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Das Pressebild hat sein Urteil schon gefällt
📰 Was ist los?
Netflix zeigt erstmals Ella Beatty als Lizzie Borden. Die vierte Staffel der Monster-Anthologie startet am 17. September und behandelt die Axtmorde an Andrew und Abby Borden sowie den anschließenden Prozess.
🐛 Was denken wir?
Das blutige Bild sitzt und Beatty besitzt den richtigen verstörenden Blick. Entscheidend wird sein, ob die Serie Lizzie Bordens Freispruch und die ungeklärte Schuld ernst nimmt. Der Fall ist auch ohne nachträgliches Schuldbekenntnis düster genug.
🪓 Blut im Gesicht, Axt in der Hand: Monster: The Lizzie Borden Story zeigt seine Lizzie
Lizzie Borden wurde vor Gericht freigesprochen. Netflix gönnt ihr nicht einmal bis zum ersten Trailer dieselbe Zurückhaltung. Der erste Blick auf Monster: The Lizzie Borden Story zeigt Ella Beatty mit Blut im Gesicht und jenem starren Blick, der in einer historischen Kriminalserie gewöhnlich wenig Raum für ein Missverständnis lässt. Auf weiteren Veröffentlichungen ist sie mit einer Axt zu sehen. Die vierte Staffel der Anthologieserie von Ryan Murphy und Ian Brennan startet am 17. September 2026.

Die Bildsprache ist deutlich: Netflix präsentiert seine Lizzie bereits als blutige Ikone. Die historische Wahrheit fällt wesentlich weniger bequem aus. Borden wurde der Morde an ihrem Vater und ihrer Stiefmutter angeklagt, von der Jury jedoch freigesprochen. Wer am 4. August 1892 tatsächlich zur Axt griff, wurde nie geklärt.
🩸 Das erste Bild kennt offenbar schon das Urteil
Andrew Borden und seine zweite Frau Abby wurden in ihrem Haus in Fall River, Massachusetts, mit einer Axt oder einem Beil getötet. Lizzie geriet rasch in den Mittelpunkt der Ermittlungen, wurde im Dezember 1892 angeklagt und im folgenden Juni vor Gericht gestellt. Die Geschworenen sprachen sie frei. Niemand anderes wurde für die beiden Morde angeklagt, und der Fall blieb ungelöst. Das hinderte Zeitungen, Bücher, Filme und einen erstaunlich langlebigen Kinderreim nicht daran, Lizzie Borden dauerhaft zur Täterin zu erklären.
Genau in diese Wirkungsgeschichte steigt Monster: The Lizzie Borden Story ein. Der offizielle Text von Netflix bezeichnet den Fall als beinahe mythisch und kündigt an, aus Lizzie die erste weibliche Hauptfigur innerhalb der Monster-Anthologie zu machen.
Das erste Bild bestätigt diese Richtung mit Nachdruck. Beattys Gesicht ist mit Blut bedeckt, ihr Blick richtet sich unmittelbar auf den Betrachter. Die Aufnahme fragt offiziell, wessen Blut wir sehen. Ihre eigentliche Botschaft hat die Werbeabteilung allerdings bereits ziemlich großzügig vorformuliert.
🕯️ Weibliche Wut im Haus der Bordens
Die Staffel will den Fall nicht ausschließlich als Rekonstruktion eines ungeklärten Doppelmords erzählen. Im Zentrum stehen eine unterdrückte Tochter und Bridget Sullivan, das rebellische Hausmädchen der Familie. Beide leben laut der offiziellen Beschreibung in einem Haushalt, der von Demütigung und Grausamkeit geprägt ist.
Aus ihrer Gefangenschaft entsteht eine Fantasie von Sexualität, Macht und Rache. Die anschließenden Morde erschüttern die Öffentlichkeit und verwandeln Lizzie in eine Figur, die sich ihr eigenes grausames Nachleben erschafft. Ella Beatty sieht darin eine Geschichte über weibliche Wut und Unterdrückung, deren Themen bis heute wirken. Für die Serie ist das ein reizvoller Zugang. Lizzie Borden wurde über mehr als ein Jahrhundert gleichzeitig als Monster, Opfer, Rebellin, Mörderin und amerikanische Volkslegende benutzt.
Gerade deshalb wird entscheidend sein, ob die Staffel diese Widersprüche wirklich untersucht. Ryan Murphys Serien besitzen ein ausgeprägtes Talent für Blut, Begehren, Demütigung und große Gesten. Der Fall Borden braucht davon wenig Nachschub. Er trägt bereits genügend Projektionen mit sich herum, um mehrere Häuser zu beheizen.
🎭 Charlie Hunnam wechselt vom Serienmörder zum Mordopfer
Ella Beatty übernimmt die Hauptrolle. Sie war zuvor bereits in Murphys Feud: Capote vs. The Swans zu sehen und spielte außerdem in If I Had Legs I’d Kick You. Charlie Hunnam verkörpert Lizzie Bordens Vater Andrew. Nach seinem Auftritt als Ed Gein in der dritten Monster-Staffel wechselt er damit von der Seite des Täters zu einem der beiden Opfer. Rebecca Hall spielt Abby Borden, Billie Lourd Lizzie Bordens ältere Schwester Emma. Vicky Krieps übernimmt die Rolle des im Haus lebenden Dienstmädchens Bridget Sullivan. Jessica Barden ist als Nance O’Neil zu sehen, eine Schauspielerin, mit der Lizzie nach ihrem Prozess befreundet war.
Die Besetzung gibt der Staffel genügend Gewicht für ein historisches Kammerspiel. Der Borden-Fall braucht schließlich keine ausgedehnte Jagd nach einem unbekannten Täter. Sein Schrecken liegt in einem Haus, einer Familie und der Frage, wie schnell die Öffentlichkeit aus einem Verdacht eine unverrückbare Geschichte baut.
⚖️ Der Mythos ist blutig genug
Monster hat sich bislang mit Jeffrey Dahmer, den Menendez-Brüdern und Ed Gein beschäftigt. Lizzie Borden unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von diesen Vorgängern: Ihre Schuld wurde nie bewiesen. Das sollte mehr sein als eine kleine juristische Fußnote unter einer möglichst blutigen Inszenierung. Der Freispruch, die widersprüchlichen Zeugenaussagen und die öffentliche Vorverurteilung gehören zum Kern des Falls. Ohne diese Unsicherheit bleibt nur ein weiteres düster ausgeleuchtetes Haus mit einer Axt im Flur.
Der erste Blick ist wirkungsvoll. Ella Beatty sieht zugleich schockiert, entschlossen und beinahe entrückt aus. Als Horrorbild funktioniert das sofort. Als historisches Urteil wäre es deutlich zu früh. Lizzie Borden musste sich schließlich schon 1893 vor einer Jury verantworten. Netflix sollte nicht versuchen, den Prozess mit einem einzigen Pressefoto abzukürzen.






