Molly O’Neill – Nightshade and Oak (Rezension)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Molly O’Neill – Nightshade and Oak

📚 Kurzfazit
Historische Fantasy über den Trümmerhaufen nach der Boudicca-Revolte: eine entmachtete Todesgöttin, eine traumatisierte Kriegerin, viel keltische Folklore und eine tragisch angehauchte Sapphic-Romanze. Stilistisch stark, atmosphärisch dicht, emotional eher Splitter im Herzen als Kuschel-Feeling.

😒 Was nervt?
Die Struktur mit Vorher-Kapiteln und Rückblenden bleibt nicht immer klar, gerade Belis-Vergangenheitskapitel bremsen das Tempo stellenweise aus. Wer auf eine knallige Happy-End-Romance hofft, landet hier eher im Bereich „richtige, aber schmerzhafte Entscheidung“.

✨ Was funktioniert?
Die Kernidee sitzt: Todesgöttin muss menschliche Schwäche ertragen, von Blasen an den Füßen bis zur Angst vor echtem Verlust. Die Quest durch britische Folklore mit Annwn, Schattenbiss-Monstern, Hexen und Feen wirkt frisch und gründlich recherchiert. Dazu Dialoge, in denen sich Arroganz, Humor und Sehnsucht elegant die Klinke in die Hand geben.

🧠 Figuren und Welt
Mallt ist eine herrlich überhebliche, dann zunehmend verletzliche Ex-Göttin; Belis eine harte, schuldgeplagte Kriegerin, die sich selbst für den Untergang ihrer Familie verantwortlich macht. Das römisch besetzte Britannien wirkt nicht wie Deko, sondern wie ein echter Kriegsschauplatz, in den Mythen und Geister wie selbstverständlich hineingehören.

🐦 Crowbah meint
Wenn „Greenteeth“ der gemütliche Sumpfabend am Kamin war, ist Nightshade and Oak der Marsch im Regen, bei dem du trotzdem nicht umdrehen willst. Schön, traurig, eigenwillig und deutlich erwachsener, als das bunte Cover zunächst vermuten lässt.

🌿 Molly O’Neill – Nightshade and Oak: Wenn die Todesgöttin an den Wanderschuhen scheitert

Historien-Fantasy mit römischen Legionen und keltischem Nebel sind jetzt nicht unbedingt eine Seltenheit. Nightshade and Oak will allerdings mehr: eine Todesgöttin im Menschenkörper, eine Krieger-Tochter Boudiccas, Unterwelt-Quest, Slow-Burn-Liebesgeschichte und das Ganze vor dem rauen Hintergrund der Boudicca-Revolte. Mallt y Nos, Göttin des Todes, stolpert plötzlich als sterbliche Frau durch ein besetztes Britannien, während Belis, Boudiccas überlebende Tochter, verzweifelt versucht, eine Schwester aus der Unterwelt zurückzuholen. Das klingt nun weniger nach Cozy-Fantasy und entpuppt sich auch schnell als bittersüßes Märchen über Krieg, Schuld und die Frage, was ein Leben überhaupt wert ist.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Mallt y Nos, Göttin des Todes, streift mit ihrem Geisterhunde-Rudel durch ein vom Krieg zerrissenes Britannien und sammelt Seelen von den Schlachtfeldern ein, während römische Legionen die keltischen Stämme niederwalzen. Bei einem letzten verzweifelten Ritual der Iceni trifft sie auf Belis, Boudiccas ältere Tochter, die mit einer Heilzauber-Improvisation ihre sterbende Schwester retten will und Mallt stattdessen versehentlich in einen menschlichen Körper sperrt.

Plötzlich hat die Todesgöttin keine göttliche Geschwindigkeit mehr, bekommt Hunger, friert und kann keinen Hügel hoch, ohne zu fluchen. Belis wiederum schleppt Schuldgefühle, Trauer und politischen Schutt hinter sich her: Ihre Rebellion ist gescheitert, ihre Familie zerschlagen, der Feind steht auf dem Land ihrer Vorfahren. Um das angerichtete Chaos zu reparieren, bleibt den beiden nur ein Plan: In die Unterwelt Annwn hinabsteigen, Belis’ Schwester zurückholen und Mallts Kräfte neu verhandeln, während römische Soldaten und andere, unheimlichere Mächte ihnen dicht im Nacken sitzen.

Auf dem Weg treffen sie Hexen, Feenwesen und Schattenbiss-Monster, die das Totenreich selbst korrumpieren. Die Reise wird zum Crashkurs in Menschlichkeit: Mallt muss lernen, wie man Feuer macht, um Hilfe bittet und mit eigener Angst klarkommt; Belis muss akzeptieren, dass nicht jede Schlacht durch Härte zu gewinnen ist. Zwischen Streit, Spott und geteilten Narben entsteht eine zarte Anziehung, deren Zukunft spätestens dann fraglich ist, als klar wird, welchen Preis das Gleichgewicht von Leben und Tod fordert.

🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil

O’Neill schreibt schnörkellose, klare historische Fantasy mit Sinn für pointierte Bilder: Wenn Mallt darüber klagt, dass ihr neuer Körper „wie ein schlecht gepflegtes Schlachtfeld“ weh tut, sitzt das. Die Erzählstimme pendelt zwischen rauer Kriegsnüchternheit und märchenhaften Motiven, ohne je ins Kitschige zu kippen. Dialoge tragen viel der Emotionalität, oft in Giftpfeilen und knappen Seitenhieben, statt in großen Liebesbekenntnissen. Die Anleihen bei walisischer und britischer Mythologie wirken organisch eingebaut, nicht wie Fußnoten-Unterricht.

🧍‍♂️ Figuren

Mallt ist als Figur ein Volltreffer: eitel, stolz, teilweise herzlos und gerade deshalb spannend, wenn sie an der eigenen Menschlichkeit scheitert. Belis ist das Bodenpersonal: Kriegerin, Überlebende, innerlich zerrissen zwischen Rache, Pflicht und der Aussicht, überhaupt noch etwas Gutes zu bewirken. Die Sapphic-Romanze zwischen beiden ist deutlich Slow-Burn: keine sofortige Herzchen-Orgie, sondern Annäherung über geteilte Schuld, gegenseitigen Respekt und ein paar sehr mühsam erkämpfte Gesten von Fürsorge. Nebenfiguren wie Hexen, Unterwelt-Herrscher und Geisterhunde bleiben skizziert, erfüllen aber effektiv ihren Teil im Quest-Rahmen.

🕒 Tempo und Aufbau

Der Roman ist schlanker als viele Epen, wirkt aber nie gehetzt: Schlachtfeld-Prolog, Verkettung des Zaubermissgeschicks, dann klassische Reise in Etappen: Dorfrand, Wildnis, Übergang in die Unterwelt, Annwn selbst. Einzelne Rückblenden zu Belis’ Vorgeschichte legen Sinnschichten nach, kosten aber manchmal Schwung, vor allem, wenn man lieber bei der aktuellen Gefahr bleiben würde. Richtung Ende zieht das Tempo an, während moralische Entscheidungen schwerer und dunkler werden. Der Pfad ist klar, nur die emotionale Fallhöhe variiert.

✨ Atmosphäre und Welt

Das Setting punktet: römisch besetztes Britannien kurz nach der Boudicca-Niederlage, verwitterte Heiligstätten, verbrannte Dörfer und ein Totenreich, das nicht als abstrakte Kulisse, sondern als eigenständige, angezählte Welt erscheint. Die Mischung aus realer Geschichte und britischer Folklore – von Annwn bis zu walisischen Todesmotiven – sorgt für einen eigenständigen Ton, der weder generische High-Fantasy noch klassisches Historien-Drama ist. Immer wieder setzt O’Neill kleine, leise Momente: eine einfache Mahlzeit, ein Blick auf ruinierte Landschaft, die Nähe eines Hundes, der früher nur Seelen erschnüffelt hat. Das macht Nightshade and Oak wärmer, als die auf dem Papier recht düstere Prämisse vermuten lässt.


📜 Fazit:

Nightshade and Oak ist kein Schlachten-Spektakel und kein Feelgood-Romanzenfeuerwerk, sondern eine konzentrierte, klug komponierte Todesgöttin-Quest über Verlust, Verantwortung und die Zumutung, weiterzuleben, wenn fast alles verloren ist. Die Verbindung aus römisch-britischer Geschichte und keltischer Mythologie wirkt stimmig und gibt dem Buch ein Profil, das aktuell im Fantasy-Regal nicht zu entdecken ist. Die Romanze zwischen Mallt und Belis ist eher spröde als zuckrig, passt aber zu den beiden beschädigten Figuren und gewinnt gerade deshalb an Glaubwürdigkeit.

Wer O’Neills „Greenteeth“ mochte, bekommt hier eine erwachsenere Variante: weniger cozy, mehr Narben, aber mit demselben Respekt vor Folklore und der gleichen Lust an schrägen, liebenswert unperfekten Wesen. Kleine Tempo-Hänger in den Rückblenden und ein bewusst bittersüßes Ende verhindern hier die volle Punktzahl, ändern aber nichts daran, dass Nightshade and Oak einer der interessantesten historischen Fantasy-Romane des noch jungen Jahres ist.

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★
„Eine Todesgöttin in Menschenschuhen, deren Geschichte mehr unter die Haut geht als viele doppelt so dicke Fantasy-Wälzer.“

Buchcover von »Nightshade & Oak«: Illustration mit zwei Frauenfiguren, oben eine elfenhaft blasse Frau mit langen violettbraunen Haaren und verschränkten Armen, unten eine rothaarige Frau, die kopfüber ruht; beide sind von Eichenblättern, Eicheln und rankenden Ästen umgeben. Der Titel »Nightshade & Oak« steht in großer, heller Serifenschrift über beiden, darunter der Name der Autorin Molly O’Neill.

Autorin: Molly O’Neill
Titel: Nightshade and Oak
Verlag: Orbit
Übersetzung: Englische Originalausgabe
Seitenanzahl: 304 Seiten, Taschenbuch
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN:  978-0356522630

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