Mortem – Mørketid (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Mortem – Mørketid

🧿 Kurzfazit
Mørketid ist ein starkes, konzentriertes Black-Metal-Album aus norwegischer Altlast mit erstaunlich frischer Bisskraft. Mortem verbinden rohe Raserei, monumentale Riffs, Horror-Atmosphäre, Sverds finstere Keyboard-Arbeit und Hellhammers unverkennbaren Schlagzeugdruck zu einem Album, das historisches Gewicht trägt, aber keineswegs verstaubt wirkt.

🎯 Für wen?
Für Schwarzhörer, die norwegischen Black Metal mit Geschichte, Kälte, Attacke und sauber geführter Dramaturgie mögen. Wer frühe Szenenenergie liebt, aber keinen dumpfen Proberaum-Nebel braucht, bekommt hier ein Album, das alte Bosheit mit klarer Produktion und präzisem Spiel zusammenbringt.

🎧 Wie klingt das?
Die naheliegenden Koordinaten liegen im alten norwegischen Unterholz: Mayhem, Thorns, frühe Arcturus-Schatten, dazu etwas Bathory-Würde und ein Hauch klassischer skandinavischer Schwarzmetall-Melodik. Mortem stehen dabei seltsam quer zur eigenen Vergangenheit: weniger futuristisch als Arcturus, weniger klinisch als Thorns, direkter als vieles, was später aus dieser Szene hervorging. Hier klingt Black Metal wie ein alter Fluch, der inzwischen gelernt hat, seinen Einsatz exakt zu zählen.

🎼 Highlights
Mørketid, Skyggeånd, Mørkets Ormebol, Ditt Ødes Ære

⛔ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal nur als rohen Klangschutt suchst. Du könntest an der Produktion und der klaren Ausarbeitung scheitern. Mørketid hat genug Dreck unter den Fingernägeln, aber es ist kein zerfallender Demo-Klumpen. Die Bosheit ist kontrolliert, das Handwerk sichtbar, die Atmosphäre bewusst geführt.

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☠️ Mortem – Mørketid: Black Metal vom Totenbett der alten Schule

Es gibt Comebacks, die wie ein Geschäftsmodell wirken. Und dann sind da Bands wie Mortem, bei denen schon der Name klingt, als hätte jemand 1989 eine Kellertür abgeschlossen und erst Jahrzehnte später wieder an den Schlüssel gedacht.

Mørketid ist das zweite vollständige Album einer Band, die im norwegischen Black Metal nicht einfach als Fußnote herumliegt. Mortem waren vor Arcturus da, vor vielen späteren Verzweigungen, vor dem Moment, in dem aus Keller, Demo, Mythos und Katastrophe eine ganze Szeneerzählung wurde. Das legendäre Slow Death-Demo gehört zu jener finsteren Frühphase, in der Black Metal noch weniger Stilbegriff als akustische Seuchengefahr war. Dass die Band nach langer Ruhe mit Ravnsvart wieder auftauchte, konnte man bereits als späte Exhumierung verbuchen. Mørketid klingt nun eher wie die Leiche, die nach der Leichenschau beschlossen hat, den Arzt zu fressen.

Das Cover ist dafür herrlich eindeutig: ein Totenbett, ein Patient zwischen Leben, Albtraum und Verwesung, knöcherne Gestalten am Rand, ein krakeliger Rahmen wie aus einem vergilbten Nekromantenheft. Man könnte fast glauben, hier werde eine historische Operation gezeigt. Tatsächlich wirkt es eher, als hätten drei Skelette versucht, Black Metal medizinisch zu erklären, und der Patient sei dabei zum Sänger geworden.

Das passt. Denn: Mørketid ist keine nostalgische Museumsführung durch den alten norwegischen Keller. Dieses Album trägt zwar den Geruch der Frühzeit im Mantel, aber es stolpert nicht ehrfürchtig durch eigene Reliquien. Mortem klingen brutal, giftig, erstaunlich beweglich und stellenweise geradezu unverschämt vital. Die Platte arbeitet mit rasenden Passagen, breiten Midtempo-Blöcken, finsteren Keyboard-Schichten und dieser bösen, kratzenden Stimme von Marius Vold, die weniger singt als eine sehr alte Drohung ins Gehör ritzt.

Das Ergebnis ist Black Metal, der seine Herkunft kennt, aber nicht am eigenen Stammbaum erstickt.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Black Metal, Norwegian Black Metal, Atmospheric Black Metal

Vergleichbar mit: Mortem sitzen in einem sehr speziellen Teil des norwegischen Stammbaums. Wer Mayhem wegen der historischen Kälte, Thorns wegen der schneidenden Strenge und Arcturus wegen Sverds Schattenklang kennt, hört sofort, woher diese Musik kommt. Gleichzeitig ist Mørketid kein reines Veteranentreffen. Das Album hat den Zugriff einer Band, die ihre eigene Vergangenheit nicht polieren muss, weil sie sie als Werkzeug verwendet.

Klangfarbe: Mørketid klingt wuchtig, klar und bösartig genug, um den alten Geist nicht zu verraten. Die Gitarren schneiden scharf, aber sie verlieren sich selten in bloßer Raserei. Der Bass bleibt spürbar, Hellhammers Schlagzeug setzt nicht nur Tempo, sondern architektonischen Druck, und Sverds Keyboards hängen wie vergifteter Atem über den Songs. Sie kleistern die Musik nicht zu, sondern geben ihr jenen Spuk, der aus einem schnellen Black-Metal-Stück plötzlich ein Zimmer mit geschlossenen Vorhängen macht.

Marius Vold ist dabei der zentrale Giftkanal. Seine Stimme hat dieses seltene Talent, zugleich alt, krank, herrisch und hellwach zu klingen. Er gibt sich überdies nicht wie jemand, der Black Metal aufführt. Er klingt hier tatsächlich wie ein Zeitgenosse, den man aus Gründen besser im Keller gelassen hätte. Genau diese Präsenz gibt dem Album seine unangenehme Würde.

🔥 Highlights: Vier Schnitte ins Leichentuch

Mørketid

Der Titeltrack eröffnet das Album mit einer Energie, die sofort klarstellt, dass Mortem hier keinen altersmilden Traditionsdienst ableisten. Mørketid bricht schnell auf, peitscht nach vorn und trägt dennoch mehr Struktur in sich, als der erste Ansturm vermuten lässt. Die Gitarren sind scharf, das Schlagzeug treibt mit erbarmungsloser Sicherheit, und Vold spuckt seine Linien in den Song, als müsste er eine Gruftordnung wiederherstellen. Besonders stark ist der Wechsel zwischen Angriff und größerer Form. Mortem lassen den Song nicht einfach durchrasen, sondern setzen ihm dunkle Konturen. Da ist eine melodische Bissigkeit, eine alte norwegische Frostspur, aber auch ein fast theatralischer Sinn für Auftritt. Der Song wirkt wie ein Sargdeckel, der nicht knarrt, sondern explodiert.

Skyggeånd

Skyggeånd ist der atmosphärische Schwerkörper des Albums. Mit über sieben Minuten bekommt der Song genug Raum, um seine Schatten wirklich auszubreiten. Hier greifen die Keyboards besonders wirkungsvoll in die Musik ein. Sverd muss sich dabei gar nicht in den Vordergrund drängen. Sein Klang sitzt wie Schimmel in den Wänden: Man sieht ihn vielleicht erst spät, aber irgendwann versteht man, warum der ganze Raum krank wirkt. Der Track zeigt außerdem, wie gut Mortem das Verhältnis aus Tempo, Erhabenheit und Unheimlichkeit austarieren. Die Musik wirkt groß, ohne ins Pompöse zu kippen. Sie bleibt schwarzmetallisch hart, aber sie hat diesen spukhaften Überbau, der ihr Tiefe gibt. Skyggeånd ist genau der Moment, in dem Mørketid aus bloßer Schlagkraft in echten Nachhall wächst.

Mørkets Ormebol

Schon der Titel ist wunderbar: Mørkets Ormebol, das Wurmloch der Finsternis, wobei man bei Mortem natürlich eher an einen Nestklumpen unter morschem Holz denkt als an Science-Fiction. Der Song hat eine kriechende, giftige Qualität, selbst wenn er Tempo aufnimmt. Er wirkt wie etwas, das sich unter der Oberfläche bewegt und dabei die Erde anhebt. Hier macht sich die Produktion besonders bezahlt. Man hört die Einzelteile, ohne dass der Schrecken auseinanderfällt. Die Riffs haben Druck, die Rhythmusarbeit bleibt präzise, und die Atmosphäre besitzt genug Schmutz, um glaubwürdig zu bleiben. Mørkets Ormebol ist ein starkes Beispiel dafür, wie Mortem alte Schule und moderne Durchschlagskraft zusammenbekommen, ohne daraus eine sterile Lehrvorführung zu machen.

Ditt Ødes Ære

Das Finale ist kein bloßer Ausklang, sondern ein würdiger letzter Stich. Ditt Ødes Ære trägt schon im Titel diese Mischung aus Schicksal, Ehre und Untergang, die bei einer schwächeren Band leicht unfreiwillig komisch werden könnte. Mortem ziehen das jedoch mit genügend Ernst und Bosheit durch, sodass daraus kein Pathos-Kostüm wird, sondern ein finsterer Schlussgang. Der Song bündelt vieles, was Mørketid stark macht: melodische Strenge, kalte Majestät, rhythmischen Druck und jene ruppige Aura, die daran erinnert, dass diese Band ihre Wurzeln nicht aus Wikipedia kennt. Am Ende bleibt kein Gefühl von versöhnlicher Abrundung. Eher der Eindruck, dass die Visite am Totenbett erfolgreich war und der Patient nun draußen herumläuft.

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🎨 Artwork

Das Cover von Mørketid sieht aus wie eine medizinische Illustration aus einem Kloster, das man aus guten Gründen nie hätte betreten sollen. Ein ausgezehrter Körper liegt auf einem Bett oder einer Bahre, während knöcherne Gestalten um ihn herum hantieren. Eine Figur hält einen Schädel, eine andere scheint am Körper zu ziehen, die Linien sind rau, nervös und schwarz auf vergilbtem Grund. Oben schwebt das Bandlogo wie ein Siegel aus einer Untergrundakte, der Rahmen wirkt wie aus Dornen, Knochen oder schlecht verheilter Tinte gezogen.

Das Bild hat Humor, aber es lacht nicht freundlich. Es ist grotesk, altmodisch, widerlich charmant und gerade dadurch sehr passend. Mortem wählen kein hochglänzendes Dämonenpanorama, sondern eine krude Zeichnung, die eher nach Fanzine, Pesttraktat und Totenbett-Karikatur aussieht. Das ist klüger, als es auf den ersten Blick scheint. Die Musik auf Mørketid lebt ebenfalls aus diesem Spannungsfeld: historische Aura, böser Witz am Rand, sehr ernsthafte Ausführung.

Das versucht nicht, Black Metal größer zu machen, als er hier sein muss. Es zeigt keine Weltvernichtung und keinen kosmischen Abgrund. Nur ein Zimmer, ein Bett, Knochen, Verfall und eine Art grinsende medizinische Hilflosigkeit. Genau darin liegt seine Kraft: Der Horror wird nicht irgendwo im Universum gesucht, sondern direkt neben der Matratze.

🪦 Besondere Momente

Der alte Name trägt hier wirklich Gewicht

Bei Mortem ist die Historie kein hübsches Verkaufsband um eine mittelmäßige Platte. Mørketid klingt tatsächlich nach einer Band, die aus der Frühzeit kommt und noch genug Feuer besitzt, um daraus mehr zu machen als einen Erinnerungsabend. Das Album muss seine Herkunft nicht dauernd ausstellen, weil man sie in der Haltung hört.

Sverds Keyboards dienen der Finsternis

Viele Black-Metal-Alben ruinieren sich die Atmosphäre selbst, sobald die Tasten zu sehr glänzen. Hier passiert das Gegenteil. Sverds Beiträge wirken wie Schattenwerk, nicht wie Verzierung. Sie geben den Songs Tiefe, Kälte und eine leicht kranke Noblesse, ohne die Riffs zu entkräften.

Die Produktion versteht den Auftrag

Mørketid klingt klar genug, um die Details wirken zu lassen, und rau genug, um dem Album seine Zähne zu erhalten. Gewiss keine leichte Balance, gerade bei einer Band mit so viel Szenehistorie im Rücken. Im Toproom Studio wurde kein Retro-Nebel simuliert, sondern ein Sound gefunden, der Angriff, Atmosphäre und Instrumente zusammenhält.

Der Tod hat Timing

Hellhammer spielt hier nicht einfach schnell, weil er schnell spielen kann. Seine Arbeit gibt den Songs Form. Gerade in den Wechseln zwischen Attacke, Midtempo und größerer Dramaturgie merkt man, wie stark dieses Schlagzeug die Platte ordnet, ohne ihr die Bosheit auszutreiben.

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📜 Hintergrund

Mortem wurden 1989 von Marius Vold und Steinar „Sverd“ Johnsen gegründet und gehören damit zur frühen norwegischen Extrem-Metal-Geschichte. Die Band ging später gewissermaßen in andere Linien über: Sverd wurde mit Arcturus prägend, weitere Verbindungen führen zu Mayhem, Thorns und 1349. Das Slow Death-Demo von 1989 gehört zu den gesuchten frühen Dokumenten dieser Szene; daran beteiligt waren auch Namen, die längst Teil der Black-Metal-Mythologie sind.

Nach langer Ruhe erschien 2019 mit Ravnsvart das erste eigentliche Studioalbum. Mørketid ist nun der zweite vollständige Schritt dieser reaktivierten Band und wirkt geschlossener, selbstsicherer und schärfer geführt. Der Unterschied ist wichtig: Wo ein Comeback leicht nur als historische Meldung funktioniert, klingt Mørketid wie eine Platte mit eigenem Gegenwartsdruck.

Zur aktuellen Besetzung gehören Marius Vold am Gesang, Steinar Johnsen an den Keyboards, Hellhammer am Schlagzeug und Tor Stavenes am Bass. Die Gitarren stammen von Astennu. Aufgenommen wurde im Toproom Studio in Norwegen, was dem Album einen kraftvollen, klaren und dennoch finsteren Klang gibt.

🧛 Fazit: Wenn die alte Gruft wieder Dienst hat

Mørketid ist ein bemerkenswert starkes Black-Metal-Album, weil es seine eigene Geschichte nicht wie eine Krücke benutzt. Natürlich hängt der alte norwegische Kontext über dieser Band. Fraglos hört man auch die Verbindungen zu Arcturus, Mayhem, Thorns und jener Frühphase, in der vieles noch gefährlicher, kleiner und seltsamer wirkte. Aber Mortem verlassen sich nicht darauf, dass Kenner bei den Namen automatisch in Andacht verfallen.

Die Platte arbeitet. Sie beißt. Sie baut. Vor allem aber bleibt sie über acht Songs erstaunlich fokussiert. Mørketid öffnet mit scharfer Attacke, Skyggeånd zieht die Atmosphäre tiefer in den Raum, Mørkets Ormebol kriecht mit böser Präzision durch die Mitte, und Ditt Ødes Ære schließt das Album mit der richtigen Mischung aus Kälte, Würde und Verwesungsgeschmack. Dazwischen halten Stücke wie The Mighty Odious, Blodvassen Grunn, Aftermath und Den Sanne Gud den Körper zusammen, ohne dass die Platte in Einzelteile zerfällt.

Der große Gewinn liegt in der Verbindung aus Veteranenhandwerk und echtem Biss. Mortem klingen auf Mørketid nicht wie eine Band, die ihre alte Jacke noch einmal anprobiert. Sie klingen wie ein alter Kadaver, der unter der Erde nicht verwest ist, sondern stärker wurde. Ein bisschen absurd ist das natürlich. Aber Black Metal ohne einen gewissen Sinn für feierlichen Irrsinn wäre auch nur Extrem-Metal mit schlechter Laune.

Mørketid ist also kein bloßes Alterswerk und kein nostalgisches Beweisstück. Ihr bekommt hier ein wuchtiges, kaltes, böse funkelndes Album einer Band, die aus der Gruft kriecht und sehr genau weiß, wo der schwarze Hammer hängt. Auch wenn der in diesem Fall wohl eher ein Skalpell ist.

Albumcover von Mortem – Mørketid: Schwarz gezeichnete, groteske Totenbett-Szene auf vergilbtem Papier. Ein ausgezehrter Körper liegt auf einer Bahre, während knöcherne Gestalten um ihn herum stehen und einen Schädel halten. Oben rechts befindet sich das Mortem-Logo, das Bild ist von einem dunklen, dornartigen Rahmen eingefasst.
Künstler:Mortem
Albumtitel:Mørketid
Erscheinungsdatum:3. Juli 2026
Genre:Black Metal / Norwegian Black Metal / Atmospheric Black Metal
Label:Peaceville Records
Spielzeit:ca. 44 Minuten

🎬 Offizielles Video

Offizielles Video zu „Mørketid“ – der Titeltrack von Mortems zweitem Album Mørketid, erschienen über Peaceville Records. Bereitgestellt vom offiziellen PeacevilleRecords-Kanal auf YouTube:

🎼 Trackliste:

Mørketid – 06:04
The Mighty Odious – 04:43
Skyggeånd – 07:34
Blodvassen Grunn – 05:44
Aftermath – 04:09
Den Sanne Gud – 05:22
Mørkets Ormebol – 05:52
Ditt Ødes Ære – 05:10

👥 Besetzung:

Marius Vold – Gesang
Steinar Johnsen – Keyboards
Hellhammer – Schlagzeug
Tor Stavenes – Bass
Astennu – Gitarre

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