness Of Mirrors ist ein starkes, reifes Melodic- und Power-Metal-Album mit markanter Handschrift, aber nicht die ganz große Offenbarung. Die Platte wächst, statt sofort zu explodieren, und genau deshalb bleibt sie länger hängen als manche hektischere Konkurrenz.
🎯 Für wen?
Für Leute, die Myrath seit Shehili und Karma mögen, also für Hörer mit Faible für hymnische Refrains, orientalische Farbtupfer und einen Sound, der zwischen Kamelot, modernerem Power Metal und cineastischer Wüstenkulisse vermittelt.
🎧 Wie klingt das?
Warm, breit, melodisch und bewusst kontrolliert. Die Gitarren drücken, die Keyboards bauen Atmosphäre statt Kitschpalast, Zaher Zorgati führt mit viel Pathos durch die Songs, und die Rhythmik arbeitet öfter mit federndem Midtempo als mit Dauerangriff.
💿 Highlights
Until The End, Breathing Near The Roar, Through The Seasons
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du von Myrath vor allem das frühere, stärker verästelte Prog-Geflecht und den permanenten orientalischen Überschwang erwartest.
Myrath haben in kurzer Zeit erstaunlich viel Material in den Orbit geschickt: Auf Karma von 2024 folgte 2025 die Werkschau Reflections, jetzt steht mit Wilderness Of Mirrors schon das siebte Studioalbum der tunesisch-französischen Band in den Startlöchern. Veröffentlichung ist der 27. März 2026 bei earMUSIC, und die Platte bringt zehn neue Songs mit, darunter das Duett Until The End mit Elize Ryd.
Das Entscheidende ist aber nicht die Schlagzahl, sondern die Richtung. Myrath klingen hier nicht nach einer Band, die noch einmal alles von Grund auf umwerfen will. Sie schärfen vielmehr ihr seit Jahren etabliertes Profil nach: weniger verknoteter Prog-Zauber, mehr kontrollierte Melodie, mehr Songdienlichkeit, mehr kinotaugliche Dramaturgie. Die Wüstenfarben sind noch da, nur stehen sie diesmal nicht ständig im Vordergrund. Genau darin liegt die Stärke des Albums, aber auch sein kleiner Verlust.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Progressive Metal, Power Metal, Melodic Metal mit orientalischer und nordafrikanischer Prägung. Die Band selbst steht seit Jahren für ihren eigenen Begriff Blazing Desert Metal.
Vergleichbar mit: einer Kreuzung aus Kamelot, den melodischeren Momenten von Symphony X und der späteren Myrath-Phase, nur mit deutlich mehr Wüstenluft in den Arrangements.
Klangfarbe: Kein überdrehtes Virtuosen-Schaulaufen, sondern ein Album, das auf Wirkung baut. Die Songs tragen viel Melodie, reichlich Keyboard-Raum und einen Gesang, der selbst dann noch groß wirkt, wenn die Platte das Tempo drosselt. Wo frühere Myrath-Alben öfter wie kunstvoll verzierte Paläste wirkten, baut Wilderness Of Mirrors lieber einen breiten, gut ausgeleuchteten Korridor und lässt die Haken darin sauber sitzen.
Gerade das macht das Album interessant. Es will nicht mit jedem Takt beeindrucken, sondern über Atmosphäre, Wiedererkennung und Struktur arbeiten. Das ist klug, weil die Band inzwischen erfahren genug ist, um nicht mehr jede gute Idee mit drei weiteren Ideen gleichzeitig dekorieren zu müssen.
✨ Highlights
Until The End
Das Duett mit Elize Ryd ist kein billiger Gästetrick, sondern einer der Momente, in denen die Platte ihre melodische Seite am besten ausspielt. Zaher Zorgati und Elize Ryd ziehen den Song nicht in zwei Richtungen, sondern bauen gemeinsam eine Hymne, die gleichzeitig eingängig und würdevoll wirkt. Das Stück hat genau die richtige Menge Drama, ohne in Zuckerguss zu baden. Dass Myrath damit den Albumzyklus eröffneten, war kein Zufall.
Breathing Near The Roar
Hier sitzt das Verhältnis aus Druck und Identität besonders gut. Der Song trägt noch spürbar die Herkunft der Band in sich, klingt aber nicht nach Folklore-Auslage, sondern nach modernem, sauber modelliertem Metal mit eigenem Puls. Wenn man auf dieser Platte nach dem Punkt sucht, an dem Myrath zugleich am meisten nach sich selbst und am wenigsten nach Routine klingen, landet man sehr schnell hier.
Through The Seasons
Der Closer macht genau das, was ein guter letzter Song tun sollte: Er zieht die Platte nicht künstlich in die Länge, sondern gibt ihr Gewicht. Die Nummer trägt emotionale Schwere, aber auch diese große, leicht melancholische Geste, die Myrath besonders gut beherrschen. Kein Holzhammer-Finale, eher ein würdiger letzter Blick zurück, bevor die Tore zufallen.
🎨 Artwork
Das Cover ist ein ziemlich schönes Stück kontrollierter Verführung. Wir sehen einen goldverzierten Torbogen, flankiert von spiegelartigen, türkis schimmernden Monolithen, darunter labyrinthartige Linien und erdige Braun-Gold-Töne, die sofort zwischen Wüste, Palast und Traumzustand vermitteln. Das Motiv schreit nicht nach Schlachtfeld und Drachenblut, sondern nach Schwelle, Illusion und innerem Weg. Genau das passt erstaunlich gut zur Musik: weniger blanker Säbel, mehr schimmernde Hallräume.
Stark ist vor allem, dass das Artwork nicht in die übliche Fantasymetal-Falle tappt, alles mit Symbolen vollzunageln, bis der Blick aufgibt. Das Bild bleibt ornamental, aber lesbar. Es wirkt wie ein Tor zu einer Geschichte, nicht wie die komplette Geschichte samt Beipackzettel.
🪦 Besondere Momente
Die Platte wirkt insgesamt bewusster gebremst als der Vorgänger. Statt ständig die Arena anzubrüllen, setzt sie öfter auf kontrolliertes Midtempo, klare Refrainführung und Stimmung. Das macht sie weniger unmittelbar, aber auf Dauer auch stabiler.
Die traditionellen Klangfarben sind weiter da, nur gezielter verteilt. Gastbeiträge mit Violine, Qraqeb und Saz sorgen dafür, dass die Platte ihre Herkunft nicht ablegt, sondern dosierter einsetzt. Gerade dadurch wirkt das Ganze weniger wie Pflichtübung und mehr wie eine bewusste Gewichtsverlagerung.
Man merkt dem Album an, dass Myrath inzwischen lieber Emotion und Form aufeinander abstimmen, statt bloß noch komplizierter zu werden. Das ist einerseits eine Reifestufe, andererseits nimmt es der Band ein klein wenig von jener wilden Kante, die früher manche Überraschung aus dem Sand zog.
📜 Hintergrund
Myrath entstanden aus der Band Xtazy und sind seit 2006 unter dem heutigen Namen aktiv. Sie stammen aus Tunesien, arbeiten seit Jahren zwischen Tunesien und Frankreich und gelten als erste Band des Landes, die bei einem Label außerhalb Tunesiens unterkam. Ihren eigenen Stil beschreiben sie seit langem als Blazing Desert Metal, also als Mischung aus Metal, regionalen Traditionen und cineastischen Einsprengseln.
Die aktuelle Kernbesetzung besteht aus Zaher Zorgati, Malek Ben Arbia, Anis Jouini, Morgan Berthet und Kévin Codfert. Für Wilderness Of Mirrors kamen zusätzliche Gitarren, Violine, Qraqeb, Saz und natürlich Elize Ryd als Gastsängerin hinzu. Nach dem bombastischen Karma und der Best-of Reflections ist der neue Longplayer damit kein radikaler Schnitt, sondern eher eine Feinjustierung: weniger Schaulaufen, mehr Fluss.
Und genau deshalb ist das Album so leicht zu mögen. Myrath wissen inzwischen sehr genau, wie die eigenen Markenzeichen geschickt ausspielt. Die Kehrseite davon ist nur: Manches überrascht nicht mehr so stark wie früher. Die Platte lebt mehr von Können als von Risiko. Das ist legitim. Nur eben nicht ganz dasselbe wie der Moment, in dem einem ein Album die Oasentür eintritt.
🪓 Fazit: Schön gebauter Spiegelpalast, aber nicht jeder Raum ist gleich beeindruckend gestaltet
Wilderness Of Mirrors ist ein gutes bis sehr gutes Album einer Band, die ihre Stärken ziemlich genau kennt. Die Songs sind sauber gebaut, melodisch stark, oft emotional und fast immer elegant arrangiert. Zaher Zorgati liefert ab, die Produktion trägt, die Gastmomente sitzen, und es gibt keinen echten Totalausfall.
Aber auch das ist wahr: Das Album schlägt Karma aus unserer Sicht nicht. Dafür fehlt ihm an ein paar Stellen diese unmittelbare Wucht und diese besondere Würze, die Myrath von vielen Genrekollegen absetzt. Wo der Vorgänger öfter direkt auf die Zwölf ging, zieht Wilderness Of Mirrors lieber die schweren Vorhänge zu und arbeitet mit Licht, Raum und Nachhall.
Wer die melodischere, fokussiertere Phase der Band schätzt, bekommt hier reichlich Stoff. Wer sich die ganz große Rückkehr des wilden Wüstenzaubers erhofft hat, wird ein paar Prozent Exotik vermissen. Unterm Strich bleibt aber eine Platte, die sich nicht anbiedert, sondern auf leise Autorität setzt. Und das ist immer noch deutlich mehr wert als der meiste sterile Standardbetrieb im modernen Power Metal.

| Künstler: | Myrath |
| Albumtitel: | Wilderness Of Mirrors |
| Erscheinungsdatum: | 27. März 2026 |
| Genre: | Progressive Metal, Power Metal, Melodic Metal |
| Label: | earMUSIC |
| Spielzeit: | ca. 47 Minuten |
Trackliste:
The Funeral
Until The End
Breathing Near The Roar
Les Enfants Du Soleil
Still The Dawn Will Come
The Clown
Soul Of My Soul
Edge Of The Night
Echoes Of The Fallen
Through The Seasons
Offizielles Video
Offizielles Video zu „Until The End“ feat. Elize Ryd – einer der stärksten und eingängigsten Songs des Albums, getragen von zwei Stimmen, die bestens miteinander harmonieren. Bereitgestellt vom offiziellen earMUSIC-Kanal auf YouTube:
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