Maxym M. Martineau – House of Blight (Rezension)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Maxym M. Martineau – House of Blight

📚 Kurzfazit
House of Blight ist saubere, professionell gemachte Gothic-Romantasy: starke Idee (Heilmagie frisst Lebenszeit), schickes Herrenhaus, kranke Faefamilie, solide Spannung. Gleichzeitig merkt man dem Buch an, dass es vor allem als Genre-Produkt gedacht ist – effizient, lesbar, aber selten wirklich mutig.

😒 Was nervt?
Das Setup schreit nach maximaler moralischer Härte, aber der Text traut sich selten komplett durchzuziehen. Viele Konflikte landen auf bekannten Romantasy-Schienen: gefährlicher Feenlord, großes Geheimnis der Familie, „ich opfere mich, aber bitte hübsch“. Das Pacing stolpert zwischendurch – zu viel Wiederholung im Haus, zu viel Kompression im Finale.

✨ Was funktioniert?
Die Threadmender-Magie ist ein starkes Bild: jede Heilung kostet Lebenszeit, sichtbar in Fäden, die Edira sieht und neu verknüpft. Dazu ein bedrückendes Manor, eine Seuche, die die Welt auffrisst, und ein Faeadel, dessen Macht deutlich über dem Dorfniveau hängt. Als stimmungsvoller Romantasy-Seuchenroman liefert das Buch ordentlich.

🧠 Figuren und Welt
Edira ist als Protagonistin klar gezeichnet: müde, verbissen, loyal bis zur Selbstvernichtung. Orin Fernglove ist der erwartbare, kontrollierte, charismatische Ever-Fae-Lord, funktional, aber nah an der Genre-Schablone. Die übrigen Ferngloves liefern Misstrauen, Arroganz und ein paar nette Abgründe, bleiben aber überwiegend Typen. Die Welt drumherum (Seuche, Blight, Ever vs. Sterbliche) wirkt solide, ohne zu überfordern.

🐦 Crowbah meint
Schön schimmriges Seuchen-Herrenhaus mit brauchbarem Magiesystem, aber relativ vorhersehbarem Romantasy-Autopiloten. Wer genau so etwas sucht, wird gut bedient. Wer auf echte Grenzüberschreitungen hofft, bekommt eher „sehr ordentliches Programm“ als „heilige Offenbarung“.

🕸️ Maxym M. Martineau – House of Blight: Seuchenmagie im Feen-Herrenhaus

Gothic Romantasy, Farbschnitt, dunkler Seuchennebel, dazu eine Heilerin, die bei jedem Zauber Lebenszeit verliert. House of Blight klingt auf dem Papier nach perfektem Stoff für ein schön giftiges Fantasykosmos-Review. Am Ende steht ein Buch, das vieles richtig ansetzt: starkes Kernkonzept, ordentliches Worldbuilding, atmosphärisches Setting. Es bleibt aber genau dort stehen, wo es spannend wird, und reicht deshalb „nur“ für einen soliden Dreier.


🧭 Worum geht’s eigentlich?

Edira Brillwyn ist eine Threadmender, eine Heilerin, die die Lebensfäden anderer sehen und reparieren kann. Jeder Eingriff rettet Leben, frisst aber ein Stück von ihrem eigenen. Deswegen hat sie ihre Gabe immer versteckt, vor allem vor den mächtigen Nachbarn: der Fernglove-Familie, einem reichen Ever-Clan (im Prinzip Feenadel), der Minen, Magie und halbe Politik kontrolliert.

Als ihre beiden Brüder an einer tödlichen Seuche erkranken – der Blight –, bleibt Edira nichts anderes übrig, als zu handeln. Sie nutzt ihre Magie, wird dabei entdeckt und landet prompt im Fokus von Orin Fernglove, dem unsterblichen Oberhaupt des Hauses. Orin schlägt den klassischen Teufelspakt vor: Edira kommt mit auf das Familienanwesen, hilft, ein Heilmittel zu erforschen, und im Gegenzug verlangsamt er den Verfall der Brüder.

Im Fernglove Manor gerät Edira in ein Geflecht aus Intrigen, Geheimnissen und höflicher Bedrohung. Die Ever-Familie präsentiert sich nach außen makellos, doch je länger Edira in den kranken Mauern lebt, desto deutlicher wird, dass der Blight nicht das einzige ist, was hier fault. Während sie zwischen Laboren, Bibliothek und Krankenstuben hin- und hergerissen ist, wird immer klarer: Ihre Macht ist für die Ferngloves nicht Hilfe, sondern Ressource. Und am Ende wird Edira entscheiden müssen, wen sie rettet und wen sie fallen lässt.

🔍 Stärken & Schwächen

🖋 Stil

Martineau schreibt flott, zugänglich und dialogstark. Man fliegt durch die Kapitel, ohne über holprige Sätze zu stolpern. Die Beschreibungen des Hauses, der Krankheit und der Magie funktionieren gut, ohne übermäßig blumig zu werden. Gleichzeitig fehlt dem Text eine wirklich eigene sprachliche Note. Er ist professionell, aber selten bemerkenswert.

🧍‍♂️ Figuren

Edira funktioniert: Sie ist keine unzerstörbare Superheilerin, sondern jemand, der spürbar müde wird, zynisch reagiert und trotzdem nicht aufhören kann, andere zu retten. Ihr Konflikt zwischen Selbstschutz und Verantwortung trägt viele Szenen problemlos.

Orin Fernglove erfüllt die Rolle des distanziert-charismatischen Ever-Lords, der mehr weiß, als er sagt. Er ist nicht peinlich gezeichnet, aber auch kein Gamechanger, die Figur fühlt sich an wie eine gut konstruierte, aber bekannte Romantasy-Bausteinform. Die Nebenfiguren im Haus sind brauchbare Stichwortgeber für Misstrauen, Bedrohung und familiäre Katastrophen, ohne lange im Kopf zu bleiben.

❤️ Romance

House of Blight ist offen als „dark and spicy enemies-to-lovers“ positioniert und genau so liest es sich: angespannte Dialoge, Training, unterschwellige Anziehung, einzelne schärfere Szenen. Die Romantik-Komponente erfüllt die Erwartungen des Subgenres, bleibt aber im Rahmen. Wirklich überraschende Dynamiken oder harte moralische Brüche zwischen Edira und Orin gönnt sich der Roman selten; vieles wirkt wie sauber abgearbeitete Tropen-Liste.

🕒 Tempo und Aufbau

Die Grundstruktur ist klassisch: Einleitung im Dorf, Krankheit, Deal mit Orin, Ankunft im Haus, Verschärfung der Lage, Enthüllungen, explosive Schlussphase. Dazwischen gibt es immer wieder ruhige Szenen, in denen Edira ihre Arbeit macht, das Haus erforscht oder mit einzelnen Familienmitgliedern aneckt.

Problematisch ist weniger die Anordnung als die Gewichtung: Einige Motive, insbesondere Ediras innere Zerrissenheit und die tägliche Routine im Manor, werden sehr ausführlich ausgespielt, während später mehrere große Enthüllungen im Schnellfeuer abgehandelt werden. Das ist spannend, kostet aber Tiefe. Man spürt, dass hier eine Duologie vorbereitet wird, in der ein Teil der wirklich kniffligen Konsequenzen in Band 2 verlagert wird.

✨ Atmosphäre und Welt

Hier punktet das Buch klar. Die Threadmender-Gabe – Lebensfäden sehen, knüpfen, opfern – ist ein prägnantes, visuelles Konzept. Die Seuche als ständiger Schatten über Stadt und Haus, das bröckelnde Herrenhaus mit seinen Geheimnissen, die Ever-Macht, die fast schon selbstverständlich über Menschenleben verfügt: all das erzeugt einen soliden Gothic-Druck.

Die Magie der Evers (Sterne verschieben, großflächige Eingriffe, alte Macht) bleibt dagegen eher im „cooler Vibe“ stecken. Man bekommt genug, um das Setting zu tragen, aber nicht genug, um wirklich das Gefühl zu haben, ein komplexes System zu durchschauen. House of Blight arbeitet eher mit symbolischer Logik als mit strenger Regelmagie, für Romantasy völlig okay, für hartgesottene Magic-Nerds etwas dünn.


📜 Fazit:

House of Blight ist kein Fehlgriff, sondern ein ziemlich typischer Vertreter der aktuellen Gothic-Romantasy-Welle, mit ein paar interessanten eigenen Akzenten. Die Threadmender-Idee und der Seuchen-Background heben das Buch sichtbar vom x-ten Akademieklon ab, das Herrenhaus-Setting funktioniert, und Edira ist als Figur stabil.

Aber: Der Roman bleibt deutlich hinter seinem Potential zurück. Aus dem Zusammenspiel von Lebenszeit-Magie, Faeadel, Seuche und Familienhorror hätte man etwas wirklich Verstörendes machen können. Stattdessen bremst das Buch sich selbst immer wieder ein, um „romantasy-kompatibel“ zu bleiben. So bleibt unter dem Farbschnitt am Ende: ein solides, gut lesbares, aber nicht unverzichtbares Stück Genreware.

🌟 Bewertung

Varanthis-Skala: ★★
„Seuchenmagie mit Biss, aber gewiss kein Haus, das in die Fantasy-Architekturgeschichte eingehen wird.“

Cover von House of Blight: dunkles, grün-schwarzes Motiv mit der Silhouette eines Frauenkopfs, darin ein unheimliches viktorianisches Herrenhaus vor Tannenwald, goldene Insekten und der Titel House of Blight in großer goldener Schrift.

Autorin: Maxym M. Martineau
Titel: House Of Blight
Reihe: Die Threadmender-Chroniken, Band 1
Verlag: LEAF Verlag
Übersetzung: Michaela Link
Seitenanzahl: 420 (Gebundene Ausgabe)
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-3-911244-47-3

Leseprobe, symbolisiert durch ein aufgeschlagenes, antikes Buch.
Offizielle Leseprobe zu Maxym M. Martineau – House of Blight auf der Verlagsseite von Leaf.
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