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Matt Dinniman – Carl’s Doomsday Scenario
📚 Kurzfazit
Carl’s Doomsday Scenario ist der zweite Treffer einer Reihe, deren Beschreibung eigentlich viel zu dumm klingt, um so gut zu funktionieren, wie sie es zweifellos tut. LitRPG, Killerclowns, Dungeon-KI, Ruinenstadt, Princess Donut und Carl ohne Hose. Daraus wird ein brutaler, witziger, erstaunlich cleverer Überlebensrausch.
😒 Was kratzt
Klar eigentlich: Wer LitRPG grundsätzlich hasst, wird auch hier nicht plötzlich Weihrauch über dem Controller schwenken. Stats, Achievements, Levelmechaniken und Systemmeldungen gehören fest zum Motor. Man muss diese Sprache akzeptieren, sonst sitzt man im falschen Dungeon.
✨ Was funktioniert
Der Ton. Dinniman verbindet Krawall, Schmerz, Spielmechanik und Satire so gut, dass der Roman nie nur Nerd-Karneval bleibt. Unter jedem Witz lauert die Frage, wie viel Mensch übrig bleibt, wenn das eigene Sterben zur Show wird.
🐈 Carl und Donut (und Mongo)
Carl ist der verzweifelte Geradeausmensch im Wahnsinn, Princess Donut die selbstverliebte Katzenkönigin des Chaos — und Mongo der kleine Velociraptor, der beweist, dass selbst die Haustierfrage im Dungeon sofort zur Gefahrenstufe wird. Zusammen sind sie nicht nur ein Gag-Trio, sondern das emotionale Rückgrat einer Welt, die alles in Punkte, Likes und Leichen verwandeln will.
🐦 Crowbah meint
Eine zerstörte Oberstadt, Untoten-Zirkus, tödliche KI und keine Hose. Endlich ein Fantasyroman, der den Zustand moderner Zivilisation angemessen dokumentiert.
Matt Dinniman – Carl’s Doomsday Scenario: Killerclowns, Dungeon-KI und immer noch keine Hose
Ja, Carl hat die Apokalypse überlebt, aber das ist in dieser Reihe bekanntlich kein Trost, sondern nur eine schlechte Bewertung im System. Die Erde ist zerlegt, der Dungeon läuft, die Zuschauerzahlen steigen, und irgendwo in den kalten, glitzernden Tiefen einer völlig entfesselten Alien-Unterhaltungsindustrie sitzt eine KI, die offenbar beschlossen hat, Sadismus, Game Design und Moderationsstimme zu einem neuen Kunsthandwerk zu verschmelzen. Matt Dinnimans Carl’s Doomsday Scenario macht dort weiter, wo Dungeon Crawler Carl bereits die Tür aus den Angeln getreten hat: mit Carl, Princess Donut, absurden Achievements, tödlichen Leveln, grotesken Gegnern und jener speziellen Form von Katastrophenhumor, bei der man lacht, obwohl im Hintergrund gerade wieder jemand von einer Spielmechanik zermahlen wird.
Band 2 hat einen klaren Auftrag: größer, härter, kaputter. Die Trainingsphase ist vorbei. Jetzt beginnt das eigentliche Spektakel. Die Oberstadt wartet, eine verwüstete Metropole voller Ruinen, Untoter, Killerclowns und alter Geheimnisse. Die Dungeon-KI dreht weiter am Eskalationsrad, die Fans wollen Blut, die Quoten wollen Drama, und Carl trägt immer noch keine Hose. Und als wäre eine sprechende Showkatze mit Adelstitel noch nicht genug Eskalation im Haustierregal, kommt jetzt auch noch Mongo dazu: ein kleiner Velociraptor, der weniger nach niedlichem Begleiter klingt als nach einer sehr schlechten Wahl mit beachtlichen Krallen. Natürlich hat er Princess Donut Muttergefühle geweckt. Natürlich. Wer sonst würde in der Apokalypse ein Dino-Haustier führen, als sei das nur eine leicht überambitionierte Erweiterung des persönlichen Hofstaats?
Das ist natürlich vollkommen albern. Und genau darin liegt die Gefahr, denn Carl’s Doomsday Scenario ist nicht gut, obwohl es albern ist. Es ist gut, weil es seine Albernheit als Tarnpanzer benutzt. Unter dem Gebrüll, den Lootboxen, den absurden Systemmeldungen und Princess Donuts grandiosem Katzen-Ego arbeitet diese Reihe mit einem erstaunlich präzisen Kern: Menschen werden zu Content, Leid wird zu Unterhaltung, Überleben wird gamifiziert, und irgendwo zwischen Explosion und Achievement-Mülltonne versucht ein Mann, seine Würde nicht ganz an ein Publikum zu verlieren, das ihn am liebsten spektakulär sterben sehen würde.
🧭 Worum geht’s eigentlich?
Die Erde ist nicht einfach untergegangen. Sie wurde in ein System verwandelt. Die Überlebenden müssen sich durch einen Dungeon kämpfen, der zugleich Spiel, Hinrichtung, Reality-Show, Sportereignis und intergalaktisches Geschäftsmodell ist. Wer überlebt, steigt auf. Wer spektakulär überlebt, wird beliebt. Wer beliebt ist, bekommt bessere Chancen. Und wer langweilt, ist vermutlich bald nur noch Dekoration.
Carl und Princess Donut haben den Einstieg überstanden. Das Tutorial ist vorbei, die Regeln sind klar genug, um sie zu fürchten, und die Dungeon-KI zeigt immer deutlicher, dass sie nicht nur ein Programm ist, sondern ein Unterhaltungsmonster mit reichlich Sadismus und einem problematischen Sinn für Comedy.
In Carl’s Doomsday Scenario führt der Weg in die Oberstadt: eine verwüstete Metropole, die einmal geblüht haben mag, nun aber als tödliches Spielfeld dient. Die Straßen sind voller Gefahren, ein untoter Zirkus zieht durch die Ruinen, alte Magie schlägt durch die Spieloberfläche, und überall wartet die nächste Katastrophe darauf, als Quest, Achievement oder finaler Fehler verpackt zu werden.
Und dann ist da jetzt auch noch Mongo. Mongo ist Princess Donuts kleiner Velociraptor, also genau die Art Haustier, die in einem normalen Mietvertrag vermutlich schon im ersten Absatz unter „nicht gestattet, auch nicht nach Rücksprache“ auftauchen würde. Im Dungeon dagegen wirkt ein kleiner Dino fast logisch. Natürlich braucht die sprechende Showkatze mit Adelstitel ein prähistorisches Begleittier. Natürlich wird daraus kein ruhiger Familienmoment, sondern eine weitere Eskalationsquelle mit Krallen, Zähnen und erstaunlich viel Fanpotenzial.
Carl muss nicht nur kämpfen. Er muss noch besser verstehen, wie dieses System tickt. Er muss überleben, ohne sich vollständig in die Logik des Spiels hineinziehen zu lassen. Princess Donut wiederum stolziert durch das Ende der Welt, als sei es eine schlecht organisierte Katzenausstellung mit zu wenig Applaus. Und Mongo macht das Trio endgültig zu einer jener absurden Figurenkonstellationen, bei denen man erst lacht und dann merkt, dass sie emotional besser funktioniert, als sie nach gesundem Menschenverstand dürfte.
Daraus entsteht der eigentliche Reiz: Dungeon Crawler Carl ist nicht nur LitRPG über Kämpfe und Level. Es ist eine böse Show über Macht, Zuschauer, Quoten und die Frage, ob Würde noch möglich ist, wenn das Universum dich als Unterhaltungsformat gebucht hat. Carl, Donut und Mongo sind dabei nicht bloß Crawler mit Haustierbonus. Sie sind eine kleine, völlig irre Überlebensgemeinschaft in einer Maschine, die alles in Punkte, Likes und Leichen verwandeln will.
🔍 Stärken & Schwächen
🖋 Stil
Matt Dinniman schreibt wie jemand, der sehr genau weiß, dass seine Prämisse jederzeit gegen die nächste Wand aus Absurdität knallen könnte und deshalb vorsichtshalber Vollgas gibt. Carl’s Doomsday Scenario lebt von Tempo, Pointen, Systemmeldungen, grotesken Gegnern und einer Sprache, die zwischen Gamer-Sarkasmus, Katastrophenbericht und wütendem Überlebensprotokoll hin und her springt. Das könnte leicht nerven. Tut es aber tatsächlich erstaunlich selten.
Der Grund ist einfach: Dinniman hat Timing. Die Gags kommen schnell, aber nicht zufällig. Die Gewalt ist überdreht, aber nicht folgenlos. Die Spielmechanik wirkt albern, bekommt aber erzählerisches Gewicht. Ein Achievement ist hier nicht nur ein Witzfenster im Text, sondern eine Erinnerung daran, dass Carls Leben von außen bewertet wird. Jede Systemmeldung ist zugleich Kommentar, Demütigung und Machtdemonstration.
Der Stil funktioniert besonders gut, weil er seine eigene Schamlosigkeit kennt. Dinniman versucht nicht, LitRPG zu veredeln, indem er tut, als sei das alles eigentlich sehr feine Hochfantasy mit ein paar Zahlen am Rand. Nein. Er geht hinein in den Krach. Er nimmt Loot, Level, Skills, Quests, Fans und Zuschauerzahlen und macht daraus eine literarische Abrissbirne. Das Buch ist laut, ordinär, wild und manchmal bewusst geschmacklos. Aber es ist nicht dumm. Gerade dieser Unterschied ist wichtig. Schlechter Krawall ist nur Krach. Carl’s Doomsday Scenario ist Krach mit geschickter Konstruktion.
🧍♂️ Figuren
Carl funktioniert als Hauptfigur deshalb so gut, weil er kein klassischer Power-Fantasy-Held ist. Er ist kein Mann, der ins Abenteuer wollte. Er wurde in eine mörderische Show geworfen, hat zu wenig Kleidung, zu viele Feinde und eine Katze an seiner Seite, die vermutlich auch beim Jüngsten Gericht zuerst die Bühnenbeleuchtung kritisieren würde.
Seine Stärke liegt nicht in Coolness. Sie liegt in Sturheit, Improvisation und einem moralischen Kern, der im Dungeon ständig unter Druck gerät. Carl versteht zunehmend, dass dieses System ihn formen will. Es will ihn brutaler machen, berechenbarer, spektakulärer, marktfähiger. Es will aus seinem Überleben ein Format machen. Und Carl wehrt sich dagegen nicht mit großen Reden, sondern mit jener hartnäckigen Weigerung, komplett zum Produkt zu werden.
Princess Donut bleibt der glitzernde Wahnsinn im Zentrum. Eine sprechende Katze mit Adelstitel, Ego, Bühneninstinkt und beleidigender Präzision hätte sehr leicht zur reinen Meme-Figur verkommen können. Stattdessen ist sie einer der Gründe, warum die Reihe emotional hält. Donut ist absurd, selbstverliebt und dramatisch, aber sie ist nicht leer. Ihre Beziehung zu Carl ist komisch, ja, aber auch seltsam rührend. In einer Welt, die alles verwertet, ist ihre Bindung eines der wenigen Dinge, die nicht vollständig vom System kontrollierbar wirken.
Und dann kommt Mongo. Mongo ist Donuts kleiner Velociraptor, also genau die Sorte Haustier, die in jeder vernünftigen Welt sofort mehrere Formulare, drei Warnschilder und einen neurotischen Tierarzt auf den Plan rufen würde. Im Dungeon wirkt er dagegen fast folgerichtig. Natürlich bekommt ausgerechnet Donut ein prähistorisches Begleittier. Natürlich wird daraus kein niedlicher Bonus am Rand, sondern eine weitere Eskalationsstufe dieser ohnehin völlig überdrehten Überlebensgemeinschaft.
Das Entscheidende ist: Mongo ist nicht nur ein Gag mit Krallen. Er erweitert die Figurenkonstellation. Carl ist der überforderte, aber moralisch hartnäckige Mensch. Donut ist die königliche Showkatze mit Ego und Herz unter dem Glitzerpanzer. Mongo ist die chaotische kleine Bestie, die aus dieser Zweierbeziehung ein absurdes Familienmodell im Dungeon macht. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, dass Carl und Donut einander durchbringen. Sie müssen auch dieses gefährliche, liebgewonnene, völlig unmögliche Wesen schützen, führen und irgendwie in einem System am Leben halten, das alles Lebendige entweder verwerten oder zerreißen will.
Genau dadurch bekommt Band 2 mehr emotionale Farbe. Carl, Donut und Mongo sind nicht bloß eine schräge Party aus Mensch, Katze und Dino. Sie sind eine kleine Gegenordnung zur Dungeon-Logik. Das System will Rollen, Quoten, Kämpfe und spektakuläre Tode. Dieses Trio produziert stattdessen Bindung, Loyalität und jenen herrlichen Unsinn, der manchmal stärker wirkt als jede epische Rede.
Band 2 vertieft diese Dynamik, weil Carl, Donut und Mongo nicht mehr nur reagieren. Sie werden Figuren im Blickfeld eines Publikums. Sie haben Fans, Gegner, Erwartungen. Das macht jeden Schritt gefährlicher. Überleben allein reicht nicht mehr. Sie müssen überleben, während alle zusehen.
Und genau dort findet Dinniman seinen stärksten Figurenhebel: Carl, Donut und Mongo sind nicht einfach Crawler mit Haustierbonus. Sie sind unfreiwillige Stars einer Todesmaschine und zugleich der Beweis, dass selbst in einem Dungeon aus Quoten, Blut und System-Sadismus so etwas wie Familie entstehen kann.
🕒 Tempo und Aufbau
Carl’s Doomsday Scenario hat kein Interesse daran, lange am Eingang der Oberstadt herumzustehen und die Ruinen poetisch auszumessen. Der Roman wirft seine Figuren hinein und lässt die nächste Gefahr bereits hupen, kreischen oder jonglierend aus einem Untoten-Zirkuswagen fallen.
Das Tempo ist hoch, manchmal absurd hoch. Kämpfe, Systemmeldungen, neue Gegner, neue Regeln, neue Gefahren, neue Belohnungen, neue Katastrophen. Der Roman ist so gebaut, dass immer etwas passiert. Das passt perfekt zur Logik des Dungeons, denn Stillstand ist in dieser Welt nicht Ruhe, sondern meist nur der Moment, bevor das System eine besonders dumme Todesart auspackt. Der große Vorteil: Es wird selten langweilig. Dinniman hat ein fast unanständiges Gespür dafür, wann eine Szene kippen muss, wann ein Gegner auftauchen darf, wann ein Gag die Spannung bricht und wann aus dem Gag wieder echter Druck wird.
Der Nachteil: Wer ruhige Entwicklung, lange atmosphärische Passagen und stille Zwischentöne sucht, wird gelegentlich atemlos auf dem Boden liegen und nach einem Pausenmenü suchen. Der Roman gönnt sich zwar emotionale Momente, aber er lässt sie selten lange unbehelligt. Irgendwo ruft immer das nächste Level. Für diese Reihe ist das allerdings keine Schwäche, sondern Teil der Form. Dungeon Crawler Carl ist kein Spaziergang durch ein ausgearbeitetes Sekundärweltmuseum. Es ist ein Überlebensformat mit Bosskampf, Quote und schlechter Laune.
✨ Atmosphäre und Welt
Die Oberstadt ist ein großartiger Schauplatz, weil sie mehrere Dinge gleichzeitig kann. Sie ist Ruine, Level, Mythos, Bühne und Todeszone. Eine einst blühende Metropole wird zur Arena, ihre Geschichte wird als Spielmaterial missbraucht, und durch die Straßen zieht ein untoter Zirkus, der die Absurdität dieser Welt wunderbar bündelt: Horror, Klamauk, Spektakel und Verfall in einem einzigen schiefen Wagenzug.
Das ist Dinnimans Stärke. Er nimmt Motive, die einzeln albern wirken könnten, und schichtet sie so, dass sie eine eigene groteske Atmosphäre bekommen. Killerclowns in einer Ruinenstadt? Ja, natürlich. Explosionen? Selbstverständlich. Alte Magie? Her damit. Eine KI, die jedes Grauen mit Kommentarton versieht? Unbedingt. Carl ohne Hose? Leider kanonisch. Aber unter diesem Irrsinn liegt eine erstaunlich moderne Düsternis. Die Welt von Carl’s Doomsday Scenario ist nicht nur ein Dungeon. Sie ist eine Karikatur unserer Unterhaltungslogik. Alles wird bewertet. Alles wird gefilmt. Alles braucht Publikum. Leid ohne Reichweite ist verschwendetes Leid. Wer überlebt, muss sichtbar überleben. Wer fällt, sollte wenigstens gut fallen.
Genau deshalb wirkt die Reihe stärker, als ihre Oberfläche vermuten lässt. Dinniman zeigt eine Welt, in der Apokalypse und Showgeschäft ununterscheidbar geworden sind. Das ist grotesk. Und leider nicht völlig aus der Luft gegriffen.
🎮 LitRPG ohne Ausrede
Ach ja, genau. Wir müssen noch kurz über LitRPG sprechen, weil Carl’s Doomsday Scenario nicht trotz seiner Spielmechanik funktioniert, sondern durch sie. Viele Leser zucken bei Statuswerten, Achievements und Dungeon-Regeln innerlich zusammen, als hätte ihnen jemand eine komplexe Bedienungsanleitung in den Roman geklebt. Verständlich. Das Genre kann schnell wirken, als hätte jemand ein Rollenspielprotokoll mit Dialogen versehen und dann ganz frech „Roman“ darauf geschrieben.
Dinniman umgeht dieses Problem, indem er die Mechanik erzählerisch auflädt. Das System ist nicht nur Struktur. Es ist Gegner, Erzähler, Zirkusdirektor, Marktlogik und sadistischer Spielleiter zugleich. Wenn Carl ein Achievement bekommt, ist das nicht nur Belohnung, sondern Beschämung. Wenn Werte steigen, steigt nicht nur Kampfkraft, sondern auch die Frage, wie weit der Mensch im Spielkörper verschwindet. Wenn Fans reagieren, wird Überleben zur Performance.
Dadurch wird LitRPG hier nicht zur Nerdtapete, sondern zum Thema. Der Dungeon ist ein Spiel, aber das Spiel ist eine Herrschaftsform. Wer die Regeln kontrolliert, kontrolliert die Körper. Wer die Belohnungen verteilt, formt Verhalten. Wer das Publikum hat, besitzt Macht.
Das ist deutlich klüger, als der Klappentext zunächst vermuten lässt.
📜 Fazit: Die Apokalypse hat ein Publikum und das will Nachschub
Matt Dinnimans Carl’s Doomsday Scenario ist genau der zweite Band, den diese Reihe braucht: größer, härter, wilder und sicher genug, um den Wahnsinn nicht nur zu wiederholen, sondern auszubauen. Die Oberstadt ist ein starker Schauplatz, der untote Zirkus liefert grotesken Horror, die Dungeon-KI bleibt ein grandios widerwärtiger Motor, und Carl sowie Princess Donut wachsen weiter in ihre Rolle als unfreiwilliges Zentrum einer galaktischen Todesunterhaltung.
Das Buch ist nicht fein. Es will auch nicht fein sein. Es ist laut, blutig, frech, manchmal völlig überdreht und so voller Systemmeldungen, Gegner, Gags und Katastrophen, dass klassische Fantasy nebenan kurz ihren Mantel glattstreicht und beleidigt den Raum verlässt. Aber unter dem Krach arbeitet ein erstaunlich präzises Gespür für Satire, Figur und Eskalation.
Dinniman versteht, dass sein stärkster Einfall nicht der Dungeon ist. Es ist das Publikum. Carl kämpft nicht nur gegen Monster, sondern gegen einen Markt, der sein Überleben verwertet. Genau dadurch bekommt die Reihe ihre schärfste Kante. Aus dem Spiel wird Kritik. Aus dem Witz wird Wut. Und der komische Mann mit Katze entwickelt sich zu einer Figur, die sich immer stärker weigert, nur Content zu sein.
Natürlich bleibt das Geschmacksfrage. Wer mit LitRPG, Gamer-Humor und grotesker Dauereskalation nichts anfangen kann, wird hier nicht bekehrt, sondern vermutlich vom ersten Clown zurück zur Tür begleitet. Aber wer bereit ist, diese verrückte Maschine anzunehmen, bekommt einen der unterhaltsamsten, bissigsten und erstaunlich cleveren Fantasy-Krawalle der aktuellen Veröffentlichungen.
Für uns beim Fantasykosmos ist das ein Pflichttermin. Nicht, weil LitRPG plötzlich automatisch literarischer Goldstaub wäre, sondern weil Carl’s Doomsday Scenario zeigt, wie viel Energie in diesem Genre stecken kann, wenn jemand Rhythmus, Figuren, Satire und Wahnsinn wirklich beherrscht.
🌟 Bewertung
Varanthis-Skala: ★★★★☆
„Ein krachender zweiter Dungeon-Lauf voller Killerclowns, Katastrophenhumor, System-Sadismus und Princess Donut. LitRPG als brutale Reality-Show-Satire mit Herz, Hosenmangel und erstaunlich scharfen Zähnen.“

Autor: Matt Dinniman
Titel: Carl’s Doomsday Scenario (Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe)
Reihe: Dungeon Crawler Carl, Band 2
Verlag: FISCHER Tor
Übersetzung: Ruggero Leo
Seitenanzahl: 448 Seiten, großformatiges Paperback / Klappenbroschur
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-3-596-71249-6
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