Drachen töten war noch das kleinste Problem: My Friend, Dysentery simuliert die echte Fantasyreise
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Der Endgegner heißt hier Reiseapotheke
📰 Was ist los?
My Friend, Dysentery ist ein kommendes Survival-Roguelike von Risk of Ruins und Ludo Foundry, das die klassische Fantasyreise nach dem Vorbild von The Oregon Trail simuliert. Eine Heldengruppe zieht los, um einen Drachen zu töten, muss unterwegs aber Vorräte, Krankheiten, Verletzungen, Monster und Katastrophen überstehen. Der PC-Release ist für 2027 geplant.
🐛 Was denken wir?
Der Name ist albern, die Idee dahinter ziemlich klug. Fantasy erzählt ständig von monatelangen Reisen und interessiert sich erstaunlich selten dafür, wie miserabel so etwas ohne moderne Medizin, Supermarkt und beheiztes Hotel tatsächlich wäre. Wenn das Survival-System genug Geschichten produziert, könnte aus dem Durchfallwitz ein erstaunlich gutes Roguelike werden.
In Fantasygeschichten beginnt die große Reise normalerweise mit einer Karte, einem Schwert und dem festen Glauben daran, dass irgendwo hinter sieben Bergen ein Drache wartet. My Friend, Dysentery interessiert sich dagegen viel stärker für die Dinge, die solche Geschichten gerne überspringen: Was passiert, wenn das Essen ausgeht? Wer trägt den Verletzten? Was macht man bei Krankheit, schlechtem Wetter oder einer Katastrophe unterwegs? Und wie viele Mitglieder einer Heldengruppe schaffen es überhaupt bis zum Drachen?

© Risk of Ruins / Ludo Foundry
Das Spiel von Risk of Ruins und Publisher Ludo Foundry versteht sich ausdrücklich als „Horribly Realistic Fantasy Travel Simulator“ und nimmt sich dabei einen ziemlich alten Klassiker zum Vorbild: The Oregon Trail. Statt amerikanischer Siedler zieht hier eine Fantasygruppe durch eine mittelalterliche Welt, um das Gelobte Land zu erreichen und dort einen Drachen zu töten. Der Weg dorthin besteht allerdings weniger aus heroischen Fanfaren als aus Ressourcenknappheit, Krankheiten, Monstern und immer neuen Entscheidungen darüber, welches Problem gerade am wenigsten tödlich aussieht. Der PC-Release ist für 2027 vorgesehen.
🥾 Die große Quest beginnt mit Vorräten statt Prophezeiungen
Steam ordnet My Friend, Dysentery als Survival-Abenteuer, Roguelike, Rollenspiel und Simulation ein. Die Gruppe reist gemeinsam durch eine prozedural beziehungsweise variabel aufgebaute Welt und muss unterwegs Nahrung, Ausrüstung und andere Vorräte verwalten. Begegnungen mit Monstern gehören dazu, sind aber nur ein Teil des Problems. Unfälle, Krankheiten und andere Katastrophen können eine Expedition genauso zuverlässig ruinieren wie ein schlecht gelaufener Kampf.
Das klingt bewusst nach einer Fantasyreise, bei der niemand nach dem dritten Kapitel plötzlich vergisst, dass Menschen essen, schlafen und gelegentlich sehr ungünstig erkranken müssen. Gerade deshalb funktioniert der Vergleich mit The Oregon Trail so gut: Dort war das eigentliche Ziel ebenfalls vergleichsweise simpel. Die Schwierigkeit bestand darin, die Strecke überhaupt zu überstehen.
💩 Erst überleben, dann vielleicht den Drachen töten
Der offizielle Announcement Trailer zu My Friend, Dysentery zeigt, wie aus der klassischen Fantasy-Heldenreise ein Survival-Albtraum aus Hunger, Krankheiten, Monstern und miserablen Entscheidungen wird.
Im Fantasygenre wird dagegen oft angenommen, dass eine Gruppe wochenlang über Berge, durch Sümpfe und anschließend noch durch eine orkverseuchte Einöde laufen kann, solange alle einmal morgens dramatisch in die Ferne schauen.
My Friend, Dysentery scheint diese Annahme nicht zu teilen.
💩 Der Name ist hier tatsächlich Programm
Der Titel macht ziemlich schnell klar, welchen Ton Risk of Ruins anschlägt. Das Spiel will seine Survival-Systeme ernst genug nehmen, um gefährlich zu sein, gleichzeitig aber die Absurdität klassischer Fantasyreisen ausstellen. Eine Heldengruppe kann demnach an Monsterangriffen scheitern, aber eben auch daran, dass Versorgung, Gesundheit oder Reiseplanung komplett zusammenbrechen.
Daraus entsteht eine schöne Umkehrung des üblichen Fantasyabenteuers. Der Drache am Ende ist das große mythologische Ziel, doch die eigentliche Geschichte entsteht unterwegs. Wer stirbt? Wer wird verletzt? Welche Vorräte gehen verloren? Welches Risiko nimmt man noch auf sich, wenn die Gruppe schon angeschlagen ist?
Dass ausgerechnet Ruhr, Erschöpfung und andere wenig glamouröse Katastrophen einen genauso wichtigen Platz bekommen wie Schwerter und Monster, ist deshalb nicht bloß ein Gag im Titel. Es ist offenbar das komplette Spielprinzip.
⚔️ Kämpfen muss man trotzdem
Ganz ohne klassische Fantasy-Action geht es natürlich nicht. Steam bestätigt Monsterkämpfe, Erkundung und ein partybasiertes Rollenspielsystem. Die Expedition besteht also nicht ausschließlich aus Inventarlisten und der Frage, wer den letzten Laib Brot bekommt. Kämpfe gehören zum Fortschritt und können die ohnehin knappen Ressourcen weiter belasten.
Gerade diese Verbindung könnte interessant werden. In einem normalen RPG bedeutet ein Monster meist Erfahrungspunkte und Beute. In einer echten Survivalstruktur bedeutet jeder Kampf zusätzlich Verletzungsrisiko, verbrauchte Heilmittel und möglicherweise den Verlust eines Gruppenmitglieds, das später noch dringend gebraucht worden wäre.
Ein Troll am Wegesrand ist dann nicht automatisch eine Gelegenheit zum Leveln.
Vielleicht ist er einfach nur ein sehr großer Grund, einen Umweg zu nehmen.
🎲 Jeder Versuch soll eine andere Katastrophengeschichte erzählen
Roguelike- und Choose-your-own-Adventure-Elemente deuten darauf hin, dass nicht jede Reise gleich ablaufen soll. Steam führt neben Erkundung und Ressourcenmanagement auch Charakteranpassung, Inventarverwaltung und Entscheidungen als zentrale Elemente. Das Spiel ist derzeit als reiner Einzelspielertitel vorgesehen.
Damit dürfte der eigentliche Reiz weniger darin liegen, eine einmal festgelegte Geschichte abzuspulen, sondern in den Geschichten, die aus misslungenen Expeditionen entstehen. Vielleicht wird eine Gruppe von Monstern zerrissen. Vielleicht schafft sie es fast bis zum Ziel und scheitert an Hunger. Vielleicht wird der mächtigste Krieger von einer Krankheit aus dem Verkehr gezogen, während ausgerechnet der vollkommen ungeeignete Magier als Letzter übrig bleibt.
Solche Systeme funktionieren besonders gut, wenn man nach einer Niederlage nicht denkt „Mist, verloren“, sondern „das war eine bemerkenswert dumme Art zu sterben“.
Der Name lässt vermuten, dass Risk of Ruins genau darauf hofft.
🕹️ Optisch ebenfalls bewusst altmodisch
Auch grafisch versucht das Spiel nicht, den nächsten fotorealistischen Fantasywald zu bauen. Steam führt 2D-Pixelgrafik, Retro und Old School als zentrale Merkmale. Die Screenshots zeigen entsprechend eine bewusst klassische Darstellung, die gut zum Oregon Trail-Gedanken passt.
Dadurch kann sich das Spiel stärker auf Informationen und Entscheidungen konzentrieren, statt jeden umgefallenen Baum mit Millionen Polygonen auszustatten. Bei einem Reise-Survival-RPG ist ohnehin wichtiger, ob der Spieler versteht, wie schlecht es seiner Gruppe gerade geht, als ob sich jede Pfütze physikalisch korrekt verhält.
Noch ist allerdings einiges offen. Ein konkreter Veröffentlichungstermin fehlt, ebenso ein Preis. Steam nennt bislang nur 2027, und sprachlich ist derzeit ausschließlich Englisch bestätigt.
🐉 Endlich eine Fantasyreise, bei der der Weg wirklich das Problem ist
Genau deshalb finde ich My Friend, Dysentery so reizvoll. Das Spiel nimmt eine der ältesten Fantasystrukturen überhaupt – eine Gruppe bricht auf, um einen Drachen zu töten – und fragt anschließend, warum eigentlich alle so tun, als wäre der Weg dorthin nur eine Montage mit schöner Musik.
Wer tagelang durch eine mittelalterliche Welt zieht, bekommt keine automatische Vollverpflegung. Verletzungen verschwinden nicht beim nächsten Szenenwechsel. Regen ist irgendwann mehr als atmosphärisch. Und eine Heldengruppe besteht aus Menschen, die krank werden können, bevor sie auch nur ein einziges Mal Gelegenheit bekommen haben, heroisch zu sterben.
Der Drache wartet trotzdem am Ende.
Er muss nur hoffen, dass die Ruhr ihm überhaupt noch jemanden übrig lässt.



