Der Dunkle Turm steckt im Rechte-Labyrinth – Flanagan erklärt die jahrelange Bremse
Roland Deschain muss auf seinem Weg zum Dunklen Turm durch Wüsten, zerstörte Welten und allerlei kosmischen Wahnsinn. Mike Flanagan kämpft offenbar gegen etwas noch Zäheres: die Rechteabteilungen Hollywoods.

Der Regisseur hat jetzt erstmals ziemlich konkret erklärt, weshalb seine seit 2022 geplante Adaption von Stephen Kings Der Dunkle Turm so langsam vorankommt. Allein das Verschieben und Zusammenführen der benötigten Rechte könne mehr als ein komplettes Kalenderjahr dauern. Das Problem liegt ausgerechnet in einer der größten Stärken der Romanreihe: Kings Geschichten hängen überall miteinander zusammen.
📜 Roland gegen das Kleingedruckte
Der Dunkle Turm ist weit mehr als eine abgeschlossene achtbändige Fantasyreihe. Figuren, Orte und Ideen führen quer durch Stephen Kings Werk und berühren Bücher, deren Film- und Fernsehrechte teilweise bei völlig unterschiedlichen Unternehmen liegen.
Genau das macht Flanagans geplante Adaption rechtlich so kompliziert. Zahlreiche Figuren, die für eine möglichst vollständige Umsetzung wichtig werden können, liegen nicht automatisch im selben Rechtepaket wie Roland und seine Reise zum Turm. Was beim Lesen wie ein faszinierendes literarisches Multiversum wirkt, wird damit hinter den Kulissen schnell zur Vertragsarchäologie.
⏳ Ein Jahr für Papier
Flanagan beschreibt die Dimension inzwischen bemerkenswert deutlich. Mehr als ein Kalenderjahr könne allein dafür nötig sein, Rechte zwischen verschiedenen Beteiligten zu bewegen und die notwendigen Vereinbarungen herzustellen.
Dabei gehe es um unterschiedliche Studios und Figuren, die über die Jahre an verschiedensten Stellen Hollywoods gelandet seien. Die Verzögerung hat damit offenbar deutlich weniger mit fehlenden Drehbüchern oder mangelnder Lust zu tun, als es von außen gelegentlich wirken konnte. Flanagan formuliert es selbst drastisch: Die juristische Logistik sei enorm einschüchternd.
🔥 Carrie durfte zuerst brennen
Hinzu kam eine zweite Bremse. Als Flanagan zu Amazon wechselte, lag dort bereits großes Interesse an einer neuen Carrie-Adaption vor. Diese Serie wurde deshalb deutlich schneller priorisiert und umgesetzt. Während Roland weiter durch das Rechte-Labyrinth marschierte, konnte Carrie längst produziert werden und startet am heutigen 7. Oktober bei Prime Video.
Der Unterschied ist fast grotesk: Ein vergleichsweise kompakter King-Roman lässt sich organisatorisch eben erheblich leichter bewegen als ein gigantisches Fantasyepos, das seine Finger in zahlreiche andere Bücher und Adaptionen steckt.
🚚 Der Öltanker rollt
Trotzdem widerspricht Flanagan dem Eindruck, The Dark Tower liege irgendwo vergessen in einer Schublade. Das Projekt werde weiterhin vorangetrieben. Sein schönes Bild dafür: ein Öltanker. Der bewegt sich ebenfalls vorwärts, nur eben nicht besonders elegant und schon gar nicht schnell.
Einen Produktionsbeginn oder Starttermin gibt es weiterhin nicht. Genau das dürfte sich auch kaum ändern, solange die rechtliche Konstruktion nicht weit genug geklärt ist, um aus jahrelanger Entwicklung tatsächlich eine Produktion zu machen.
🌹 Kings Welt wird zum Problem
Ausgerechnet Stephen Kings enorme Vernetzung macht die Sache besonders interessant. Der Dunkle Turm steht im Zentrum eines literarischen Geflechts, in dem Figuren und Motive aus anderen Romanen plötzlich reale Bedeutung für Rolands Geschichte bekommen.
Für Leser ist das großartig. Für eine Serienproduktion bedeutet es möglicherweise, für Figuren oder Elemente verhandeln zu müssen, deren Rechte längst bei anderen Studios gelandet sind.
Eine vollständig werkgetreue Umsetzung kann deshalb nicht einfach so behandelt werden wie die Adaption eines einzelnen Romans. Wer Kings Turm wirklich bauen will, muss womöglich erst einmal ziemlich viele Grundstückseigentümer an einen Tisch bekommen.
🗼 Der Turm steht noch
Die gute Nachricht bleibt deshalb dieselbe, bekommt diesmal aber mehr Substanz: Flanagan hat das Projekt nicht aufgegeben. Er bezeichnet The Dark Tower weiterhin als seine Traumadaption und arbeitet nach eigener Aussage fortlaufend daran.
Neu ist jetzt die Größenordnung des Hindernisses. Mehr als ein Jahr nur für das Verschieben und Klären von Rechten erklärt ziemlich überzeugend, weshalb Fans seit 2022 immer wieder Updates bekommen, ohne dass anschließend plötzlich Kameras laufen.
Vielleicht ist das passend für Der Dunkle Turm. Selbst die Produktion scheint inzwischen einer Reise zu folgen, bei der niemand genau weiß, wie viele Welten noch zwischen Roland und seinem Ziel liegen.





