🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Megadeth – Megadeth
🧿 Kurzfazit
Megadeth ist kein trauriger Museumsrundgang, sondern ein letzter, leicht angeknackster Rundumschlag von Megadave, der mehr Biss hat, als man einer Band mit vier Dekaden auf dem Buckel noch zutrauen würde. Kein neues Rust In Peace, aber ein würdiger Schlussakkord.
🎯 Für wen?
Für alle, die bei Namen wie Peace Sells, Countdown To Extinction und Endgame eher an Riffs als an Dokus denken. Für Thrash-Fans, die klassische Gitarrenarbeit, Gift im Hals und Songs mit klaren Hooks wollen statt achtstimmiger Core-Chöre und Djent-Matten.
🎧 Wie klingt das?
Straffer, trocken komprimierter Thrash Metal mit deutlichem Heavy-Metal-Einschlag, präzisen Riffs, flinken Leads und diesem typischen Mustaine-Sprechgesang irgendwo zwischen Predigt, Giftbrief und Stand-up. Die Produktion zielt hörbar eher auf die Achtziger-Neunziger-DNA als auf moderne Loudness-Wände, ohne altbacken zu wirken.
💿 Highlights
Tipping Point, Let There Be Shred, Puppet Parade, The Last Note
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du von einem Abschiedswerk radikale Neuerfindung erwartest, Mustaines Stimme eh nie mochtest oder dir Thrash nur noch in Form von Retro-Playlists mit Lo-Fi-Coverart antun willst.
🎸 MEGADETH – Megadeth: So Far, So Good… Goodbye
Vier Jahrzehnte lang war Megadave der schlecht gelaunte Sheriff im Thrash-Kosmos: immer einen Tick zu schnell, zu giftig, zu verbittert und genau deshalb so verdammt wichtig. Während andere ihre Legacy längst in Museumsvitrinen ausgestellt haben, kommt Mustaine zum Abschied noch einmal mit einem Album um die Ecke, das einfach „Megadeth“ heißt, Vic in Flammen setzt und damit jede subtile Symbolik höflich aus dem Fenster wirft.
Es ist der Moment, in dem eine der letzten großen Metal-Ikonen den eigenen Vorhang selbst herunterlässt, statt darauf zu warten, dass Körper, Stimme oder Streamingzahlen das übernehmen. Keine Abschiedstour im Reißbrett-Format, kein dreifach aufgeblasenes Best-of, sondern ein letztes Studioalbum, das noch einmal alles aufruft, was diese Band ausgezeichnet – und gelegentlich auch an die Wand gefahren – hat.
Zeit also, das Licht etwas dunkler zu drehen, den Gitarren-Amp aufzureißen und zu schauen, ob Megadeth sich mit dem letzten Schlag wirklich selbst überholen oder „nur“ einen würdigen Schlusspunkt setzen.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Thrash Metal, Heavy Metal
Vergleichbar mit: Peace Sells… But Who’s Buying? im Zeitraffer, gewürzt mit etwas Countdown To Extinction und einem nüchternen Echo der Endgame-Phase.
Klangfarbe: Ein weiß glühender, aber kontrollierter Endspurt: knochentrockene Rhythmusgitarren, klar konturierte Leads, pulsierende Doublebass und ein Mustaine, der eher grimmig erzählt als schreit. Die Produktion von Dave Mustaine und Chris Rakestraw hält das Ganze kompakt und fokussiert, rund 40 Minuten ohne Ballast.
Das Selbstbetitelte nach über vierzig Jahren wirkt wie ein bewusst gezogener Kreis. Megadeth verabschieden sich nicht mit einem Konzeptmonster, sondern mit einem Album, das so tut, als wären wir wieder in einer Zeit, in der die wichtigsten Fragen hießen: Wie schnell sind die Riffs, wie scharf die Soli und wie sehr mischt Vic sich in die Weltpolitik ein.
✨ Highlights
Tipping Point
Der Opener macht sofort klar, dass das kein Abschiedsballaden-Projekt ist. Klassische Megadeth-DNA: sägende Stakkato-Riffs, nervös zuckende Leads, treibende Doublebass und ein Text, der so klingt, als hätte Dave wieder eine Liste mit Namen, die er ordentlich abarbeiten möchte. Der Song ist die Ansage, dass der letzte Sprint kein Schongang wird.
Hey, God?!
Mustaine im vertrauten Modus zwischen Bibelzitat, Straßenecke und Verschwörungsstammtisch. Musikalisch sitzt der Song in der Schnittmenge aus thrashigem Grundgerüst und melodischerem Chorus, der sofort im Ohr bleibt. Man hört, wie sehr Dave dieses halb predigende, halb anklagende Erzählen perfektioniert hat.
Let There Be Shred
Der Titel ist Programm. Hier feiert Megadave sein Lebensmotto in dreieinhalb Minuten: flinker Uptempo-Takt, Solo-Feuerwerk, Hooks, die wie gezielt platzierte Stichflammen wirken. Man spürt, was ihn so lange angetrieben hat und warum er lieber mit erhobenem Plektrum abtritt, bevor die Hände ihn endgültig verraten.
Puppet Parade
Ein Song wie ein böser Jahrmarkt. Rhythmisch griffig, mit einem unterschwelligen Wippen in den Gitarrenfiguren, das sofort an die späten Achtziger erinnert. Hier verschmelzen Nostalgie, politische Seitenblicke und diese leicht zynische Mustaine-Erzählhaltung zu einem der modernsten Stücke des Albums, ohne den alten Sound zu verraten.
The Last Note
Kein epischer Zehnminüter, sondern ein melancholischer, konzentrierter Abschluss, der die Stimmung der Platte zusammenzieht. Eher dunkle Reflexion als Bombast, inklusive der kleinen Textgeste in Richtung eines gewissen anderen Klassikers, den Dave vor langer Zeit mitgeschrieben hat. Es ist ein Ende, das würdevoll wirkt, gerade weil es nicht versucht, größer zu sein als das, was vorher kam.
🎨 Artwork
Feuer im Smoking: Megadeth zeigt Vic Rattlehead als bleichen Totenkopf-Gentleman im makellos weißen Anzug vor fast klinisch weißem Hintergrund. Von links frisst sich eine lodernde Feuerwand in seine Gestalt, die Knochen und Metallteile freilegt, während rechts noch die glatt gebügelte Ansteckblume und der korrekt gezupfte Schlips sitzen, als wäre gleich Hochzeit statt Apokalypse. Die Sonnenbrille, die Nieten, die Kabel an seinem Schädel wirken wie Überreste einer langen Karriere zwischen Kaltem Krieg und Streaming-Ära, eingefroren im Moment des Verbrennens. Oben thront das klassische MEGADETH-Logo in metallischem Grau, nüchtern und stolz, als würde die Band hier ohne viel Deko sagen: Das ist Vic, das sind wir, und genau so fackeln wir das hier Ende mal schön zusammen ab.
🪦 Besondere Momente
Songtitel aus Mustaines Kopfkino: I Am War, Another Bad Day, Made To Kill, Obey The Call – die Mischung aus apokalyptischem Pathos, Alltagsfrust und Gewaltfantasie ist so sehr Mustaine, dass man fast vergisst, wie viele Bands diese Ästhetik später imitiert haben. Hier klingt sie noch wie das Original.
Die „Ride The Lightning“-Geste: Als Bonus legt Dave eine Neuinterpretation von Ride The Lightning hin, dem Song, den er einst mitgeschrieben hatte, bevor die Geschichte eine andere Richtung nahm. Statt Trotz gibt es hier hörbaren Respekt und eine Art späten Handschlag durch die Musik. Ein meta-musikalischer Schlusspunkt, der die eigene Biografie einmal im Kreis führt. Ja, Tränen erlaubt!
Die letzte Note als leise Drohung: In The Last Note schleicht sich diese zwischen den Zeilen stehende Botschaft ein: Die Band mag aufhören, aber das, was sie losgetreten hat, läuft weiter. Man hört keinen kapitulierten Rentnerchor, sondern einen älter gewordenen, wunderbar starrsinnigen Thrash-Erzähler, der selbst im Abschied noch Zähne zeigt.
🪓 Fazit
Megadeth waren nie die einfache Erfolgsgeschichte, sondern immer der leicht schiefe Zweig am Thrash-Stammbaum. Gegründet 1983, nachdem Dave Mustaine bei Metallica rausgeflogen war, entwickelte sich die Band in kurzer Zeit zu einer der prägenden Größen des Genres. Alben wie Peace Sells… But Who’s Buying?, Rust In Peace, Countdown To Extinction und Youthanasia definierten, wie präzise, politisch geladene und technisch angriffslustige Metal-Musik klingen konnte.
Die Nuller und Zehner sahen eine erstaunliche Spätphase mit Platten wie Endgame, Dystopia und The Sick, the Dying… and the Dead!, in denen Mustaine seinen Hang zu detailverliebter Gitarrenarbeit noch einmal mit frischem Personal kombinierte. Das finale Line-up mit Dave Mustaine, Teemu Mäntysaari, James LoMenzo und Dirk Verbeuren ist so etwas wie die letzte Evolutionsstufe dieser Idee: technisch makellos, aber immer dem Song verpflichtet.
Dass Megadeth nun ausdrücklich als letztes Album angekündigt wurde, liegt nicht an fehlenden Ideen, sondern vor allem an Mustaines Gesundheit. Handprobleme, Arthritis, Rücken und Nacken: Der Körper bekommt die Rechnung für vier Jahrzehnte Thrash im Hochleistungsmodus. Statt sich langsam auf mittelmäßige Nostalgie-Shows herunterzuspielen, zieht Megadave die Reißleine und beendet die Geschichte mit kontrolliertem Donner und einem Abschied auf Augenhöhe mit dem eigenen Mythos.
Megadeth ist kein neues Kapitel, sondern der Deckel auf einer ohnehin übervollen Chronik. Das Album versucht nicht, die glorreichen Klassiker zu übertreffen, sondern sie zu spiegeln. Mal gelingt das brillant, etwa in Tipping Point und Let There Be Shred, mal hört man, dass die Luft bei einzelnen Refrains und Midtempo-Passagen ein wenig dünn geworden ist.
Entscheidend ist: Das hier ist kein peinlicher Spätversuch, sondern ein konzentrierter Abschied. Die Band spielt mit Feuer im Tank, die Gitarren leuchten, die Rhythmussektion steht wie eine Mauer und Mustaine klingt, als hätte er noch einmal all das herausgepresst, was seine Hände und seine Stimme hergeben wollten, bevor der Vorhang fällt.
Für Thrash-Fans und alle, die mit Megadeth aufgewachsen sind, ist dieses Album weniger eine Pflichtübung als ein Abschiedsritual. Wer hier einsteigt, bekommt einen kompakten Querschnitt durch das, was diese Band ausgemacht hat. Wer schon lange dabei ist, hört eine späte, leicht verhärtete, aber ehrliche Umarmung.
Am Ende bleibt vor allem eins: Danke, Dave. Für all die Riffs, für all die Streitigkeiten, für all die übertriebenen Albentitel und für eine Karriere, die wie dieses Album klingt: unperfekt, kantig, aber völlig unverwechselbar.
Wir werden dich unglaublich vermissen.

| Künstler: | Megadeth |
| Albumtitel: | Megadeth |
| Erscheinungsdatum: | 23. Januar 2026 |
| Genre: | Thrash Metal / Heavy Metal |
| Label: | BLKIIBLK / Tradecraft |
| Spielzeit: | ca. 41 Minuten |
Tipping Point
I Don’t Care
Hey, God?!
Let There Be Shred
Puppet Parade
Another Bad Day
Made To Kill
Obey The Call
I Am War
The Last Note
Ride The Lightning (Bonus Track, Metallica-Cover)
🎬 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „Let There Be Shred“, einer der prägnantesten Singles aus dem Abschiedsalbum Megadeth. Geboten wird klassischer Thrash mit giftigen Hooks, bereitgestellt über den offiziellen Megadeth-Channel auf YouTube:
Mehr Album-Reviews für dich?
Dieses Review war für dich cool und du würdest gerne mehr lesen? Reviews aus sämtlichen Spielarten der Fantasy Musik findest du auf unserer Fantasy Alben Seite.



