Miserere Luminis – Sidera (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Miserere Luminis – Sidera

🧿 Kurzfazit
Sidera ist atmosphärischer Black Metal als fließende Komposition: Streicher und Gitarren schieben einander durch Wellen aus Wut, Trauer und gläserner Erhabenheit, nicht riffgetrieben, sondern bildgetrieben.

🎯 Für wen?
Für Leute, die Black Metal nicht nur „kalt“ wollen, sondern kinematografisch, emotional und kompositorisch frei. Mit echter Streicher-Seele, ohne Post-Rock-Kitsch.

🎧 Wie klingt das?
Drums mit klarem Punch, Gitarren in Schichten (clean und verzerrt), Streicher als zweite Erzählebene, Vocals zwischen Aufschrei und liturgischem Nachdruck. Viel Bewegung, wenig „Strophe–Refrain“.

💿 Highlights
Les fleurs de l’exil, De cris & de cendres, À la douleur de l’aube

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Riff-Ketten zum Mitnicken brauchst oder „Atmospheric Black Metal“ nur als Tremolo-Teppich mit Blastbeat-Dauerfeuer verstehst.


‪‪🌌 Miserere Luminis – Sidera: Wenn Sternenlicht auf Rasierklingen schimmert

Miserere Luminis haben für ihr Sidera Album keine Songs geschrieben, sondern eher Zustände beschrieben. Das Album wirkt wie ein Gemälde, das einfach nicht richtig trocknen will: Farben verlaufen, Schichten überlagern sich, Details tauchen auf und verschwinden wieder, während der Kern trotzdem schwer bleibt. Wer hier „die eine Killer-Riff-Parade“ sucht, schaut an der Sache vorbei. Sidera lebt davon, dass alles fließt und dass genau dieses Fließen irgendwann zur Gewalt wird.

Das ist der zweite Teil dessen, was mit Ordalie begonnen wurde: nicht als Copy-Paste, sondern als konsequente Weiterführung derselben Spannung zwischen Körper und Bewusstsein, Instinkt und Sinnsuche. Es lohnt sich, hier mal ein wenig zuzuhören.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Atmospheric Black Metal, cinematic Black Metal, Post-Black-Texturen
Vergleichbar mit: einer Québec-Schule der Verzweiflung, aber mit Streicher-Gravitation; weniger „Wand“, mehr „Strömung“
Klangfarbe: Schichtarbeit aus cleanen und verzerrten Gitarren, darüber echte Streicher-Flächen und einzelne String-Linien, die nicht dekorieren, sondern führen. Die Drums klingen klar und präsent, mit definierter Snare und hörbarem Raum, ohne Trigger-Glanz. Bass eher stützend als dominant. Vocals wechseln zwischen kehliger Raserei und getragenem Klage-Ton, oft so gesetzt, dass längere Instrumentalpassagen wirken dürfen. Die Songs bauen Spannungsbögen über Dynamik und Texturwechsel statt über klassische Riff-Ketten.

Highlights

Les fleurs de l’exil
Der Einstieg wirkt erst vorsichtig – Streicher, Luft, ein kurzes Innehalten – und kippt dann in das härteste Aufschlagen der Platte. Genau hier wird klar: Sidera ist nicht „entspannt atmosphärisch“, sondern emotional auf Kante, nur mit anderen Mitteln. Laufzeit: 8:49.

De cris & de cendres
Der Song ist das ideale Portal, weil er alles bündelt: feine Gitarrenarbeit, diese bitter-impulsive Wucht, Drums, die nicht nur treiben, sondern formen. Kein „Hit“, eher ein Brennglas. Und nicht umsonst als erste Single vorangestellt.

À la douleur de l’aube
Hier arbeitet das Album am deutlichsten mit der großen Leinwand: lange Spannungsbögen, Streicher als atmende Architektur, und eine Art „tragischer Auftrieb“, der nicht tröstet, aber hebt. Laufzeit: 12:46.

🎨 Artwork

Malerei, die wie Musik arbeitet: Adam Burke liefert kein „Black-Metal-Artwork“, er liefert Bewegung. Oben brennt ein Vorhang aus Farbe – rot, violett, bernstein, milchig weiß – und alles läuft nach unten, als würde es tropfen, verdampfen, neu ansetzen. Darunter liegt eine dunkle Bogenform, wie ein Tor, ein Riss oder ein Horizont, der sich nicht festlegen will. Das Schwarz ist kein Hintergrund, es ist Raum.

Und genau so funktioniert Sidera: Schichten statt Konturen, Strömung statt Songform, Lichtfäden, die sich durchs Dunkel ziehen, ohne es zu besiegen. Das Cover verspricht nichts „Böses“ im Comic-Sinn; es verspricht Tragik, Schwere und diese seltsame Schönheit, die erst sichtbar wird, wenn alles andere schon aufgegeben hat. Auf eine eigene Weise einfach wunderschön. (Cover-Painting: Adam Burke.)


🪦 Besondere Momente & Schwächen

Streicher als Struktur, nicht als Deko: Strings sind nicht „Film-Orchester obendrauf“, sondern Bestandteil der Komposition – manchmal Führung, manchmal Widerstand.

Drums als Regie: Icare wirkt nicht nur als Taktgeber, sondern als Dirigent zwischen Schub, Abriss und Atempausen. (Drums/Vocals/Strings als offizielles Band-Rollenprofil.)

Black Metal ohne Standard-Reflexe: Keine Pflicht-Blastbeat-Quote, keine Tremolo-Sehnsuchts-Endlosfahrt – stattdessen freie Form, die sich nur gelegentlich als „Heavy-Metal-Moment“ scharfstellt.

Tragik statt reines Elend: Das Album zielt nicht auf bloße Hässlichkeit, sondern auf Verwandlung. Schmerz wird hier als Rohstoff verstanden, der geschmolzen und neu geformt wird.

🪓 Fazit


Die Band kommt aus Montreal und besteht offiziell aus Annatar (Gitarre/Vocals), Neptune (Gitarre/Bass/Piano/Texte) und Icare (Drums/Vocals/Strings).
Drums und Piano wurden in Wild und Mixart Studios aufgenommen, das Mastering lief über Tehom Productions.

Sidera ist ein Album, das sich nicht über „Härte“ definiert, sondern über Formbewusstsein. Miserere Luminis stellen Black Metal als fließende Komposition aus: Gitarren und Streicher schieben sich wie Strömungen gegeneinander, Drums setzen Landmarken, Vocals erscheinen genau dann, wenn das Bild nach Schnitt verlangt. Das Ergebnis ist groß, dicht und erstaunlich lebendig, weniger „Riff-Sammlung“, mehr „Welt“, die sich beim Hören weiter malt.

Wer atmosphärischen Black Metal als Genre-Routine konsumiert, wird hier nicht bedient. Wer ihn als Kunstform versteht, die Trauer, Wut und Sinnsuche gleichzeitig tragen kann, bekommt mit Sidera ein Werk, das nicht „nur dunkel“ ist, sondern tragisch-erhebend und genau dadurch lange nachleuchtet. Uns hat dieses Album jedenfalls tief beeindruckt.

Albumcover Miserere Luminis – Sidera: abstraktes, malerisches Motiv auf schwarzem Grund; oben ein vertikaler Schwall aus rot-orange-violetten und hellen, irisierenden Farbstreifen, die wie flüssiges Licht herabtropfen; darunter eine dunkle, bogenförmige Form wie ein Tor oder Horizont; insgesamt wirkt es wie Lichtfäden im Nichts.
Künstler:Miserere Luminis
Albumtitel:Sidera
Erscheinungsdatum:6. März 2026
Genre:Atmospheric Black Metal
Label:Debemur Morti Productions
Spielzeit:ca. 52 Minuten

Trackliste:

Les fleurs de l’exil
De cris & de cendres
Aux bras des vagues & des vomissures
À la douleur de l’aube
Dans la voie de nos lumières

🎬 Offizielles Video

Full-Album-Stream zu „Sidera“ – präsentiert von Debemur Morti Productions via Black Metal Promotion auf YouTube:

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