MORTGRIM – Evangelium Luciferianum (Review)
🧐 Im Fantasykosmos suchen

MORTGRIM – Evangelium Luciferianum
🩸 Kurzfazit: Eine schwarze Messe ohne genehmigte Liturgie
MORTGRIM errichten aus rauem Black Metal, schleppenden Doom-Passagen und verstörenden Stimmexperimenten ein kleines Heiligtum des musikalischen Ungehorsams. Nicht alles fügt sich zu einer überzeugenden Komposition. Manche Übergänge wirken beinahe gewaltsam, und der Gesang verlangt ein erhebliches Maß an Toleranz gegenüber menschlichen Grenzgeräuschen. Aber hinter dem Chaos steckt ein eigenwilliger Gestaltungswille, dem man seine Faszination schwer absprechen kann. Ein bemerkenswertes, keineswegs makelloses Album für Menschen, denen musikalische Schönheit gelegentlich verdächtig vorkommt.
🧭 Für wen & vergleichbar mit
Für Hörer von Burzum, Bethlehem, Akhlys, Bethlehem und den sperrigeren Seiten des atmosphärischen Black Metal. Wer düstere Klanglandschaften, ungewöhnliche Gesangsexzesse und abrupte Stilwechsel schätzt, findet hier reichlich Nahrung. Ein wenig Doom-Verständnis schadet ebenfalls nicht.
🏆 Drei Einträge aus Grabholds verbotenem Gesangbuch
🕯️ Eternal Rite – Zwischen doomiger Schwere und einer Melodie, die mehr zu erzählen hat als manches vollständige Konzeptalbum.
⚔️ Fornir Andar – Drei Minuten Raserei, bei denen der Zeremonienmeister offenbar sämtliche Sicherheitsvorschriften verbrannt hat.
⛧ Inverted Cross – Ein besonders interessantes Zusammenspiel aus schwerem Riffing, gespenstischem Gesang und einem wirkungsvollen Bruch im Arrangement.
🚫 Wem der Zutritt zur Krypta verweigert wird
Wer tadellose Songstrukturen, einen leicht zugänglichen Sänger oder melodische Verlässlichkeit erwartet, sollte besser vor der Tür bleiben. MORTGRIM betrachten musikalische Ordnung offenbar als eine Form geistiger Bevormundung. Mitunter leidet darunter allerdings auch die Wirkung ihrer eigenen Ideen.

🕯️ MORTGRIM – Evangelium Luciferianum: Das Evangelium der Verdammnis hat ein Problem mit der Ordnung
Man kennt ja nun so einige finstere Musikanten, die schreiben ein zweites Album, weil ihnen nach dem ersten noch ein paar gute Songs eingefallen sind.
Glücklicherweis gibt es aber Spielleute wie Máté Nagy aus Budapest, der offenbar beschlossen hat, stattdessen ein alternatives Glaubensbuch zu verfassen. Mit Tremolo-Gitarren, Blastbeats, okkulten Beschwörungen und einer Stimme, die klingt, als habe man sie in einem mittelalterlichen Verhörkeller vergessen.
Sein Ein-Mann-Projekt MORTGRIM veröffentlicht mit Evangelium Luciferianum bereits das zweite Album des Jahres 2026. Nach Blasphemy aus dem Februar folgt nun ein Werk, dessen lateinischer Titel das vermeintlich Heilige mit dem Luciferischen verbindet.
Das ist zunächst nicht weiter erstaunlich. Der Black Metal beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit umgekehrten Kreuzen, verbotenen Schriften und dem sympathisch aussichtslosen Versuch, den Teufel noch einmal neu zu erfinden. Interessanter wird es, wenn man betrachtet, was Nagy musikalisch daraus macht.
Denn Evangelium Luciferianum ist keineswegs einfach eine weitere Ansammlung frostiger Gitarrenriffs und religionsfeindlicher Beschwörungen. Die neun Stücke wechseln zwischen brachialer Raserei, schwerem Doom, bizarren Gesangspassagen und einer fast unerwarteten Melancholie. Manche Kompositionen scheinen sich mitten im eigenen Verlauf darüber zu streiten, welche musikalische Richtung sie eigentlich einschlagen wollen.
Nicht immer gewinnt dabei die bessere Idee. Und trotzdem besitzt dieses Album etwas, das im zunehmend professionalisierten Extrem-Metal-Untergrund selten genug geworden ist: Es klingt nicht nach dem Versuch, möglichst vielen Menschen zu gefallen.
Man könnte sogar behaupten, Nagy habe sich gewissenhaft darum bemüht, jede Form von Publikumskomfort auszuschließen. Das haben wir uns dann natürlich mal genauer angehört.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Atmospheric Black Metal, Raw Black Metal, Doom Black Metal, Progressive Black Metal
🎼 Musikalische Einordnung: MORTGRIM verbinden die harsche Gitarrenarbeit des traditionellen Black Metal mit doomiger Schwere und einer auffallend unruhigen kompositorischen Gestaltung. Schnelle Tremolo-Passagen und Blastbeats stehen neben schleppenden Rhythmen, repetitiven Melodien und atmosphärischen Einschüben.
Die Stücke sind überwiegend kurz, verzichten aber auf einfache, vorhersehbare Abläufe. Tempowechsel und abrupte Übergänge spielen eine wichtige Rolle. Das verleiht der Musik eine eigenartige Spannung, führt allerdings gelegentlich dazu, dass einzelne Ideen eher gegeneinanderarbeiten, als sich gegenseitig zu verstärken.
🔊 Klangbild: Máté Nagy übernimmt sämtliche Instrumente sowie Gesang, Mix und Mastering selbst. Die Produktion ist rau, aber durchaus druckvoll. Besonders die Gitarren wechseln zwischen schroffen, verzerrten Flächen und deutlich melodischeren Passagen.
Der Gesang bildet das ungewöhnlichste Element: kehlige Schreie, heiseres Keifen, geflüsterte und beinahe sprechende Momente. Diese Wechsel intensivieren die düstere Atmosphäre, können aber auch befremdlich wirken. Gerade hier entscheidet sich, ob man die Musik als eigenwillig faszinierend oder unnötig zerklüftet empfindet.
🎬 MORTGRIM – Majesty of the Morning Star
Der Auftakt zum schwarzen Evangelium: MORTGRIM verbindet auf Majesty of the Morning Star unruhige Atmosphäre mit roher Black-Metal-Aggression.
📔 Drei Kapitel aus einem beschädigten Glaubensbuch
🕯️ Eternal Rite: Die Schönheit der falschen Liturgie
Manchmal verrät ein einzelner Song mehr über die Möglichkeiten eines Musikers als die lautesten fünf Minuten seines Albums. Eternal Rite gehört zu diesen Stücken. Der Beginn bewegt sich in schwerem, doomigem Tempo. Die Musik lässt sich Zeit, ihre bedrohliche Atmosphäre zu entwickeln, und verzichtet zunächst auf den naheliegenden Griff zur maximalen Geschwindigkeit.
Gerade diese Zurückhaltung eröffnet Raum für eine Melodie, die zu den überzeugendsten Einfällen der Platte gehört. Hier zeigt sich, dass Nagy keineswegs ausschließlich an musikalischer Zerstörung interessiert ist. Hinter den schroffen Gitarren und seinem schwierigen Gesang steckt ein bemerkenswertes Gespür für dunkle, melancholische Stimmungen.
Die Wirkung entsteht aus der Spannung zwischen der schwerfälligen Grundbewegung und den melodischen Linien, die sich darüber entfalten. Aggression und Traurigkeit stehen nicht einfach nebeneinander. Sie scheinen aus derselben musikalischen Idee hervorzuwachsen. Das gelingt auf diesem Album nicht immer so überzeugend.
Eternal Rite zeigt deshalb auch, worin das eigentliche Potenzial von MORTGRIM liegt: nicht in der größtmöglichen Anzahl unvorhersehbarer Wendungen, sondern darin, einer guten musikalischen Idee genügend Raum zu geben, damit sie ihre Wirkung entfalten kann.
Das ist eine Erkenntnis, die manchem selbst ernannten Hohepriester des Extrem Metal ebenfalls guttäte.
⚔️ Fornir Andar: Drei Minuten und kein Interesse an Vergebung
Nach den atmosphärischen Ansätzen der ersten Stücke beweist Fornir Andar, dass Nagy die alte Schule des Black Metal keineswegs vergessen hat. Der Song setzt auf rasende Gitarrenfiguren und eine nahezu durchgehend hohe Geschwindigkeit. Wo andernorts ausgiebig Atmosphäre aufgebaut wird, herrscht hier eine entschieden unmittelbarere Form musikalischer Feindseligkeit.
Das Interessante ist die Kürze. Mit etwas mehr als drei Minuten verzichtet die Komposition auf unnötige Ausschmückungen. Sie verfolgt ihre aggressive Grundidee und beendet die Angelegenheit, bevor aus der Raserei bloße Routine werden kann.
Gerade auf einer Platte, die ihre vielen Einflüsse nicht immer vollständig unter Kontrolle bekommt, ist diese Konzentration eine Stärke. Manchmal braucht ein guter Black-Metal-Song eben keinen komplizierten theologischen Unterbau. Manchmal genügt es, die Pforte zur Unterwelt aufzutreten und hinterher das Licht auszumachen.
⛧ Inverted Cross: Die Andacht wird unterbrochen
Mit Inverted Cross erreicht das Album einen seiner kompositorisch interessantesten Punkte. Die Gitarren besitzen hier eine besonders schwere, dichte Klangfarbe. Dazu kommt ein Gesang, der sich mit seinen kehligen, bisweilen beinahe ausgespuckten Lauten tief in die aggressive Instrumentierung hineinarbeitet. Zunächst dominiert eine langsame, fast tranceartige Rhythmik. Doch MORTGRIM belassen es nicht dabei.
Im weiteren Verlauf verändert sich das Tempo, und ein markanter Bruch im Zentrum des Stücks verleiht der Komposition eine andere Dynamik. Hier wirken die verschiedenen musikalischen Elemente besser aufeinander abgestimmt als in manchen anderen Passagen der Platte. Die Härte ist kein Selbstzweck, sondern Teil eines nachvollziehbaren Spannungsbogens.
Das bedeutet nicht, dass Inverted Cross plötzlich ein zugänglicher Song wäre. Nagy macht keinerlei Anstalten, den Hörer mit einer freundlichen Melodie an die Hand zu nehmen. Aber er demonstriert, dass musikalische Unberechenbarkeit am stärksten wirkt, wenn hinter ihr eine erkennbare Absicht steht.
🖼️ Artwork: Wenn die Romantik das Jüngste Gericht entdeckt
Das Cover von Evangelium Luciferianum besitzt eine ungewöhnliche Herkunft. Während viele Black-Metal-Bands ihre Apokalypsen von zeitgenössischen Illustratoren gestalten lassen, greift MORTGRIM auf ein fast zweihundert Jahre altes Kunstwerk zurück: The Edge of Doom von Samuel Colman, entstanden 1838.
Diese Entscheidung ist bemerkenswert passend. Colman gehörte zur englischen romantischen Malerei, einer Epoche, in der religiöse Visionen, Naturgewalten und die Grenzen menschlicher Erkenntnis mit großer bildnerischer Dramatik verhandelt wurden. Schon der Titel seines Gemäldes klingt wie die Ankündigung einer vollständigen Black-Metal-Diskografie.
Der entscheidende Unterschied liegt allerdings in der geistigen Herkunft. Ein romantisches Bild über das Ende, das Gericht und die Mächte jenseits menschlicher Kontrolle wird nun zum Umschlag eines Albums, das traditionelle religiöse Gewissheiten ausdrücklich infrage stellt. Damit verändert sich die Bedeutung des historischen Motivs.
Das Kunstwerk wird nicht einfach als dekorative Illustration verwendet. Es tritt in einen neuen Zusammenhang, in dem die Ordnung des Heiligen selbst zur Diskussion steht.
Ein Bild aus der religiös geprägten Kunst des 19. Jahrhunderts wird zum Aushängeschild einer luciferischen Gegenliturgie.
Das ist ein wirklich reizvoller kultureller Kurzschluss. Und es beweist einmal mehr, dass die beste Ausstattung für eine musikalische Apokalypse gelegentlich bereits fertig gemalt wurde, lange bevor jemand einen verzerrten Gitarrenverstärker erfand.
✨ Besondere Momente: Zwischen Theologie, Größenwahn und musikalischer Selbstverwaltung
🕯️ Helel: Der Lichtbringer vor seiner Karriere als Höllenfürst
Der Name Helel führt weit zurück in die Geschichte religiöser Überlieferungen. Das hebräische Helel ben Schachar lässt sich sinngemäß als leuchtender Sohn der Morgenröte verstehen. Die spätere Verbindung zur Lucifer-Gestalt entstand durch eine lange Geschichte von Übersetzungen und theologischen Deutungen.
Dass MORTGRIM gerade diese Figur in den Mittelpunkt ihrer Symbolwelt stellen, ist kein Zufall. Hier erscheint Lucifer nicht nur als gehörntes Schreckgespenst, sondern auch als Sinnbild für Erkenntnis, Auflehnung und den Widerstand gegen vorgegebene Wahrheiten. Die Geschichte ist erheblich komplizierter als die übliche Black-Metal-Bildsprache vermuten lässt. Der Teufel war gewissermaßen bereits ein theologischer Problemfall, bevor er seine erste Metalband gründete.
🎛️ Ein-Mann-Band: Wenn der Produzent niemandem widersprechen kann
Máté Nagy übernimmt bei MORTGRIM Gesang, Instrumente, Komposition sowie Mix und Mastering. Es gibt also keinen zweiten Gitarristen, der einen Übergang infrage stellt, keinen Schlagzeuger, der einen Rhythmuswechsel für überflüssig hält, und keinen Produzenten, der um etwas mehr Zurückhaltung bittet. Diese vollständige künstlerische Kontrolle erklärt sowohl die Stärken als auch die Schwächen des Albums.
Nagy kann seinen musikalischen Vorstellungen folgen, ohne Kompromisse auszuhandeln. Dadurch entsteht eine unverwechselbare Handschrift. Zugleich fehlen jene Reibungen, durch die aus einer interessanten Idee manchmal erst eine wirklich überzeugende Komposition wird. Absolute kreative Freiheit ist ein kostbares Gut. Eine gelegentliche Gegenstimme allerdings auch.
🎭 Die Stimme als Störfaktor: Der kontrollierte Verlust der Würde
Der Gesang gehört zu den ungewöhnlichsten Bestandteilen von Evangelium Luciferianum. Nagy verwendet nicht einfach das traditionelle Black-Metal-Keifen, sondern verbindet Schreie, heisere Laute, gutturale Passagen und beinahe sprechende Elemente.
Manchmal wirkt das, als sollten mehrere widersprüchliche Figuren gleichzeitig durch denselben Mund zu Wort kommen. Darin liegt eine interessante ästhetische Entscheidung. Die Stimme verkörpert nicht bloß einen Sänger, sondern wird selbst zu einem Element der Unruhe. Nur ist ein ungewöhnlicher Einfall noch keine Garantie für musikalische Wirkung. Wo die extremen Lautäußerungen das Arrangement bereichern, entsteht eine verstörende Intensität. An anderen Stellen beanspruchen sie Aufmerksamkeit, ohne dem Stück entsprechend viel zurückzugeben.
Die Kunst besteht eben nicht darin, möglichst viele Dämonen in einer Kehle unterzubringen, sondern ihnen auch eine sinnvolle Aufgabe zu geben.
📜 Das Gegen-Evangelium: Rebellion als Glaubensfrage
Mit dem Titel Evangelium Luciferianum beansprucht MORTGRIM mehr als eine dekorative satanische Pose. Die Platte greift Vorstellungen von Erkenntnis, geistiger Selbstbestimmung und dem Widerstand gegen religiöse Dogmen auf. Interessant ist dabei ein grundsätzlicher Widerspruch: Wer bestehende Glaubenssysteme durch eine neue, angeblich befreiende Wahrheit ersetzen möchte, läuft immer Gefahr, am Ende selbst wieder ein Dogma zu errichten.
Gerade deshalb passt die musikalische Unordnung erstaunlich gut zum Thema. Auch die Kompositionen widersetzen sich festen Regeln, manchmal produktiv, manchmal auf Kosten ihrer eigenen Überzeugungskraft. Vielleicht ist das die eigentliche Spannung des Albums: Eine Musik, die von Befreiung erzählt, muss erst noch lernen, zwischen Freiheit und Beliebigkeit zu unterscheiden.
🌒 Hintergrund: Ein Mann, neun Stücke und die endgültige Abschaffung des Dogmas
Hinter MORTGRIM steht Máté Nagy, der das Projekt 2025 in Budapest gründete. Bereits im Februar 2026 erschien mit Blasphemy sein erstes Album. Evangelium Luciferianum folgt nur wenige Monate später und erscheint über das Karlsruher Underground-Label Fetzner Death Records.
Nagy übernimmt die vollständige musikalische Arbeit: Gesang, Gitarren, Bass und Schlagzeug. Auch Kompositionen, Texte, Mix und Mastering stammen von ihm. Das erklärt einiges.
Ein Album ohne Mitmusiker bedeutet auch ein Album ohne jene regelmäßigen Einwände, die in einem gewöhnlichen Proberaum irgendwann unweigerlich fallen würden. »Máté, vielleicht reicht an dieser Stelle ein Tempo.«
Diesen Satz scheint niemand gesagt zu haben. Doch gerade die kompromisslose persönliche Handschrift macht das Projekt interessant. Nagy entwickelt einen eigenen Klangkosmos, dessen Ecken und Brüche nicht nach den üblichen Regeln geglättet wurden.
Inhaltlich versteht er Evangelium Luciferianum als eine Art Gegen-Evangelium. Klassischer Okkultismus, gnostisch-luciferische Vorstellungen und die Kritik an religiösen Dogmen bilden die thematische Grundlage.
Dabei geht es weniger um die bloße Inszenierung satanischer Rebellion als um die Vorstellung, dass Erkenntnis, Zweifel und geistige Selbstbestimmung auch gegen bestehende religiöse Autoritäten erkämpft werden müssen. Ob daraus tatsächlich ein philosophisch tragfähiges Konzept entsteht, ist eine andere Frage. Als Ausgangspunkt für ein ungewöhnliches Black-Metal-Album ist es jedenfalls deutlich interessanter als die nächste pauschale Kriegserklärung an den Himmel.
📋 Fazit: Nicht jede Offenbarung ist schon eine Erkenntnis
Evangelium Luciferianum ist ein Album voller Widersprüche.
MORTGRIM besitzen ein bemerkenswertes Gespür für düstere Stimmungen, ungewöhnliche Melodien und den Kontrast zwischen rasender Aggression und beinahe elegischer Ruhe. Besonders Eternal Rite, Fornir Andar und Inverted Cross zeigen, wie viel Potenzial in der Verbindung aus Black Metal, Doom und experimentierfreudiger Kompositionsarbeit steckt.
Doch die musikalische Unberechenbarkeit hat ihren Preis. Nicht alle Übergänge überzeugen. Einige Ideen wirken eher nebeneinandergestellt als organisch entwickelt, und der eigenwillige Gesang ist zwar unverwechselbar, aber nicht immer ein Gewinn für die jeweilige Komposition. An manchen Stellen scheint der Wille zur Andersartigkeit stärker zu sein als die musikalische Notwendigkeit. Trotzdem wäre es grundfalsch, dieses Album auf seine Unvollkommenheiten zu reduzieren.
Máté Nagy besitzt bereits eine erkennbare künstlerische Handschrift. Er schreibt keine Musik, die sich mühelos in bestehende Erwartungen fügt, sondern versucht, sein eigenes Verhältnis zu Dunkelheit, Spiritualität und musikalischer Freiheit hörbar zu machen. Das verdient Aufmerksamkeit. Aber eben keine unkritische Verehrung.
Denn nicht jedes musikalische Chaos ist automatisch ein Ausdruck höherer Erkenntnis. Manchmal ist es einfach Chaos.
Evangelium Luciferianum ist dort am stärksten, wo Nagy diesen Unterschied selbst erkennt.
Ein eigenwilliges, faszinierendes und bisweilen anstrengendes Werk, dessen beste Momente größere Versprechen enthalten als manche vollkommen makellose Veröffentlichung.
📀 Die Albumakte
🕯️ Musiker und Produktion
🎵 Trackliste
Mehr Album-Reviews für dich?
Dieses Review war für dich cool und du würdest gerne mehr lesen? Reviews aus sämtlichen Spielarten der Fantasy Musik findest du auf unserer Fantasy Alben Seite.








