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Monstrosity – Screams from Beneath the Surface
🧿 Kurzfazit
Screams from Beneath the Surface ist kein nostalgischer Florida-Ausflug, sondern ein brutal scharfes Spätwerk, das klassische Death-Metal-Grausamkeit mit moderner Wucht versieht. Keine Revolution, aber ein sehr überzeugender Beweis dafür, dass MONSTROSITY immer noch deutlich mehr zerlegen als verwalten.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die klassischen Florida-Death-Metal lieben, aber keine Lust auf museale Konservierung haben. Wer Morbid Angel, Malevolent Creation, Deicide oder die technischere Seite des US-Death-Metal im Blut hat, wird hier sehr schnell sehr glücklich.
🎧 Wie klingt das?
Dicht, brutal und überraschend klar: rasende Drums, schneidende Gitarren, tiefe Growls und ein Mix, der alles mit der Effizienz einer industriellen Schlachtanlage sortiert. Modern genug für Durchschlagskraft, alt genug im Herzen, um weiterhin nach Keller, Kadaver und Kugelhagel zu riechen.
💿 Highlights
The Colossal Rage, Spiral, The Thorns
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Death Metal nur dann spannend findest, wenn er zwanghaft progressiv, avantgardistisch oder verkopft „anders“ sein will. MONSTROSITY wollen hier vor allem eins: dich ohne Gnade überrollen.
🩸 Monstrosity – Screams from Beneath the Surface: Floridas Sümpfe beißen wieder
Es gibt Bands, denen man ihre geographische Herkunft anhört. Und dann gibt es Monstrosity, die klingen dazu noch gleich nach sämtlichen Gewaltverbrechen, die je in ihrer heimatlichen Region verübt wurden. Florida-Death-Metal ist schließlich kein Genre, sondern eine Art psychischer Störung mit Gitarrenhals. Seit 1990 sägt diese Institution aus Fort Lauderdale an Schädeldecken herum, und auch wenn der große Popmythos der Szene meist um Death, Morbid Angel, Obituary, Deicide und Cannibal Corpse kreist, standen Monstrosity immer dort, wo es für Kenner interessant wird: nicht als Maskottchen, sondern als verlässliche Abdecker-Firma für technisch präzisen, brutal fokussierten US-Death-Metal. Screams from Beneath the Surface ist nun Album Nummer acht und erscheint am 13. März 2026 über Metal Blade Records. Das sind immerhin satte acht Jahre Pause seit dem hervorragenden The Passage of Existence.
Die gute Nachricht: Wir müssen hier kein forensisch-archäologisches Projekt betreiben, um irgendwo zwischen Veteranenbonus und Altersmilde noch ein paar brauchbare Riffs freizukratzen. Dieses Album klingt nicht wie ein würdevoller Rückblick, sondern wie eine Band, die beschlossen hat, dass 2026 ruhig noch ein paar Leute mit Blastbeats niedergemetztelt werden dürfen. Die schlechte Nachricht für Freunde subtiler Entwicklungen: Monstrosity interessieren sich weiterhin nur sehr begrenzt für deine Gefühlslage. Wer hier ein verspätetes Alterswerk mit versöhnlichem Charakterbogen erwartet, bekommt stattdessen zehn Songs, die klingen, als hätte jemand sein neues Knochensilo mit neuester Präzisionstechnik ausgestattet.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Death Metal, technischer Florida-Death-Metal, klassischer US-Death-Metal mit moderner Produktionsschärfe
Vergleichbar mit: Morbid Angel ohne den kosmischen Größenwahn, Deicide ohne den Dauerclown im Sakristeifenster, Malevolent Creation mit besserem Werkzeugkasten
Klangfarbe: Das Album läuft gut 42 Minuten, umfasst zehn Tracks und macht vom ersten Moment an klar, dass hier nicht „Oldschool“ mit „muffig“ verwechselt wird. Die Drums drücken präzise und brutal, die Gitarren sind messerscharf, aber nicht steril, und Ed Webbs Growls klingen, als würde ein Kettenpanzer ungebremst durch einen offenen Sarg brettern. Wichtig ist dabei die Produktion: Drums und Bass wurden bei Audiohammer Studios aufgenommen, Vocals und Gitarren bei Morrisound Studios, gemischt wurde wieder bei Audiohammer, gemastert bei Morrisound. Genau diese Kombination erklärt, warum das Album so druckvoll knallt und trotzdem dieses unverkennbare Florida-Erbgut mit sich herumschleppt. Experiment gelungen, kann man sagen.
✨ Highlights
The Colossal Rage
Der Vorabsong ist nicht ohne Grund der erste offizielle Rammbock, den die Band ins Publikum gestoßen hat. The Colossal Rage ist kompakt, brutal und völlig frei von dekorativem Leerlauf. Lee Harrisons Drums schießen wie eine automatische Waffe, die Gitarren fräsen sich durch den Song, und Webb growlt, als wolle er gleichzeitig die Luft und den Verstand aus dem Raum prügeln. Der Track zeigt exemplarisch, was Monstrosity so extrem gut drauf haben: technische Präzision, ohne in mathematischen Selbstgenuss zu kippen. Das ist keine Fingerübung, das ist brillante Exekution.
Spiral
Hier wird es besonders schön hässlich. Spiral verbindet Blastbeat-Schärfe mit melodischer Durchschlagskraft, ohne auch nur eine Sekunde in das peinliche Missverständnis zu kippen, Melodie müsse Death Metal weich machen. Im Gegenteil: Gerade weil die Gitarrenlinien immer wieder diese giftige Klarheit entwickeln, schlägt der Song noch tiefer ein. Das ist Florida-Death-Metal, wie wir ihn lieben: nicht stumpf, nicht geschniegelt, sondern präzise genug, um den Schaden absichtlich zu maximieren.
The Thorns
Der vielleicht kompletteste Song des Albums. Hier sitzt die Balance aus Brutalität, Struktur und memorabler Riffarbeit besonders gut. Während einige Tracks eher wie gezielte Schläge wirken, hat The Thorns diese zusätzliche Qualität, sich im Kopf festzusetzen, obwohl die Platte einem eigentlich ständig den Schädel neu verdrahten will. Genau solche Nummern machen aus einem sehr guten Death-Metal-Album ein Werk, zu dem wir zurückkehren und nicht bloß ehrfürchtig nicken.
🎨 Artwork
Beim Cover von Screams from Beneath the Surface macht niemand Anstalten, modern, elegant oder sonst wie „clever reduziert“ wirken zu wollen. Im Zentrum schreit dir eine dämonische Fratze entgegen, halb Bestie, halb Totem, umrundet von Hörnern, Knochen, Schädeln, verwachsenen Leibern und verästeltem Organik-Gewucher. Das Ding sieht aus, als hätte jemand einen Höllengott mit einem anatomischen Albtraum und einem Wurzelwerk aus Leichenteilen verschraubt.
Besonders stark ist die Symmetrie des Grauens: Alles läuft auf dieses aufgerissene Maul zu, dieses schwarze Loch aus Wut und Verfall, über dem das orangene Monstrosity-Logo wie ein Brandzeichen sitzt. Farblich bleibt das Cover im modrigen Bereich aus Grau, Braun, Knochenweiß und dumpfem Violett, also genau da, wo Death Metal am besten wohnt: zwischen Grab, Rauch und Fleischekel. Metal Blade hebt außerdem ausdrücklich hervor, dass das Artwork von Timbul Cahyono eine komplett organische Arbeit ist, also ohne KI- oder computergenerierte Elemente. Das passt perfekt, weil auch das Bild wirkt, als sei es eher aus Kadavern zusammengezogen als aus neunmalkluger Software digital zusammengestümpert.
🪦 Besondere Momente
Florida im Studio-Genlabor
Das wirklich Spannende an der Platte ist nicht nur, dass sie brutal klingt, sondern wie sie das organisiert. Audiohammer und Morrisound sind keine zufälligen Raumnamen, sondern zwei der wichtigsten Koordinaten moderner und klassischer Florida-Härte. Dass Monstrosity Drums und Bass bei Audiohammer, Gitarren und Vocals bei Morrisound, den Mix wieder bei Audiohammer und das Mastering bei Morrisound machen, ist im Grunde die Death-Metal-Version von „wir kennen da jemanden“. Das Ergebnis ist entsprechend kein Retro-Nebel, sondern chirurgische Gewalt mit Schlammerde unter den Fingernägeln.
Mark Van Erp wieder auf dem Schlachtfeld
Am Bass steht mit Mark Van Erp nicht irgendein Dienstleister, sondern ein Rückkehrer aus der frühen Bandgeschichte. Zusammen mit Lee Harrison, Matt Barnes und Ed Webb ergibt das ein Line-up, das nicht nach Flickwerk klingt, sondern nach eingespielter Abrissmaschine. Gerade bei einer Band wie Monstrosity, die nie vom Image lebte, sondern vom Handwerk, ist das mehr als Fanservice. Man hört dieser Platte an, dass hier Leute spielen, die exakt wissen, wie viel Technik nötig ist und wie wenig Zierrat.
📜 Hintergrund
Monstrosity wurden 1990 in Fort Lauderdale, Florida gegründet und gehören seitdem zu jener zweiten Reihe von US-Death-Metal-Legenden, die unter Kennern fast heiliger ist als die großen Posterbands. Mit Alben wie Imperial Doom, Millennium und Spiritual Apocalypse haben sie sich eine Diskografie gebaut, die nie die allergrößte Mainstream-Strahlkraft hatte, aber dafür konstant in genau jener Zone operierte, in der Death Metal gefährlich und ernst bleibt. Screams from Beneath the Surface ist das achte Studioalbum der Band und folgt auf The Passage of Existence aus 2018.
Das aktuelle Line-up besteht aus Lee Harrison am Schlagzeug, Matt Barnes an der Gitarre, Mark Van Erp am Bass und Ed Webb am Gesang. Gerade Harrison bleibt dabei die Schlüsselfigur: Gründer, permanenter Motor, und hörbar immer noch der Mann, der bei Monstrosity bestimmt, wie hart eine Wand auf deinen Schädel zufliegt. Dass die Band acht Jahre nach dem sehr guten Vorgänger nicht als Veteranen in Würde zurückkommt, sondern mit einer so fokussierten Platte, ist vielleicht der größte Pluspunkt dieses Albums. Hier klingt nichts nach Pflichtübung, sonderm alles nach altem, lange brodelndem Hass, der sich frisches Benzin besorgt hat.
🪓 Fazit
Screams from Beneath the Surface ist genau die Art Album, bei der wir nach dem ersten Durchlauf kurz dümmlich hingerissen grinsen und dann sofort noch mal starten. Nicht, weil hier irgendein revolutionärer Neuansatz den Death Metal gefunden worden wäre. Sondern weil Monstrosity verstanden haben, dass diese Musik vor allem dann groß ist, wenn sie brutal, präzise und unerbittlich ist, ohne sich selbst mit zu viel Selbstbewusstsein zuzukleistern.
Natürlich macht die Platte nicht alles neu. Sie will es auch gar nicht. Was sie will, ist wesentlich sinnvoller: zeigen, dass klassischer Florida-Death-Metal auch 2026 noch wie eine akute Gefahr klingen kann. Und das gelingt. Nicht mit Nostalgie, sondern mit Druck. Nicht mit Pose, sondern mit echter Wucht. Wer mit dieser Art Musik etwas anfangen kann, bekommt hier kein Pflichtprogramm, sondern eine dieser Platten, die sofort ins Regal der laufenden Jahresfavoriten rutschen. Ein richtig großartiges Album!

| Künstler: | Monstrosity |
| Albumtitel: | Screams from Beneath the Surface |
| Erscheinungsdatum: | 13. März 2026 |
| Genre: | Death Metal |
| Label: | Metal Blade Records |
| Spielzeit: | ca. 42 Minuten |
Trackliste:
Banished to the Skies
The Colossal Rage
The Atrophied
Spiral
Fortunes Engraved in Blood
Valors
The Thorns
Blood Works
The Dark Aura
Veil of Disillusion
🎬 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „The Atrophied“ – ein brutaler Ausbruch aus Blastbeats, Kadaverwucht und Florida-Death-Metal-Präzision. Bereitgestellt vom offiziellen Metal Blade Records-Channel auf YouTube:
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